60. Bundesgesetz: Zugangskontrollgesetz
Gesetzestext (2 Artikel)
Der Nationalrat hat beschlossen
1. Abschnitt
Geltungsbereich und Begriffsbestimmungen
Geltungsbereich
§ 1. Dieses Bundesgesetz regelt den rechtlichen Schutz von Diensteanbietern, die Fernsehsendungen,
Radiosendungen oder Dienste der Informationsgesellschaft gegen Entgelt und unter einer Zugangskontrolle
bereitstellen.
Begriffsbestimmungen
§ 2. Im Sinn dieses Bundesgesetzes bedeuten
1. Diensteanbieter: eine natürliche oder juristische Person oder eine sonstige rechtsfähige Einrichtung,
die geschützte Dienste bereitstellt;
2. geschützter Dienst: eine Fernsehsendung, eine Radiosendung oder ein Dienst der Informationsgesellschaft,
die oder der gegen Entgelt und unter einer Zugangskontrolle erbracht wird,
einschließlich der Zugangskontrolle für solche Dienste, soweit sie als eigenständiger Dienst
anzusehen sind;
3. Fernsehsendung: eine drahtgebundene oder drahtlose, erdgebundene oder durch Satelliten
vermittelte, unverschlüsselte oder verschlüsselte Erstsendung von Fernsehprogrammen, die zum
Empfang durch die Allgemeinheit bestimmt ist, einschließlich der Übermittlung an andere
Veranstalter zur Weiterverbreitung an die Allgemeinheit;
4.Radiosendung: eine drahtgebundene oder drahtlose – einschließlich der durch Satelliten
vermittelten – Sendung von Radioprogrammen, die zum Empfang durch die Allgemeinheit
bestimmt ist;
5. Dienst der Informationsgesellschaft: ein in der Regel gegen Entgelt elektronisch im Fernabsatz
und auf individuellen Abruf eines Empfängers erbrachter Dienst, wobei als
a) im Fernabsatz erbrachter Dienst ein Dienst, der ohne gleichzeitige körperliche Anwesenheit
der Parteien erbracht wird, als
b) elektronisch erbrachter Dienst ein Dienst, der mittels Geräten für die elektronische Verarbeitung,
einschließlich digitaler Kompression, und Speicherung von Daten am Ausgangspunkt
gesendet und am Endpunkt empfangen sowie vollständig über Draht, über Funk, auf optischem
oder anderem elektromagnetischen Weg gesendet, weitergeleitet und empfangen wird, und als
c) auf individuellen Abruf eines Empfängers erbrachter Dienst ein Dienst, der durch die
Übertragung von Daten auf individuelle Anforderung erbracht wird, verstanden werden;
6. Zugangskontrolle: eine technische Maßnahme oder Vorrichtung, die den Zugang zu einem
geschützten Dienst in verständlicher Form von einer vorherigen individuellen Erlaubnis abhängig
macht;
7. Zugangskontrollvorrichtung: ein Gerät oder Computerprogramm, das dazu bestimmt oder
angepasst ist, den Zugang zu einem geschützten Dienst in verständlicher Form zu ermöglichen;
8. Umgehungsvorrichtung: ein Gerät oder Computerprogramm, das dazu bestimmt oder angepasst
ist, den Zugang zu einem geschützten Dienst in verständlicher Form ohne Erlaubnis des
Diensteanbieters zu ermöglichen.
2. Abschnitt
Rechtsschutz
Recht auf Zugangskontrolle
§ 3. Der Diensteanbieter hat das ausschließliche Recht, den Zugang zu einem von ihm
bereitgestellten geschützten Dienst in verständlicher Form von seiner vorherigen individuellen Erlaubnis
abhängig zu machen.
Unerlaubte Handlungen
§ 4. (1) Die Herstellung, die Einfuhr, der Vertrieb, der Verkauf, die Vermietung oder Verpachtung
und die Innehabung von Umgehungsvorrichtungen sowie deren Installierung, Wartung, Instandsetzung
oder Austausch sind, soweit damit gewerbliche Zwecke verfolgt werden, verboten.
(2) Ebenso sind, soweit damit gewerbliche Zwecke verfolgt werden, die Werbung und andere
Maßnahmen zur Förderung des In-Verkehr-Bringens von Umgehungsvorrichtungen, wie etwa das
Direktmarketing, das Sponsoring oder die Öffentlichkeitsarbeit, verboten.
(3) Die Verbote nach den Abs. 1 und 2 erfassen alle im Inland begangenen oder verwirklichten
Handlungen unabhängig davon, wo sich der den Verboten zuwider Handelnde niedergelassen hat.
3. Abschnitt
Zivilrechtliche Ansprüche
Unterlassung
§ 5. Ein Diensteanbieter, der durch eine unerlaubte Handlung (§ 4) in seinem Recht auf Zugangskontrolle
verletzt worden ist oder dem eine solche Verletzung droht, hat Anspruch auf Unterlassung. Der
Inhaber eines Unternehmens kann wegen einer solchen unerlaubten Handlung auch dann auf Unterlassung
belangt werden, wenn die Handlung im Betrieb seines Unternehmens von einem Bediensteten oder
Beauftragten begangen worden ist oder von einer solchen Person droht.
Beseitigung
§ 6. (1) Ein Diensteanbieter, der durch eine unerlaubte Handlung (§ 4) in seinem Recht der
Zugangskontrolle verletzt worden ist, hat Anspruch darauf, dass der den Vorschriften dieses Bundesgesetzes
widerstreitende Zustand beseitigt wird. Er kann insbesondere verlangen, dass die Umgehungsvorrichtungen
vernichtet oder sonst unbrauchbar gemacht werden; kann der diesem Bundesgesetz
widerstreitende Zustand auf eine schonendere Art beseitigt werden, so kann der Diensteanbieter nur
Maßnahmen dieser Art verlangen.
(2) Enthalten die Umgehungsvorrichtungen Teile, deren unveränderter Bestand und deren Gebrauch
durch den Beklagten das Recht des Klägers auf Zugangskontrolle nicht verletzen und die von der
Vernichtung oder Unbrauchbarmachung ausgenommen werden können, so hat das Gericht diese Teile in
dem die Vernichtung oder Unbrauchbarmachung aussprechenden Urteil zu bezeichnen. Bei der
Vollstreckung sind diese Teile von der Vernichtung oder Unbrauchbarmachung auszunehmen, wenn der
Verpflichtete die damit verbundenen Kosten im voraus bezahlt.
(3) Statt der Vernichtung oder Unbrauchbarmachung von Umgehungsvorrichtungen kann der
Diensteanbieter verlangen, dass ihm diese gegen eine angemessene, die Herstellungskosten nicht
übersteigende Entschädigung überlassen werden.
(4) Der Diensteanbieter hat auch Anspruch darauf, dass die entgegen den Vorschriften dieses
Bundesgesetzes verwendeten Werbemittel, wie etwa Plakate, Broschüren oder sonstige Druckwerke,
vernichtet werden.
(5) Der Beseitigungsanspruch richtet sich ungeachtet des Eigentums- oder eines sonstigen
Verfügungsrechts gegen denjenigen gewerblich tätigen Rechtsträger, in dessen Gewahrsame die
betroffenen Umgehungsvorrichtungen oder Werbemittel stehen.
Schadenersatz und Herausgabe des Gewinns
§ 7. (1) Wer durch eine unerlaubte Handlung (§ 4) einen Diensteanbieter schuldhaft schädigt, hat
diesem ohne Rücksicht auf den Grad des Verschuldens auch den entgangenen Gewinn zu ersetzen.
(2) Wird ein geschützter Dienst unbefugt zugänglich gemacht, so hat der Diensteanbieter auch
Anspruch auf Herausgabe des Gewinns, den der Schädiger durch den schuldhaften Eingriff erzielt hat.
Die Verjährung dieses Anspruchs richtet sich nach den Vorschriften für Schadenersatzansprüche. Neben
der Herausgabe des Gewinns kann ein Ersatz des Vermögensschadens (Abs. 1) nur begehrt werden,
soweit dieser den herauszugebenden Gewinn übersteigt.
(3) Der Diensteanbieter kann anstelle des Ersatzes des Vermögensschadens (Abs. 1) sowie der
Herausgabe des Gewinns (Abs. 2) das Doppelte des angemessenen Entgelts für die Inanspruchnahme des
geschützten Dienstes begehren.
(4) Hat ein Bediensteter oder Beauftragter eine unerlaubte Handlung (§ 4) im Betrieb eines
Unternehmens begangen, so haftet, unbeschadet einer allfälligen Ersatzpflicht dieser Personen, der
Inhaber des Unternehmens für die in Abs. 1 bis 3 genannten Ansprüche, wenn ihm die unerlaubte
Handlung bekannt war oder bekannt sein musste.
(5) Mehrere Personen haften für die in den Abs. 1 bis 3 genannten Ansprüche zur ungeteilten Hand.
Rechnungslegung
§ 8. Wer nach diesem Bundesgesetz zum Schadenersatz oder zur Herausgabe des Gewinns
verpflichtet ist, hat dem Diensteanbieter Rechnung zu legen und auf dessen Verlangen die Richtigkeit der
Rechnung durch einen Sachverständigen prüfen zu lassen. Wenn sich dabei ein höherer Betrag als aus der
gelegten Rechnung ergibt, sind die Kosten der Prüfung vom Zahlungspflichtigen zu tragen.
Einstweilige Verfügungen
§ 9. Zur Sicherung der Ansprüche auf Unterlassung und Beseitigung können einstweilige
Verfügungen auch ohne Vorliegen der Voraussetzungen des § 381 EO erlassen werden.
4. Abschnitt
Strafrechtliche Bestimmungen
Eingriff in das Recht auf Zugangskontrolle
§ 10. (1) Wer gewerbsmäßig (§ 70 StGB) Umgehungsvorrichtungen vertreibt, verkauft, vermietet
oder verpachtet, ist vom Gericht mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 360
Tagessätzen zu bestrafen.
(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer gewerbsmäßig (§ 70 StGB) Umgehungsvorrichtungen herstellt,
einführt oder mit dem Vorsatz erwirbt oder innehat, dass diese auf die im Abs. 1 beschriebene Art und
Weise in Verkehr gebracht werden oder dass mit ihrer Hilfe anderen der Zugang zu einem geschützten
Dienst ermöglicht wird.
(3) Wer Umgehungsvorrichtungen ausschließlich zum privaten Gebrauch einführt, erwirbt oder sich
sonst verschafft, ist nicht als Beteiligter (§ 12 StGB) zu bestrafen.
(4) Ein Bediensteter oder Beauftragter des Inhabers oder Leiters eines Unternehmens (§ 5) ist nicht
zu bestrafen, wenn er eine der in den Abs. 1 und 2 genannten Handlungen auf Anordnung des Dienst-
oder Auftraggebers vorgenommen hat und ihm wegen seiner wirtschaftlichen Abhängigkeit nicht
zugemutet werden konnte, die Vornahme der Tat zu unterlassen.
(5) Der Täter ist nur auf Verlangen des in seinen Rechten verletzten Diensteanbieters zu verfolgen.
Einziehung
§ 11. (1) Die den Gegenstand einer in § 10 mit Strafe bedrohten Handlung bildenden Umgehungsvorrichtungen
sind auf Antrag des Privatanklägers ohne Rücksicht darauf, wem sie gehören, einzuziehen,
es sei denn, dass trotz des vorangegangenen mit Strafe bedrohten Verhaltens Gewähr geboten ist, dass die
Umgehungsvorrichtungen nicht unter Verletzung der Bestimmungen dieses Bundesgesetzes in Verkehr
gebracht oder innegehabt werden.
(2) Liegt der objektive Tatbestand einer in § 10 mit Strafe bedrohten Handlung vor, so sind die
Umgehungsvorrichtungen auch dann einzuziehen, wenn keine bestimmte Person wegen der mit Strafe
bedrohten Handlung verfolgt oder verurteilt werden kann. In einem solchen Fall hat der Privatankläger
einen gesonderten Antrag auf Einziehung zu stellen.
(3) Auf das Verfahren bei der Einziehung sind die §§ 443 bis 446 StPO anzuwenden.
(4) Die eingezogenen Umgehungsvorrichtungen sind nach Maßgabe des § 6 Abs. 2 erster Satz zu
vernichten.
Beschlagnahme
§ 12. (1) Das Gericht hat auf Antrag des Privatanklägers die betroffenen Umgehungsvorrichtungen
zur Sicherung der Einziehung nach § 11 zu beschlagnahmen (§ 98 Abs. 2 und § 143 Abs. 1 StPO).
(2) Gegen den Beschluss, mit dem über einen Antrag auf Beschlagnahme oder auf deren Aufhebung
entschieden wird, steht dem Privatankläger, dem Beschuldigten und den vom Beschluss sonst Betroffenen
(§ 444 StPO) die binnen 14 Tagen beim Gerichtshof erster Instanz einzubringende Beschwerde an den
Gerichtshof zweiter Instanz zu (§ 114 StPO).
(3) Erkennt das Gericht nicht auf Vernichtung oder Unbrauchbarmachung der beschlagnahmten
Umgehungsvorrichtungen, so hat der Antragsteller dem von der Beschlagnahme Betroffenen alle dadurch
verursachten Vermögensschäden zu ersetzen. Kommt es infolge einer von den Parteien getroffenen
Vereinbarung zu keiner Entscheidung über den Antrag auf Vernichtung oder Unbrauchbarmachung, so
kann der Betroffene den Ersatzanspruch nur erheben, wenn er sich diesen in der Vereinbarung
vorbehalten hat. Der Ersatzanspruch ist im Zivilrechtsweg geltend zu machen.
5. Abschnitt
Verwaltungsrechtliche Bestimmungen
Verwaltungsübertretung
§ 13. (1) Eine Verwaltungsübertretung begeht und ist mit Geldstrafe bis zu 15000 Euro zu bestrafen,
wer gewerbsmäßig (§ 70 StGB) und wissentlich
1. Umgehungsvorrichtungen installiert, wartet, instand setzt oder austauscht oder
2. durch Werbung, Direktmarketing, Sponsoring oder andere Öffentlichkeitsarbeit zum Kauf, zur
Miete oder zur Pacht von Umgehungsvorrichtungen anregt.
(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer vorsätzlich als Inhaber oder Leiter eines Unternehmens eine im
Betrieb des Unternehmens von einem Bediensteten oder Beauftragten begangene Handlung im Sinn des
Abs. 1 nicht verhindert.
(3) Die Bestimmung des § 10 Abs. 4 über die Straflosigkeit eines im Betrieb eines Unternehmens
tätigen Bediensteten oder Beauftragten ist anzuwenden.
(4) Wer Umgehungsvorrichtungen ausschließlich zum privaten Gebrauch verwendet, ist nicht wegen
Anstiftung oder Beihilfe (§ 7 VStG) zu bestrafen.
(5) Eine Verwaltungsübertretung nach Abs. 1 oder 2 liegt nicht vor, wenn die Tat den Tatbestand
einer in die Zuständigkeit der Gerichte fallenden strafbaren Handlung bildet oder nach anderen
Verwaltungsstrafbestimmungen mit strengerer Strafe bedroht ist.
6. Abschnitt
Schlussbestimmungen
Verweisungen
§ 14. Soweit in diesem Bundesgesetz auf Bestimmungen anderer Bundesgesetze verwiesen wird,
sind diese in ihrer jeweils geltenden Fassung anzuwenden.
Vollzug
§ 15. Mit der Vollziehung dieses Bundesgesetzes ist der Bundesminister für Justiz, hinsichtlich des
§ 13 jedoch der Bundeskanzler betraut.
Hinweis auf Umsetzung
§ 16. Mit diesem Bundesgesetz wird die Richtlinie 98/84/EG über den rechtlichen Schutz von
zugangskontrollierten Diensten und von Zugangskontrolldiensten, ABl. L 320 vom 28. November 1998,
S 54, umgesetzt.
Nach Mitteilung des Generalsekretärs des Europarats hat Georgien am 20. Mai 1999 seine Ratifikationsurkunde
zur Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten in der Fassung der
Protokolle Nr. 2, Nr. 3, Nr. 5, Nr. 8 und Nr. 11 (BGBl. Nrn. 210/1958, 329/1970, 330/1970, 84/1972,
64/1990 und BGBl. III Nr. 30/1998) hinterlegt.