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Art. 4 Bundesgesetz vom 15. Dezember 2000 über Arzneimittel und Medizinprodukte (HMG) - Begriffe

HMG; 1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen
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Art. 4 HMG · Begriffe

Im Sinne dieses Gesetzes gelten als: a. Arzneimittel: Produkte chemischen oder biologischen Ursprungs, die zur medizinischen Einwirkung auf den menschlichen oder tierischen Organismus bestimmt sind oder angepriesen werden, insbesondere zur Erkennung, Verhütung oder Behandlung von Krankheiten, Verletzungen und Behinderungen; zu den Arzneimitteln gehören auch Blut und Blutprodukte; abis. Arzneimittel mit Indikationsangabe: Arzneimittel mit behördlich genehmigter Angabe eines bestimmten Anwendungsgebiets, die zur Anwendung nach den Regeln der medizinischen und pharmazeutischen Wissenschaften bestimmt sind; ater. Komplementärarzneimittel mit Indikationsangabe: Arzneimittel mit behörd lich genehmigter Angabe eines bestimmten Anwendungsgebiets, die nach den Herstellungsvorschriften komple mentärmedizinischer Therapierichtun gen wie der Homöopathie, der anthroposophischen Medizin oder der tra ditionellen asiatischen Medizin hergestellt und deren Anwendungsgebiet gemäss den Prinzipien der entsprechenden Therapierichtung festgelegt wird; aquater. Komplementärarzneimittel ohne Indikationsangabe: Komplementärarzneimittel ohne behördlich genehmigte Angabe eines bestimmten Anwendungsgebiets, die zur individualtherapeutischen Anwendung bestimmt sind; aquinquies. Phytoarzneimittel: Arzneimittel mit Indikationsangabe, die als Wirkstoffe ausschliesslich einen oder mehrere pflanzliche Stoffe oder pflanzliche Zubereitungen enthalten und die nicht den Komplementärarzneimitteln zuzuordnen sind; asexies. Originalpräparat: Arzneimittel, das vom Schweizerischen Heilmittelinstitut (Institut) als erstes mit einem bestimmten Wirkstoff zugelassen wird, einschliesslich aller zum gleichen Zeitpunkt oder später zugelassenen Darreichungsformen; asepties. Generikum: ein vom Institut zugelassenes Arzneimittel, das im Wesentlichen gleich ist wie ein Originalpräparat und das mit diesem aufgrund identischer Wirkstoffe sowie seiner Darreichungsform und Dosierung austauschbar ist; aocties. Referenzpräparat: biologisches Arzneimittel, das in der Zulassungsdokumentation für ein Biosimilar als Referenz für die Vergleichbarkeit seiner pharmazeutischen Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit herangezogen wird; anovies. Biosimilar: biologisches Arzneimittel, das eine genügende Ähnlichkeit mit einem vom Institut zugelassenen Referenzpräparat aufweist und auf dessen Dokumentation Bezug nimmt; adecies. wichtiges Arzneimittel für seltene Krankheiten (Orphan Drug): Humanarzneimittel, bei dem nachgewiesen ist, dass: 1. es der Erkennung, Verhütung oder Behandlung einer lebensbedrohenden oder chronisch invalidisierenden Erkrankung dient, von der zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung höchstens fünf von zehntausend Personen in der Schweiz betroffen sind, oder 2. ihm oder seinem Wirkstoff von einem anderen Land mit vergleichbarer Arzneimittelkontrolle im Sinne von Artikel 13 der Status als wichtiges Arzneimittel für seltene Krankheiten zuerkannt wird; b. Medizinprodukte: Produkte, einschliesslich Instrumente, Apparate, Geräte, In-vitro-Diagnostika, Software, Implantate, Reagenzien, Materialien und andere Gegenstände oder Stoffe, die für die medizinische Verwendung bestimmt sind oder angepriesen werden und deren Hauptwirkung nicht durch ein Arzneimittel erreicht wird; c. Herstellen: sämtliche Arbeitsgänge der Heilmittelproduktion von der Beschaffung der Ausgangsmaterialien über die Verarbeitung bis zur Verpackung, Lagerung und Auslieferung des Endproduktes sowie die Qualitätskontrollen und die Freigaben; d. Inverkehrbringen: das Vertreiben und Abgeben von Heilmitteln; e. Vertreiben: die entgeltliche oder unentgeltliche Übertragung oder Überlassung eines Heilmittels, einschliesslich der Tätigkeiten der Mäklerinnen und Mäkler sowie der Agentinnen und Agenten, mit Ausnahme des Abgebens; f. Abgeben: die entgeltliche oder unentgeltliche Übertragung oder Überlassung eines verwendungsfertigen Heilmittels für die Verwendung durch den Erwerber oder die Erwerberin sowie für die Anwendung an Drittpersonen oder an Tieren; fbis. Verschreibung: protokollierter Entscheid einer berechtigten Medizinalperson, der gemäss Artikel 26 Absatz 2 für eine bestimmte Person ausgestellt ist und dieser Person ein Zugangsrecht zu medizinischen Leistungen wie Pflegeleistungen, Medikamenten, Analysen oder Medizinprodukten erteilt; g. Pharmakopöe (Pharmacopoea Europaea und Pharmacopoea Helvetica): eine Sammlung von Vorschriften über die Qualität von Arzneimitteln, pharmazeutischen Hilfsstoffen und einzelnen Medizinprodukten; h. neuer Wirkstoff : Wirkstoff, der in der Schweiz erstmals im Rahmen eines ordentlichen Verfahrens nach Artikel 11 zugelassen wird. Bisher nur in Humanarzneimitteln zugelassene Wirkstoffe gelten als neue Wirkstoffe, wenn sie in Tierarzneimitteln eingesetzt werden, und umgekehrt; i. ö ffentliche Apotheke: kantonal bewilligter Apothekenbetrieb, durch eine Apothekerin oder einen Apotheker geführt, der regelmässige Öffnungszeiten garantiert und einen direkten Zugang für die Öffentlichkeit anbietet; j. Spitalapotheke: Einrichtung in einem Spitalbetrieb, die von einer Apothekerin oder einem Apotheker geführt wird und namentlich pharmazeutische Dienstleistungen an die Kundschaft des Spitals anbietet; für die Herstellung von Radiopharmazeutika nach Artikel 9 Absatz 2 Buchstabe a und Absatz 2 bis gilt auch ein spitalinterner radiopharmazeutischer Betrieb als Spitalapotheke; k. Selbstdispensation: kantonal bewilligte Abgabe von Arzneimitteln innerhalb einer Arztpraxis beziehungsweise einer ambulanten Institution des Gesundheitswesens, deren Apotheke unter fachlicher Verantwortung einer Ärztin oder eines Arztes mit Berufsausübungsbewilligung steht.

Der Bundesrat kann durch Verordnung die übrigen in diesem Gesetz verwendeten Begriffe sowie die Begriffe nach Absatz 1 voneinander abgrenzen, näher ausführen und gestützt auf neue Erkenntnisse in Wissenschaft und Technik sowie in Anlehnung an die internationale Entwicklung Ausnahmen vorsehen.

Er kann für den Bereich der Medizinprodukte die Begriffe nach Absatz 1 durch Verordnung abweichend definieren, sofern dies der internationalen Harmonisierung dient.

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Gerichtsentscheide zu dieser Bestimmung (31)

BGE 150 V 210 (Art. 4 Abs. 1 lit. a und c HMG)
Reimbursement of hospital pharmacy compounding tax for aseptically prepared cytostatic infusions under Swiss mandatory health insurance
Defines the terms 'medicinal product' and 'manufacturing', used to determine that the preparation constitutes manufacturing covered by the tariff.
BV.2024.30 (art. 4 al. 1 LPTh)
Swissmedic Seizure of Unapproved Medications Upheld
Cited to define what constitutes a medicinal product under the law.
BV.2022.9 (art. 4 al. 1 let. a LPTh)
Swissmedic Property Seizure Upheld in Unapproved Product Sales Case
Defines what constitutes a medicinal product, relevant for classifying the imported items.
SG.2019.7 · bs (Art. 4 Abs. 1 lit. a HMG)
Aseptic Compounding Fees for Cytostatics vs. Principle of Economy
Cited in the reasoning (point 2.1) for the definition of 'Arzneimittel' (medicines).
SG.2019.7 · bs (Art. 4 Abs. 1 lit. c HMG)
Aseptic Compounding Fees for Cytostatics vs. Principle of Economy
Cited in the reasoning (point 4.3.1 and 4.4.3) for the definition of 'Herstellen' (manufacturing) of medicines.
B-3361/2020 (Art. 4 al. 1 let. a LPTh)
Veterinary Medicine Classification Upheld for Permethrin Insect Treatment
Used to define what constitutes a veterinary medicinal product and classify the product 'A._______' as such.
C-1168/2018 (Art. 4 al. 1 let. a LPTh)
Recipient Liable for Fees on Illegal Drug Importation Despite Denial
Defines what constitutes a 'medicament' for the purposes of the law, relevant to classifying the imported substances.
200 2019 102 · be (Art. 4 Abs. 1 lit. a HMG)
Insurer Refusal to Cover Delisted Leukemia Drug Upheld Due to Available Alternative
Cited in the reasoning to define what constitutes an 'Arzneimittel' (medicament), but not in the final orders.
C-1748/2014 (Art. 4 cpv. 1 lett. a LATer)
Graviola Leaf Powder: Medicinal Product or Food Supplement
Definition of a medicine, used to classify the graviola powder as such.
C-5689/2013 (art. 4 let. b LPTh)
Frequency Patch Marketing Deemed Medical Device Use
Cited to define what constitutes a medical device.
A/2738/2016 · ge (art. 4 al. 1 let. a LPTh)
Patient Appeal Regarding Food Supplement Sales and Urinary Care Dismissed
Cited to define 'medication' for the purpose of assessing the prohibition on sale by a doctor.
C-3525/2012 (Art. 4 Abs. 1 lit. a HMG)
Herbal Bitter Classified as Medicine, Not Food
This provision is used to define 'Arzneimittel' (medicinal product) and justify the classification of the product as such, leading to the dismissal of the application.
C-4612/2011 (Art. 4 Bst. a HMG)
Pet Food vs. Veterinary Medicine Classification
Cited in the context of defining a health product claim, which was relevant to the product's classification.
C-546/2010 (Art. 4 Abs. 2 HMG)
Swissmedic v. Aesthetics Company: Advertising Ban and Website Modifications
Cited as the legal basis for the Federal Council to issue ordinances on medicinal product advertising.
BE.2013.9 (Art. 4 al. 1 let. c LPTh)
Swissmedic v. Pharmaceutical Company (Sealed Documents)
This provision is cited to define 'fabrication' in the context of therapeutic products, relevant to the alleged infractions.