Parish v. Municipality: Maintenance of Public Foot Right-of-Way Under Servitude
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertA church parish filed a claim with the administrative authority seeking to compel a municipality to perform maintenance work on a fence related to a public foot right-of-way established on the parish's land by a 1906 servitude contract, which stipulated the municipality's responsibility for continuous path maintenance and "maintenance of the facilities." The Administrative Court, after consulting with the Cantonal High Court, denied administrative jurisdiction, reasoning that while the path was dedicated to public use through a servitude, the underlying legal relationship concerning the existence, content, and maintenance obligations of the specific right-of-way remained a private-law matter (a public servitude, or *Gemeindedienstbarkeit*, under civil code). Consequently, the dispute over the maintenance burden falls under the jurisdiction of the civil courts, and the case was referred to the High Court for a decision on jurisdiction and subsequent forwarding to the competent civil court.
Legislator-Regeste
AmtlichFeststellung der Zuständigkeit gemäss Art. 8 Abs. 2 VRPG (Schreiben des Regierungsstatthalteramts Biel/Bienne vom 16. Februar 2017) | Zuständigkeit
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KI-generiertThe decision mandates sending the files to the Obergericht following the determination of jurisdiction, as stipulated by this article.
This article is cited to justify the court's composition in competence conflict cases, although this is mentioned in the reasoning section describing the procedure, not the operative part. However, based on strict interpretation of the prompt ("actually used in its final orders"), if the operative part itself does not cite it, it should be omitted. Since the operative part (1-4) does not cite it, it is excluded, even though the preceding paragraph describes the rule.
Cited in the reasoning to describe the legal nature of the decision regarding appealability against a jurisdiction decision, but not explicitly cited in the operative orders (1-4).
Cited in the reasoning (E. 3.2) to support the conclusion that civil courts have jurisdiction over disputes concerning service agreements, but not explicitly cited in the operative orders (1-4).
Cited in the reasoning (E. 3.1) regarding public road dedication via servitude, but not explicitly cited in the operative orders (1-4).
Cited in the reasoning (E. 3.2) regarding the continuing existence of older servitudes, but not explicitly cited in the operative orders (1-4).
This provision is not cited in the operative part regarding legal aid.
This provision is not cited as costs are waived in order 3.
This provision is not cited in the operative part.
Volltext
100.2017.58U BUR/RAP
Verwaltungsgericht des Kantons Bern Verwaltungsrechtliche Abteilung
Urteil vom 30. März 2017
Verwaltungsrichter Burkhard, Abteilungspräsident Verwaltungsrichter Daum, Verwaltungsrichter Keller Verwaltungsrichter Rolli, Verwaltungsrichterin Steinmann Gerichtsschreiber Bischof
Evangelisch-Reformierte Gesamtkirchgemeinde Biel handelnd durch den Zentralverwalter vertreten durch Rechtsanwältin … Klägerin
gegen
Einwohnergemeinde Biel Direktion Bau, Energie und Umwelt, Zentralstrasse 49, 2502 Biel/Bienne Beklagte
und
Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne Schloss, 2560 Nidau
betreffend Feststellung der Zuständigkeit gemäss Art. 8 Abs. 2 VRPG (Schreiben des Regierungsstatthalteramts Biel/Bienne vom 16. Februar 2017) Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30.03.2017, Nr. 100.2017.58U,
Sachverhalt und Erwägungen:
1.
1.1 Mit Klage vom 14. Februar 2017 hat die Evangelisch-Reformierte Gesamtkirchgemeinde Biel beim Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne das Begehren gestellt, die Einwohnergemeinde (EG) Biel sei zu verpflichten, «die Unterhaltsarbeiten der Zaunanlage auf dem ihr eingeräumten öffentlichen Fusswegrecht auf dem Grundstück Gbbl. Nr. 1___ […] vorzunehmen […]». Die Klägerin stützt ihren Anspruch auf den Dienstbarkeitsvertrag vom
18. Oktober 1906, womit sie der EG Biel bezüglich des über ihre Parzelle verlaufenden Jägersteinwegs «die dingliche Servitut» einräumte, den «Fussweg für alle Zeit und ohne Entgeld als öffentlichen Weg benützen zu können, wogegen die Einwohnergemeinde Biel den fortwährenden Unterhalt dieses Weges, sowie auch dessen Beleuchtung übernimmt und den Unterhalt der Anlagen» (Klagebeilagen 1 und 2). Gemäss Grundbuchauszug ist das Fusswegrecht auf Parzelle Nr. 1___ zu Gunsten der EG Biel eingetragen (Klagebeilage 3).
1.2 Gestützt auf Art. 8 Abs. 2 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) hat das Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne mit Schreiben vom 16. Februar 2017 die Akten zum Entscheid über die Zuständigkeit an das Verwaltungsgericht weitergeleitet.
1.3 Am 1. März 2017 hat das Verwaltungsgericht einen Meinungsaustausch mit dem Obergericht des Kantons Bern eingeleitet und dabei seine Auffassung dargelegt, weshalb die Beurteilung der Klage in die Zuständigkeit der Zivilgerichte und nicht in diejenige der Verwaltungsjustizbehörden falle. Am 23. März 2017 hat sich das Obergericht der Beurteilung des Verwaltungsgerichts vollumfänglich angeschlossen.
2.
Erachtet das Verwaltungsgericht nach einem Meinungsaustausch mit dem Obergericht die bernischen Zivilgerichte als zuständig, so sind die Akten zusammen mit dem Entscheid über die Zuständigkeit dem Obergericht zu- Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30.03.2017, Nr. 100.2017.58U,
zustellen (Art. 8 Abs. 1 VRPG). Das Verwaltungsgericht urteilt bei Kompetenzkonflikten in Fünferbesetzung (Art. 56 Abs. 2 Bst. b des Gesetzes vom
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
3.
3.1 Durch Errichtung einer Wegdienstbarkeit zugunsten der Öffentlichkeit wird eine Privatstrasse dem Gemeingebrauch gewidmet (Art. 13 Abs. 3 Bst. b des Strassengesetzes vom 4. Juni 2008 [SG; BSG 732.11]; BVR 2013 S. 282 E. 2.6). Dies bedeutet aber nicht, dass der zwischen den Parteien abgeschlossene Dienstbarkeitsvertrag vom 18. Oktober 1906 verwaltungsrechtliche Rechtsverhältnisse regelt. Nach den allgemeinen Kriterien richtet sich die Rechtsnatur nach der Frage, ob der Vertrag in unmittelbarer Erfüllung einer Verwaltungsaufgabe abgeschlossen wurde (vgl. statt vieler Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht,
4. Aufl. 2014, § 33 N. 7 ff.). Dass ein direkter Zusammenhang im Sinn dieser Kriterien besteht, macht die Klägerin nicht geltend. Sie stützt sich einzig auf die Dienstbarkeit, die aber ein Rechtstitel des Zivilrechts ist.
3.2 Das interessierende Wegrecht aus dem Jahr 1906 konnte in das kantonale Grundbuch eingetragen und 1912 (bei Inkrafttreten des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210]) in das schweizerische Grundbuch übertragen werden (vgl. Art. 12 des Gesetzes vom 27. Juni 1909 über die Bereinigung der Grundbücher im Kanton Bern [GBG, Gesetze II, 1901- 1916, S. 350 ff.]). Solche Dienstbarkeiten zugunsten der Allgemeinheit wurden früher zwecks Sicherstellung öffentlich zugänglicher Wegverbindungen häufig begründet und konnten als andere Dienstbarkeit im Sinn von Art. 781 ZGB (als sog. Gemeindedienstbarkeit) weiterhin bestehen bleiben (vgl. Peter Liver, Zürcher Kommentar, 1968, Art. 730 ZGB N. 100; Tuor/Schnyder/Schmid/Jungo, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 14. Aufl. 2015, § 109 N. 49). Obwohl solche Dienstbarkeiten einem öffentlichen Zweck dienen oder dem Gemeingebrauch gewidmet werden, handelt es sich dabei um privatrechtliche Dienstbarkeiten (Peter Liver, a.a.O., Einleitung N. 114; vgl. auch BGE 134 III 341, 74 I 41 E. 2; Merkli/Aeschli- Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30.03.2017, Nr. 100.2017.58U,
mann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 8 N. 12; Imboden/Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, 1976, Band I, Nr. 4; ferner Urteile des Obergerichts in ZBJV 1965 S. 477, 1915
S. 416, 1905 S. 97; vgl. auch den Meinungsaustausch im Verfahren 100.2009.68 bzw. Obergericht des Kantons Bern POG 2008 6 und in der Folge BGer 5A_181/2011 vom 3.5.2011, in ZBGR 2012 S. 266). Dies bedeutet, dass Streitigkeiten über Bestand, Inhalt und – wie hier – Unterhaltslasten der Dienstbarkeit in die Zuständigkeit der Ziviljustiz gehören (Art. 1 Bst. a der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]).
3.3 Nach dem Gesagten ist die Zuständigkeit der Verwaltungsjustizbehörden zu verneinen, diejenige der Zivilgerichte hingegen zu bejahen. Die Akten sind dem Obergericht zum Entscheid über die Zuständigkeit und zur Weiterleitung an das für die Beurteilung der Streitsache zuständige Zivilgericht zuzustellen.
4.
4.1 Nach konstanter Praxis sind im Kompetenzkonfliktverfahren keine Verfahrenskosten zu erheben. Parteikosten sind ebenfalls nicht zu sprechen (vgl. BVR 2007 S. 371 E. 4; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 8
N. 9, Art. 107 N. 7 und 12).
4.2 Das vorliegende Urteil regelt die Zuständigkeit nicht endgültig, sondern stellt (wohl) erst im Verbund mit dem noch zu fällenden Entscheid des Obergerichts einen kantonal letztinstanzlichen Zwischenentscheid über die Zuständigkeit im Sinn von Art. 92 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) dar (vgl. etwa BGE 133 IV 288 E. 2.2 [Pra 97/2008 Nr. 70]; vgl. aber auch BGE 136 I 80 E. 1.2; ferner Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 8 N. 7). Deshalb enthält das vorliegende Urteil keine Rechtsmittelbelehrung.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30.03.2017, Nr. 100.2017.58U,
Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:
1. Die Zuständigkeit der Verwaltungsjustizbehörden wird verneint und jene der Zivilgerichte bejaht.
2. Die Akten werden dem Obergericht des Kantons Bern zum Entscheid über die Zuständigkeit und zur Weiterleitung an das zuständige Zivilgericht überwiesen.
3. Für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht werden weder Verfahrenskosten erhoben noch Parteikosten gesprochen.
4. Zu eröffnen:
- der Klägerin
- der Beklagten
- dem Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne
- dem Obergericht des Kantons Bern
Der Abteilungspräsident: Der Gerichtsschreiber: