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528_1992 AT

528. Verordnung: Änderung der Verordnung, mit welcher die Lehrpläne der Volksschule, der Hauptschule und der Sonderschulen erlassen werden; Bekanntmachung eines Lehrplanes für den Religionsunterricht

1 Artikel / Bestimmungen · Österreich
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Gesetzestext (1 Artikel)

BGBlPdf 528. Verordnung: Änderung der Verordnung, mit welcher die Lehrpläne der Volksschule, der Hauptschule und der Sonderschulen erlassen werden; Bekanntmachung eines Lehrplanes für den Religionsunterricht

Artikel I

Auf Grund des Schulorganisationsgesetzes, BGBl. Nr. 242/1962, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. Nr. 408/1991, insbesondere dessen §§ 6, 10, 16 und 23, wird verordnet

Die Verordnung des Bundesministers für Unterricht, mit welcher die Lehrpläne der Volksschule, der Hauptschule und der Sonderschulen erlassen werden, BGBl. Nr. 134/1963, zuletzt geändert durch die Verordnung BGBl. Nr. 439/1991, wird wie folgt geändert

1. Im Artikel I § 4 Abs. 1 wird der Punkt nach lit. e durch einen Strichpunkt ersetzt und angefügt

,,f) für außerordentliche und ordentliche Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache haben sie hinsichtlich des besonderen Förderunterrichtes gemäß Z 4 und 5 der Bemerkungen zu den Stundentafeln der Grundschule bzw. gemäß Z 5 und 6 der Bemerkungen zur Stundentafel der Hauptschule bzw. gemäß Z 8 und 9 der Bemerkungen zur Stundentafel der Allgemeinen Sonderschule die allfällige Kürzung der Wochenstundenzahl in Pflichtgegenständen festzulegen."

2. Dem Artikel I wird folgender § 5 angefügt

„§ 5. Artikel I § 4 Abs. 1 lit. f sowie die Änderungen der Anlagen A, B und C 1 dieser Verordnung durch die Verordnung BGBl. Nr. 528/1992 treten mit 1. September 1992 in Kraft."

3. In Anlage A (Lehrplan der Volksschule) erster Teil (Allgemeine Bestimmungen) Abschnitt II (Allgemeine Bestimmungen für die Grundschule und

die Volksschuloberstufe) wird nach Z 11 (Volksschuloberstufe) angefügt

„12. Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache"

Der Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache" ist in Verbindung mit dem Lehrplan „Deutsch, Lesen, Schreiben" bzw. „Deutsch, Lesen" Grundlage für das Lehren und Lernen von Deutsch als Zweitsprache.

Eine detaillierte Berücksichtigung der zum Teil sehr unterschiedlichen Vorkenntnisse der Schüler in der Zweitsprache Deutsch kann nicht im Lehrplan, sondern nur auf der Ebene der klassenbezogenen Jahresplanung unter Berücksichtigung des jeweiligen lernorganisatorischen Modells, das an der Schule verwirklicht wird, erfolgen.

Der Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache" ist nicht nach Schulstufen gegliedert. Er versteht sich als ein mehrjähriges Lernkonzept, das von Schülern mit keinen oder mit nur geringen sprachlichen Vorkenntnissen in Deutsch jeweils vom Beginn an durchlaufen wird (unabhängig von der Schulstufe, in die der Schüler eingestuft wird), das bei bestehenden Vorkenntnissen aber auch in Teilbereichen übersprungen werden kann.

Der Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache" ist im wesentlichen als Differenzierungshilfe für einen Unterricht zu verstehen, der sich immer auch an den Lernzielen und Vermittlungsformen des allgemeinen Lehrplans für Deutsch orientiert. Dies ist schon allein deshalb erforderlich, weil Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache in vielen Fällen in einem mehr oder weniger großen Ausmaß am Unterricht in „Deutsch, Lesen, Schreiben" bzw. „Deutsch, Lesen" teilnehmen bzw. in diesen immer wieder einbezogen werden. Die unterrichtspraktische Verklammerung zwischen einzelnen Teilbereichen des Lehrplanes für Deutsch mit jenen der Lehrplan-Zusatzes wird mit zunehmender Lernzeit wachsen und zu fließenden Übergängen führen.

Hinsichtlich der Volksschuloberstufe siehe Anlage B (Lehrplan der Hauptschule) erster Teil (Allgemeine Bestimmungen) Z 7."

4. In Anlage A vierter Teil (Gesamtstundenzahl und Stundenausmaß der Pflichtgegenstände, der verbindlichen Übungen, des Förderunterrichtes, der Freigegenstände und unverbindlichen Übungen) Abschnitt a) (Stundentafel der Vorschulstufe) wird bei den „Bemerkungen zur Stundentafel der Vorschulstufe" der erste Absatz mit „1." bezeichnet und folgender Punkt angefügt

„2. In der Vorschulstufe kann im Rahmen der verbindlichen Übung „Sprache und Sprechen" eine besondere Förderung in der Muttersprache des Kindes im Ausmaß von drei Wochenstunden bei Bedarf parallel zum Unterricht in den verbindlichen Übungen bzw. ganz oder teilweise mit diesem gemeinsam geführt werden."

5. In Anlage A vierter Teil Abschnitt b) (Stundentafel der Grundschule) lautet in den Unterabschnitten aa) (Stundentafel 1) und bb) (Stundentafel 2) jeweils in dem die verbindlichen Übungen betreffenden Teil die die verbindliche Übung „Verkehrserziehung" betreffende Zeile

„Verkehrserziehung......... x 1) x 1) x 1) x 1)"

6. In Anlage A vierter Teil Abschnitt b) wird in den Unterabschnitten aa) und bb) jeweils in dem die unverbindlichen Übungen betreffenden Teil nach der die unverbindliche Übung „Darstellendes Spiel" betreffenden Zeile eingefügt

„Muttersprachlicher Unterricht . . .

... 3—6 3—6 3—6 3—6"

7. In Anlage A vierter Teil Abschnitt b) wird nach Z 3 der „Bemerkungen zu den Stundentafeln der Grundschule" angefügt

„4. Für außerordentliche Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache kann zum Erwerb der Unterrichtssprache ein besonderer Förderunterricht im Ausmaß von bis zu zwölf Wochenstunden angeboten werden. Dieser Förderunterricht kann sowohl parallel zum Unterricht in den Pflichtgegenständen als auch mit diesem gemeinsam geführt werden. Sofern die Organisation des besonderen Förderunterrichtes nur zusätzlich zum Unterricht in den Pflichtgegenständen möglich ist, ist durch Begrenzung des Förderunterrichtes oder durch entsprechende Kürzungen in anderen Unterrichtsgegenständen dafür Sorge zu tragen, daß eine zusätzliche zeitliche Belastung von höchstens fünf Wochenstunden nicht überschritten wird. Bei Bedarf ist eine ganzjährige Führung dieses Förderunterrichtes zulässig.

5. Für ordentliche Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache kann bei Bedarf abweichend vom Förderunterricht im Sinne der Z 3 ein besonderer Förderunterricht im Ausmaß von bis zu fünf

Wochenstunden angeboten werden. Dieser Förderunterricht kann sowohl parallel zum Unterricht in den Pflichtgegenständen als auch mit diesem gemeinsam geführt werden. Bei Bedarf ist eine ganzjährige Führung dieses Förderunterrichts zulässig. Bei einer drei- bis fünfstündigen Führung dieses Unterrichtes kann für die teilnehmenden Schüler eine Kürzung der Gesamtwochenstundenzahl in den Pflichtgegenständen bis zu drei Wochenstunden vorgesehen werden."

8. In Anlage A siebenter Teil (Bildungs- und Lehraufgaben sowie Lehrstoff und didaktische Grundsätze der Pflichtgegenstände der Grundschule und der Volksschuloberstufe) Abschnitt A (Grundschule) wird nach dem Pflichtgegenstand „Deutsch, Lesen, Schreiben/Deutsch, Lesen" eingefügt

„Lehrplan-Zusatz

Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache

Bildungs- und Lehraufgabe

Der Erwerb der Zweitsprache Deutsch durch Schüler nichtdeutscher Muttersprache ist Teil von vielfältigen interkulturellen Lernvorgängen, die sich als ein Mit- und Voneinanderlernen von Menschen verschiedener Herkunftskulturen auffassen lassen und auf jeden Kulturbereich beziehen können. Beim interkulturellen Lernen geht es vor allem darum, die spezifischen Lebensbedingungen der Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache und die aus der Migration erwachsenden Probleme zu berücksichtigen sowie die Bereitschaft und Fähigkeit zu entwickeln, Aspekte der eigenen Kultur darzustellen, das Anderssein des jeweiligen anderen wahrzunehmen, zu verstehen und sich damit kritisch auseinanderzusetzen; unter Umständen vorhandene Vorurteile gegenüber anderen Kulturen abzubauen, die eigene Kultur zu relativieren und entsprechend diesen Einsichten zu handeln. Zugleich gilt es aber auch, kulturelles Selbstwertgefühl und eine von Friedfertigkeit und Toleranz getragene kulturelle Identität zu bewahren bzw. aufzubauen. In der Schule soll interkulturelles Lernen als Chance für eine inhaltliche und soziale Bereicherung aller Schüler zur Vorbereitung auf ein Leben in einer multikulturellen Weltgemeinschaft erfahren und genützt werden. Diese Einbettung des Erwerbs der Zweitsprache in das interkulturelle Lernen soll kooperatives Von- und Miteinanderlernen aller Schüler ermöglichen.

Ziel der Unterrichtsarbeit ist es, daß die Schüler

— Freude am Zuhören und Mitsprechen sowie am Lesen und Schreiben in der Zweitsprache entwickeln;

— die deutsche Standardsprache immer besser verstehen können (zuerst nur Gesprochenes, dann auch Geschriebenes);

— sich zunehmend differenziert in deutscher Standardsprache verständigen bzw. sich am Unterricht beteiligen können: zuerst nur mündlich, dann auch schriftlich;

— Texte als eigenständige, für schulisches und außerschulisches Lernen bedeutsame Formen der Verarbeitung von Sprache verstehen, lesen, schreiben und verfassen können;

— Arbeits- und Lerntechniken erwerben, welche den Erwerb der Zweitsprache unterstützen;

— unter Wahrung ihrer sprachlichen und kulturellen Identität in die neue Sprach- und Kulturgemeinschaft als aktives Mitglied hineinwachsen.

Dieser Lehrplan-Zusatz gliedert sich in folgende Teilbereiche, die mit dem Hauptteil des Lehrplans folgendermaßen korrespondieren

— Hörverstehen und Sprechen mit „Sprechen", das für alle anderen Teilbereiche grundlegend ist und daher im Zentrum der Sprachförderung steht;

— Lesen- und Schreibenlernen mit „Lesen — Erstlesen; Erstleseunterricht"; „Schreiben": Dem Schüler werden in der Zweitsprache Deutsch zunächst die elementaren Lese- und Schreibkompetenzen vermittelt.

— Weiterführendes Lesen mit „Lesen — Weiterführendes Lesen";

— Weiterführendes Schreiben mit „Verfassen von Texten", „Rechtschreiben",

— Sprachbetrachtung mit „Sprachbetrachtung".

Weitgehend stehen die Teilbereiche jeweils nicht für gesonderte, nacheinander ablaufende Lernprozesse. Sie sind vielmehr als zum Teil parallel laufende, einander ergänzende und stützende Vorgänge zu verstehen.

Bei der klassenbezogenen und individuellen Lernplanung ist zu berücksichtigen, daß die Schüler besonders hinsichtlich der Sprachkompetenz sowohl in der Muttersprache als auch in der deutschen Sprache (Zweitsprache) überaus unterschiedliche

und möglicherweise alters- und schulstufenunabhängige Lernvoraussetzungen haben. Im Bereich der schriftlichen Sprachkompetenz ist es wichtig, zunächst festzustellen, ob ein Kind in seiner Muttersprache bereits alphabetisiert wurde bzw. welche Schriftart es beherrscht.

Lehrstoff

Unabhängig von den einzelnen Teilbereichen sollen sich sprachliche Lernsituationen auf folgende Lebens- bzw. Handlungsbereiche beziehen, wobei die einzelnen Themen immer die kulturellen und soziokulturellen Aspekte aller in der Klasse vertretenen Kulturen (der Herkunftskultur der Schüler und der Migrantenkultur und der Kultur des Gastlandes) umfassen

— die eigene Person und die Familie: eigene Lebensumstände, Erfahrungen, Interessen, Bedürfnisse, Wünsche, Gefühle; Eltern, Geschwister, Großeltern; Ernährung (Speisen und Getränke), Kleidung, Gesundheitspflege, Wohnung,. . .;

— die Schule: Mitschüler, Schulsachen, Schulgebäude, Mitgestalten des Klassen- und Schullebens; verschiedene Lernbereiche bzw. Unterrichtsgegenstände, ...;

— die Freizeit: Freunde, Spielformen und Spielzeug, Hobbies, Tiere und Pflanzen, Reisen, Massenmedien . . .;

— die Öffentlichkeit: Straßenverkehr, Einkaufen (Lebensmittel; Geld,...) und Telefonieren, Postamt, Bahnhof, Arztordination und Krankenhaus, Bücherei, Berufs- und Arbeitswelt . . .;

— Lebensformen und Lebensgewohnheiten: Rollenverhalten von Buben und Mädchen, Männern und Frauen, Erwachsenen und Kindern; Sitten und Bräuche, Feste und Feiern; Wertvorstellungen und Normen ...;

— die Zeit (Uhrzeit, Tageszeit, Jahreszeit) und das Wetter.

Hörverstehen und Sprechen

(korrespondiert mit dem Teilbereich des Fachlehrplanes „Sprechen")

Mündliches Sprachhandeln

Den Sinn einfacher sprachlicher Äußerungen aus dem Sprechkontext erschließen Verstehen des Wesentlichsten auf Grund der Sprechsituation, der Gestik und Mimik des Sprechers bzw. der Sprecher, von Intonation (Melodie, Tonführung) und Rhythmus des Gesprochenen sowie auf Grund der Reaktionen der Sprechpartner bzw. Zuhörer

Einfache (gesprochene) Texte verstehen und angemessen reagieren

Verstehen des Wesentlichen auf Grund sachbezogener und sprachlicher oder nur auf Grund sprachlicher Vorkenntnisse (auch vorgelesene und auf Tonträgern gespeicherte Texte)

ZB nach Bitten, Aufforderungen, Anleitungen uä. handeln

Sich zu Gehörtem äußern Gehörtes sinngemäß und in einfachen Worten wiedergeben Äußern, daß man etwas nicht versteht; um Wiederholung des Gesagten bitten Fragen zu dem Gehörten stellen, etwas dazu ergänzen Etwas bejahen oder verneinen, Zustimmung oder Ablehnung ausdrücken,. . .

Sich in verschiedenen Sprechsituationen absichtsgemäß und partnerbezogen äußern Kontakte aufnehmen und weiterführen: Grüßen, sich verabschieden, sich am Telefon melden und verabschieden, sich selbst oder jemand anderen mit einfachen Worten vorstellen, jemand einladen, sich nach dem Befinden erkundigen, jemand für etwas danken, sich entschuldigen,. . . Handlungen anbahnen bzw. veranlassen: jemanden um etwas bitten, jemandem etwas anbieten (zB Hilfe), Vorschläge machen, Wünsche äußern (zB Sitzordnung, Pausengestaltung, Spiele, Freizeitgestaltung), jemanden um etwas ersuchen, etwas anordnen,... Informationen bzw. Auskünfte einholen und geben: sich nach etwas oder nach jemandem erkundigen bzw. jemandem Auskunft geben

Erzählen und Mitteilen Über sich oder über jemand anderen erzählen; Erlebnisse und Ereignisse, Erfahrungen und Beobachtungen in einfachster Form/Weise mitteilen; Gefühle und Empfindungen (persönliches Befinden) äußern; zu Einzelbildern und Bildfolgen sprechen („Bildlesen"); über Gegenstände, Sachverhalte und Vorgänge sprechen; sich an Gesprächen beteiligen

Rollensprechen im szenischen Darstellen Einfaches Rollenhandeln in Spielszenen erproben und einüben

Sprachstrukturen

(Die Auswahl des sprachlichen Materials soll den Kindern vielfältige Begegnungs- und Übungsformen zu folgenden Schwerpunkten zur Verfügung stellen. Dabei ist auf konsequente Wiederbegegnung und ein allmähliches Fortschreiten vom Leichteren zum Schwereren zu achten.)

Einfache Aussagen situationsadäquat machen — Verneinung — Aufforderungen mit Imperativformen — Fragen mit und ohne Fragewörter — Fragen, bei denen Fragewörter verwendet bzw. nicht verwendet werden — einfache Satzgefüge (zB Ich glaube, daß ... Ich möchte . . ., weil. . . .)

Anredefürwörter

Anredefürwörter adressatenbezogen anwenden (zB bei Du/Sie)

Strukturwörter

Die gebräuchlichsten Strukturwörter in Satzzusammenhängen verstehen und intentionsgemäß sowie sprachrichtig anwenden

Artikel, Fürwörter, Präpositionen, Konjunktionen, Verneinungswörter (nicht, keine, nie . . .) und „Füllwörter" (bitte, doch, einmal, je, denn, wohl, schon,...)

Auf die Bedeutung von Sprachvergleichen mit der Muttersprache bei unterschiedlichen Sprachstrukturen zB bei der Verwendung von Artikel, Fürwort, Präposition usw. verweisen

Grammatische Übereinstimmung

Die richtige Übereinstimmung der entsprechenden Wörter im Satzzusammenhang beachten, üben und anwenden

— Subjekt — Prädikat (Vermeiden von Infinitivformen, zB Ich gehen . . .)

— Artikel — Eigenschaftswort — Namenwort (zB die rot. . . Tasche)

— Artikel — Namenwort

— Fürwort — Namenwort (zB mein . . . Tasche)

Wortschatz

Wortbedeutung

Die Bedeutung eines Wortes aus der Sprachhandlungssituation, aus dem Text und dem Satzzusammenhang erschließen

Die Bedeutung von Wörtern zB durch das Erlernen ihrer Gegenwörter (klein — groß, reden — schweigen, Frau — Mann . . .), durch das Ordnen von Wörtern (zB nach Größe und Gewicht, Lautstärke, Tempo), durch Wortbausteine (Maus

— Mäuschen, Mäuslein, schön — unschön . . .), durch das Zusammenstellen von Wortfeldern mit häufig gebrauchten Wörtern (gehen, sagen ...) und durch das Erlernen wichtiger inhaltlicher Übereinstimmungen (Hähne krähen, Hennen gackern, Hunde bellen, Katzen miauen . . .) genauer erfassen

Alltagswortschatz

In Sprachhandlungssituationen des Alltags und in Rollenspielen einen passiven Verstehens- und einen aktiven Sprechwortschatz erwerben und kontinuierlich erweitern/differenzieren

Fachwortschatz

Den zur Bewältigung der verschiedenen Unterrichtsaufgaben unbedingt benötigten Fachwortschatz für das (passive) Verstehen wie für das (aktive) Sprechen kontinuierlich aufbauen und ständig erweitern

Wortbildung

Bilden von neuen Wörtern mit Hilfe von Vor- und Nachsilben, von Lautveränderungen (zB fliegt — flog — Flug; jung — jünger, gut — gütig, Kraft

— kräftig) und von Wortzusammensetzungen

Gehörschulung und Aussprache

Gewöhnung an Intonation und Rhythmus der deutschen Sprache Die Intonation (Melodie, Tonführung) und den Rhythmus von Wörtern, Sätzen und Texten ganzheitlich erfassen und angemessen deuten; Aussagen bzw. Feststellungen, Fragen, Ausrufe und Aufforderungen unterscheiden

Rhythmische Sprechübungen durchführen Wörter, Sätze und Texte melodisch und rhythmisch richtig nachsprechen

Intonation und Rhythmus intentions-, adressaten-, sach- und situationsgemäß einsetzen

Artikulation (deutliches Sprechen) Wörter, Wortgruppen, Sätze und Texte artikuliert sprechen; Gehörtes nachsprechen (Echoübungen)

Phonetische Übungen Laute und Lautgruppen in ihren Eigenschaften wahrnehmen, unterscheiden und bilden, zB ähnlich klingende Laute (i-u-ü-o-ö, ei-eu-au, m-n, d-t, b-p ...), für das Deutsche charakteristische Laute (Umlaute, Zwielaute, H-Anlaut, SCH-Laut, CH-Laut .. .); kurze, stets offen gesprochene Vokale (offen . ..) und lange, stets geschlossen gesprochene Vokale (zB Ofen) Konsonantenhäufungen (pflegen, strickst, sprichst, . . .)

den Laut, der die Wortgrenzen im Satz markiert und zusammengesetzte Wörter unterteilt (Arbeitsamt, Schichtarbeit. . .) suchen

Lautgedichte, Kinderreime, Abzählverse, Sprachabwandlungsspiele uä. nachsprechen

Bedeutungsunterscheidende Lautveränderung in Wörtern Sich der unterschiedlichen Funktion von Lauten und Lautgruppen in Wörtern bewußt werden, zB Vokallänge (Hüte — Hütte) Vokaltausch (Berg — Burg), Konsonantentausch (backen — packen)

Lesen- und Schreibenlernen

(korrespondiert mit dem Teilbereich des Fachlehrplanes: „Lesen — Erstlesen, Erstleseunterricht"; „Schreiben")

Das Lesen- und Schreibenlernen von Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache erfolgt im Regelfall in einer zumeist wenig vertrauten und kaum altersgemäß beherrschten Sprache. Daraus ergibt sich, daß zunächst im Teilbereich Hörverstehen und Sprechen die erforderlichen Lernvoraussetzungen geschaffen werden müssen. Kinder, die in ihrer Muttersprache bereits lesen und schreiben können, haben im Bereich des Erstlesens und Erstschreibens der Zweitsprache Schwierigkeiten, wenn entweder die Buchstabenschrift ihrer Muttersprache von der im Deutschen gebräuchlichen abweicht (zB kyrillisches Alphabet) oder wenn ihre Muttersprache überhaupt andere Schriftsysteme (zB Bilder-, Silben- oder Konsonantenschriften) benützt. Das Lesenlernen ist in jedem Fall durch die von der Muttersprache abweichenden Laut-Buchstaben-Zuordnungen erheblich erschwert (zB Schreibung der Diphthonge), wobei etwa folgende Unterschiede auftreten können

— gleiche Zeichen in beiden Sprachen, aber unterschiedliche Laute,

— gleiche Laute, aber verschiedene Zeichen,

— weder Laut noch Zeichen sind in der Muttersprache vorhanden.

Das Schreibenlernen kann durch abweichende Buchstabenformen bzw. Schreibrichtungen erschwert sein.

Der Zeitrahmen für das Erlernen des Lesens und Schreibens wird entsprechend den jeweiligen Vorkenntnissen in der Muttersprache ganz individuell gesteckt werden müssen. Im allgemeinen wird diesen Kindern für den Schriftspracherwerb wesentlich mehr Lernzeit einzuräumen sein, weil sie didaktische Schleifen benötigen. Damit sind in diesem Zusammenhang zusätzliche und spezielle Maßnahmen gemeint, welche den erfolgreichen Verlauf und Abschluß des Lese- und Schreiblernprozesses überhaupt erst ermöglichen, zum Beispiel

— besonders intensive Übungen zum akustischen Identifizieren, Diskriminieren und Artikulieren von Einzellauten, Lautgruppen und Wörtern (Hör- und Sprechübungen);

— Erarbeiten des zum Lesen und Schreiben erforderlichen Wortschatzes sowie

— Erarbeiten der zum Lesen und Schreiben benötigten Satz- und Wortbildungsformen.

Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, daß die Schüler nichtdeutscher Muttersprache

— direkt zum Verständnis der Funktion der Buchstabenschrift und — unter Beachtung

des jeweiligen muttersprachlichen Lautinverntars — zur Laut-Buchstaben-Zuordnung geführt werden, um von Anfang an möglichst selbständig mit Schrift umgehen zu können.

Weiterführendes Lesen

(korrespondiert mit dem Teilbereich des Fachlehrplanes „Lesen — Weiterführendes Lesen")

Ist der Leselernprozeß abgeschlossen, ist aufbauend auf der erworbenen Lesefertigkeit sowie auf den Fähigkeiten im Hörverstehen und Sprechen die Lesefähigkeit hinsichtlich der Sinnentnahme und der Sinngestaltung von einfachen Texten zu erweitern und zu festigen.

Klanggestaltendes Lesen Lautgedichte, Sprachspiele uä. vorlesen und „nachlesen" (eines vorgelesenen Textes)

Ausspracherichtiges Lesen bearbeiteter und nicht bearbeiteter Texte Artikulation, Intonation und Rhythmus deutscher Wörter, Sätze und Texte durch Vorlesen üben Beachten der wichtigsten Satzzeichen (Punkt, Frage-, Ruf- und Redezeichen)

Sinngestaltendes und hörerbezogenes Lesen vorgeübter Texte Literarische Texte (zB auch Rollentexte), Gebrauchstexte (zB Einladungen) sowie eigene Niederschriften vorlesen

Überschauendes Lesen von Texten in immer größeren Sinnschritten

Die Ausspracherichtigkeit und die Sinngestaltung zB über das Hören und Vergleichen von Tonbandaufnahmen überprüfen

Sinnerfassendes Lesen Sich den wesentlichen Sinn eines Textes auf Grund der bereits bekannten Wörter und Strukturen, aber auch der Einbettung in einen verbalen/ sprachlichen oder/und nonverbalen/nichtsprachlichen (illustrationsunterstützten) Kontext erschließen

Das Verstehen des Gelesenen zeigen, zB durch das sinngemäße Ausführen von schriftlichen Aufforderungen, Anweisungen, Anleitungen uä., durch das entsprechende Beantworten von Fragen, durch das Äußern von Gedanken zum Text, durch das sinngestaltende Vorlesen, Nachspielen ua.

— mit dem Schwerpunkt der Festigung und Erweiterung des Wortschatzes Den Wortschatz mittels verschiedener Wörterbücher, Wortlisten uä. sowie durch das Lesen einfacher Texte verschiedener Art festigen und erweitern

— mit dem Schwerpunkt der Festigung und Erweiterung der Sprachstrukturen Sich durch das Lesen einfacher Sätze und Texte an die Eigenarten des deutschen Satzbaus gewöhnen (Sätze mit gleichen Satzteilen, mit demselben Satzmuster)

— Sachtexte uä. lesen Texte mit einfachen Aufgaben, Informationen sinnentnehmend lesen

Selbständige Auseinandersetzung mit verschiedenen Texten anbahnen Beantworten und Stellen von Fragen sowie Äußern von Gedanken zum Text

Gespräche über den Text, zu Texten Stellung nehmen

Texte miteinander vergleichen, sie untersuchen, weiterdenken, nachspielen; Textteile neu zusammenstellen, verändern ua.

Weiterführendes Schreiben

(korrespondiert mit dem Teilbereich des Fachlehrplanes „Verfassen von Texten", „Rechtschreiben")

Verfassen von Texten

Vorbereitende und begleitende Übungen zum Verfassen von Texten Einzelne vorgegebene Wörter, Wortgruppen und Sätze sowie kurze Texte abschreiben

Ungeordnet vorgegebene Wörter zu einem Satz, ungeordnet vorgegebene Sätze zu einem sinnvollen Text ordnen (mit und ohne Bildunterstützung)

Einzelne Bilder und Bilderfolgen als Schreibanlässe nützen: zB vorgegebene Wörter, Wortgruppen und Sätze zuordnen

Vorgegebene Textteile ergänzen, zB zu einer Geschichte einen Schluß finden

Gemeinsames Erarbeiten eines Textes, zB zu einem Ereignis oder Bild

— im Bereich des aktiven Wortschatzes durch Schreiben in Sinnzusammenhängen wiederholen und festigen

Sinnzusammenhänge durch die bedeutungsgenaue Wortverwendung schriftlich darstellen bzw. festhalten und verändern

— im Bereich der Satz- und Textstrukturen Situationsbezogene Formulierungsübungen mit Hilfe einfacher Satz- und Textmuster

Die wichtigsten Satzzeichen (Punkt, Frage- und Rufzeichen sowie Redezeichen) sinnbezogen anwenden

Sich in verschiedenen Schreibsituationen absichts- und partnerbezogen äußern Sehr einfache schriftliche Muster funktionsgerecht anwenden, zB Adressen auf Ansichts- und Postkarten, Beschriften von Heften und Büchern

Einfache Gebrauchstexte verfassen, zB Feriengrüße, Merkzettel, Einladungen

Über sich schreiben, über eigene Gefühle und Empfindungen schreiben.

Rechtschreiben

Besondere Rechtschreibprobleme ergeben sich aus den Unterschieden zwischen der jeweiligen Muttersprache und der Zweitsprache Deutsch hinsichtlich ihrer Lautstruktur und Verschriftung. Deshalb sind auch für diesen Teilbereich die Kompetenzen im Hörverstehen und Sprechen von großer Bedeutung.

Bei der Unterrichtsarbeit, die vor allem auf die notwendigen individuellen Schwerpunktbildungen eingehen soll, ist anzustreben, daß die Schüler

— Strategien des Abschreibenlernens entwickeln;

— einen gebräuchlichen aber begrenzten Schreibwortschatz aufbauen und im Sinne des morphematischen Prinzips erweitern;

— gleiche Formen zusammenstellen und Regeln erkennen und anwenden lernen;

— allmählich eine geläufige Nachschlagetechnik erwerben.

Sprachbetrachtung

(korrespondiert mit dem Teilbereich des Fachlehrplanes „Sprachbetrachtung")

Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, daß die Schüler nichtdeutscher Muttersprache Interesse am bewußten Umgang mit der Zweitsprache und am Vergleichen der Zweitsprache mit der eigenen Muttersprache entwickeln.

Wiederholtes Betrachten und Vergleichen von anschaulich vorliegendem Sprachmaterial führen zunehmend zum Entdecken und Erfassen (in Teilbereichen auch Benennen) verschiedener sprachlicher Erscheinungen, zB daß Wörter anzeigen, ob sie etwa nur eine Person bzw. einen Gegenstand oder mehrere Personen bzw. Gegenstände meinen. An derartigen Beobachtungen kann erfahren werden, daß eine Änderung in der Wortbedeutung häufig auch eine veränderte Laut- und Schriftgestalt eines Wortes entspricht.

Erste grundlegende Einsichten in die deutsche Sprache durch Betrachten, Vergleichen und Entdecken gewinnen Vor allem im Zusammenhang mit dem Erstleseunterricht und womöglich im Vergleich mit der jeweiligen Muttersprache können viele sprachliche Erscheinungen erfaßt werden, zB die Gliederung von Texten in Sätze, von Sätzen in Wörter und von Wörtern in Laute bzw. Buchstaben; Laute bzw. Buchstaben in verschiedenen Positionen von Wörtern; Wörter und Wortgruppen in verschiedenen Positionen von Sätzen (zB stehen Adjektive stets vor den Namenwörtern, die sie näher bestimmen; Verben an Satzanfängen leiten Frage- oder Aufforderungssätze ein) Zusammenstellen von Wörtern zum selben Stammwort: „Wortfamilien" bilden

Den Satz als Sinneinheit erfassen Sätze bauen und umbauen

Unvollständige Sätze ergänzen bzw. Lückensätze vervollständigen

Satzschlußzeichen sinngemäß anwenden: Punkt, Fragezeichen, Rufzeichen; Redezeichen (Anführungszeichen) intentionsgemäß anwenden

Die wichtigsten Wortarten kennenlernen

— Zeitwörter Die wichtigsten sprachlichen Zeitformen einander gegenüberstellen

— Namenwort Sammeln und Ordnen von Namen aus der Lebenswelt des Schülers (Namen von Menschen, Tieren, Pflanzen, Dingen); Suchen von Namenwörtern in Sätzen

— Artikel Erfahren, daß den meisten Namenwörtern Artikel zugeordnet werden können

— Persönliche Fürwörter Namenwörter durch Fürwörter ersetzen

— Eigenschaftswörter Zu Namenwörtern inhaltlich passende Eigenschaften suchen

Sprachbezogene Begriffe Die Begriffe Wort, Satz, Text, Laut (langes/kurzes A, E usw.), Buchstabe (großer, kleiner Anfangsbuchstabe), Schrift anhand von Beispielen verstehen (nicht definieren) und im Umgang mit Sprache anwenden

Didaktische Grundsätze

Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache erwerben die Zweitsprache Deutsch im Rahmen der schulischen Gemeinschaft, darüber hinaus aber auch in vielen außerschulischen Lernsituationen. Im Regelfall kann davon ausgegangen werden, daß der Unterricht an ein vorhandenes Bedürfnis nach Kommunikation in der Zweitsprache und nach sozialer Integration in die Lerngemeinschaft anknüpfen kann.

Der Erwerb sprachlicher Kompetenzen geschieht im engen Wechselbezug mit dem Erwerb von sozialen und sachlichen Kompetenzen. Deshalb ist auch die soziale Eingliederung der Kinder mit

nichtdeutscher Muttersprache von Anfang an in den Klassenverband für ihren Lernerfolg von besonderer Bedeutung.

Die Alltagskommunikation geschieht meistens teils in der Muttersprache des Kindes und teils in deutscher Umgangssprache oder in einer Mundart, weniger in deutscher Standardsprache.

Der Erwerb von Begriffen setzt die Konfrontation mit Dingen und Sachverhalten voraus. Daher ist dem didaktischen Grundsatz der „Lebensbezogenheit und Anschaulichkeit" in diesem Zusammenhang besondere Beachtung zu schenken. Lernorte außerhalb des Klassenzimmers bieten dem Spracherwerb besonders wirkungsvolle Impulse.

Der Spracherwerb erfolgt möglichst unter Rückgriff auf bereits verfügbare Kenntnisse der Muttersprache und auf eventuell vorhandene Kenntnisse der Zweitsprache.

Der Spracherwerb geschieht im Wechselspiel von Global- und Detailverständnis. Bei der Sinnerschließung helfen vor allem der Handlungs- und der Sprachkontext (vor allem im schriftlichen Bereich unterstützen beigefügte Illustrationen), bei der Sinnvermittlung unter anderem nonverbale Elemente der Mimik und Gestik.

Wesentliche Bedeutung für Fortschritte im Prozeß des Spracherwerbes kommt der Fähigkeit und Bereitschaft zu, die eigenen Sprachäußerungen im Wechselspiel der Kommunikation zu reflektieren, zu vergleichen und zu korrigieren. Es ist Aufgabe des Unterrichtes, diese Bereitschaft und Fähigkeit zu fördern und zu entwickeln.

Wo es sich anbietet, soll der Bezug zur jeweiligen Muttersprache und Herkunftskultur des Kindes hergestellt werden (Vergleich von Sprachen und Kulturen). Dazu sind Kontakte, Kooperation und Absprachen, vor allem mit dem Lehrer für den muttersprachlichen Zusatzunterricht, aber auch mit den Eltern des Kindes, sehr hilfreich. Wenigstens gelegentlich sollte die Erarbeitung eines Themas in beiden Sprachen gleichzeitig erfolgen.

Der Unterricht hat an die besondere Motivationslage dieser Schüler anzuknüpfen. Die anfänglich meist vorhandene Leistungsbereitschaft soll erhalten und womöglich noch gesteigert werden. Dadurch kann der Gefahr des Stehenbleibens und Verfestigens auf einem bestimmten Niveau der Zweitsprache begegnet werden.

Kinder, die sich kaum auf Deutsch verständigen können, sollten keinesfalls zum Freischreiben angehalten werden. Gerade für sie müssen alle Formen eines lustbetonten Schreibens aufgespürt werden: zB Pictogramme gestalten, Zeichnungen beschriften, dem Lehrer einen Text ansagen und dann abschreiben, Brieferl schreiben, Plakate entwerfen.

Die allgemeine Sprachkompetenz ist in jedem Unterrichtsgegenstand, nicht nur im Sprachunterricht, zu fördern: Jeder Unterricht ist auch als eine Sprachlernsituation aufzufassen.

Darüber hinaus sind in jedem einzelnen Unterrichtsgegenstand die dort benötigte fachliche Terminologie sowie die fachlichen Sprach- und Handlungsstrukturen aufzubauen. Die Textorientiertheit des schulischen Sprachgebrauchs bedeutet eine spezifische Form der kognitiven Orientierung.

Die verschiedenen schriftlichen Texte sollen durch optische Gliederung, durch das Hervorheben von Leit(Schlüssel)wörtern und -begriffen ua. in besonderer Weise aufbereitet werden.

Die Texte sind durch das Kürzen von Sätzen, das Auflösen von Satzgefügen, eine gezielte Wortwahl, durch Konzentration auf das Wesentliche, Einfügen von Erklärungen und Beispielen in verständlicher Alltagssprache ua. zu vereinfachen.

Es sind besondere Hilfsmittel bereitzustellen bzw. einzusetzen und verschiedene Arbeitstechniken zu vermitteln. Den verschiedenen Lösungshilfen beim Rechtschreiben ist besondere Beachtung zu schenken

Nachschlagen in verschiedenartigen ein- und zweisprachigen Wörterbüchern und in Lexika, Erstellen und Gebrauchen von Wortlisten, Arbeit mit muttersprachlichen Paralleltexten ua. mehr.

Die Korrekturen in sprachlicher und in sachlicher Hinsicht sind sehr behutsam, Verständnis- und taktvoll vorzunehmen.

Don, wo es sachlich möglich und gerechtfertigt ist, wird das Erlernen der Sprache teilbereichsübergreifend bzw. integrativ erfolgen, gelegentlich auch unter Rückgriff auf die jeweilige Muttersprache. Im Unterricht ist daher dem sprachkomparativen Prinzip sowie dem kontrastierenden Lernen (besonders im Bereich der Sprachbetrachtung) besondere Beachtung zu schenken. Soweit die Schüler ihre Muttersprache bereits schriftmäßig beherrschen, können sie die Besonderheiten der deutschen Rechtschreibung, wo es sich anbietet, im kontrastierenden Vergleich erlernen.

Für das erfolgreiche Unterrichten von Deutsch als Zweitsprache ist es nötig, daß sich der Lehrer darum bemüht, seine eigene Muttersprache unter dem Gesichtspunkt der Neuheit und Fremdheit zu betrachten. Mit diesem Versuch einer gewissen Distanznahme von etwas ihm sehr Nahem kann er die Schwierigkeiten, die Menschen nichtdeutscher Muttersprache beim Erlernen des Deutschen haben, wenigsten erahnen und ihnen didaktisch angemessen begegnen.

Im Hinblick auf seine Rolle als entscheidendes Sprachvorbild ist es für Lehrer besonders wichtig, daß sie möglichst oft das einzelne Kind ansprechen, besonders deutlich artikulieren, ihr gewohntes Sprechtempo etwas verringern und das gesprochene Wort bei normaler Intonation und Rhythmisierung mimisch und gestisch unterstützen.

Übungsreihen sollten im Regelfall in der Reihenfolge Hören — Verstehen — Sprechen — Lesen — Schreiben aufgebaut werden.

Gleichlautende, aber in ihrer grammatischen (syntaktischen und morphologischen) Funktion unterschiedliche Formen sollten nicht gleichzeitig, sondern mit hinreichendem zeitlichem Abstand erarbeitet werden."

9. In Anlage A achter Teil (Bildungs- und Lehraufgaben, Lehrstoff sowie didaktische Grundsätze der verbindlichen Übungen in der Grundschule) lautet die verbindliche Übung „Verkehrserziehung"

„Verbindliche Übung „Verkehrserziehung" Bildungs- und Lehraufgabe

Durch die Verkehrserziehung in der Volksschule soll eine kritische, verantwortungsvolle und umweltbewußte Einstellung zum Straßenverkehr geweckt und ein sicheres Verhalten als Fußgänger, Mitfahrer und Radfahrer angestrebt werden.

Lernprozesse in der Verkehrserziehung sind unter dem Anspruch der Förderung sozialer Bewußtseinsbildung und sozialer Haltung zu organisieren. Durch entsprechende Formen der Vermittlung sollen Einsichten, Einstellungen, Verhaltensweisen und Kenntnisse grundgelegt werden; dies sowohl mit dem Ziel, das Grundschulkind zur Teilnahme als Fußgänger am Straßenverkehr zu befähigen, als auch unter dem Gesichtspunkt seiner künftigen Verkehrsteilnahme als Jugendlicher und Erwachsener.

Im einzelnen soll Verkehrserziehung

— Einsichten in elementare Zusammenhänge der Verkehrsregelung und des Verkehrsablaufs sowie zwischen Straßenverkehr und Umweltschutz erschließen;

— zur Bereitschaft führen, vorgegebene Normen und Regelungen sowie sonstige Erfordernisse und Gegebenheiten im Straßenverkehr zu akzeptieren und sich um soziales, auf Sicherheit gerichtetes, die Umwelt schützendes Verhalten zu bemühen;

— die optische und akustische Wahrnehmungsfähigkeit, die Motorik, das Konzentrationsvermögen und die Reaktionssicherheit der Kinder als Voraussetzung für eine selbständige, sichere Teilnahme am Straßenverkehr verfeinern;

— die als Grundlage für verkehrsangemessenes Verhalten erforderlichen Kenntnisse über Verkehrseinrichtungen, Verkehrsvorschriften, Verkehrswege und Verkehrsmittel sowie Kenntnisse über den Umweltschutz und seine Bedeutung vermitteln;

— durch Einübung konkreter Verhaltensmuster zur Bewältigung der täglichen Anforderungen als Fußgänger und als Mitfahrer in privaten und öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch als Radfahrer befähigen.

Lehrstoff

Die Verkehrserziehung in der Grundschule hat bestimmte Grundleistungen zur Voraussetzung; sie sind auf allen vier Schulstufen zu fördern und durch gezielte Maßnahmen zu sichern.

Die optische Wahrnehmung verfeinern und das Symbolverständnis für optische Zeichen erweitern Lichtzeichen von Anlagen und Lichtzeichen an Fahrzeugen wahrnehmen, ihre Signalfunktion verstehen und ihre Bedeutung für das Verhalten der Verkehrsteilnehmer kennen

Verkehrszeichen (Farbe, Form), andere Verkehrseinrichtungen und Fahrzeuge im Verkehr von weitem wahrnehmen

Die optischen Wahrnehmungsmöglichkeiten anderer Verkehrsteilnehmer in Betracht ziehen: selbst gesehen werden

Die akustische Wahrnehmung verfeinern und das Symbolverständnis für akustische Zeichen erweitern Verkehrsgeräusche bewußt wahrnehmen, unterscheiden und das eigene Verhalten darauf einstellen: — Motorengeräusche (Moped, Motorrad, Traktor, PKW, LKW usw.) — Fahrgeräusche (Anfahren, Beschleunigen, Bremsen, Rutschen usw.) — Geräuschquellen orten: ihre Lage bzw. Richtung angeben, ihre Entfernung vom eigenen Standpunkt schätzen

Die Kommunikationsfähigkeit im Straßenverkehr fördern Im Straßenverkehr gebräuchliche nonverbale Kommunikationsmuster wahrnehmen, verstehen und das eigene Verhalten darauf einstellen: — Handzeichen, Gesten, Blickkontakt — Bewegungsabläufe von Fahrzeugen (Geschwindigkeit, Beschleunigung, Verzögerung, Richtungsänderung) — Warnsignale (Fahrradglocke, Hupe, Folgetonhorn usw.)

Typische Merkmale bestimmter Verkehrsteilnehmer erkennen und auf ihr mögliches Verhalten Rücksicht nehmen: alte Menschen, Behinderte, Kinder usw.

Das Kommunikationsvermögen und die die Reaktionssicherheit verfeinern Im realen Verkehrsgeschehen wesentliche Einzelheiten wahrnehmen

Die Konzentration beeinträchtigende Faktoren erkennen

Entfernungen und Geschwindigkeiten situationsgemäß richtig beurteilen und darauf angemessen reagieren

Grundstufe I (1. und 2. Schulstufe) Vorgegebene Regeln akzeptieren

Entwickeln von Einsichten in die Notwendigkeit der Verkehrsordnung Auf Grund von Beobachtungen und Erfahrungen die Einsicht erschließen, — daß der Straßenverkehr durch eine Verkehrsordnung geregelt werden muß und — daß diese Regelungen auch für das eigene Verhalten im Straßenverkehr Schutz und Hilfe bieten

Vertrautmachen mit den Verkehrsverhältnissen im Einzugsbereich der Schule

Bewußtmachen besonderer Merkmale der örtlichen Verkehrsflächen Gehsteig, Gehweg, Fahrbahn; Fußgängerübergang, Kreuzung; Straßen im verbauten Gebiet, Freilandstraßen; schmale/breite Straßen; viel/wenig Verkehr; übersichtliche/unübersichtliche Stellen; Schulwegsicherung

Erkennen besonderer Gefahrenstellen. Verparkte Straßen, Haltestellen; Baustellen, Umleitungen; schneller Verkehrsstrom; gefährliche Stellen auf Freilandstraßen, erschwerte Sichtverhältnisse (Kurven, Kuppen, Nebel, Dämmerung usw.)

Erkennen von empfehlenswerten Überquerungsstellen Unter- bzw. Überführung, geregelter Übergang (Ampel, Exekutive, Schülerlotsen, Schulwegpolizei), Zebrastreifen, übersichtliche Stellen

Verhalten von Kindern als Mitfahrer Grundlegende Gesichtspunkte über das Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln, im Schulbus, im PKW

Der Fußgänger im Straßenverkehr — Aufbau von angemessenen Verhaltensweisen

Verkehrszeichen beachten Die für den Fußgänger bedeutendsten Verkehrszeichen kennen und das eigene Verhalten darauf einstellen

Verhalten auf dem Gehsteig oder Gehweg Die wichtigsten Verkehrsregeln kennen und beachten: — Benützen von Gehsteigen und Gehwegen (Benützungspflicht, auf der der Fahrbahn abgelegenen Seite gehen usw.)

— wenn Gehsteige und Gehwege nicht vorhanden sind (zB auf Freilandstraßen): Links gehen — Gefahr sehen — nicht überraschend die Fahrbahn betreten

Verhalten vor dem Überqueren der Fahrbahn ohne Überquerungshilfe Bewußte Auswahl der Überquerungsstelle; Stehenbleiben am Gehsteig-/Fahrbahnrand bzw. an der Sichtlinie; mehrmaliger Blick nach beiden Seiten; allenfalls Kontaktaufnahme mit Fahrzeuglenkern (Blickkontakt); Entscheidung zum Überqueren treffen (witterungsbedingte Straßenverhältnisse berücksichtigen, anderen nicht blindlings nachgehen)

Verhalten vor dem Überqueren der Fahrbahn auf Zebrastreifen Nach Möglichkeit für das Überqueren der Fahrbahn Zebrastreifen wählen; vor dem Betreten den Verkehr genau beobachten; bedenken, daß der Zebrastreifen keinen absoluten Schutz bietet

Verhalten vor dem Überqueren der Fahrbahn auf ampelgeregelten Kreuzungen Sich nach vorhandenen Ampelregelungen (Mittelampel, Fußgängerampel, Druckknopfampel) richten; auch bei Grün nicht gleich gehen, sondern zuerst schauen (zB abbiegende Fahrzeuge)

Verhalten vor dem Überqueren der Fahrbahn auf durch Exekutivbeamte oder Schülerlotsen geregelten Kreuzungen Sich nach den Handzeichen richten, womöglich Blickkontakt herstellen; auch hier beim Freizeichen nicht gleich gehen, sondern zuerst schauen (zB abbiegende Fahrzeuge)

Verhalten beim Überqueren der Fahrbahn Auch jetzt nach beiden Seiten schauen, rasch gehen (nicht laufen), auf kürzestem Weg überqueren

Bei vor dem Zebrastreifen anhaltenden Fahrzeugen auch auf Überholer achten; bei vorzeitigem Phasenwechsel der Ampel weitergehen

Beim Herannahen von Einsatzfahrzeugen (Folgetonhorn, Blaulicht) besonders vorsichtig sein

Vertrautmachen mit den Regelungen für das Spielen auf der Straße

Die Regelungen für das Spielen auf der Straße kennenlernen und sich entsprechend verhalten Beachten des prinzipiellen Verbots für das Spielen auf der Fahrbahn, auf dem Gehsteig und auf Gehwegen (Ausnahmeregelungen bei Spiel- und Wohnstraßen)

Beachten des Sicherheitsaspekts und Wecken der Rücksichtnahme

3. Schulstufe Die folgenden Lehrstoffe können je nach den regionalen Verkehrsgegebenheiten unterschiedlich akzentuiert werden. Das für die Teilnahme als Fußgänger am Straßenverkehr erworbene Wissen und Verhalten erweitern und vertiefen

Verkehrszeichen und Verkehrsregeln kennen und beachten Zusätzliche, für das Verhalten der Fußgänger bedeutsame Verkehrszeichen und sonstige Verkehrseinrichtungen kennen und das eigene Verhalten darauf einstellen

Die für Fußgänger bedeutsamen Verkehrsregeln kennen, akzeptieren und danach handeln

Erweitern des Regelverständnisses Auch Ausnahmeregelungen sind Verkehrsregeln (zB Zusatztafeln bei Verkehrszeichen, Vorrang für Einsatzfahrzeuge)

Soziales, auf Sicherheit gerichtetes Verhalten im Straßenverkehr erweitern

Verantwortungsbewußtes und vorausschauendes Verhalten entwickeln Das eigene Verhalten im Straßenverkehr kritisch reflektieren; sich zunehmend der eigenen Verantwortung für dieses Verhalten bewußt werden; Konfliktsituationen vermeiden

Das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer beobachten; Fehlverhalten erkennen und das eigene Verhalten darauf einstellen

Mögliche Gefahren im Straßenverkehr rechtzeitig erkennen und das eigene Verhalten darauf einstellen, zB — Verkehrszeichen, die auf Gefahren hinweisen — besondere Beschaffenheit der Verkehrsfläche (Glatteis, Schnee, Nässe, Laub usw.) — Beeinträchtigung der Sicht (Nebel, Regen, Dunkelheit usw.)

Personen der Verkehrsüberwachung unterstützen „Ordnungshüter" im Straßenverkehr (Exekutive, Schülerlotsen, Schulwegpolizei) anerkennen und durch eigenes Verhalten unterstützen

Richtiges Verhalten bei Unfällen erwerben Bei Unfällen situationsgerecht und altersgemäß handeln (Hilfe holen, nicht durch Neugier andere behindern, in besonderen Fällen selbst einfache Hilfeleistungen vornehmen)

Das Kind als Mitfahrer in öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln — Aufbau von angemessenen Verhaltensweisen

Öffentliche Verkehrsmittel im Umkreis des Schulstandortes Das öffentliche Verkehrsnetz im Einzugsbereich der Schule kennen: Bahn, Bus, Straßenbahn, U-Bahn

Erste Einsichten in die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs für den Umweltschutz gewinnen

Verkehrsgerechtes Verhalten der Benützer von öffentlichen Verkehrsmitteln und Schulbussen Verhalten vor dem Einsteigen, zB — auf dem Gehsteig bleiben — auf Bahnsteigen Sicherheitsabstand zu den Gleisen einhalten — erst einsteigen, wenn das Fahrzeug/der Zug hält — beim Einsteigen nicht drängen

Verhalten im Verkehrsmittel, zB — sich festhalten — nach Möglichkeit Sitzplätze benützen — älteren Menschen und Behinderten den Sitzplatz überlassen — Ruhe und Ordnung bewahren — den Fahrer nicht stören — die Einrichtungen des Verkehrsmittels möglichst schonend behandeln

Verhalten beim und nach dem Aussteigen, zB — im Schulbus erst aufstehen, wenn der Bus hält — in öffentlichen Verkehrsmitteln rechtzeitig zum Ausgang gehen — die Fahrbahn erst überqueren, nachdem das Verkehrsmittel abgefahren ist

Verkehrsgerechtes Verhalten beim Mitfahren in/ auf anderen (privaten) Verkehrsmitteln Verhalten als Mitfahrer im PKW, zB — auf der Gehsteigseite ein- und aussteigen — Rücksitz benützen und Sicherheitsgurte anlegen — den Fahrer nicht stören oder ablenken

Verhalten als Mitfahrer auf landwirtschaftlichen Fahrzeugen, zB — nur auf gut gesicherten Sitzen sitzen — sich gut festhalten

Das Kind als Radfahrer — Vermittlung erster Kenritnisse, Einsichten und Verhaltensweisen

Das Fahrrad — ein Verkehrsmittel Anbahnung einer sachlichen Einstellung zum Gebrauch des Fahrrades: kein Spielzeug, sondern ein Verkehrsmittel

Gesetzliche Regelungen über Altersgrenzen Die für das Lenken eines Fahrrades wichtigsten Altersgrenzen kennen, sie akzeptieren und sich entsprechend verhalten

Verkehrszeichen beachten Die für Radfahrer bedeutendsten Verkehrszeichen kennen und das eigene Verhalten darauf einstellen

Verkehrssicheres Fahrrad und Sicherheitsausrüstung des Lenkers Die Vorschriften über die Beschaffenheit und Ausrüstung des Fahrrades kennen; das eigene Fahrrad diesbezüglich überprüfen und eventuelle Mängel ergänzen (lassen)

Die für die Sicherheit des Lenkers erforderliche Ausrüstung (zB Sturzhelm) kennen und benützen

4. Schulstufe Die folgenden Lehrstoffe können je nach den regionalen Verkehrsgegebenheiten unterschiedlich akzentuiert werden. Soziales, auf Sicherheit gerichtetes Verhalten im Straßenverkehr erweitern und vertiefen

Sich als Fußgänger sicher verhalten Besondere Situationen beim Überqueren der Fahrbahn kennen und das eigene Verhalten darauf einstellen (wenn die Verkehrsampel nicht funktioniert, wenn Fahrzeuge abbiegen wollen, wenn man allein an einer ungeregelten Kreuzung ist usw.)

Sich beim Überqueren von beschrankten und unbeschrankten Eisenbahnübergängen verkehrsgerecht verhalten

Sich bei Baustellen, Umleitungen und anderen Verkehrsbehinderungen verkehrsgerecht verhalten

Für andere Verkehrsteilnehmer Verantwortung übernehmen Kleinere Kinder im Straßenverkehr führen (zB kleinere Geschwister, Schulwegpartnerschaften)

Behinderten und älteren Menschen helfen

Mögliche Gefahren rechtzeitig erkennen und darauf angemessen reagieren Das eigene Verhalten auf die besondere Art der Fortbewegung von Verkehrsmitteln einstellen, zB — Schwierigkeiten des Spurhaltens einspuriger Fahrzeuge — Spurgebundenheit der Schienenfahrzeuge — Überbreite und/oder Überlänge von Fahrzeugen — Ausscheren langer Fahrzeuge in Kurven

Sich als Mitfahrer in öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln zunehmend selbständig und sicher verhalten

Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel und Schulbusse Erweiterte Kenntnisse über das öffentliche Verkehrsnetz erwerben (Verkehrsknotenpunkte, Verkehrsanschlüsse, Taktverkehr usw.)

Das eigene Verhalten und das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer kritisch reflektieren

Mögliche Konflikt- und Gefahrenquellen kennen, sie rechtzeitig erkennen und das eigene Verhalten darauf einstellen

Mitfahren in/auf anderen (privaten) Verkehrsmitteln Sich als Mitfahrer im PKW richtig verhalten

Die Vorschriften für das Mitfahren auf Fahrrädern kennen und sich dementsprechend verhalten

Mögliche Gefahrenquellen kennen und entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen (zB Sicherheitsgurten, Schutzhelm; aber auch: sich gut festhalten)

Einsichten in das Verhalten von Fahrzeuglenkern gewinnen Durch Technik und Witterung bedingte Probleme kennen: toter Winkel, Bremsweg, Sichtbehinderung usw.

Andere Störfaktoren beachten: Lärm, Ablenkung, Behinderung bei der Fahrtätigkeit usw.

Als Radfahrer Sicherheit im Straßenverkehr erwerben

Das Fahrrad — ein Gebrauchsgegenstand und Verkehrsmittel Erkennen und einsehen, daß. das Fahrrad ein Verkehrsmittel ist, dessen Benutzung viele Vorteile bringt, aber auch Gefahren in sich birgt

Im Einzugsbereich der Schule vorgesehene Verkehrsflächen für Radfahrer kennen und benutzen

Sichere Beherrschung des Fahrrades Die Bedeutung einer sicheren Spurführung auf gerader Fahrbahn und in Kurven für die eigene Sicherheit und die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer kennen

Die Bedeutung zeitgerechten Bremsens mit der Vorderrad- und Hinterradbremse erkennen und das eigene Verhalten darauf einstellen

Verkehrszeichen und andere Verkehrseinrichtungen kennen Die für Radfahrer bedeutsamen Verkehrszeichen kennen und sich ihrer Bedeutung entsprechend verhalten

Die verschiedenen Bodenmarkierungen kennen und sich ihrer Bedeutung entsprechend verhalten

Das Vorrangprinzip, Vorrang- und Nachrangregeln kennen Die Prinzipien „Vorrang" — „Nachrang" und ihre Bedeutung für die Verkehrssicherheit kennen

Die für Radfahrer wichtigsten Vorrang- und Nachrangregeln kennen und in praktischen Beispielen im Schonraum erproben

Zur Sicherheit im Straßenverkehr beitragen Die Bedeutung des Defensivverhaltens im Straßenverkehr kennen und selbst beachten, zB — angemessene Geschwindigkeit (insbesondere beim Bergabfahren) — Sicherheitsabstand einhalten (vorne und seitlich) — die Fahrweise der Oberflächenbeschaffenheit der Fahrbahn anpassen — Gepäcksstücke (zB Schultasche) sicher befördern — den Vorrang von Einsatzfahrzeugen beachten — die besondere Regelung des Vorrangs für Schienenfahrzeuge beachten

Radfahren im verbauten Gebiet und auf Freilandstraßen Wichtige Verhaltensregeln für das Radfahren in verbauten Gebieten und auf Freilandstraßen kennen und einhalten

Verbote und Gebote Die für Radfahrer gesetzlich festgelegten Verbote und Gebote kennen und einhalten

Abbiegen Sicheres Verhalten beim Rechtsabbiegen auf geregelten und ungeregelten Kreuzungen durch Üben im Schonraum erwerben

Die schwierige Situation des Linksabbiegens auf geregelten und ungeregelten Kreuzungen im Schonraum besonders gut einüben

Überholen Die für das Überholen und Überholtwerden geltenden Regelungen kennen und anwenden; mögliche Gefahren bewußtmachen

Den Zusammenhang zwischen Straßenverkehr und Umwelt erschließen

Erste Einsichten in die Beziehungen zwischen Wohnumwelt und Straßenverkehr Den Zusammenhang zwischen Wohnraum, Wirtschaftsraum und Verkehrsnetz an einem regionalen Beispiel erkennen

Kritische Aspekte zwischen dem Anspruch auf gesundes Wohnen und dem Bedarf an Straßenverkehr erschließen

Möglichkeiten einer Veränderung des Straßenverkehrs im Einzugsbereich der Schule zugunsten besserer Wohnqualität überlegen

Luftverschmutzung Durch den Vergleich Straßenfahrzeuge (ohne Fahrräder) — Schienenfahrzeuge den Unterschied der Luftverschmutzung (Schadstoffemission) erkennen

Lärmentwicklung Verkehrsmittel in solche mit hoher, mit mittelmäßiger, mit geringer und mit keiner Lärmentwicklung einteilen

Grundwasserverschmutzung Gefahren der Grundwasserverschmutzung durch Benzin und Öl erkennen

Ausnutzungsgrad Den unterschiedlichen Ausnutzungsgrad verschiedener Verkehrsmittel erkennen (Menschen- und Gütertransport durch Fahrrad, PKW, LKW, Bus, Bahn; Begriff Massenverkehrsmittel)

Landschaftsverbrauch Den unterschiedlichen Landschaftsverbauch für den Straßenverkehr einerseits und den Schienenverkehr andererseits erkennen

Didaktische Grundsätze

Der verbindlichen Übung Verkehrserziehung sind besondere Bildungs- und Lehraufgaben sowie konkrete Lehrstoffe zugeteilt, um eine weitgehend eigenständige Behandlung dieses bedeutsamen Erziehungsauftrags der Grundschule sicherzustellen. Als solche steht sie zwar in engem Zusammenhang mit dem fächerübergreifenden Unterrichtsprinzip Verkehrserziehung, sie ersetzt dieses Prinzip jedoch nicht.

Verkehrserziehung ist ihrem Wesen nach auf die Aneignung normgerechten, situationsangemessenen Verhaltens, das der eigenen Sicherheit und der Sicherheit anderer dient, ausgerichtet.

Da sich Verhalten im allgemeinen sowohl aus dem individuellen Selbstkonzept des Kindes als auch durch auf Lernen gerichtete Anregungen und Herausforderungen und die darauffolgenden Rückmeldungen entfaltet, ergeben sich in Übereinstimmung mit den allgemeinen didaktischen Grund-

sätzen des Lehrplans ua. folgende spezifische didaktische Ansprüche an den Unterricht

a) Verkehrserziehung schöpft auf allen vier Schulstufen ihre Lernanlässe und Inhalte überwiegend aus den realen Verkehrsverhältnissen und -ereignissen im Einzugsbereich der Schule. Dies schließt die Möglichkeit von Gelegenheitsunterricht ein. Außerdem können im Sinne des Rahmencharakters des Lehrplans insbesondere auf der 3. und 4. Schulstufe bei der Stoffauswahl die Schwerpunkte den regionalen Verkehrsgegebenheiten entsprechend unterschiedlich gesetzt werden.

b) Im Hinblick auf den Grundsatz der Kindgemäßheit des Unterrichts ist insbesondere bei der Vermittlung der rechtlichen Vorschriften behutsam vorzugehen. Um auf das Verhalten der Kinder einzuwirken, sind diese Vorschriften wiederholt und in verschiedenen Sinnzusammenhängen aus dem realen Verkehrsgeschehen einsichtig zu machen.

c) Neben sachlichem Lernen ist Verkehrserziehung wesentlich auch auf soziales Lernen ausgerichtet. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit ist auf die Eingebundenheit des am Verkehr teilnehmenden Kindes in die große Gruppe der Verkehrsteilnehmer im Sinne einer gut eingespielten Verkehrsgemeinschaft hinzuweisen. Jeder trägt nicht nur für sich selbst, sondern in hohem Maß auch für andere Verantwortung. Das Rollenspiel kann als eines der Mittel zur Selbsterfahrung in diesem Lernbereich empfohlen werden.

d) Um auf die Entfaltung des Verhaltens der Kinder nachhaltig einwirken zu können, ist zur Bewältigung konkreter Verkehrssituationen des Alltags das Einüben von Verhaltensmustern in geeigneten Schonräumen (Verkehrserziehungsgarten, Schulhof, Turnsaal u. dgl.) unerläßlich. Dabei können auch Beamte der Exekutive über das „Standardprogramm für den schulischen Einsatz der Exekutivbeamten in der Verkehrserziehung" und über die Vorbereitung auf die „Freiwillige Radfahrprüfung" hinaus einbezogen werden. Um Lernen durch Einsicht zu ermöglichen, ist die Begründung dieser Verhaltensmuster durch die Schüler notwendig.

e) Regelmäßige Wiederholung und systematische Festigung der im Abschnitt Lehrstoff angegebenen Verhaltensweisen sind wichtige Voraussetzungen für die Sicherung des Unterrichtsertrages. Dabei ist auf eine enge Verklammerung der Inhalte der Verkehrserziehung von der 1. bis zur 4. Schulstufe zu achten.

f) Verkehrserziehung sollte auf allen vier Schulstufen vom Lehrer so engagiert angelegt werden, daß sie von jedem Kind als etwas besonders Wichtiges, Lebensbedeutsames erkannt und akzeptiert wird. Richtiges, zunehmend selbständiges Verhalten im Straßenverkehr sollte als echte Lernleistung anerkannt und bei entsprechenden Gelegenheiten auch verstärkt werden.

10. In Anlage A neunter Teil (Bildungs- und Lehraufgaben sowie Lehrstoff und didaktische Grundsätze der Freigegenstände und unverbindlichen Übungen) Abschnitt A (Grundschule) wird nach der unverbindlichen Übung „Darstellendes Spiel" eingefügt

„Muttersprachlicher Unterricht Bildungs- und Lehraufgabe

Ziel des Muttersprachlichen Unterrichts ist der Erwerb der Muttersprache zur Herstellung von Kontinuität und Stützung der Persönlichkeitsentwicklung, ausgehend von der Zugehörigkeit zum Sprach- und Kulturkreis der Eltern. Gefördert werden soll eine positive Einstellung zur Muttersprache und zum bikulturellen Prozeß (in der neuen Umwelt Österreich). Die prinzipielle Gleichwertigkeit von Muttersprache und Deutsch muß im Unterricht für die Schüler erlebbar sein, dann kann die Bedeutung der Zweisprachigkeit und der Bikulturalität den Schülern einsichtig gemacht werden.

Die Erreichung der Zweisprachigkeit ist Ziel des Muttersprachlichen Unterrichts, die Gleichwertigkeit von Muttersprache und Deutsch ist anzustreben. Zur Wahrung der Bildungschancen ist auf die Herstellung einer altersgemäßen Kommunikationsfähigkeit im schriftlichen wie mündlichen Bereich zu achten, die Kommunikationsbereitschaft und richtiger Sprachgebrauch sind zu fördern und zu festigen. Schließlich sind Grundeinsichten in die Sprachstruktur und in die Literatur der jeweiligen Sprache zu vermitteln.

Der Muttersprachliche Unterricht umfaßt folgende drei Aufgabenbereiche

• Festigung der Muttersprache/Primärsprache als Grundlage für den Bildungsprozeß überhaupt sowie für den Erwerb weiterer Sprachen

• Vermittlung von Kenntnissen über das Herkunftsland (Kultur, Literatur, gesellschaftliche Struktur, ökonomische, politische Verhältnisse usw.)

• Auseinandersetzung mit dem bikulturellen Prozeß (das ist Migrantenkultur, neue Sozialisationsbedingungen, neues kulturelles Umfeld, soziokulturelle und psychosoziale Konfliktfelder usw.)

Lehrstoff

Grundstufe I (1. und 2. Schulstufe)

Das muttersprachliche Können der Kinder muß (oft) zu einem beträchtlichen Teil erst aufgebaut werden, dh. die Kinder verfügen (in der Regel) über sehr unterschiedliche Spracherfahrungen und unterschiedlich entwickelte Sprachfähigkeiten. Die Umwelt der Schüler bietet sehr unterschiedliche Anlässe und Möglichkeiten zur Verwendung der Muttersprache, die in der bikulturellen Lebenswelt gemachten Erfahrungen haben unterschiedliche Haltungen zur Muttersprache sowie zu Deutsch zur Folge. Deutsch ist als die primäre Unterrichtssprache zu erwerben, während die Muttersprache die primäre Erlebnis-, Erfahrungs- und Sozialisationssprache der Kinder ist. Unter diesen Gegebenheiten bildet sich ein unterschiedlich entwickelter Bilinguismus heraus. Kulturelle Unterschiede, Mißverständnisse und Verunsicherungen sind aufzugreifen, zu verbalisieren und aufzuarbeiten.

In der Grundstufe I umfaßt der Muttersprachliche Unterricht folgende Bereiche und Grobziele

• Erhalt, Pflege und Weiterentwicklung der im Vorschulalter erworbenen Sprachkenntnisse

• Förderung und Weiterentwicklung der Begriffsbildung

• Grundeinsichten in kontrastive Strukturen Muttersprache — Deutsch

• Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit

• Vermittlung von Grundwissen über das Herkunftsland

• „Integrationsarbeit" (Reflexion über und Auseinandersetzung mit dem bikulturellen Prozeß)

• Durchführung von interkulturellen Projekten

Das Ziel der Kommunikation in der Muttersprache soll auf die Bewältigung realer Kommunikationsanforderungen sowie auf reale Sprachverwendungszusammenhänge ausgerichtet sein. Thematische Kriterien sollen Vorrang vor formallinguistischen haben. Soziokulturelle Situationen, eigene Erfahrungen der Kinder sollen aufgegriffen werden und den gegenwärtigen oder künftigen Verständigungsinteressen und -bedürfnissen Rechnung tragen. Gefordert ist ein Unterricht, der ein offenes, flexibles Angebot zuläßt, darüber hinaus ist eine stark differenzierende und individualisierende Vorgangsweise im Unterricht notwendig.

Lehr- und Lernzieldefinition

• Alphabetisierung in der Muttersprache, Vermittlung allgemeiner Kulturtechniken (ua. Rechnen) sowie nach Möglichkeit anderer Inhalte (Sachunterricht ua.) in der Muttersprache

• Herstellung bzw. Erreichung altersgemäßer muttersprachlicher Sprachstandards

• Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit (und zwar bezüglich des Wortschatzes, der Begrifflichkeit, des Satzbaues sowie hinsichtlich soziokommunikativer Situationen)

• Sensibilisierung für zweisprachige Kommunikation

• Vermittlung einer positiven Einstellung zur Muttersprache und zur Zweisprachigkeit

Teilziele

Mündliche Kommunikation

Zur Steigerung der Verstehenskompetenz und der Sprechfähigkeit sind folgende Zwischenschritte notwendig

• Erweiterung des muttersprachlichen Grundwortschatzes bzw. Herstellung gemeinsamer muttersprachlicher und begrifflicher Standards

• Erweiterung der syntaktischen Mittel (vollständige Sätze, komplexere Satzgefüge usw.)

• Zusammenhängendes mündliches Darstellen von Ereignissen, Erlebnissen, Sachverhalten usw. aus dem persönlichen Erfahrungsbereich der Kinder

• Nacherzählungen

• Förderung dialogischen Sprechens (später monologischen Sprechens)

• Schaffung von Sprechanlässen, die für die Kinder motivierend sind und ihren Mitteilungsbedürfnissen entsprechen. Dabei sollen die Schüler ihre Ausdrucksmöglichkeiten so einbringen und gezielt erweitern können, daß sie nicht nur einzelne Äußerungen zu verstehen und zu produzieren, sondern nach und nach in ganzen Sequenzen zu denken und sprachlich zu handeln imstande sind.

• Explizite Schulung des Verstehens und der rezeptiven Sprachfähigkeiten (und zwar an Verstehenssituationen, die der Realität möglichst nahekommen)

Schriftliche Kommunikation

• Alphabetisierung in der Muttersprache

• Beherrschung der Kulturtechniken „Lesen" und „Schreiben"

• Schreiben von Texten als sprachliches Handeln im Kommunikationszusammenhang (Adressatenbezug und Inhalt der Mitteilung spielen dabei eine wichtige Rolle)

• Orientierung der Schreibanlässe an realen Kommunikationssituationen (Kurzmitteilungen, Briefe — zB an Verwandte uä.)

Wichtig ist hier die Koordination mit dem Deutschunterricht. In der Regel soll die Alphabetisierung in der Muttersprache dem Lese-/Schreibunterricht in Deutsch vorangehen oder parallel stattfinden. Allmählich sollen strukturelle Unter-

schiede zwischen Deutsch und der Muttersprache bewußt gemacht werden. (Dies kann insbesondere anhand von deutsch-muttersprachlichen Paralleltexten veranschaulicht werden.)

Im fortgeschrittenen Stadium des Lese-/Schreibprozesses sind zunehmend sinnvolle Schreibanlässe zu bieten und Motivationen für eigene schriftliche Produktionen zu schaffen.

Lesen

• Erreichung der Lesefertigkeit

• Frühzeitige Orientierung des Leselernprozesses als Wirklichkeitsaneignung an authentischen Texten und an verschiedenen Textsorten

• Vermittlung der Grundtechniken der Texterschließung (Erfassung des Informationsgehaltes und dessen Einbettung in die eigene Erfahrungswelt), „Übersetzung" eines Textes in zeichnerische, pantomimische ua. kreative Tätigkeit

• Arbeit mit Wörterlisten und Verwendung von Wörterbüchern (einsprachigen wie zweisprachigen) nach Erreichung der Lesefähigkeit

Sprachbetrachtung

• Bewußtmachen der Unterschiede von gesprochener und geschriebener Sprache

• Segmentieren des Sprechflusses (Erkennen der Wort- und Satzgrenzen) im Zuge des Erwerbs der Kulturtechniken Lesen und Schreiben

• Bewußtmachen von Sprache als Beobachtungs- und Reflexionsfeld (Erkennen sprachlicher Varietäten, Erkennen „des Eigenen und des Fremden" in der Sprache, Reflexion über Sprachgefühl und Sprachrichtigkeit, Stil uä. . . .)

Grundstufe II (3. und 4. Schulstufe)

In der Grundstufe II umfaßt der Muttersprachliche Unterricht folgende Bereiche und Grobziele

• Erhalt, Pflege und Weiterentwicklung der in der Grundstufe I erworbenen Sprachkenntnisse

• Förderung und Weiterentwicklung der Begriffsbildung, insbesondere in Richtung eines Fachwortschatzes

• Grundeinsichten in kontrastive Strukturen Muttersprache — Deutsch

• Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit

• Vermittlung von Grundwissen über das Herkunftsland

• „Integrationsarbeit" (Reflexion über und Auseinandersetzung mit dem bikulturellen Prozeß)

• Durchführung von interkulturellen Projekten

Aufbauend auf Grundstufe I soll das Ziel der Kommunikation in der Muttersprache auf die Bewältigung realer Kommunikationsanforderungen sowie auf reale Sprachverwendungszusammenhänge ausgerichtet sein. Thematische Kriterien sollen Vorrang vor formallinguistischen haben. Soziokulturelle Situationen, eigene Erfahrungen der Kinder sollen aufgegriffen werden und den gegenwärtigen oder künftigen Verständigungsinteressen und -bedürfnissen Rechnung tragen. Gefordert ist ein Unterricht, der ein offenes, flexibles Angebot zuläßt, darüber hinaus ist eine stark differenzierende und individualisierende Vorgangsweise im Unterricht notwendig.

Lehr- und Lernzieldefinition

• Förderung einer möglichst ausgeglichenen Zweisprachigkeit

• Hebung der Kommunikationsfähigkeit (Wortschatzerweiterung mit Orientierung auf thematische Vielfalt)

• Allmähliches Hinführen zur muttersprachlichen und Migrantenliteratur

• Motivierung zum Lesen und zur Benutzung von Bibliotheken

• Ausbau der Arbeits- und Lerntechniken

• Hinführung zum selbständigen Arbeiten und Wissenserwerb

• Einführung in die Arbeit mit dem (einsprachigen bzw. zweisprachigen) Wörterbuch

• Hebung des Standards der Rechtschreibung

• Selbständiges Verfassen von einfachen Texten

• Durchführung von interkulturellen Projekten

Teilziele

Mündliche Kommunikation

• Verwendung der Muttersprache in verschiedensten Kommunikationssituationen

• Vermittlung eines altersgemäßen Fachwortschatzes (zB in Mathematik sowie anderen Unterrichtsbereichen)

• selbständiges Nacherzählen und Erzählen

• Vermittlung einer gewissen metasprachlichen Kompetenz, dh. zB Erklärungen über die Sprache, Handlungsanweisungen in der Muttersprache uä.

• Hinführen zu sinngemäßem Übertragen von Inhalten der Muttersprache ins Deutsche und umgekehrt

Schriftliche Kommunikation

• Verfassen von kurzen schriftlichen Äußerungen und Darstellungen aus dem Erfahrungs- und Lebensbereich der Kinder

• Grundprinzipien der Rechtschreibung

• Sprachliche Sensibilisierung für die Unterschiede von geschriebener und gesprochener Sprache (inklusive umgangssprachlicher oder regionalsprachlicher Varianten)

• Hinführen zu selbständigem Gebrauch des Wörterbuches und anderer ein- bzw. zweisprachiger Nachschlagewerke

Lesen

In der Grundstufe II ist der Schwerpunkt auf sinnerfassendes Lesen zu setzen.

• Anleitung zum selbständigen Lesen

• Lesen von kulturspezifischen Texten (darunter auch mit interkulturellem Inhalt), einfache Beispiele aus der muttersprachlichen und Migrantenliteratur

• Widerspiegelung der zweisprachigen Erfahrung in Lesetexten

• Förderung der sprachlichen Kreativität (Wortspiele, Anspielungen, Sprachwitze uä.)

Sprachbetrachtung

• Reflexion über Sprachstruktur und Sprachverwendung der Muttersprache

• Sprachliches Sensibilitätstraining, Bewußtmachen von Sprachschwierigkeiten, sprachlichen Varietäten (regionale, dialektale Spracherfahrungen, Sprachgewohnheiten; Abgrenzung zur Standardsprache)

• Vergleiche mit dem Deutschen: Bewußtmachen der Unterschiede in Struktur und Sprachverwendung

• Sprachkritik: zB Werbetexte, soziale Sprachschichtungen, Stil usw.

• Aufgreifen von Interferenzen

Didaktische Grundsätze

Allgemeines zur Situation des Faches Muttersprachlicher Unterricht

Der Muttersprachliche Unterricht soll Hilfestellung bei der Integration und Identitätsbildung — dh. bei der Auseinandersetzung mit der neuen Lebenswelt — bieten. Das Ziel ist die Entfaltung der Bikulturalität und die Entwicklung sowie Festigung der Zweisprachigkeit. Das Unterrichtsprinzip Interkulturelles Lernen (siehe dort) ist auch im Muttersprachlichen Unterricht zu berücksichtigen.

Der Muttersprachliche Unterricht wendet sich an Kinder, deren Primärsprache nicht Deutsch ist. In der Regel unterscheidet sich ihre erworbene Umgangssprache (oft die Haus-/Familiensprache) nicht unerheblich von der „muttersprachlichen" Schulsprache, die gleichzeitig die Standardsprache ist. Diese muttersprachliche Schulsprache muß nicht identisch mit der jeweiligen Staatssprache des

Herkunftslandes sein (vgl. zB Kurdisch und Türkisch). Bei vielen Kindern ist daher schon von einer primären Zweisprachigkeit (öder Mehrsprachigkeit) auszugehen. Darüber hinaus ist bei Kindern, die nicht im Milieu ihrer Muttersprache aufwachsen, damit zu rechnen, daß ihre Muttersprache bereits Interferenzen mit dem Deutschen zeigt. Es ist daher insgesamt davon auszugehen, daß die ausländischen Kinder zahlreiche und vielschichtige Abweichungen von der muttersprachlichen Standardsprache zeigen, ua.

• Abweichungen und Defizite in der Aussprache, im Wortschatz, dialektale Interferenzen

• Defizite insbesondere in der soziokommunikativen Kompetenz auf Grund der oft begrenzten sozialen Erfahrungsmöglichkeiten

• Defizite im kognitiven Bereich, dann, wenn die Eltern nicht in der Lage sind, sich mit den Kindern in der neuen Umwelt adäquat auseinanderzusetzen, ihnen Erklärungsmuster zu vermitteln

• Es kann daher nicht vorausgesetzt werden, daß die Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache hinsichtlich ihrer sprachlichen, kulturtechnischen, kognitiven usw. Vorbildung einigermaßen homogen sind.

Besondere Hinweise

• Verwendung unterschiedlicher Sozialformen: insbesondere Sesselkreis, Partnerarbeit, Einzelarbeit, Rollenspiel, Gruppenarbeit uä. (Vor allem in der Grundstufe I ist auf Grund der unterschiedlichen sprachlichen Vorerfahrungen der Kinder individualisierenden Unterrichtsformen der Vorrang zu geben.)

• Koordination mit dem deutschsprachigen Unterricht, nach Möglichkeit Teamteaching. Der Erstlese- und Schreibunterricht (Alphabetisierung) in der Grundstufe I kann entweder muttersprachlich oder zweisprachig erfolgen. Es sollen auch andere Gegenstandsbereiche (zB Rechnen, Sachunterricht, Musik, . . .) in der Muttersprache oder zweisprachig vermittelt werden.

• Aufgreifen und Verbalisieren von unaufgearbeiteten Erfahrungen im Umgang mit der Muttersprache, der Bikulturalität und mit dem Prozeß der Identitätsbildung und -festigung

• Vermittlung verschiedener Arbeits- und Lerntechniken, die in zunehmendem Maße zu selbständigem Bildungserwerb befähigen

• Durchführung von interkulturellen Projekten

• Methodische Stützung für das ungesteuerte Lernen (Lernen außerhalb des Unterrichts, Spracherfahrung)"

11. In Anlage A neunter Teil Abschnitt B (Volksschuloberstufe) wird angefügt

„Dies gilt auch für den Muttersprachlichen Unterricht."

12. In Anlage B (Lehrplan der Hauptschule) erster Teil (Allgemeine Bestimmungen) wird nach 2 6 (Förderunterricht) angefügt

„7. Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache"

Der Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache" ist in Verbindung mit dem Lehrplan für den Unterrichtsgegenstand „Deutsch" als Grundlage für das Lehren und Lernen von Deutsch als Zweitsprache im Rahmen des interkulturellen Lernens auf der Zielebene („Bildungs- und Lehraufgabe"), auf der Stoffebene und auf der methodisch-medialen Ebene („Didaktische Grundsätze") zu verstehen.

Eine detaillierte Berücksichtigung der zum Teil sehr unterschiedlichen Vorkenntnisse der Schüler in der Zweitsprache Deutsch kann nicht im Lehrplan, sondern nur auf der Ebene der jeweiligen Unterrichtsplanung unter Berücksichtigung des jeweiligen lernorganisatorischen Modells, das an der Schule verwirklicht wird, erfolgen.

Der Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache" ist nicht nach Schulstufen gegliedert. Er versteht sich als ein mehrjähriges Lernkonzept, das von Schülern mit keinen oder mit nur geringen sprachlichen Vorkenntnissen in Deutsch jeweils vom Beginn an durchlaufen wird (unabhängig Von der Schulstufe, in die der Schüler eingestuft wird), das bei bestehenden Vorkenntnissen aber auch in Teilbereichen übersprungen werden kann. Der Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache" ist im wesentlichen als Differenzierungshilfe für einen Unterricht zu verstehen, der sich immer auch an den Lernzielen und Vermittlungsformen des allgemeinen Lehrplans für Deutsch orientiert. Dies ist schon allein deshalb erforderlich, weil Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache in vielen Fällen in einem mehr oder weniger großen Ausmaß am Unterricht am Pflichtgegenstand Deutsch teilnehmen bzw. in diesen immer wieder integriert werden. Die unterrichtspraktische Verklammerung zwischen einzelnen Teilbereichen des Lehrplanes für Deutsch mit jenen des Lehrplan-Zusatzes wird mit zunehmender Lernzeit wachsen und schließlich fließend ineinander übergehen."

13. In Anlage B vierter Teil (Stundentafel) wird in dem die Freigegenstände betreffenden Teil nach der letzten Zeile angefügt

„Muttersprachlicher Unterricht . . .

... 3—6 3—6 3—6 3—6 12—24"

14. In Anlage B vierter Teil wird in dem die unverbindlichen Übungen betreffenen Teil nach der die unverbindliche Übung „Physik und Chemie" betreffenden Zeile eingefügt

„Muttersprachlicher Unterricht . . .

... 3—6 3—6 3—6 3—6 12—24"

15. In Anlage B vierter Teil wird nach Z 4 der „Bemerkungen zur Stundentafel" angefügt

„5. Für außerordentliche Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache kann zum Erwerb der Unterrichtssprache ein besonderer Förderunterricht im Ausmaß von bis zu zwölf Wochenstunden angeboten werden, der bei besonderen Lernproblemen bis auf 18 Wochenstunden erweitert werden darf. Dieser Förderunterricht kann sowohl parallel zum Unterricht in den Pflichtgegenständen als auch mit diesem gemeinsam geführt werden. Sofern die Organisation des besonderen Förderunterrichtes nur zusätzlich zum Unterricht in den Pflichtgegenständen möglich ist, ist durch Begrenzung des Förderunterrichtes oder durch entsprechende Kürzungen in anderen Unterrichtsgegenständen dafür Sorge zu tragen, daß eine zusätzliche zeitliche Belastung von höchstens sechs Wochenstunden nicht überschritten wird. Bei Bedarf ist eine ganzjährige Führung dieses Förderunterrichtes zulässig.

6. Für ordentliche Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache kann bei Bedarf abweichend vom Förderunterricht im Sinne der Anmerkung 2 zur Stundentafel ein besonderer Förderunterricht im Ausmaß von bis zu sechs Wochenstunden angeboten werden. Dieser Förderunterricht kann sowohl parallel zum Unterricht in den Pflichtgegenständen als auch mit diesem gemeinsam geführt werden. Bei Bedarf ist eine ganzjährige Führung dieses Förderunterrichts zulässig. Bei einer drei- bis sechsstündigen Führung dieses Unterrichtes kann für die teilnehmenden Schüler eine Kürzung der Gesamtwochenstundenzahl in den Pflichtgegenständen bis zu drei Wochenstunden vorgesehen werden."

16. In Anlage B sechster Teil (Lehrpläne der einzelnen Unterrichtsgegenstände) Abschnitt A (Pflichtgegenstände) wird nach dem Pflichtgegenstand „Deutsch" eingefügt

„LEHRPLAN-ZUSATZ

DEUTSCH FÜR SCHÜLER MIT NICHT DEUTSCHER MUTTERSPRACHE

Bildungs- und Lehraufgaben

Der Deutschunterricht für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache hat die Aufgabe, die Schüler im Anschluß an die Lern- und Lebenserfahrungen der sprachlichen und kulturellen Sozialisation ihres Herkunftslandes in ihrer Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit so zu fördern, daß damit eine grundlegende Voraussetzung für deren schulische und gesellschaftliche Integration geschaffen wird.

Durch die Vermittlung grundlegender Kenntnisse und Fertigkeiten der deutschen Sprache und

die Einbeziehung der im Kontakt mit der deutschsprachigen Umwelt erworbenen Sprachkenntnisse in den Unterricht soll den Schülern die erfolgreiche Bewältigung ihrer Schullaufbahn im österreichischen Schulsystem mit Deutsch als Unterrichtssprache erleichtert werden. Darüber hinaus sollen die Grundlagen für einen weiterführenden vertiefenden Spracherwerb geschaffen werden.

Die Schüler sollen

— wesentliche Vorgänge in der deutschsprachigen Umgebung verstehen,

— darauf sprachlich angemessen reagieren,

— ihre Bedürfnisse und Interessen ausdrücken und sich in die Gemeinschaft einbringen können.

Das Lernen der Zweitsprache soll zunächst der Bewältigung von Lebens- und Kommunikationssituationen dienen, die von der Änderung des soziokulturellen Umfelds geprägt sind. Der Erwerb von kommunikativer Kompetenz ist dabei zentraler Lernbereich.

Die zuerst erworbene Sprache ist in hohem Maß Grundlage für den Erwerb einer Zweitsprache. Je nach Bedarf und Möglichkeit soll daher die Muttersprache beim Zweitspracherwerb eingesetzt werden.

Mit dem Erwerb der deutschen Sprache wird auch ein wesentlicher Bezug zur österreichischen Lebens- und Alltagskultur geschaffen. Die Begegnung mit dieser neuen Kultur muß Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache die Wahrung der eigenen kulturellen Identität ermöglichen und Bewußtsein schaffen, den eigenen Kulturzentrismus zu relativieren. In diesem Zusammenhang bedeutet Interkulturelles Lernen, daß

— die spezifischen Lebensbedingungen der Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache berücksichtigt werden und die aus der Migration erwachsenen gesellschaftlichen Bedingungen sowie die lebendigen Kulturen der ausländischen Familien in den Bildungsprozeß aus- und inländischer Kinder einbezogen werden,

— allen Schülern die Chance geboten wird, sich mit anderen Kulturen und Sprachen auseinanderzusetzen,

— ein Beitrag dazu geleistet wird, Mißverständnisse, die aus der jeweiligen kulturellen Bedingtheit erwachsen, aufzuklären, und ein Bewußtsein geschaffen wird, das den eigenen Kulturzentrismus überwindet.

Der Unterricht in Deutsch als Zweitsprache ist in folgende Lernbereiche gegliedert

• Hörverstehen

• Sprechen

• Lesen und Leseverstehen

• Schreiben

• Sprachbetrachtung und Sprachübung

Diese grundsätzlich nicht voneinander trennbaren Bereiche sind anhand von Themen zu erarbeiten und dabei schwerpunktmäßig miteinander zu kombinieren.

Lehrstoff

1. Themenbereiche und Wortschatz

Die Unterrichtsplanung hat zu berücksichtigen, daß sich die Schüler innerhalb und außerhalb der Schule ständig mit einem lebendigen Sprachumfeld in einer ihnen mehr oder weniger unbekannten Sprache auseinandersetzen müssen. Daraus resultieren im allgemeinen eine günstige Motivationslage und eine Fülle von konkret erlebten Sprachbewältigungsproblemen.

1.1 Themenbereiche

Für die Basisausbildung sind Themen aus dem unmittelbaren Erlebnisbereich der Schüler zu wählen, die mit relativ einfachen sprachlichen Mitteln und Redebausteinen bewältigt werden können. Diese sind vorwiegend in dialogischer Form anzubieten. Da das Kind mit seinen Alltagserfahrungen im soziokulturellen Umfeld im thematischen Mittelpunkt des Lehrplans steht, sind folgende Erfahrungsfelder zu erarbeiten

• Der Schüler und die Schule,

zB Zusammenleben mit österreichischen Kindern und Kindern anderer Länder, Freundschaft, schulischer Alltag in der neuen Schule, die Eltern und die Schule, Buben und Mädchen in der Schule und im Unterricht, Aktivitäten der Klasse (Klassenfahrten, Schulfeste usw.), Schulerfahrungen aus dem Herkunftsland.

• Der Schüler und seine Familie,

zB das Zusammenleben in der Familie, Aufgabenteilung, Familienmitglieder, Verwandte und Freunde; Trennung und Vereinigung; Sprachwelten: zu Hause — in der Schule.

• Der Schüler und sein Leben in Österreich,

zB Ernährung und Mahlzeiten; Gesundheit, Krankheit; Verkehr und Schulweg; Wohnen; der Umgang mit der Zeit; Kleidung; Einkaufen, Geld; Ämter und Behörden.

• Der Schüler und die Freizeit,

zB Freizeiteinrichtungen und Freizeitgestaltung; Spiele und Sport; Freundesgruppen; Hobbys; Bücher, Zeitungen und Zeitschriften; Fernsehen, Video, Radio; Wanderungen und Ausflüge.

• Der Schüler und sein Heimatland,

zB Reisewege; Klima; Tradition und Brauchtum; Unterschiede zwischen Stadt und Land;

Fremdenverkehr; Spuren in die eigene Lebensgeschichte.

• Der Schüler und die Natur,

zB Lebensräume; Tiere und Pflanzen, Haustiere und Nutztiere im kulturellen Vergleich.

• Der Schüler bei Festen und Feiern,

zB Feste im Herkunftsland und in Österreich im Vergleich; der Sinn und die Bedeutung von Fest- und Gedenktagen; die Gestaltung von Fest- und Feiertagen.

Darüber hinaus orientieren sich die Themen am Deutschlehrplan der jeweiligen Schulstufe, in die das Kind eingeschult wurde.

Die persönlichen Erfahrungen der Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache sollen nach Möglichkeit in den Unterricht der gesamten Klasse (bzw. Lerngruppe) eingebracht werden, um kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennbar und erlebbar zu machen und allenfalls auftretende Konflikte mit dem Ziel der gegenseitigen Toleranz und Akzeptanz aufzuarbeiten .

1.2 Wortschatz

Der in der Basisausbildung anzustrebende Wortschatz ergibt sich aus dem Zusammenspiel des ungesteuerten (außerunterrichtlichen) und des gesteuerten (unterrichtlichen) Zweitspracherwerbs sowie aus den behandelten Themen und Situationen mit ihren spezifischen Sprachfunktionen und idiomatischen Wendungen und orientiert sich an den besonderen Bedürfnissen der Schüler. Der Erarbeitung von Strukturwörtern kommt in diesem Zusammenhang besondere Bedeutung zu.

Bei der Auswahl des sprachlichen Materials ist auf Brauchbarkeit, Authentizität, Häufigkeit des Gebrauchs und Übertragbarkeit Bedacht zu nehmen. Der Wortschatzaufbau und die Wortschatzerweiterung sind durch die Arbeit mit zweisprachigen Wörterbüchern, Bilderlexika und ähnlichem zu unterstützen.

2. Sprachfunktionen

Sprachfunktionen stehen in untrennbarem Zusammenhang mit konkreten Kommunikationssituationen, die sich im Gespräch oder in Anlehnung an die vorgesehenen Themen ergeben.

Die im folgenden angeführten Sprachfunktionen haben Beispielcharakter. • Soziale Kontakte herstellen und fortführen, zB

— jemanden ansprechen,

— jemanden/sich vorstellen,

— jemanden grüßen,

— jemanden einladen,

— eine Einladung annehmen/ablehnen,

— sich am Telefon melden.

• Beziehungen regeln, zB

— Erlaubnis erbitten, erteilen, verweigern,

— sich entschuldigen,

— Dank ausdrücken,

— Rat geben,

— nach dem Befinden fragen,

— jemanden warnen,

— jemanden loben.

• Kommunikation sicherstellen, zB

— um Aufmerksamkeit bitten,

— um Wiederholung und langsameres Sprechen bitten,

— Nichtverstehen/Nichtwissen äußern,

— Rückfragen äußern.

• Stellungnahmen abgeben, zB

— Zustimmung/Ablehnung ausdrücken,

— widersprechen/verneinen,

— eine Begründung geben/erfragen,

— Vorlieben ausdrücken,

— Vergleiche anstellen,

— sich über Vorhaben/Absichten äußern.

• Wünsche und Bitten äußern bzw. erfragen, zB

— Glückwünsche aussprechen,

— Wünsche und Bitten vorbringen,

— Bitten erfüllen/abschlagen,

— etwas anbieten, annehmen/ablehnen.

e Gefühle, Meinungen erfragen bzw. ausdrücken, zB

— Gefallen, Mißfallen,

— Interesse, Begeisterung,

— Zuneigung, Abneigung,

— Freude, Angst.

e Handlungen veranlassen bzw. zur Unterlassung auffordern, zB

— Anordnungen erteilen,

— einen Vorschlag machen, annehmen/ablehnen,

— jemanden ersuchen, etwas (nicht) zu tun,

— Fähigkeit/Unfähigkeit ausdrücken,

— jemandem etwas verbieten,

— um Hilfe bitten/Hilfe anbieten.

• Informationen geben und erfragen, zB

— berichten, erzählen, erklären,

— benennen, Aussehen beschreiben, Eigenschaft angeben,

— Zustand beschreiben,

— Verwendungszweck angeben,

— Besitzverhältnisse, Zugehörigkeit angeben,

— etwas einordnen nach Ort, Richtung, Entfernung,

— etwas einordnen nach Zeitpunkt, Dauer, Häufigkeit,

— etwas einordnen nach Zahl, Menge, Grad.

3. Hörverstehen

Da das Hörverstehen eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation darstellt, sind

Hörübungen in der Basisausbildung von besonderer Bedeutung. Sie sollen das Verstehen anbahnen und schulen, und zwar das Globalverständnis (die allgemeine Sinnerfassung) und das Detailverständnis (das Erfassen bestimmter Einzelheiten). Hören ist dabei kein passiver Vorgang, sondern eingebunden in kommunikative Situationen, die es dem Schüler ermöglichen, verbal oder nonverbal zu reagieren. Die Hörtexte sollen dem authentischen Sprechen auch im Tempo gleichkommen.

3.1 Globalverständnis

Die Schüler sollen

— einfache Äußerungen zunächst vor allem auf Grund von Intonationsmustern (Fragen, Aufforderungen), Mimik und Gestik verstehen;

— einfache Äußerungen von Lehrern und Mitschülern verstehen;

— die Schlüsselinformation einer Äußerung verstehen;

— unbekannte Sprachelemente in bekannten Äußerungen verstehen, um so eine spezifische Qualifikation für den ständig erfolgenden ungesteuerten Spracherwerb zu schaffen;

— kurze Texte in den Grundzügen verstehen;

— Sprache über Tonträger verstehen.

3.2 Detailverständnis

Übungen zum Erkennen, Isolieren und Unterscheiden von Lauten dienen dem Erfassen von Wortbedeutungen. Sie sollen im allgemeinen nicht isoliert betrieben werden, sondern eingebunden sein in das hörende Verstehen von Sinnblöcken, Phrasen und Wendungen.

4. Sprechen

Die Schulung der mündlichen Ausdrucksfähigkeit (einschließlich der richtigen Aussprache und Intonation) bildet einen Schwerpunkt in der Basisausbildung.

Der kommunikativen Leistung, dh. der Bewältigung von kommunikativen Situationen, ist dabei der Vorrang zu geben.

Vor allem sollen die Schüler ermutigt und befähigt werden, sich der deutschen Sprache zu bedienen.

Das Ausdrucksvermögen der Schüler in der deutschen Sprache soll von zunächst außersprachlichen Mitteln (Mimik, Gestik) bis zur Bewältigung komplexerer Kommunikationssituationen erweitert werden. Der Spracherwerb ist dabei als Prozeß zu verstehen, in dessen Verlauf die Schüler allmählich befähigt werden, sprachliche Mittel selbständig einzusetzen und bestimmte Sprachnormen einzuhalten.

Sprechanlässe ergeben sich vor allem aus Kommunikationssituationen, in denen sich die Schüler innerhalb und außerhalb der Schule in deutscher Sprache verständigen müssen. Der Unterricht greift dabei auf Erfahrungen der Schüler zurück und bereitet sie darüber hinaus auf Situationen und Rollen vor, die sie in der deutschsprachigen Umgebung bewältigen müssen. Eine wichtige Aufgabe des Sprechunterrichts ist dabei von Anfang an die Auseinandersetzung mit kulturell bedingt unterschiedlichem Verhalten und das Erlernen angemessener Reaktionsweisen.

Die Schüler sollen

— soziale Kontakte herstellen und fortführen,

— Informationen in einfacher Form erfragen und Auskunft geben,

— sich an Gesprächen mit dem Lehrer und den Mitschülern beteiligen,

— mit Hilfe von Impulsen (Tonbändern, Bildern) einfache Sachverhalte beschreiben und Handlungsabläufe erzählen,

— emotionale Haltungen in einfacher Form sprachlich mitteilen,

— Gesprächspartnern ihre Sprechintentionen vermitteln können.

4.1 Aussprache

Der Schüler soll eine Aussprache erwerben, die der deutschen Standardsprache möglichst nahekommt. Neben der Lautsicherheit ist ein in Rhythmus, Melodieführung und Sprechtempo möglichst natürlicher Sprechton anzustreben. Auf den engen Zusammenhang mit dem Hörverstehen ist zu achten.

Im einzelnen soll der Schüler

— Wörter und komplexere Sinneinheiten (Wortgruppen, Sätze, kurze Texte) lautsicher, melodisch und rhythmisch richtig nachsprechen und sprechen können,

— die wichtigsten Intonationsmuster des Deutschen (Aussage, Frage und Befehl) richtig nachsprechen und sprechen können.

In der Lautschulung ist bei der Auswahl des sprachlichen Materials auf die konkreten Probleme der Schüler einzugehen, insbesondere auf die Unterschiede des jeweiligen muttersprachlichen Lautinventars zum Lautinventar des Deutschen.

Besonders zu berücksichtigen sind dabei

— die für das Deutsche charakteristischen Laute und Lautkombinationen, zB lange und kurze Vokale, offene und geschlossene Vokale, Umlaute, Zwielaute, der h-Anlaut, der ch-Laut, der sch-Laut, Konsonantenhäufungen;

— bedeutungsunterscheidende Laute in ähnlich klingenden Wörtern, zB doch — noch; Ofen — offen; Mond — Mund;

— ähnlich klingende Laute, zB i-ü; ö-e; u-o; m-n; d-t; b-p; g-k.

5. Lesen und Leseverstehen

Beim Zweitspracherwerb kommen dem Lesen folgende Aufgaben zu

— Das laute Lesen soll die Entsprechung von Schriftsymbolen und dazugehörigen Lauten automatisieren, Aussprache, Intonation und Sprachrhythmus schulen sowie die Lesefertigkeit festigen und erhalten.

— Das stille Lesen soll der Sinnerfassung von Texten mit unbekannten Elementen und der Wortschatzerweiterung dienen.

Der Schüler soll Aufschriften, Hinweise, kurze Mitteilungen, Glückwünsche, Anordnungen lesen und verstehen können, ebenso einfache Briefe, Sachtexte und fiktionale Texte, einfache Liedtexte und Gedichte.

Die angebotenen Texte sollen den Wortschatz und das Sprachverständnis im allgemeinen erweitern. Neben Lehrbuchtexten sollen authentische Texte, zB aus Zeitungen und — nach Möglichkeit sprachlich vereinfachte Ganzschriftentexte verwendet werden. Das selbständige Lesen, ein Mittel zum eigenständigen Spracherwerb, ist besonders zu fördern.

6. Schreiben

Das Schreiben hat in der Basisausbildung zunächst nur lernunterstützende Funktion. Es ist erst allmählich zu einer eigenständigen Fertigkeit zu entwickeln.

Als Voraussetzung für das Schreiben sind bei Bedarf die an österreichischen Schulen üblichen Schriftarten zu vermitteln.

Entsprechend dem Grundsatz für den Sprachanfangsunterricht

HÖREN — SPRECHEN — LESEN — SCHREIBEN

sollen die Schüler erst schreiben, wenn das Wort, der Satz bzw. der Text vertraut ist. Die schriftlichen Äußerungen haben den Erfahrungen und Interessen der Schüler zu entsprechen.

Die Schüler sollen

— einfache Inhalte reproduzieren können,

— einfache Texte mit bereits erarbeitetem Wortmaterial selbständig verfassen können,

— kurze schriftliche Äußerungen abfassen können, zB Bitten, Fragen, Mitteilungen, Steckbriefe.

6.1 Rechtschreiben

Ziele des Rechtschreibunterrichts sind der Erwerb grundlegender Kenntnisse und Fertigkeiten in

bezug auf die schriftliche Realisierung von Lauten und Lautkombinationen, die Großschreibung von Nomen und Satzanfängen und die Satzschlußzeichen sowie die orthographische Sicherung eines elementaren Gebrauchswortschatzes. Die Schüler sollen dabei auch in die notwendigen Arbeitstechniken eingeführt werden. Für die Arbeit mit dem Österreichischen Wörterbuch und mit den zweisprachigen Wörterbüchern sollen Nachschlagetechniken, zB alphabetisches Suchen, Erkennen und Nutzen von Stichwörtern und Grenzwörtern erlernt werden. Grundkenntnisse aus der Grammatik unterstützen das Verständnis für die Rechtschreibung und sollen daher im Rechtschreibunterricht angewendet werden. Das gilt besonders für die Groß- und Kleinschreibung, die Stammschreibung, die Wortbildung und die Zeichensetzung. Auf die Bedeutungssicherung des zu übenden Materials ist größter Wert zu legen. Spezifische Schwierigkeiten beim Erwerb der deutschen Rechtschreibung ergeben sich vor allem aus Unterschieden zu den Muttersprachen der Schüler, besonders bei

— Laut-Buchstaben-Entsprechungen,

— Abgrenzung von Wörtern,

— Wortzusammensetzungen,

— Groß- und Kleinschreibung,

— Satzzeichen.

Kontrastive Vergleiche (Muttersprache und Deutsch) können Problembereiche deutlich machen und Fehlschreibungen verhindern.

7. Sprachbetrachtung und Sprachübung

Grammatische Übungen dienen einer vertiefenden Bedeutungserfassung und einer zunehmenden Sicherheit beim Gebrauch der Standardsprache in mündlichen und schriftlichen Kommunikationssituationen.

Die Schüler sollen zunehmend befähigt werden, grammatische Strukturen des Deutschen richtig zu gebrauchen. Unterschiede zwischen Standardsprache und Umgangssprache bzw. Dialekt sollen nach Bedarf möglichst früh deutlich gemacht werden..

Erst nach Einüben der entsprechenden Sprachnormen können die gewonnenen Einblicke und Einsichten in die Regelhaftigkeit der Sprache allenfalls auch in schriftlichen Übersichten zusammengefaßt werden.

Das Benennen elementarer Phänomene der Wort- und Satzgrammatik dient der Erleichterung der Metakommunikation über Sprache, vor allem in Anwendungsbereichen der Grammatik, etwa im Rechtschreiben. In diesem Zusammenhang sind die entsprechenden grammatischen Fachausdrücke des Deutschlehrplans zu verwenden.

Nach Möglichkeit sollen sprachkontrastive Betrachtungen (etwa Strukturvergleiche Muttersprache und Deutsch) zur Verdeutlichung und Erklärung herangezogen werden.

Das Sprachmaterial für grammatische Übungen erwächst aus kommunikativen Situationen. Das Üben von isolierten sprachlichen Phänomenen ist im allgemeinen zu vermeiden und auf eine Einbindung in Sinneinheiten ist zu achten.

Der Unterricht soll die Schüler befähigen,

— Sprech- und Schreibintentionen in grammatisch richtigen Sätzen auszudrücken (unter besonderer Beachtung der grammatischen Kongruenz, zB Übereinstimmung von Subjekt und Prädikat, Artikel und Nomen, und der Wortfolge),

— Sätze auf der Grundlage einfacher Satzmuster zu bilden,

— Verneinungen zu bilden,

— einfache Satzverknüpfungen herzustellen,

— häufig verwendete regelmäßige und unregelmäßige Verben sowie trennbare Verben in Präsens und Perfekt (wenn möglich auch im Präteritum) zu verwenden,

— Modalverben im Präsens zu verwenden,

— die Artikel in ihren verschiedenen Funktionen (Geschlecht, Zahl, Fall) zu verstehen sowie mit häufig gebrauchten Nomen anzuwenden,

— Personalpronomina und Possessivpronomina zu gebrauchen,

— Anredefürwörter im Gebrauch (vertraut — distanziert) zu unterscheiden,

— häufig gebrauchte Adjektive prädikativ, adverbiell und attributiv zu gebrauchen und Vergleichsformen zu bilden,

— häufige Adverbien (vor allem Angaben des Ortes und der Zeit) in Sätzen zu gebrauchen,

— bestimmte und unbestimmte Zahlwörter zu gebrauchen,

— Wörter (Inhaltswörter und Strukturwörter) als Bedeutungseinheiten in Sätzen zu erkennen,

— Grundlagen der Wortbildung (Stammsilben, häufige Vor- und Nachsilben, gebräuchliche Wortzusammensetzungen) und wesentliche Regeln der Formenbildung (Zahl-, Fall- und Personalendungen) zu verstehen,

— einfache Wortfamilien und Wortfelder aufzubauen,

— häufige Präpositionen (mit Akkusativ und/ oder Dativ) in Sätzen richtig anzuwenden.

Didaktische Grundsätze

Besondere Bedingungen des Zweitspracherwerbes

Dem Erwerb der deutschen Sprache kommt innerhalb der interkulturellen Erziehung eine bedeutende Rolle zu. Die zu erwerbende Sprache ist

— Kommunikationsmittel, dh. Instrument zur Verständigung mit der deutschsprachigen Umwelt innerhalb und außerhalb der Schule und zur Erschließung der Wirklichkeit. Die Unkenntnis des Deutschen wirkt sich als Kommunikationsbarriere aus;

— zugleich Unterrichtssprache. Lerninhalte sollen in der noch fremden Sprache aufgenommen sowie verarbeitet werden und sind Gegenstand schulischer Leistungsbewertung;

— ein eigener Unterrichtsgegenstand, der vielfältige, über den Spracherwerb hinausgehende Ziele verfolgt.

Bei Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache besteht besonders im Anfangsunterricht eine große Diskrepanz zwischen ihrem Mitteilungsbedürfnis und ihrer Ausdrucksfähigkeit. Bei der Einschätzung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit dieser Schüler ist daher zu berücksichtigen, daß diese nur einen kleinen Ausschnitt ihrer tatsächlichen Erfahrungs- und Erlebniswelt wiedergeben können.

Die deutsche Sprache kann für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache in der Reihenfolge des Erlernens die Zweit-, Dritt- oder auch die Viertsprache sein.

Die Schüler erleben die deutsche Sprache nicht nur im gesteuerten, sondern auch im ungesteuerten Spracherwerb. Dort werden sie mit Lautvarianten, Begriffen, sprachlichen Wendungen und Satzstrukturen konfrontiert, die eine systematisch geplante Sprachvermittlung häufig nicht begleitend aufarbeiten kann. Gesteuerter und ungesteuerter Spracherwerb beeinflussen einander. Sprachliche Elemente aus dem ungesteuerten Spracherwerb können den gesteuerten unterstützen, aber auch stören. Beide Möglichkeiten sind produktiv in die unterrichtliche Arbeit einzubeziehen.

Lernen in den oft multikulturellen Schülergruppen erfordert einen stark individualisierenden Unterricht, der folgende Kriterien berücksichtigt

— die kulturelle Herkunft,

— die schulische Sozialisation,

— die sprachliche Umgebung der Schüler in Österreich.

Das durch die Migration entstandene Zusammentreffen mit Verhältnissen in einer völlig neuen, den Schülern fremden Gesellschaft und Kultur versetzt viele Schüler in ein Spannungsverhältnis. Vor allem durch den Schulbesuch erleben diese Schüler beide Kulturen in einem ständigen Kontrast. Die Bewältigung dieser Situation hängt in hohem Maß von der Geborgenheit und dem Selbstvertrauen ab, die eine Lerngruppe ihren Angehörigen zu vermitteln vermag.

Für den Unterricht ergeben sich daraus folgende Aufgaben

1. Bei der Einschätzung der individuellen Lernfähigkeit der Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache ist immer die Diskrepanz zwischen vorhandenen Möglichkeiten und tatsächlicher Ausdrucksfähigkeit zu berücksichtigen.

2. Der Hereinnahme von ungesteuertem Spracherwerb in den Unterricht kommt große Bedeutung als Zugang zu kommunikativen

Realsituationen sowie als Möglichkeit einer kontinuierlichen Reflexion und behutsamen Fehlerkorrektur zu.

3. Ein stark individualisierender Unterricht, der besonders unterschiedliche Lernformen (flexible Lerngruppen, offenes Lernen, Teamteaching usw.) nützt, ist eine wesentliche Hilfe zur Bewältigung der zum Teil extrem unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler.

4. Das zwar reduzierbare, aber insgesamt unvermeidliche Spannungsverhältnis zwischen unterschiedlichen Kulturen macht vielfältige Formen sozialen Lernens erforderlich, um Probleme thematisieren, Konflikte reduzieren und Lernchancen offerieren zu können.

Didaktische Bemerkungen

Im Unterricht für Deutsch als Zweitsprache sollen Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache zu grammatikalisch korrekter Ausdrucksweise hingeführt werden. Auf dem Weg zu diesem Ziel gibt es Unterrichtsphasen, die der Entwicklung des produktiven Sprachgebrauchs dienen und in denen daher das Mitteilungsbedürfnis vor der Sprachrichtigkeit stehen muß.

Dem sprachrichtigen Vorbild kommt beim Erwerb des Deutschen ein sehr hoher Stellenwert zu. Daher ist es erforderlich, daß die Sprachangebote der Lehrer sprachlich korrekt dargeboten werden. Da das passive Sprachverständnis größer ist als das aktive, muß eine zu starke Reduzierung von Sprachmustern im Umgang mit Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache vermieden werden.

Bei der Schulung der einzelnen Fertigkeiten (Hörverstehen — Sprechen — Leseverstehen — Schreiben) ist im Zweitsprachenunterricht besonders auf die im Alltag übliche Relation dieser Fertigkeiten zueinander (8:7:4:2) zu achten. Im Unterricht sind die rezeptiven Fertigkeiten (Hörverstehen und Leseverstehen) vor den entsprechenden produktiven Fertigkeiten (Sprechen und Schreiben) zu vermitteln, dh. das Hörverstehen vor dem Sprechen und das Leseverstehen vor dem Schreiben. Da die rezeptiven Fertigkeiten Grundlage und Voraussetzung für die produktiven Fertigkeiten sind, ist auf die Entwicklung von Hör- und Leseverstehen im Unterricht größter Wert zu legen. Anschaulichkeit ist im Zweitsprachenunterricht vor allem für Sprachanfänger eine entscheidende Lernhilfe. Als Medien kommen in Betracht: Gegenstände, Handpuppen, Tuchtafelmaterial, Folien, Wandbilder, Wort- und Bildkarten, Tafelskizzen, Kassetten, Videos, Spiele ua. Das Verbinden der Einzelfertigkeiten und der Einsatz all der zur Verfügung stehenden Medien in themen- und situationsabhängiger Relation sind Grundlagen für ein Lernen nach dem Prinzip der Methodenvielfalt.

1. Themenbereiche und Wortschatz

1.1 Themenbereiche

Die Behandlung von Themen im Unterricht erfüllt wesentliche Aufgaben

1. Themen vermitteln wichtige Sachinformationen, die dem Leben in der neuen Umwelt dienlich sind, zB kulturelle Hintergrundinformationen, kulturspezifische Verhaltensweisen, Orientierung in der neuen Umgebung.

2. Themen können Ausgangspunkt für die Arbeit in den verschiedenen Fertigkeitsbereichen sein.

3. Themen können helfen den Wortschatz nach inhaltlichen Bereichen zu strukturieren.

1.2 Wortschatz

Der Wortschatzaufbau für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache erfolgt im ungesteuerten und gesteuerten Spracherwerb. Der gesteuerte Spracherwerb hat Kenntnisse aus dem ungesteuerten produktiv mit einzubeziehen. Der Unterricht hat darauf Rücksicht zu nehmen, daß der Wortschatzerwerb auf einer passiven und aktiven Ebene erfolgt. Der passive Wortschatz ist immer wesentlich größer als der aktive.

Im Unterricht erfolgt die Entwicklung des passiven Wortschatzes vor allem durch sinnerfassendes Hören und Lesen.

Der Wortschatz soll kontextuell (im Wortfeld, in sinnvollen Textzusammenhängen) dargeboten und geübt werden. Realien, Bildmaterial, Gestik, Mimik, direkte Anschauung, Situationen, Rollenspiele, Dialoge usw. unterstützen die Bedeutungsvermittlung.

Auf die Verwendung von idiomatischen Wendungen und Strukturwörtern in situativen Zusammenhängen (Dialogen, Rollenspielen usw.) ist besonderer Wert zu legen. Wortschatzarbeit im Unterricht muß dem Schüler begriffliche Zusammenhänge deutlich machen (zB durch Gliederung nach Sach- und Handlungszusammenhängen, Wortfeldern, Wortfamilien, Verknüpfung mit Synonymen bzw. Antonymen).

2. Sprachfunktionen

Für die beispielhafte Erarbeitung von Sprachfunktionen bieten sich Erarbeitungsmuster wie Dialoge, Dialoggerüste, offene Dialoge, Rollenspiele, Sprachlernspiele usw. an.

3. Hörverstehen

Im Anfängerunterricht ist die mediengerechte Präsentation des Unterrichtsmaterials besonders wichtig. Dialoge müssen zum Beispiel als Hörtexte

(über Tonträger) und nicht als Lesetexte präsentiert werden.

Regelmäßige Hörübungen sollen das Verstehen von akustisch Wahrgenommenem schulen, und zwar

— das Erfassen des inhaltlich Wesentlichen,

— das Erfassen bestimmter Einzelheiten,

— das Erschließen von unbekanntem Sprachmaterial aus dem Zusammenhang.

Hörtexte sollen möglichst anregend und informativ sein. Im allgemeinen wird situative und sprachliche Vorentlastung vor der Präsentation von Hörtexten notwendig sein. Als Übungsformen eignen sich

— Aufträge ausführen, zB Zeichnungen anfertigen oder vervollständigen,

— Aussagen als richtig oder falsch erkennen

— Auswahlantworten,

— Aussagen in einem Text in die richtige Reihenfolge bringen,

— Notizen machen,

— Informationen in einen Raster eintragen (Zeit- und Ortsangabe, Eigenschaften usw.).

Hörverstehensübungen müssen auch für die Laut- und Ausspracheschulung eingesetzt werden. Technische Übungen dieser Art entnehmen ihr Textmaterial größeren Sinnzusammenhängen.

4. Sprechen

Der Schüler darf besonders im Anfängerunterricht nicht gezwungen werden, sich sprachlich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Zum Abbau von Hemmschwellen ist ein Lernklima aufzubauen, das spontanes, angstfreies Sprechen fördert, inbesondere durch

— Spiele,

— Helfersystem,

— Ermutigung,

— Akzeptieren von fehlerhaften Äußerungen,

— spielerisches Simulieren von Situationen.

Als Übungsformen des Sprechens bzw. des Gesprächs eignen sich besonders

— Nachsprechen,

— Anworten auf Lehrer- und Schülerfragen,

— kurze Dialoge, Partnergespräche, Rollenspiele, Interviews,

— Gruppengespräch,

— Lernspiele,

— Berichten, Beschreiben, Erklären, Sprechen über Bilder.

4.1 Aussprache

Die Verständlichkeit in der Aussprache ist vorrangige Aufgabe der Basisausbildung. In weiterer Folge kann an der Verbesserung der Aussprache gearbeitet werden.

Auf behutsames Korrigieren (je nach Situation und didaktischer Intention) ist zu achten. Die Unterschiede des deutschen Lautinventars zu dem der jeweiligen Muttersprache sind nicht taxativ, sondern am speziellen Beispiel zu demonstrieren.

5. Lesen und Leseverstehen

Das Lesen fördert die Erweiterung und Festigung des Wort- und Phrasenschatzes sowie der Strukturen und bietet Gesprächsanlässe.

Beim lauten Lesen werden Aussprache, Intonation und Rhythmus geschult. Daher ist es besonders im Anfängerunterricht notwendig, Texte zunächst durch Vorlesen zu präsentieren.

Als methodische Wege für das sinnerfassende Lesen eignen sich besonders

1. Texterschließung

— sprachliche und situative Vorentlastung,

— Schlüsselwörter finden,

— Bedeutung von Einzelwörtern aus dem Kontext erschließen,

— eventuell Einsatz von zwei- oder einsprachigen Wörterbüchern.

2. Verstehenskontrolle

— vereinfachende Paralleltexte dem Originaltext zuordnen,

— Text/Bild-Zuordnungen,

— einzelnen Textteilen Überschriften zuordnen,

— zerschnittene Texte in die richtige Reihenfolge bringen,

— Informationen in einen Raster eintragen,

— Umsetzen von erzählenden Texten in Bilder, Dialoge, Rollenspiele usw.

6. Schreiben

Jenen Schülern, die in ihren Herkunftsländern in Österreich übliche Schriftarten nicht erlernt haben, sind bei Bedarf folgende Fertigkeiten zu vermitteln

— Österreichische Ausgangsschrift (Schulschrift), Gemischtantiqua und Antiqua (Blockschrift),

— einzelne Schriftzeichen, die im Buchstabeninventar der Muttersprache nicht enthalten sind, zB ß, x, qu,

— einzelne Satzzeichen, zB Fragezeichen.

Übungsformen, die der Vorbereitung und Entwicklung eigenständiger schriftlicher Kommunikation dienen, können sein

— Einsetz- und Zuordnungsübungen,

— Ergänzen von Lückentexten,

— Ausfüllen von einfachen Formularen und Vordrucken,

— Schriftliche Spiele und Rätsel,

— Sammeln von Aussagen zu einem vorgegebenen Thema,

— Notizen.

6.1 Rechtschreiben

Von Anfang an sollte danach getrachtet werden, daß der Prozeß des Schreibens aktiv vollzogen wird, dh. er sollte vom Sensorischen zum Kognitiven und zum Motorischen führen (Hinschauen/Hören/ Merken/Aufschreiben).

Zunächst werden zwar optische und schreibmotorische Verfahren im Vordergrund stehen, doch sollten möglichst bald akusto-motorische und lexikalische Verfahren sowie grammatische Kenntnisse eingesetzt werden, um die Schüler zur zunehmenden Selbständigkeit beim Rechtschreiberwerb zu befähigen.

Auch beim Abschreiben ist darauf zu achten, daß Wortbilder in ihrer Gesamtstruktur und in ihren Strukturelementen erfaßt werden. Vom rein mechanischen Abschreiben (Buchstabe für Buchstabe) ist jedoch wegen des geringen Bildungswerts abzuraten.

Das erarbeitete Material soll durch geeignete Übungen und Wiederholungen gefestigt werden. Auf die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler und Schwierigkeiten, die sich aus den Unterschieden zu den Muttersprachen der Schüler ergeben, ist durch geeignete Individualisierungsmaßnahmen einzugehen.

Schwierigkeiten ergeben sich besonders bei der schriftlichen Realisierung von Lauten und Lautkombinationen des Deutschen, wenn die Muttersprache der Schüler

— lauttreu ist;

— in den Schriftzeichen vom Deutschen abweicht;

— Laute des Deutschen und deren Schriftzeichen nicht hat. In diesen Fällen können kontrastive Vergleiche Fehlformen im Lernprozeß von vornherein verhindern und falsche Formen abbauen helfen.

Als Übungsmaterial eignen sich häufig gebrauchte Wörter und Wendungen, kurze Texte von kommunikativem Wert und Schülertexte. Als Übungsformen eignen sich

Graphisches Hervorheben von markanten Merkmalen (Signalorthographie), zB

— Ober- und Unterlängen,

— Großbuchstaben,

— für das Deutsche typische Buchstaben und Buchstabenverbindungen, zB Zwielaute, Umlaute, st, sp, pf, ng, tz, ck, Doppelkonsonanten,

— Konsonantenhäufungen ,zB scht, rz, mpf, rst.

Analysieren und Bewußtmachen der Strukturelemente von Wörtern, zB

— Zerlegungs- und Zusammensetzübungen,

— Auf- und Abbau von Wortbildern,

— Ergänzen unvollständiger Wortbilder,

— Zusammenfügen von Wortteilen,

— Silben- und Buchstabenrätsel,

— Morphemübungen, zB Silbenkarten zum Wortstamm, zu gebräuchlichen Vor- und Nachsilben und Wortbildungselementen,

— Bild-Wort-Dominos,

— Kreuzworträtsel.

Schreiben von Gehörtem im engen Zusammenhang mit dem Hörverstehen und der Ausspracheschulung, zB

— akustisches Differenzierungstraining (Erkennen von Lauten und Lautkombinationen in Silben, Wörtern und kurzen Texten, Lokalisieren von Lauten im Anlaut, Inlaut und Auslaut),

— Partnerübungen zum Vor- und Nachsprechen und zum Vor- und Nachschreiben,

— Übungen zum Wiedererkennen von Lauten und Lautgruppen,

— Schreiben mit Bildunterstützung.

Übungen zum Buchstabieren und zum Alphabet, zB

— Spielformen, zB Zifferncodes,

— Ordnen von Wörtern nach dem Alphabet,

— Suchübungen im Wörterbuch.

Sicherung der graphischen Gestalt von Buchstabengruppen, Silben und Wörtern, zB

— Übungen mit dem Setzkasten oder mit der Schreibmaschine,

— Schwungübungen,

— Nachschreiben.

Abgrenzen von Wörtern, zB

— Wörterschlangen,Satzschlangen,Textwürfel,

— Herausfinden und farbiges Kennzeichnen von Satzanfängen und Satzschlußzeichen,

— Ergänzen und farbiges Kennzeichnen von Großbuchstaben und Nomen.

Sichern des Gelernten durch Übungen, zB

— Anwenden des Gelernten in anderen Sinnzusammenhängen,

— Wortkarten,

— Rechtschreibkarteien,

— thematische Karteien,

— Eigendiktate und Partnerdiktate.

7. Sprachbetrachtung und Sprachübung

Vorbemerkungen

Grundsätzlich ist zwischen Erkennungsgrammatik für den muttersprachlichen Unterricht und Erzeugungsgrammatik für den Zweit- und/oder Fremdsprachunterricht zu unterscheiden. Der muttersprachliche Sprecher weiß im allgemeinen — trotz unterschiedlich starker dialektaler und/oder soziolektaler Einflüsse — seine Muttersprache/ Erstsprache richtig zu gebrauchen. Er bedarf keiner vorgefertigten Muster oder eines Baukastensystems, um die Sprache zu erlernen, er muß Strukturen

verstehen, wiedererkennen und richtig gebrauchen können und seine mündliche wie schriftliche Kommunikation danach ausrichten, er muß Fehler erkennen und vermeiden lernen. Dazu dient ihm die Erkennungsgrammatik.

Erlernt man eine Sprache als Zweit- oder Fremdsprache, bedient man sich der Erzeugungsgrammatik, die das bestehende Regelsystem einer Sprache als gegeben nimmt. Dafür bieten Satzmuster oder nach kommunikativem Bedarf erworbene Teile der Formenlehre rasch die Möglichkeit, mit relativ einfachen Strukturen sprachrichtig zu kommunizieren.

Didaktische Bemerkungen

Auch im Grammatikunterricht sind die zu erarbeitenden Formen und Begriffe in Sinnzusammenhänge bzw. in situative Kontexte einzubinden. Daraus folgt, daß auf isoliertes Üben von Formen, Strukturen und Begriffen (Wortfeldarbeit) zu verzichten ist. Sprachrichtigkeit bezieht sich zunächst auf die Verständlichkeit und Angemessenheit des Ausdrucks, erst in weiterer Folge auch auf die Sprachnormen in bezug auf die Sprachrichtigkeit und auf das Sprachsystem.

Sprachrichtige Formen werden im Anfangsunterricht zunächst imitativ (ganzheitlich) aufgenommen und reproduziert (dies betrifft im besonderen formelhafte Wendungen, die häufig in kommunikativen Situationen angewendet werden).

Dazu sollen schrittweise bewußtmachende Lernformen treten, deren Ziel schließlich die Produktion von sprachrichtigen und differenzierten grammatischen Strukturen ist.

Als methodische Wege bieten sich entdeckende Verfahren an, die es den Schülern ermöglichen, grammatische Regelmäßigkeiten festzustellen. Dazu sollen signalgrammatische Mittel unterstüzend eingesetzt werden.

Als richtig erkannte Formen sollen nach Möglichkeit häufig in verschiedenen Sinnzusammenhängen geübt werden. Ziel dieser Übungen ist ein Überführen dieser Formen in den schülereigenen sprachproduktiven (mündlichen und schriftlichen) Bereich. Im Verlauf dieses Prozesses sollen die Schüler eigene Strategien entwickeln, ihre Sprechabsichten zu realisieren. Daher sollen die Schüler in aktiv — kreativen Phasen der Sprachreflexion ermutigt werden, neue Formulierungsmöglichkeiten zu erproben und damit auch Formen aus dem ungesteuerten Spracherwerb sowie eigene Formen in den Unterricht einzubeziehen.

Auch diese Formen können und sollen Anlaß von Sprachreflexion im Unterricht sein.

Die Konfrontation mit korrekten Formen soll es dem Schüler erleichtern, nicht auf einer interims-sprachlichen Stufe stehenzubleiben, sondern zunehmend sprachrichtige Formen aktiv zu integrieren.

Dies kann vor allem mit Hilfe folgender Verfahren geschehen

— Paraphrasieren,

— Erweitern von Sätzen,

— Umformen von Sätzen,

— Austauschen von Satzgliedern,

— Zerlegen von Sätzen und Wörtern.

Erst nach Erarbeitung, Reflexion und Einsicht in die Funktion grammatischer Phänomene können diese im Bedarfsfall auch benannt werden. Dabei ist zu bedenken, daß viele Funktionen grammatischer Phänomene des Deutschen in den verschiedenen Muttersprachen der betroffenen Schüler oft keine direkte Entsprechung haben (zB die Funktion des Artikels).

Darüber hinaus muß davon ausgegangen werden, daß der Bedeutungsumfang der grammatischen Termini der Sprache des Herkunftslandes oft nicht deckungsgleich mit jenen der deutschen Grammatik ist.

Bei der Erarbeitung neuer grammatischer Strukturen ist auf die Verwendung von schriftlich und mündlich bzw. aktiv und passiv verfügbarem Wortmaterial zu achten. Umgekehrt sollen neue Ausdrücke in schon bekannten grammatischen Strukturen an die Schüler herangetragen bzw. geübt werden.

Grammatikstoffe sollen nicht in allen Erscheinungen in einem Arbeitsgang vermittelt werden. Vielmehr sollen ausgewählte Teilbereiche über einen längeren Zeitraum hinweg — jedenfalls in sinnvollen Verwendungszusammenhängen — erarbeitet und wiederholt werden.

Da die Verwendung von geschlechtsspezifischen Artikeln (bzw. deren Substitution) eine wesentliche Eigenschaft des Deutschen darstellt, die es in dieser Form in den meisten anderen Sprachen nicht gibt, ist auf methodische Formen Wert zu legen, die die Zuordnung von Nomen und Artikeln zum Inhalt haben. Ebenso soll auf die richtige Verwendung von Personalformen (statt Infinitiven) geachtet werden. Auf die Vermittlung von Strukturwörtern in Sinnzusammenhängen ist besonders Bedacht zu nehmen.

Als Übungsformen bieten sich an

— Imitation,

— Kurzdialoge,

— Anwenden vorgegebener Sprachmuster,

— Ergänzen unvollständiger Dialoge,

— Üben von Dialogen mit vorgegebenen Strukturen,

— Anwenden neuer Formen in anderen Zusammenhängen,

— Anwenden eingeübter Gesprächsformen in partnerschaftlichen Übungen,

— Anbieten von Verstehenshilfen (Tätigkeiten vorzeigen, Begriffe klären),

— Mimisches Verstärken der Sprecherabsicht (nationale Besonderheiten beachten, zB Verneinung),

— Rollenspiele,

— Erarbeitung von Dialogen in Partner- und Gruppenarbeit,

— Kärtchen mit Satzteilen in die richtige Reihenfolge bringen,

— Satzteile auf Arbeitsblättern in die richtige Reihenfolge bringen,

— grammatische Phänomene (immer in Sätzen eingebunden) in Form von Lernspielen üben, zB Würfelspiele mit Fragekarten, Grammatikdomino,

— Einsetzübungen/Lückentexte."

17. In Anlage B sechster Teil Abschnitt B (Freigegenstände) wird nach dem Freigegenstand „Kurzschrift" angefügt

„Muttersprachlicher Unterricht Bildungs- und Lehraufgabe

Der Muttersprachliche Unterricht soll Hilfestellung bei der Integration und Identitätsbildung — dh. bei der Auseinandersetzung mit der neuen Lebenswelt — bieten. Das Ziel ist die Entfaltung der Bikulturalität und die Entwicklung sowie Festigung der Zweisprachigkeit. Das Unterrichtsprinzip Interkulturelles Lernen (siehe dort) ist auch im Muttersprachlichen Unterricht zu berücksichtigen.

Ziel des Muttersprachlichen Unterrichts in der Hauptschule ist die Vertiefung und Verbreiterung der muttersprachlichen Kenntnisse zur Herstellung von Kontinuität und zur Stützung der Persönlichkeitsentwicklung. Gefördert werden soll eine positive Einstellung zur Muttersprache und zum bikulturellen Prozeß (in der neuen Umgebung Österreich). Auf der Grundlage der prinzipiellen Gleichwertigkeit von Muttersprache und Deutsch soll die Bedeutung der Zweisprachigkeit und Bikulturalität den Schülern einsichtig gemacht werden.

Die Erreichung der Zweisprachigkeit ist Ziel des Muttersprachlichen Unterrichts, die Gleichwertigkeit von Muttersprache und Deutsch ist anzustreben. Zur Wahrung der Bildungschancen ist auf die Herstellung einer altersgemäßen Kommunikationsfähigkeit im schriftlichen wie mündlichen Bereich zu achten, die Kommunikationsbereitschaft und der richtige Sprachgebrauch sind zu fördern und zu festigen. Schließlich sind Grundeinsichten in die Struktur sowie die Literatur der jeweiligen Sprache zu vermitteln.

Der Muttersprachliche Unterricht umfaßt folgende Aufgabenbereiche

• Entfaltung der kognitiven, affektiven und kreativen Fähigkeiten in der Muttersprache

• Erweiterung des muttersprachlichen bzw. bikulturellen Erfahrungshorizonts

• Festigung der Zweisprachigkeit

• Vermittlung von Kenntnissen über das Herkunftsland (Kultur, Literatur, gesellschaftliche Strukturen, ökonomische, politische Verhältnisse usw.)

• Auseinandersetzung mit dem bikulturellen Prozeß (Migrantenkultur, neue Sozialisationsbedingungen, neues kulturelles Umfeld, soziokulturelle und psychosoziale Konfliktfelder usw.)

• Schaffung von sprachlichen Voraussetzungen, die sowohl den Eintritt in das Berufsleben als auch den Übertritt in weiterführende Schulen ermöglichen

Lehrstoff

1. und 2. Klasse

Lehr- und Lernzieldefinition

• Förderung und Festigung einer funktionalen (schriftlichen wie mündlichen) Zweisprachigkeit in verschiedensten Situationen und Anwendungsbereichen (darunter: sinngemäßes Übertragen/Wiedergeben von Inhalten in der jeweils anderen Sprache)

• Erweiterung der Begriffsbildung und des Fachwortschatzes

• Grundeinsichten in die Strukturen der Muttersprache

• Überblick über die kontrastiven Strukturen Muttersprache — Deutsch

• Selbständiger Umgang mit Nachschlagewerken und Wörterbüchern

• Erreichung altersadäquater Standards in der Rechtschreibung

• Selbständiges Verfassen von Texten zu verschiedenen Themen, insbesondere Thematisierung des Prozesses der Entwicklung der Zweisprachigkeit und des Bewußtwerdens der Bikulturalität

• Einführung in die muttersprachliche und Migrantenliteratur

• Erreichung einer differenzierten Lesefertigkeit: unterschiedliche Textsorten, zB Belletristik, Sachtexte, Gebrauchstexte

• Vermittlung eines Grundwissens über das Herkunftsland

• Durchführung von interkulturellen Projekten

Teilziele

Mündliche Kommunikation

• Erweiterung der Sprechfähigkeit und des Inventars des Sprachhandelns in bezug auf eine Vielfalt von soziokommunikativen Situa-

tionen, zB: Sprachmittel zur Vertretung eigener Interessen, Formulierung und Verbalisierung von Konflikten, Verarbeitung von Informationen, Vertreten von Standpunkten und Argumentieren usw. • Festigung der Standardsprache

• Sensibilisierung für den Einsatz von sprachlichen Registern

• Förderung des Ausdrucks emotionaler Kommunikationsinhalte

• Sensibilisierung für verschiedene Sprechsituationen (situatives Sprachhandeln, zB Schule, Freundeskreis, Behörde, usw.)

• Entwicklung unterschiedlicher Rede- und Gesprächsformen: Rollenspiel, Interview, Diskussion, Kurzreferat usw.)

• Hinführen zur inhaltlichen Reflexion über Kommunikationsstrukturen (Manipulation, Vorurteile usw.)

• Inhaltliches Reproduzieren von muttersprachlichen Texten ins Deutsche und umgekehrt

Schriftliche Kommunikation

Verfassen von Texten

o Anregung zur Darstellung eigener Erfahrungen und zur schriftlichen Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen, sowie mit der sich herausbildenden Identität und dem bikulturellen Prozeß

o Verfassen von sachbezogenen und phantasieerfüllten Texten; Ausdrücken von Gefühlen, Meinungen, Absichten; Förderung des spielerisch-kreativen Sprachgebrauchs

o Umgang mit verschiedenen Textsorten, Sensibilisierung für verschiedene Sprach- und Schreibstile (zB Briefe, Telegramme, Inserate usw.)

• Systematische Verwendung von (ein- und zweisprachigen) Wörterbüchern, Lexika und anderen Nachschlagewerken

• Inhaltliches Reproduzieren von muttersprachlichen Texten ins Deutsche und umgekehrt

Rechtschreibung

Bewußtmachen der Funktion der Rechtschreibung, Erreichung von altersadäquaten Standards

Lesen und Textbetrachtung

• Systematische Förderung der Lesefertigkeit, Lesetechnik, Lesebereitschaft und des Interesses am Lesen

• Differenzierung des sinnerfassenden Lesens verschiedener Textsorten: literarische Texte, Sachtexte, Gebrauchstexte usw.

• Hinwendung zur Literatur und zur gezielten Benutzung von Bibliotheken

• Auseinandersetzung mit soziokulturellen Inhalten

• Förderung des strukturellen Lesens und des Vergleichs von Übersetzungen, zweisprachigen Texten (zB: Inserate, Alltagstexte, Fernsehprogramme usw.) unter kontrastiven Gesichtspunkten; Bewußtmachen von Interferenzen

Medienerziehung

Einführung in die Analyse von elektronischen Medien und Printmedien in der Muttersprache

Sprachbetrachtung

• Erkennen von Sprachstrukturen (Morphologie, Syntax, Textsyntax) und des Verwendungszusammenhanges (Pragmatik)

• Reflexion über Sprechakte anhand von konkreten Texten

• Sensibilisierung für Sprachstrategien in unterschiedlichen Situationen

• Hinführung zum Sprachvergleich

3. und 4. Klasse

Lehr- und Lernzieldefinition

• Förderung und Festigung einer funktionalen (schriftlichen wie mündlichen) Zweisprachigkeit in verschiedensten Situationen und Anwendungsbereichen (darunter: sinngemäßes Übertragen/Wiedergeben von Inhalten in der jeweils anderen Sprache) unter Betonung des Aspekts der Praxisbezogenheit und der Berufsorientierung bzw. weiterführender Bildungsinstitutionen

• Erweiterung der Begriffsbildung und des Fachwortschatzes

• Überblick über die Strukturen der Muttersprache

• Überblick über die kontrastiven Strukturen Muttersprache — Deutsch, Eingehen auf auftretende Interferenzen

• Sicherer Umgang mit Nachschlagewerken und Wörterbüchern

• Erreichung altersadäquater Standards in der Rechtschreibung

• Selbständiges Verfassen von Texten zu verschiedenen Themen, insbesondere Thematisierung des Prozesses der Entwicklung der Zweisprachigkeit, des Bewußtwerdens der Bikulturalität und der Festigung der Identität

• Vermittlung von Grundeinsichten in das literarische Schaffen der Muttersprache und der Migrantenliteratur

• Festigung einer differenzierten Lesefertigkeit: unterschiedliche Textsorten, zB Belletristik, Sachtexte, Gebrauchstexte ua.

• Vermittlung eines Grundwissens über das Herkunftsland

• Erweiterung von Einsichten in soziokulturelle Verhältnisse der bikulturellen/zweisprachigen Umwelt, Aufarbeiten der bikulturellen/ zweisprachigen Erfahrungen

• Durchführung von interkulturellen Projekten

3. Klasse Teilziele Mündliche Kommunikation

• Erweiterung der Sprechfähigkeit und des Inventars des Sprachhandelns in bezug auf eine Vielfalt von soziokommunikativen Situationen, zB: Sprachmittel zur Vertretung eigener Interessen, Formulierung und Verbalisierung von Konflikten, Verarbeitung von Informationen, Vertreten von Standpunkten und Argumentieren usw.

• Festigung der Standardsprache, Bewußtmachen von Sprachstilen

• Bewußter Einsatz von sprachlichen Registern

• Erweiterung der Fähigkeit des Ausdrucks emotionaler Inhalte in verschiedenen Kommunikationssituationen

• Sensibilisierung für verschiedene Sprechsituationen im Alltag (situatives Sprachhandeln)

• Sammeln von Erfahrungen unterschiedlicher Rede- und Gesprächsformen: Rollenspiel, Interview, Diskussion, Kurzreferat usw.)

• Inhaltliche Reflexion über Kommunikationsstrukturen (Manipulation, Vorurteile usw.)

• Inhaltliches Reproduzieren von muttersprachlichen Texten ins Deutsche und umgekehrt

Schriftliche Kommunikation

Verfassen von Texten

• Anregung zur Darstellung eigener Erfahrungen und schriftlicher Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen, sowie der sich herausbildenden Identität und dem bikulturellen Prozeß

• Verfassen von sachbezogenen und phantasieerfüllten Texten; Ausdrücken von Gefühlen, Meinungen, Argumenten, Absichten; Förderung des spielerisch-kreativen Sprachgebrauchs

• Umgang mit verschiedenen Textsorten, Sensibilisierung für verschiedene Sprach- und Schreibstile (zB Stellengesuche, Inserate, Zeitungsgenres usw. . . .),

• Systematische Verwendung von (ein- und zweisprachigen) Wörterbüchern, Lexika und anderen Nachschlagewerken

• Schreiben über sich (Erfahrungen, Erlebnisse, Probleme)

• Herstellen von Textkollagen

• Schreiben im Stile verschiedener Textsorten (Zeitungsartikel, Inserate, Anträge, Formulare usw.), Textsortentransfer (zB Gedichte nacherzählen)

• Inhaltliches Reproduzieren von muttersprachlichen Texten ins Deutsche und umgekehrt

Rechtschreiben

• Festigung der Standardnorm

• Einsicht in die Regelhaftigkeit der Orthographie

Lesen und Textbetrachtung

• Sinnerfassendes Lesen größerer Textmengen und verschiedener Textsorten

• Förderung der Lesebereitschaft (insbesondere des Lesens längerer Texte, unterschiedlicher Textsorten, von Sachtexten und Literatur)

• Erfassen von Zusammenhängen

• Auseinandersetzung mit dichterischen Texten, gebundener Sprache (Gedichte lesen, vortragen)

• Vermittlung einer grundlegenden Literaturkunde (literarische Formen, Schriftsteller, die wichtigsten Werke)

• Erarbeiten von Informationen aus Sachtexten (Sachbüchern ua.), Herstellung von Zusammenhängen

• Auseinandersetzung mit soziokulturellen Inhalten

• Förderung des strukturellen Lesens und des Vergleichs von Übersetzungen und zweisprachigen Texten unter kontrastiven Gesichtspunkten, Bewußtmachen und Aufarbeiten von auftretenden Interferenzen

Medienerziehung

Analyse von Filmen, Zeitungen, insbesondere von Videos

Sprachbetrachtung

• Auseinandersetzung mit Strukturprinzipien: zB Wortbildung, Zeitenbildung und -verwendung, Satz- und Textstruktur, Morphologie

e Einführung in die Pragmatik: Reflexion über verschiedene Sprachformeln, standardisierte Sprache in bestimmten Kontexten und Textsorten

• Analyse von Übersetzungen und Paralleltexten; Sensibilisierung für die Sprachstruktur im Vergleich der Muttersprache mit dem Deutschen

• Bewußtmachen der Sprach- und Stilebenen, praxisbezogene Stilistik

• Sprachvergleich im Zusammenhang mit auftretenden Interferenzen

4. Klasse

Teilziele

Mündliche Kommunikation

• Erweiterung der sprachlichen Fertigkeiten (Sprach- bzw. Redemittel), der Ausdrucksfähigkeit (lexikalisch, stilistisch, soziokommunikativ)

• Erweiterung der Inhalte um Alltagsthemen aller Art, zB: gesellschaftliche Entwicklungen (Schwerpunkt auf Arbeitswelt, Politik, gesellschaftliche Interessen), Gesundheit, Beziehungen zwischen den Geschlechtern, Mode (Der interkulturelle Ansatz ist dabei zu berücksichtigen.)

• Festigung der Standardsprache, Bewußtmachen von Sprachstilen

• Sicherer Umgang mit sprachlichen Registern

• Festigung der Fähigkeit des Ausdrucks emotionaler Inhalte in verschiedenen Kommunikationssituationen

• Beherrschung verschiedener Sprechsituationen im Alltag (situatives Sprachhandeln)

• Bewußter Umgang mit den Sprachregistern, dazu konfrontative Überlegungen zur Standardsprache und zur (regionalen) österreichischen Umgangssprache

• Sammeln von Erfahrungen in unterschiedlichen Rede- und Gesprächsformen: Rollenspiel, Interview, Diskussion, Kurzreferat usw.

• Inhaltliche Reflexion über Kommunikationsstrukturen (Manipulation, Vorurteile usw.)

• Inhaltliches Reproduzieren von muttersprachlichen Texten ins Deutsche und umgekehrt

Schriftliche Kommunikation

Verfassen von Texten

• Darstellung eigener Erfahrungen und schriftliche Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen sowie mit der sich herausbildenden Identität und dem bikulturellen Prozeß

• Verfassen von sachbezogenen und phantasieerfüllten Texten; Ausdrücken von Gefühlen, Meinungen, Argumenten und Absichten; Förderung des spielerisch-kreativen Sprachgebrauchs

• Phantasievolles und experimentelles Umgehen mit Sprache (Verfassen von Gedichten, Fabeln, Anekdoten usw.)

• Schreiben über sich (Erfahrungen, Erlebnisse, Probleme)

• Herstellen von Textkollagen

• Schreiben im Stile verschiedener Textsorten (Zeitungsartikel, Inserate, Anträge, Formulare usw.), Textsortentransfer (zB Zeitungsberichte in Erzählform wiedergeben)

• Inhaltliches Reproduzieren von muttersprachlichen Texten ins Deutsche und umgekehrt

• Systematische Verwendung von (ein- und zweisprachigen) Wörterbüchern, Lexika und anderen Nachschlagewerken

• Assoziatives Schreiben nach optischen oder musikalischen Impulsen

• Techniken der Wissensbeschaffung (des Exzerpierens)

• Auseinandersetzung mit der äußeren Form von Texten: Gestalten und Layoutieren von Texten unter Einbeziehung der Textverarbeitung

Rechtschreibung

differenzierte Beherrschung der Rechtschreibung

Lesen und Textbetrachtung

• Sinnerfassendes Lesen größerer Textmengen und verschiedener Textsorten (literarische Texte, Sachtexte, populärwissenschaftliche Texte, Zeitungen ua.)

• Erfassen von Zusammenhängen, Erarbeiten von Informationen aus Sachtexten

• Auseinandersetzung mit dichterischen Texten, gebundener Sprache (Gedichte lesen, vortragen)

• Förderung der Lesebereitschaft (insbesondere des Lesens längerer Texte, unterschiedlicher Textsorten, von Sachtexten und Literatur)

Medienerziehung

• Analyse von elektronischen Medien (insbesondere von Filmen und Videos) und Printmedien

• Kritische Auseinandersetzung mit dem Medienkonsum

• Sensibilisierung für Methoden der Manipulation

Literaturkunde

• Auseinandersetzung mit verschiedenen literarischen Gattungen und Strömungen

• Vermittlung eines allgemeinen Überblicks über die wichtigsten literarischen Strömungen in der muttersprachlichen Literatur sowie in der Migrantenliteratur

• Exemplarische Auseinandersetzung mit einigen Schlüsselwerken, den wichtigsten Literaten und einigen ihrer Werke

• Arbeit am Original und an Übersetzungen ins Deutsche: Sprach- und Stilvergleich, Sensibilisierung für Übersetzungstätigkeit

• Einführung in vergleichende Literaturbetrachtung; Aufzeigen von Beziehungen zwischen der muttersprachlichen Literatur und der Migrantenliteratur mit der deutschsprachigen Literatur

Sprachbetrachtung

• Auseinandersetzung mit Strukturprinzipien, Überblick über die Wort-, Satz- und Textgrammatik, sowie über Prinzipien der Wortbildung und Grundbegriffe der Semantik

• Vermittlung der Grundzüge der Pragmatik: Reflexion über die Sprachverwendung, Emotionalität und Sachlichkeit, verschiedene Stile, Textsorten, soziale Sprachen, Sprachregister

• Analyse von Übersetzungen und Paralleltexten, Analyse der Sprachstruktur im Vergleich der Muttersprache mit dem Deutschen

• Auseinandersetzung mit Sprach- und Stilebenen

• Aufgreifen von Interferenzen, kontrastiv-konfrontative Sprachbetrachtung (Muttersprache — Deutsch)

Didaktische Grundsätze

• Verwendung unterschiedlicher Sozialformen (insbesondere Sesselkreis, Partnerarbeit, Einzelarbeit, Rollenspiel, Gruppenarbeit uä.)

• Koordination mit dem deutschsprachigen Unterricht, nach Möglichkeit Teamteaching

• Durchführung von interkulturellen Projekten

• Vermittlung und Anwendung verschiedener Arbeits- und Lerntechniken zum selbständigen Bildungserwerb

• Aufgreifen und Verbalisieren unaufgearbeiteter Erfahrungen im Umgang mit der Muttersprache, der Bikulturalität und mit dem Prozeß der Identitätsbildung und -festigung

• Methodische Stützung für den ungesteuerten Spracherwerb (Lernen außerhalb des Unterrichts)"

18. In Anlage B sechster Teil Abschnitt C (unverbindliche Übungen) wird nach der unverbindlichen Übung „Physik und Chemie" eingefügt

„Muttersprachlicher Unterricht

Siehe Freigegenstand „Muttersprachlicher Unterricht"."

19. In Anlage C 1 (Lehrplan der Allgemeinen Sonderschule) erster Teil (Allgemeine Bestimmungen) Z 3 (Besondere Bildungsaufgaben und fachübergreifende Lernbereiche [Unterrichtsprinzipien]) wird im zweiten Absatz nach dem Unterrichtsprinzip „Politische Bildung (einschließlich Staatsbürgerliche Erziehung und Friedenserziehung)" eingefügt

„Interkulturelles Lernen"

20. In Anlage C 1 erster Teil wird nach Z 10 (Zusammenarbeit mit Erziehungsberechtigten, schulischen und außerschulischen Einrichtungen) angefügt

„11. Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache"

Der Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache" ist in Verbindung mit dem Lehrplan „Deutsch, Lesen, Schreiben" bzw. „Deutsch, Lesen" als Grundlage für das Lehren und Lernen von Deutsch als Zweitsprache zu verstehen.

Eine detaillierte Berücksichtigung der zum Teil sehr unterschiedlichen Vorkenntnisse der Schüler in der Zweitsprache Deutsch hat auf der Ebene der klassenbezogenen Jahresplanung unter Berücksichtigung des jeweiligen lernorganisatorischen Modells, das an der Schule verwirklicht wird, zu erfolgen.

Der Lehrplan-Zusatz ist nicht nach. Schulstufen gegliedert. Er versteht sich als ein mehrjähriges Lernkonzept, das von Schülern mit keinen oder mit nur geringen sprachlichen Vorkenntnissen in Deutsch jeweils vom Beginn an durchlaufen wird (unabhängig von der Schulstufe, in die der Schüler eingestuft wird). Bei bestehenden Vorkenntnissen können aber auch Teilbereiche übersprungen werden. Der Lehrplan-Zusatz „Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache" ist im wesentlichen als Differenzierungshilfe für einen Unterricht zu verstehen, der sich immer auch an den Lernzielen und Vermittlungsformen des allgemeinen Lehrplanes für Deutsch orientiert. Dies ist schon allein deshalb erforderlich, weil Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache in vielen Fällen in einem mehr oder weniger großen Ausmaß am Deutschunterricht teilnehmen bzw. in diesen immer wieder einbezogen werden. Die unterrichtspraktische Verklammerung zwischen einzelnen Teilbereichen des Lehrplanes für Deutsch mit jenen des Lehrplan-Zusatzes wird mit zunehmender Lernzeit wachsen und zu fließenden Übergängen führen."

21. In Anlage C 1 vierter Teil (Gesamtstundenzahl und Stundenausmaß der Pflichtgegenstände, des Förderunterrichtes, der verbindlichen Übungen, der Freigegenstände und unverbindlichen Übungen) wird in dem die Freigegenstände betreffenden Teil nach der den Freigegenstand „Hauswirtschaft" betreffenden Zeile angefügt

„Muttersprachlicher Unterricht . . .

...--------------------3—6 3—6 3—6"

22. In Anlage C 1 vierter Teil wird in dem die unverbindlichen Übungen betreffenden Teil nach der die unverbindliche Übung „Darstellendes Spiel" betreffenden Zeile eingefügt

„Muttersprachlicher Unterricht . . .

3-6 3-6 3—6 3-6 3-6 3—6 3—6 3—6"

23. In Anlage C 1 vierter Teil erhalten die Z 8, 9 und 10 der „Bemerkungen zur Stundentafel" die Bezeichnungen „10.", „11." und „12." und wird nach Z 7 eingefügt

„8. Für außerordentliche Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache kann zum Erwerb der Unterrichtssprache ein besonderer Förderunterricht im Ausmaß von bis zu zwölf Wochenstunden angeboten werden, der bei besonderen Lernproblemen bis auf 18 Wochenstunden erweitert werden darf. Dieser Förderunterricht kann sowohl parallel zum Unterricht in den Pflichtgegenständen als auch mit diesem gemeinsam geführt werden. Sofern die Organisation des besonderen Förderunterrichtes nur zusätzlich zum Unterricht in den Pflichtgegenständen möglich ist, ist durch Begrenzung des Förderunterrichtes oder durch entsprechende Kürzungen in anderen Unterrichtsgegenständen dafür Sorge zu tragen, daß eine zusätzliche zeitliche Belastung von höchstens drei Wochenstunden nicht überschritten wird. Bei Bedarf ist eine ganzjährige Führung dieses Förderunterrichtes zulässig.

9. Für ordentliche Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache kann bei Bedarf abweichend vom Förderunterricht im Sinne der Z 7 ein besonderer Förderunterricht im Ausmaß von bis zu fünf Wochenstunden angeboten werden. Dieser Förderunterricht kann sowohl parallel zum Unterricht in den Pflichtgegenständen als auch mit diesem gemeinsam geführt werden. Bei Bedarf ist eine ganzjährige Führung dieses Förderunterrichts zulässig. Bei einer drei- bis fünfstündigen Führung dieses Unterrichtes kann für die teilnehmenden Schüler eine Kürzung der Gesamtwochenstundenzahl in den Pflichtgegenständen bis zu drei Wochenstunden vorgesehen werden."

24. In Anlage C 1 sechster Teil (Bildungs- und Lehraufgaben sowie Lehrstoff und didaktische Grundsätze für die Pflichtgegenstände) wird nach dem Pflichtgegenstand „Deutsch, Lesen, Schreiben/ Deutsch, Lesen" eingefügt

„Lehrplan-Zusatz

Deutsch für Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache

Die Bildungs- und Lehraufgaben sowie der Lehrstoff orientieren sich an den Lehrplänen der

Volksschule und Hauptschule (Anlagen A und B dieser Verordnung in der jeweils geltenden Fassung) mit nach der Behinderung erforderlichen Anpassungen."

25. In Anlage C 1 siebenter Teil (Bildungs- und Lehraufgaben sowie Lehrstoff der verbindlichen Übungen, der Freigegenstände und unverbindlichen Übungen) wird in dem die Freigegenstände betreffenden Abschnitt nach dem Freigegenstand „Hauswirtschaft" angefügt

„Muttersprachlicher Unterricht

Die Bildungs- und Lehraufgaben sowie der Lehrstoff orientieren sich am Lehrplan der Hauptschule (Anlage B dieser Verordnung in der jeweils geltenden Fassung) mit nach der Behinderung erforderlichen Anpassungen."

26. In Anlage C 1 siebenter Teil wird in dem die unverbindlichen Übungen betreffenden Abschnitt nach der unverbindlichen Übung „Darstellendes Spiel" eingefügt

„Muttersprachlicher Unterricht

Die Bildungs- und Lehraufgaben sowie der Lehrstoff orientieren sich am Lehrplan der Volksschule (Anlage A dieser Verordnung) und bezüglich der Oberstufe am Lehrplan der Hauptschule (Anlage B dieser Verordnung) mit nach der Behinderung erforderlichen Anpassungen."

Artikel II

Auf Grund des § 2 Abs. 2 des Religionsunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 190/1949, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. Nr. 329/1988, wird bekanntgemacht

Der folgende von der Katholischen Kirche erlassene Lehrplan für den Katholischen Religionsunterricht tritt ab 1. September 1992 schulstufenweise aufsteigend an die Stelle des in Anlage A (Lehrplan der Volksschule) fünfter Teil (Lehrpläne für den Religionsunterricht an Volksschulen) Abschnitt a) (Katholischer Religionsunterricht) zur Verordnung des Bundesministers für Unterricht vom 4. Juni 1963, mit welcher die Lehrpläne der Volksschule, der Hauptschule und der Sonderschulen erlassen werden; Bekanntmachung der Lehrpläne für den Religionsunterricht an diesen Schulen, BGBl. Nr. 134/1963, zuletzt geändert durch die Verordnung BGBl. Nr. 439/1991, bekanntgemachten Lehrplanes für die Grundschule

„GRUNDSCHULE Art und Gliederung des Lehrplanes

Der Lehrplan für den Religionsunterricht an der Grundschule ist ein Lehrplan mit Rahmencharakter. Dieser ermöglicht den Religionslehrern und Reli-

gionslehrerinnen Entscheidungsfreiräume hinsichtlich der zeitlichen Verteilung, der Konkretisierung und Strukturierung der Lehrinhalte sowie hinsichtlich der Festlegung der Unterrichtsmethoden und -mittel nach verschiedenen didaktischen Gesichtspunkten. Der Lehrplan bildet demnach die Grundlage für die eigenständige und verantwortliche Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Unterrichtes. Er umfaßt

— Die allgemeine Bildungs- und Lehraufgabe

— Die didaktischen Grundsätze und fachdidaktischen Hinweise

— Die Aufgliederung nach Schulstufen (wobei jeweils die erste und zweite im Sinne der Grundstufe I, die dritte und vierte im Sinne der Grundstufe II als Einheit zu sehen sind)

Die einzelnen Schulstufen umfassen

— Das korrelative Leitmotiv: In ihm wird das „Jahresthema" sowohl in seiner anthropologischen als auch in seiner theologischen Bezogenheit angesprochen.

— Die spezielle Bildungs- und Lehraufgabe

— Sieben korrelativ angelegte Themenfelder mit Angabe der Ziele und der Lehrinhalte. Die Themenfelder verstehen sich als Vorgaben, die gemäß der Jahresplanung zu einem „Jahresganzen" kombiniert werden sollen. Je nach Gegebenheiten und Notwendigkeiten können die Reihenfolge der Themenfelder verändert und/oder einzelne Teile zusammengefügt und ausgetauscht werden. Zu beachten ist allerdings, daß (vor allem in der Grundstufe I) der Gang durch das (Kirchen-)Jahr die kontinuierliche Abfolge der aufeinander bezogenen Themenfelder nahelegt.

Der Lehrinhalt ist in zwei Spalten dargestellt. In der linken Spalte wird die stoffliche Grobstruktur angegeben und dadurch die inhaltliche Linienführung des Religionsunterrichtes verdeutlicht. In der rechten Spalte wird die Grobstruktur konkretisiert, oft beispielhaft interpretiert.

1. Bildungs- und Lehraufgabe

Der Religionsunterricht als einer von mehreren Lernorten des Glaubens geschieht in Verantwortung vor Kirche und Staat. Er ist „kirchlicher Dienst in der Institution Schule" und an der Institution Schule" (Österreichisches Katechetisches Direktorium, Nr. 3.1). Er findet seine Grundorientierung in der Wahrung der „Treue zu Gott" und der „Treue zum Menschen" (Catechesi tradendae, Nr. 55) und ist damit Gott mit seinem Heilsangebot und den Menschen mit ihren Fragen, Wünschen, Sehnsüchten und Erfahrungen verpflichtet. Er greift die Grundfragen des Menschen nach dem Woher, Wohin und Wozu und die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben auf und zeigt „den engsten

Zusammenhang des Geheimnisses Gottes und Christi mit der Existenz des Menschen und seinem letzten Ziel" (Allgemeines Katechetisches Direktorium, Nr. 42). Er will grundlegende Voraussetzungen der religiös-christlichen Einstellungen und Verhaltensweisen entwickeln und fördern. Er bietet Orientierungshilfe in dieser Welt und ermöglicht Zugänge zur biblischen Botschaft, zur kirchlichen Lehre und Tradition und zu einem Leben in und mit der Kirche. Daraus ergeben sich folgende Aufgaben

— Die Wirklichkeit in ihrer Vielseitigkeit und Mehrdeutigkeit wahrnehmen und erschließen

— Das Leben der Schüler und Schülerinnen in seiner Fülle und Widersprüchlichkeit sehen, annehmen und aufgreifen

— Menschliche Grundfähigkeiten erschließen, elementare religiöse Erfahrungen ermöglichen und Grundhaltungen einüben (Kräfteschulung)

— Hoffnungsvolle Beziehungen zum dreifaltigen Gott wecken und fördern

— Aus der Menschwerdung Jesu Christi, aus seinem Handeln und Reden die Liebe Gottes zu den Menschen erschließen

— Zu den Haltungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe ganzheitlich hinführen

— Alters- und sachgemäß religiöses Grundwissen vermitteln und Bibelverständnis anbahnen

— Zu einem Leben aus dem Glauben und zu einem verantwortlichen Handeln ermutigen (Gewissensbildung, Werterziehung)

— Zum persönlichen Beten in seinen vielfältigen Formen anregen und mit den Grundgebeten der Kirche vertraut machen (Gebetserziehung)

— Die Schüler und Schülerinnen auf dem Weg zu einem Leben aus den Sakramenten begleiten (Sakramentenerziehung)

— Beziehungen zu gläubigen Menschen sowie zur Pfarrgemeinde aufbauen und einen Zugang zur Kirche eröffnen

— Die Feste des Kirchenjahres wahrnehmen, erschließen und zu deren Mitfeier motivieren

— Zu Toleranz und Achtung gegenüber Andersdenkenden hinführen, eine ökumenische Haltung aufbauen und zu interkulturellem Lernen beitragen

— Die gestaltende Kraft des Christentums und ihre Auswirkungen in unserem Kulturkreis bewußt machen und deuten (Christliche Heimatkunde)

— Zum Leben und Lernen im Horizont der einen Welt anregen

Als integrierender Teil der Erziehung und Bildung in der Grundschule nimmt der Religionsunterricht unter Wahrung seiner spezifischen Aufgaben auch Anteil am allgemeinen Bildungsziel, wie es im § 2 des Schulorganisationsgesetzes für die

österreichischen Schulen, im § 9 für die österreichische Volksschule und im Lehrplan speziell für die Grundschule formuliert ist, sowie an den fächerübergreifenden Unterrichtsprinzipien (Gesundheitserziehung, Leseerziehung, Medienerziehung, Musische Erziehung, Politische Bildung, Sexualerziehung, Sprecherziehung, Erziehung zum Umweltschutz, Verkehrserziehung, Wirtschaftserziehung).

2. Didaktische Grundsätze und Fachdidaktische Hinweise

Für den Religionsunterricht gelten die allgemeinen didaktischen Grundsätze für die Grundschule (Kindgemäßheit und Berücksichtigung der Lernvoraussetzungen, soziales Lernen, Lebensbezogenheit und Anschaulichkeit, Konzentration der Bildung, Sachgerechtheit, Aktivierung und Motivierung, Differenzieren und Fördern, Sicherung und Kontrolle des Unterrichtsertrages) sowie die verschiedenen grundschulgemäßen Lernformen (Lernen im Spiel, offenes Lernen, projektorientiertes Lernen, entdeckendes Lernen, informierendes Lernen, wiederholendes und übendes Lernen ua. mehr).

Darüber hinaus ist zu beachten

— Der Religionsunterricht ist sowohl dem Glauben, der christlichen Botschaft und dem Heilsangebot der Kirche als auch der Welterfahrung, der Heilsbedürftigkeit und den Sehnsüchten der Menschen verpflichtet. So werden sowohl das natürliche Leben, das vom Horizont des Evangeliums her mit neuem Sinn erfüllt wird, als auch das übernatürliche Leben, welches nicht die Verneinung, sondern die Läuterung und Erhöhung des natürlichen Lebens ist, erhellt (Vgl. Evangelii nuntiandi, Nr. 47). Die einzelnen korrelativ angelegten Themenfelder sind daher jeweils unter den anthropologischen wie auch unter den theologischen Zielsetzungen zu behandeln.

— Zu den Aufgaben des Religionsunterrichtes gehört unter anderem auch die Entfaltung menschlicher Grundkräfte, wie zB Freude zeigen, staunen können, dankbar sein, vertrauen dürfen,. . . Diese Vollzüge sind im weiteren Sinn religiös und so vielfach Voraussetzung für das Auf- und Annehmen der christlichen Botschaft. Entscheidend bei der Kräfteschulung ist nicht nur, daß Kräfte geweckt, sondern daß diese im Sprechen, Singen, Tanzen, Schenken, Zeichnen, Mimen usw. ausgedrückt und sichtbar gemacht werden. Dadurch werden auch Voraussetzungen geschaffen, unter denen Gefühle aktiviert und Beziehungen zu sich selbst, zu den Mitmenschen und zu Gott gestaltet werden können (Beziehungslernen).

— Christlich-religiöse Erziehung will zum transzendenten Gott hinführen. Symbole sind dabei wesentliche Sprach- und Ausdrucksformen. Sie weisen über sich selbst hinaus auf eine Wirklichkeit, die nicht unmittelbar begriffen werden kann. Symbolerziehung will vor allem durch einübenden Umgang mit Symbolen im Betrachten, Erzählen, Hören, Spielen und Handeln helfen, die Sprache der Religion zu verstehen (der Lehrplan geht ua. besonders auf die Symbole Licht, Wasser, Weg und Brot ein).

— Jedes Erzählen schließt Hören und Schweigen, Denken, Reden und Handeln ein, und setzt so ein mehrdimensionales Lernen in Gang. Dadurch wird den Schülern und Schülerinnen Raum für ihre Gedanken und Vorstellungen, Ideen und Bilder, Schwierigkeiten und Ängste geschaffen. So wie Gottes Heilshandeln an den Menschen vielfach erzählend weitergegeben wurde, ist narrative Unterrichtskultur im Zusammenhang mit der Geschichte Gottes mit den Menschen auch heute wesentlicher Bestandteil des Religionsunterrichtes. Dabei ist allerdings zu beachten, daß eine Übersetzung in die Sprache des Kindes die Bindung und Treue gegenüber dem biblischen Text und seiner Aussage zu wahren hat.

— In der Bibel, der Offenbarung Gottes an die Menschen, kommt ua. Glaube zum Ausdruck, der auf die Selbstmitteilung Gottes antwortet. Dadurch geschieht in vielfältigen Denkformen und Redeweisen auch Welt- und Lebensdeutung, die einen sorgsamen und sachgerechten Umgang mit dem biblischen Text verlangt. Eine kindgemäße Begegnung mit der Botschaft erfordert methodische Vielfalt (zB Nacherzählung, Spiel, Gespräch, bildnerisches Gestalten), Kenntnisse über Land und Leute zur Zeit der Bibel und ein elementares Verständnis biblischer Sprache und Theologie.

— Gebetserziehung ist eine ständige Aufgabe des Religionsunterrichtes. Gebet als Antwort des Menschen auf das Handeln Gottes kann in mannigfaltigen Haltungen (Lob, Dank, Bitte, Anbetung . . .) und Formen geschehen, die vom Hören, Staunen, Fragen, Schweigen und Tun bis hin zum gesprochenen Wort (in freier oder vorformulierter Weise), zum Lied, zur Gebärde und zum Tanz reichen. Grundgebete (Kreuzzeichen, Vaterunser, Gegrüßet seist du Maria, Glaubensbekenntnis...), Psalmen und Gesänge stammen aus dem Gebetsschatz der Kirche. Ihr Inhalt ist für das Kind nicht schon von vornherein verständlich. Sie sind daher dem wachsenden Glaubenswissen entsprechend zu vermitteln. Die Auferbauung eines Liedgutes ist anzustreben.

— Feste und Feiern als Ausdruck innerer Freude und Betroffenheit schaffen einen intensiven und ganzheitlichen Zugang zu den christlichen Grundvollzügen. Sie gehören zum kindlichen Erlebnisraum, bringen uns den sich offenbarenden Gott nahe, sprechen besonders die Gefühlsebenen im individuellen und sozialen Bereich an und sind deshalb immer wieder in die Unterrichtsgestaltung einzubeziehen. So können sich auch durch anleitendes Vorbereiten und kindgemäßes Mitfeiern Formen von (religiöser) Schulkultur entwickeln. In allen Schuljahren sollte darüber hinaus immer wieder der Bezug zum Kirchenjahr, insbesondere zur Feier des Sonntags und der Hauptfeste in der Gemeinde gesucht werden — und zwar, je nach Klassensituation, über die in einzelne Themenfelder aufgenommenen Schwerpunkte hinaus. Religionslehrer und Religionslehrerinnen werden deshalb nach Möglichkeit im Zusammenwirken mit den Eltern und den Pfarrseelsorgern darauf achten, daß die Kinder in die pfarrliche Feier des Kirchenjahres eingebunden werden und diese ihrem Alter entsprechend mitgestalten können. Auf diese Weise kann der Religionsunterricht Beziehungen der Schüler und Schülerinnen zu den liturgischen Feiern der Gemeinde anbahnen, herstellen oder stützen. Ähnliches gilt für Heiligenfeste und Feiern entsprechend dem religiös-kirchlichen örtlichen Brauchtum.

— Das Gewissen ist „die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist" (Gaudium et spes, Nr. 16). Ausgangspunkt einer christlichen Gewissensbildung, die letztlich zu einem Leben in verantworteter Freiheit vor Gott führen soll, ist das Vertrauen in die bergende Liebe eines guten Gottes, die jedem menschlichen Handeln in Liebe zuvorgeht. Die Religionslehrer und Religionslehrerinnen begleiten und fördern die Entfaltung des Gewissens, indem sie gemeinsam mit den Schülern und Schülerinnen suchen, das Wort Gottes als Weisung zu einem gottgewollten Leben zu erkennen. Dieses Erkennen geschieht zunächst noch weitgehend durch erlebnishaftes Erfassen der Wirklichkeiten. Die gewonnene „Einsicht" in das Gute und Richtige wird durch konkretes Tun geübt. Werden die Kinder zunehmend fähig, kritisch über ihr Handeln nachzudenken, eröffnet sich ihnen auch ein Zugang zu einer persönlichen Entscheidung für christliche Weisungen und Werte. Vorrangig sind dabei die Weckung und Einübung von Grundhaltungen christlichen Lebens: Hören auf das Wort Gottes,

Glauben, Vertrauen, Liebe zu Gott, zu sich selbst und zum Nächsten, Dankbarkeit, Vergebungsbereitschaft ... Diese Hinwendung zum dreifaltigen Gott, zum Mitmenschen und zur Schöpfung ermutigt zum Handeln. Im Rahmen der Gewissensbildung wird der Lehre der Kirche eine besondere Bedeutung zukommen müssen. Darüber hinaus ist auch wichtig, wie Lehrer und Lehrerinnen und Schüler und Schülerinnen im täglichen Umgang miteinander und untereinander aus Erfahrungen des Gelingens, des Mißlingens und des Verschuldens lernen.

— Sakramentenerziehung will zum Empfang und Mitvollzug der Sakramente als Feiern des Glaubens führen. Sie fällt sowohl in den Aufgabenbereich der Familie, der Pfarre als auch des Religionsunterrichtes. Deren Zusammenwirken ist daher — besonders bei den Sakramenten der Eucharistie und Buße — anzustreben. Dem Religionsunterricht der Grundschule geht es in diesem Zusammenhang zunächst um die Erschließung religiöser Voraussetzungen für das Verstehen der Sakramente als gnadenwirkende Zeichen. Sakramentenerziehung im weiteren Sinn wird bei der Mit- und Umwelt des Kindes ansetzen und dort eine Fülle von verweisenden Zeichen (Stein, Sonne, Baum, Weg . . .), die eine tiefere Botschaft schenken, entdecken. In der Begegnung mit Menschen erfahren die Kinder, daß „Dinge", Zeichen, Gesten (Händedruck, Hand auflegen, umarmen, zusammensitzen, Mahl halten, Brot teilen, Tränen trocknen . . .) oft stärker reden, als Worte es vermögen. In wesentlichen Worten, Handlungen und bezeichnenden Gesten gibt auch Christus zu verstehen, daß Gott wichtige Augenblicke unseres Lebens besonders begleitet und uns so seine bergende Nähe schenkt. Die Kirche, selbst Sakrament, ist Mittlerin der Zuwendung Gottes. Die kognitive Erschließung der Sakramente ist entsprechend der Fassungskraft der Kinder anzustreben.

— Daß sich Christen an Sonn- und Feiertagen zum Gottesdienst versammeln, ist für Schüler und Schülerinnen der Grundschule oft keine Wirklichkeit mehr, die man als selbstverständlich voraussetzen kann. Sie erleben anderes zu Hause und in ihrer Umgebung. Im Rahmen einer Eucharistieerziehung wird daher der Religionsunterricht nur behutsam und schrittweise an die Fülle des eucharistischen Geheimnisses heranführen können. Voraussetzungen dazu sind wichtige elementare Erfahrungen wie gemeinsam feiern, erinnern und gedenken, teilen, schenken, empfangen, staunen, danken, loben, bitten . . .

— Bußerziehung im umfassenden Sinn ist zunächst unabhängig von der Hinführung zur Beichte. Das Erfahrungsfeld, von dem sie ausgehen soll, ist die Zuwendung Gottes zu den sündigen und schuldig gewordenen Menschen. Diese Zuwendung hat in Jesus Christus ihre dichteste und endgültige Gestalt angenommen. Jede Form der Umkehr im Glauben ist daher immer Antwort auf diese Zuwendung und ein Ausdruck der Bereitschaft, sich der Anforderung Gottes zu stellen. Bußerziehung hat im Religionsunterricht nicht nur punktuell zu geschehen, sondern sie ist als ständiges Anliegen wahrzunehmen. Die Beichte als sakramentale Form der Versöhnung und Vergebung muß den Schülern und Schülerinnen als eine durch die Kirche vermittelte frohe Botschaft erscheinen, die Aufrichtigkeit, Reue, Vorsatz und Bußgesinnung einschließt.

— Wie für andere Unterrichtsgegenstände ist es auch für Religion wichtig, Schülern und Schülerinnen das Erleben und Einüben von Lehrinhalten zu ermöglichen. Die religiösen Übungen sind darum eine wertvolle und notwendige Ergänzung des Unterrichtes. Sie sind in einer guten und altersgemäßen Gestaltung zur Teilnahme anzubieten. Zu den religiösen Übungen zählen ua.: Schülergottesdienste (Wortgottesdienste, Eucharistiefeiern, Bußfeiern), Gelegenheit zum Empfang des Bußsakramentes. Für die Gestaltung des Schulgebetes wird der Religionsunterricht nach Möglichkeit Hilfen anbieten.

— Erfahrungen aus dem aktiven Mitleben in einer Pfarrgemeinde sind nicht mehr generell bei allen Schülern und Schülerinnen des Religionsunterrichtes vorauszusetzen. Christlicher Glaube ist aber auf die (erfahrbare) Gemeinschaft der Glaubenden angewiesen. Daher soll der Religionsunterricht auf die in der jeweiligen Situation mögliche Weise den Bezug zur Gemeinde suchen. Neben dem zentralen Anliegen der Hinführung zu Gottesdienst und Sakramentenempfang kann dies noch auf vielfältige Art geschehen: Durch den Religionslehrer und die Religionslehrerin und durch Schüler und Schülerinnen mit ihren Gemeindeerfahrungen; durch Einladen des Pfarrers und aktiver Gemeindemitglieder in den Unterricht; durch Besuch von kirchlichen Einrichtungen im Rahmen von Lehrausgängen und Exkursionen; mit Hilfe von entsprechenden Medien usw. Wo es möglich ist, sind als Ergebnis unterrichtlicher Arbeit auch außerschulische Aktivitäten von Schülern und Schülerinnen in der Gemeinde anzustreben. In diesem Sinne soll auch auf Lebensformen der Kinder in der Pfarre (Jungschar,. . .) hingewiesen werden (Vgl. Österreichisches

Katechetisches Direktorium, Nr. 5.3 und 7.1.3.5).

— So wie die anderen Unterrichtsgegenstände versucht auch der Religionsunterricht die Erfahrungen und Kenntnisse der Schüler und Schülerinnen aus ihrem sozialen und kulturellen Umfeld in den Unterricht einzubeziehen und aufzuarbeiten. Wo immer es möglich ist, sollten daher Querverbindungen und Kontakte zu den anderen Unterrichtsgegenständen und Kooperation mit den Klassenlehrern und Klassenlehrerinnen im Sinne eines ganzheitlichen Lernprozesses gesucht und hergestellt werden. Der Religionsunterricht wird sich auch nach Möglichkeit am projektorientierten Unterricht beteiligen und seinerseits Vorschläge für projektorientiertes Arbeiten einbringen. Der religionspädagogische Beitrag wird so integriert. Trotz aller anzustrebenden Synthese müssen allerdings die fachspezifischen Ziele und Inhalte gewahrt bleiben.

— Das Verhältnis zwischen Religionsunterricht und Familie soll vom Geist der Partnerschaft und der gegenseitigen Ergänzung bestimmt sein (Vgl. Österreichisches Katechetisches Direktorium, Nr. 6.1.3.6). Auch im Sinne sozialen Lernens sind die von den Eltern eingebrachten Erfahrungen wertvolle Impulse für den Unterricht. Religionslehrer und Religionslehrerinnen werden das Gespräch mit den Eltern suchen, deren Erwartungen beachten, von Anfang an mit dem Religionsunterricht und seinem Anliegen vertraut machen (Elternabende, Elternbriefe, Tag der offenen Tür, . . .) und darüber hinaus bemüht sein, Rat und Hilfe für die religiöse Erziehung in der Familie anzubieten.

3. Unterrichtsplanung

— Im Sinne des § 17 Abs. 1 des Schulunterrichtsgesetzes ist unterrichtliches Planen Ausdruck der eigenständigen und verantwortlichen Unterrichts- und Erziehungsarbeit des Lehrers und der Lehrerin. Die Religionslehrer und Religionslehrerinnen haben bei ihrer unterrichtlichen Arbeit von einer Jahresplanung auszugehen, die eine Konkretisierung des Lehrplans für die jeweilige Schulstufe sowie für die Klassen- und Schulsituation bezogen auf ein Unterrichtsjahr darstellt. Im Jahresplan erfolgt ab Beginn des Schuljahres eine erste vorläufige zeitliche Anordnung der Lehrinhalte bei Orientierung an den Erfahrungs- und Lernbereichen bzw. Teilbereichen des Religionsunterrichtes. Dabei sind der (kirchliche) Jahresfestkreis, regionale und örtliche Bedingungen, die Möglichkeiten von Querverbindungen zu anderen Unterrichts-

gegenständen, die Durchführung von Schulveranstaltungen und die Realisierung der „Unterrichtsprinzipien" zu berücksichtigen.

— Die klassenbezogene langfristige Jahresplanung soll während des Schuljahres durch mittel- und kurzfristige Planungen ergänzt werden, in welchen die verschiedenen grundschulgemäßen Lernformen Beachtung finden. Diese Planungen sollen auch die aktuellen Bedürfnisse und Interessen der Schüler und Schülerinnen berücksichtigen und ihnen ein dem Alter und der Entwicklung entsprechendes Maß an Mitbestimmung ermöglichen. Aktuelle Ereignisse und Lernanlässe sind im Sinne des Gelegenheitsunterrichtes aufzugreifen.

— Die Arbeit mit den Religionsbüchern ist dieser eigenverantwortlichen Konzeption unterzuordnen.

— Zur Gestaltung eines sinnvollen fächerübergreifenden Unterrichtes ist die Kooperation mit dem Klassenlehrer und der Klassenlehrerin im Hinblick auf möglichst ganzheitliche Lernprozesse — allerdings unter Wahrung der fachspezifischen Ziele und Inhalte — anzustreben.

ERSTE SCHULSTUFE Leitmotiv

GEBORGENHEIT SUCHEN - GOTT SCHENKT VERTRAUEN

Bildungs- und Lehraufgabe

Die Schüler und Schülerinnen sollen

— in ihrer neuen Lebenssituation eine positive Einstellung zu sich selbst und zu einander gewinnen und lernen, einander zu vertrauen,

— in Begegnungen mit Menschen, im Umgang mit der Schöpfung, im Feiern von Festen, im Erleben religiöser Zeichen und Symbole und durch biblische Erzählungen erfahren, wie Menschen in Beziehung mit Gott leben, und dadurch

— ermutigt werden, Gott zu vertrauen.

THEMENFELD 1.1 NICHT ALLEIN SEIN - GOTTES ZUWENDUNG ERFAHREN

ZIELE

— Einander in neuen Lebensräumen näherkommen

— Mit neuen Bezugspersonen vertraut werden

— Im gemeinsamen Tun und in biblischen Erzählungen Gottes Zuwendung erspüren

LEHRINHALT

Einander näherkommen

— Name und Einmaligkeit der eigenen Person Von sich erzählen (mein Name, wer mich lieb hat, was ich kann, was mir noch nicht gut gelingt, was ich gerne lernen will, wer mir dabei helfen soll. . .)

— Orte, wo ich mich gerne aufhalte, Menschen, bei denen ich gerne bin Von vertrauten Lebensräumen und bekannten Bezugspersonen (Kindergarten; mein Daheim; Mutter, Vater, Oma, Tante,. . .) erzählen Sich in neuen Lebensräumen (Schulweg, Klasse und Schulhaus . . .) zurechtfinden, sie gestalten und beleben Mit Menschen, denen wir begegnen (Lehrer und Lehrerinnen, Mitschüler und Mitschülerinnen, . . .) vertraut werden

Erfahrung von Zuwendung und Sehnsucht nach Geborgenheit Ich fühle mich wohl, wenn . . .; für wen ich „einmalig" und wichtig bin . . .; nach wem ich Sehnsucht habe . . .; wer mich versteht . . .; mit wem ich spielen . . . kann

Menschen erfahren Gottes Zuwendung, erzählen davon und antworten in Zeichen und Worten

— Gottesbilder Bildhafte Geschichten über die Erfahrung der Nähe Gottes: Zum Beispiel: Gott ist wie eine gute Mutter Gott ist wie ein gütiger Vater Gott hat mich eingezeichnet in seine Hände (nach Jes 49, 15—16a)

— Gott sagt zu den Menschen: Ich bin für euch da Zum Beispiel: Elija begegnet Gott (1 Kön 19, 1 —13a) Mose erfährt Gott nahe (Ex 3, 1 — 17) Daniel vertraut Gott (Dan 6, 2—29)

— Zeichen und Worte als Antwort ZB: Freie Rufe, Lieder, Gesten, Gebetsworte Einübung des großen Kreuzzeichens (Zeichen und Geste der Geborgenheit)

THEMENFELD 1.2

DIE WELT STAUNEND ENTDECKEN - GOTT FÜR DIE SCHÖPFUNG LOBEN UND

DANKEN

ZIELE

— Auf die Schönheit und das Geheimnisvolle der Welt aufmerksam werden

— Mit der Welt sorgsam umgehen

— Die Welt als Geschenk Gottes begreifen

— Gott für die Schöpfung loben und danken

LEHRINHALT

Vieles gibt es zu entdecken und zu bestaunen

— Die Welt ist wunderbar und voller Geheimnisse Aufmerksam werden und mit allen Sinnen erleben: Anschauen, angreifen, riechen, schmecken . . . von Gesteinen, Wasser, Pflanzen, Tieren, Menschen, . . . Staunend begreifen, zB: vom Samenkorn zum Baum, Geheimnis des Wassers, Kraft der Sonne

— Nicht alles ist zu begreifen Werden und Vergehen Mit Geheimnissen leben Alles hat einen (verborgenen) Sinn

Dinge, Pflanzen, Tiere und Menschen sind kostbar Behutsam umgehen, Anvertrautes schützen . . .

Die Welt als Geschenk Gottes Menschen glauben: Gott hat die Welt erschaffen (Ps 104 in Auswahl) Behutsames Umgehen mit der Schöpfung (Gen 2, 15)

Im Gebet Gott antworten Mit verschiedenen Ausdrucksformen loben und danken für die Schöpfung, für die Früchte der Erde, für die menschliche Arbeit „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name" „Unser tägliches Brot gib uns heute"

THEMENFELD 1.3 LICHT UND FINSTERNIS ERLEBEN - GOTT SCHENKT LICHT

ZIELE

— Erfahrungen von Licht und Dunkelheit deuten

— Menschen als Lichtbringer erleben

— Von Jesus als dem Licht Gottes für die Menschen erfahren

— Jesus als das Licht Gottes erwarten und feiern

LEHRINHALT

Erfahrungen von Licht und Dunkelheit Unterschiedliche Erfahrungen von Licht und Dunkelheit („Tag und Nacht", einsam sein und sich geborgen fühlen, . . .) Isoliert sein oder geliebt werden Wege aus der Finsternis entdecken

Menschen bringen und sind Licht Erlebnisse und Alltagsgeschichten, wie Menschen voneinander Hilfe erwarten und einander helfen Wenn Menschen einander nahekommen, trösten und Hoffnung geben, bringen sie Licht: Eltern, Freunde, Nachbarn, Mitschüler und Mitschülerinnen, Martin, Barbara, Nikolaus,. . .

Jesus, das „Licht" von Gott — Er geht zu den Menschen, liebt sie und hilft ihnen Erzählen, wie Jesus auf Menschen zugeht, die ihn umdrängen, ihm nachgehen und ihn als Lichtbringer erfahren (Vgl. Mk 3, 7—10, parallel)

— Er schenkt Geborgenheit Jesus und die Kinder (Mk 10, 13—16)

Advent und Weihnachten feiern Ein „Licht", ein göttliches Kind, wird verheißen: Jes 9, 1—6c

— Zeit der Erinnerung und Erwartung Mit Maria Jesus erwarten: Gott sagt zu den Menschen: Ich bin für euch da, ich bin euch nahe. Maria erfährt (durch den Engel) die Botschaft, daß das Kind, das sie empfängt und erwartet, der Sohn Gottes ist (Vgl. Lk 1, 26-38) Adventfeier, Adventkranz, Herbergsuche . . .

— Den Geburtstag Jesu feiern Fest der Liebe Gottes zu den Menschen (erzählen, gestalten, feiern, darstellen, spielen,. . .)

THEMENFELD 1.4 HÖREN UND ERZÄHLEN - GOTT TEILT SICH MIT

ZIELE

— Im Erzählen und aufmerksamen Zuhören erleben, was Geschichten und Worte den Menschen bedeuten

— Erfahren, daß Gott durch Jesus zu uns spricht

— Die Bibel als besonderes Buch entdecken

LEHRINHALT

Menschen erzählen und hören zu — Gute und schlechte Nachrichten Worte berühren Gute Worte erfreuen (ZB Schön, daß du da bist. . .) Erfahrungen und Übungen von Aufmerksamkeit, Zuhören und Stille

— Worte und Geschichten sprechen an und ermutigen Alltagsgeschichten (ZB wie wir Weihnachten gefeiert haben), Märchen, Sprüche,. . .

Menschen begegnen einer frohen Botschaft — Bedeutsame „Worte und Geschichten" werden festgehalten Lieblingsworte, Spruchkarten, Bücher, die wir gerne haben (vorstellen, anschauen, zuhören,...)

— Die Bibel, das Buch der Bücher Die Bibel vorstellen . . .

Aus der Bibel hören — Wie Menschen Jesus erlebt haben und von ihren Erfahrungen erzählen Zum Beispiel: Jesus lebt wie sie Sie werden aufmerksam und neugierig (Lk 4, 16-22) Er bringt sie zum Staunen und Fragen (Lk 8, 22-25)

— Wie Jesus von Gott erzählt Er sagt: Gott liebt uns Er nennt ihn Vater, er hat eine besondere Beziehung zu ihm (Sohn Gottes) Wir können uns der Liebe Gottes ganz anvertrauen: Er lehrt uns beten: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden."

— Wir hören Gottes Wort In der Schule beim Religionsunterricht In der Kirche beim Gottesdienst (Lesungen, Predigt,. . .)

THEMENFELD 1.5 NÄHE ERSEHNEN - GOTT WILL UNSER HEIL

ZIELE

— Die Sehnsucht der Menschen nach Nähe wahrnehmen

— Jesus als Heiland begegnen

— Im Leben und Sterben Jesu den Ausdruck seiner Liebe sehen

LEHRINHALT

Sehnsucht nach Angenommensein Beispiele von Annahme und Ablehnung, Beglückung und Verwundung Aufmerksam werden, wo und wie Menschen isoliert werden Erfahrungen stärkender Nähe

Jesus bleibt den Menschen nahe und erregt Anstoß — Zur Auswahl: Jesus heilt einen Aussätzigen (Lk 5, 12—16) Jesus im Haus des Simon (Lk 7, 36—50) Jesus kehrt bei Zachäus ein (Lk 19, 1 —10) — Jesus lehrt uns beten: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern."

Jesus liebt bis in den Tod Im bildhaften Erzählen, . . . der Leidensgeschichte nach Lukas (in Auswahl) aufzeigen, wie Jesus seinem Weg treu bleibt

Jesus bleibt nicht im Tod — Die Auferstehung feiern Osterfest — Einfache Elemente der Feier

THEMENFELD 1.6 DEM LEBEN VERTRAUEN - GOTT SCHENKT NEUES LEBEN

ZIELE

— Im Wachsen und Werden Lebenskraft spüren

— Liebe als lebensspendende Kraft erahnen

— Aus Ostererzählungen Zuversicht gewinnen

— Sich des Getauftseins bewußt werden

LEHRINHALT

Freude am Wachsen und Werden — Lebenskraft Erde Wie wir den Frühling erleben: Vom Samenkorn, das in die Erde gelegt wird,... Vom Knospen und Aufblühen der Blumen und Bäume . . .

— Lebenskraft Liebe Was uns leben läßt: Liebevolle Begegnungen, Zuwendungen,.. .

Begegnungen mit dem Auferweckten geben Lebenskraft Der Auferstandene begegnet Maria Magdalena (Joh 20, 11 — 18) und Thomas (Joh 20, 24—29)

Gott schenkt in der Taufe neues Leben (Taufgnade) Anhand der Symbole Licht und Wasser die Taufe erschließen (Osterkerze/Taufkerze, Wasser ermöglicht Leben ...) Gott ruft mich bei meinem Namen in die Gemeinschaft der Christen

THEMENFELD 1.7 FREUDE WEITERGEBEN - VON GOTTES GEIST ERFÜLLT SEIN

ZIELE

— Spüren, wie Freude und Begeisterung verändern

— Von der Wirkung des Pfingstereignisses erfahren

— Aufmerksam werden, daß bis heute Menschen begeistert die frohe Botschaft weitergeben

LEHRINHALT

Freude und Begeisterung erleben Freude erfahren, spüren ausdrücken, (mit-)teilen Freude steckt an, Begeisterung reißt mit Mit neuen Augen sehen, Ideen haben,. . .

Feuer und Flamme sein Gott — Heiliger Geist entzündet (Apg 2, 1 — 13): das Pfingstereignis

Die frohe Botschaft breitet sich aus Menschen sind von Jesus begeistert, er wird zum Mittelpunkt des Lebens (aus Apg 2, 37—47) Sie lassen sich taufen auf den Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes (Kreuzzeichen) Von Menschen erzählen, die in aller Welt die Frohbotschaft weitergeben und nach ihr leben

ZWEITE SCHULSTUFE Leitmotiv

MITEINANDER LEBEN UND FEIERN - GOTT BEGEGNEN

Bildungs- und Lehraufgabe

Die Schüler und Schülerinnen sollen

— Feste und Feiern auch als Vertiefung menschlich-religiöser Begegnung erfahren,

— für die Zuwendung Gottes, die in Jesus Christus Gestalt angenommen hat, offen werden,

— Buße und Eucharistie als Geschenk erkennen und

— eingeladen werden, bewußter in der Gemeinschaft der Glaubenden mitzuleben.

THEMENFELD 2.1 ZU JEMANDEM GEHÖREN - VON GOTT GETRAGEN SEIN

ZIELE

— Erfahrungen von Geborgenheit und Wünsche nach Nähe mitteilen

— Sich von Gott getragen wissen

— Auf die von Gott erfahrene Liebe antworten

LEHRINHALT

Menschen, in deren Nähe ich gerne bin Erfahrungen und Wünsche zur Sprache bringen: Wo ist mein Platz? Bei wem möchte ich gerne sein, weil. . .?

— Ich brauche jemanden, der mich versteht Menschen, die mich „tragen", die mich mögen, wie ich bin (Vertrauensgeschichten, Vertrauensübungen)

Menschen erleben: Gott liebt uns, er hält zu uns, wir sind in seiner Hand Bilder der Geborgenheit, der Nähe, der Zärtlichkeit und der Begleitung durch dunkle Zeiten: — Aus der Jakobserzählung (Gen 27—33): Betrug, Flucht und Traum Jakobs, Kampf am Jabbok, Versöhnung mit Esau — Gott, der gute Hirte: Ps 23, 1—4 oder Gott, unsere Burg: Ps 46, 1 — 8

Erfahrene Liebe drängt zur Antwort — Aus dem jüdischen Gebetsschatz: Der Mensch vor Gott: Ps 139 (in Auswahl) — Im freien Gebet (Sprechen, Singen, Feiern, Tanzen, Gesten.. .) antworten — Morgen- und Abendgebet als Zeichen des Vertrauens und der Geborgenheit

THEMENFELD 2.2 MITEINANDER LEBEN - DURCH JESUS GOTT BEGEGNEN

ZIELE

— Den Alltag mit seinen Begegnungsmöglichkeiten bedenken

— Geglückte Begegnungen in Erinnerung rufen

— Durch Jesus auf Gottes Güte aufmerksam werden

— Im Gebet und in der Feier die Verbundenheit mit Gott ausdrücken

LEHRINHALT

Einander im Alltag begegnen Jeder Tag hat seinen Rhythmus; manches kehrt Tag für Tag wieder, anderes ist neu ... Wir begegnen verschiedenen Menschen . . . Wir kommen zusammen zur Arbeit, zum Spiel, zur Feier,.. .

Einander zum „Segen" werden Erfahrungen geglückter Begegnungen Begegnungen, die zum Fest werden können Unvergeßliche Tage

Unvergeßliche Begegnungen mit Jesus Menschen suchen seine Nähe und erfahren Heil: Der blinde Bartimäus (Lk 18, 35-43) Männer und Frauen gehen mit Jesus Jesus beruft Jünger und Apostel (Vgl. Lk 6, 12f.) Jesus macht in Bildern und Geschichten Mut, auf Gott zu vertrauen: Das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lk 15, 3 — 8)

Miteinander Gott begegnen — Mit Jesus zu Gott beten: Das Vaterunser — Zu Allerheiligen/Allerseelen gedenken wir der geglückten Beziehung zwischen Gott und Menschen Wir hoffen auf ein Weiterleben nach dem Tode — Gemeinsam Gott loben und feiern: Sonntagsgottesdienst, . . .

THEMENFELD 2.3 EMPFANGEN UND GEBEN - GOTT SCHENKT UNS SEINEN SOHN

ZIELE

— Das Geheimnisvolle des Lebens erahnen

— Das Bereichernde des Empfangens und Schenkens wahrnehmen

— Die lebensspendende Kraft Gottes entdecken

— Jesus als einzigartiges Geschenk Gottes erkennen

LEHRINHALT

Mit Geheimnisvollem leben — In der Natur: Ruhen und Kräfte sammeln; grünen und erblühen; wachsen und reifen — Im Leben des Menschen: Nehmen und geben; Liebe spüren, Liebe schenken; Menschwerdung und Geburt — Hinter die Dinge schauen: Verborgenes erahnen

Empfangen und schenken Schenken und Beschenktwerden ist schön, macht Freude und läßt aufleben Geschenk als Zeichen der Zuwendung Geschenk als „ein Teil von mir"

Gott gibt Leben — er schenkt seinen Sohn Gott ist dem Menschen in Liebe zugewandt, voller Barmherzigkeit und Wohlwollen (Gnade)

— Unfruchtbares wird fruchtbar Aus Jes 11, 1 — 10 (Wurzel Isais)

— Unerwartetes geschieht — Elisabet und Maria (Lk 1, 5—38) — Begegnung zwischen Maria und Elisabet (Lk 1, 39-45) — Das Gegrüßet seist Du Maria als Gebet der Botschaft von Weihnachten

— Einzigartiges tritt ein Jesus, der Messias (Christus) und Herr wird geboren: Das Weihnachtsevangelium nach Lk 2, 1-20

THEMENFELD 2.4 SICH NACH DEM GUTEN SEHNEN - GOTT ERMÖGLICHT VERSÖHNUNG

ZIELE

— Auf Konsequenzen eigenen Handelns aufmerksam werden

— Sich ändern und neu anfangen können

— In der Frohbotschaft von der Versöhnung die Liebe Gottes entdecken

— Zeichen der Versöhnung schätzen

LEHRINHALT

Für sich und miteinander leben

— Ich bin einmalig Ich habe Träume und Wünsche, kenne Sehnsüchte und Ängste, habe Stärken und Schwächen

— Ich lebe nicht allein — Miteinander leben kann schön und bereichernd, aber auch schwierig sein — „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen" (Mt 7, 12)

— Nicht alles ist gut, was ich tue Mein Handeln hat Konsequenzen Absichtliches und unabsichtliches Fehlverhalten Soll ich oder soll ich nicht? Wie soll ich handeln? (Gewissensentscheidung)

— Ich werde schuldig vor Gott und den Menschen Das Liebesgebot: Mk 12, 28b—31 Sünde = Schuld vor Gott, ein Versagen in der Liebe gegenüber Gott und den Menschen

— Wege der Versöhnung finden Hilfe erwarten Versöhnungsgeschichten, Situationen aus dem Alltag, Versöhnungsgesten, . . . Guten Willen zeigen

Eine frohe Botschaft für alle — Wie Jesus mit sündigen Menschen umgeht Jesus und der Gelähmte (Lk 5, 17—26) oder Jesus und die Ehebrecherin (Joh 8, 1 —11)

— Gott schenkt neuen Anfang In der frohmachenden Geschichte vom barmherzigen Vater (Lk 15, 11 — 32) zeigt Jesus, daß Gott den schuldig und sündig gewordenen Menschen in Liebe erwartet

Versöhnung feiern — Zeichen der Versöhnung: Versöhnende Hand, versöhnendes Wort, Friedensgruß,. . . — Kirchliche Bußzeiten: Advent, Fastenzeit — Eine Bußfeier gestalten

Das Sakrament der Versöhnung Gott bietet die Versöhnung an Besinnung auf Schuld und Sünde (Gewissenserforschung) Wir bitten um Verzeihung (Reue, Reuegebet) Wir wenden uns dem Guten zu (Vorsatz) Wir bekennen unsere Sünden An Christi statt und im Namen der Kirche erteilt der Priester die Lossprechnung Gott hat uns unsere Schuld vergeben, wir können wieder neu anfangen Wir antworten auf Gottes Großzügigkeit (Wiedergutmachung, Genugtuung)

THEMENFELD 2.5 FÜREINANDER DA SEIN - JESUS LEBT FÜR UNS

ZIELE

— Brot in seiner Mehrdeutigkeit sehen

— Von Jesus als „dem Brot des Lebens" erfahren

— Das Leben Jesu als ein Leben für andere entdecken

— Die Osterkerze als Zeichen der Auferstehung und des Lebens deuten

LEHRINHALT

Was wir zum Leben brauchen — Brot für den Leib Brot erhält Leben Vom Samenkorn zum reichhaltigen Leben Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit

— Brot für das „Herz" „Brot" kann mehr als den Leib sättigen (Brotgeschichten) Menschen können füreinander zum Brot werden

Jesus sagt: — „Ich bin das Brot des Lebens" Die wunderbare Speisung (Joh 6, 1 — 15) Die Rede über das Himmelsbrot (Joh 6, 25—35)

— „Nehmet und esset, das ist mein Leib" Das Letzte Abendmahl (Lk 22, 14—19)

Jesu Leben für andere — über den Tod hinaus

— Zeichen seiner grenzenlosen Liebe und wehrlosen Hingabe aus der Leidensgeschichte nach Lukas (zB Lk 22, 47-53; 23, 26-43)

— Die Erscheinung des Auferstandenen und seine Himmelfahrt (Lk 24, 36—47)

— Die Osterkerze mit ihren Symbolen erinnert, daß Jesus lebt, unter uns ist, und daß wir durch unsere Taufe zur Gemeinschaft der Kirche gehören

THEMENFELD 2.6 MAHL FEIERN — JESUS IN DER EUCHARISTIEFEIER BEGEGNEN

ZIELE

— Das Mahl als Ausdruck der Gemeinschaft begreifen

— Im Brotbrechen Jesus als Mitte unserer kirchlichen Gemeinschaft erfassen

— In der Heiligen Messe die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesu Christi sehen

— In der Eucharistiefeier die Gegenwart Jesu erfahren

LEHRINHALT

Um einen Tisch versammelt — Miteinander essen Gemeinsames Essen verbindet: Menschen teilen miteinander und spüren: wir gehören zusammen

— Miteinander Mahl feiern Festtage sind willkommene Anlässe, um miteinander Mahl zu halten Erinnerungen werden wachgerufen und weitererzählt

Mit dem Auferstandenen Mahl feiern — Die Emmausjünger Sie erfahren: Der Auferstandene begleitet sie, bricht ihnen das Brot und bleibt so in ihrer Mitte (Lk 24, 13-35)

— Die ersten Christen Sie kommen zusammen, brechen das Brot und halten Mahl miteinander (Apg 2, 42, 46)

— Wir heute: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, . . ., bis du kommst in Herrlichkeit" — Am Auferstehungstag (Sonntag) versammeln wir uns mit dem Priester um den Altar, um mit Jesus Gott zu loben, ihm zu danken, auf sein Wort zu hören und so sein Gedächtnis zu begehen (Leben, Kreuzesopfer, Auferstehung) — Wir bringen Brot und Wein, die der Herr verwandelt und uns als seinen Leib und sein Blut wiederschenkt

Unser großes Fest Einüben in die kindgemäße Mitfeier der Hl. Messe Empfang der hl. Kommunion Wir verehren Jesus im Sakrament des Altares: Das Fronleichnamsfest

THEMENFELD 2.7 EINANDER BESTÄRKEN - GOTT BEGLEITET UNS

ZIELE

— Auf Höhen und Tiefen im Leben aufmerksam werden

— Eigene Fähigkeiten entdecken und den Beistand anderer schätzen

— Für den Geist der Stärke empfänglich werden

— Aus der Josefsgeschichte die bergende und begleitende Nähe Gottes erfahren

LEHRINHALT

Manchmal geht es mir gut — manchmal geht es mir schlecht — Der Rhythmus von Fest und Alltag, von Auf und Ab, von Freude und Traurigkeit — Meine Fähigkeiten glücklich zu sein und Kummer zu ertragen — Meine Sehnsucht nach Beistand

Einander Mut machen Miteinander reden — aufeinander hören Dazu gehören Einander ertragen, mittragen und begeistern

Der Geist der Stärke Gott — Heiliger Geist begeistert die Apostel und macht ihnen Mut. Sie gewinnen neue Kraft und verkünden ohne Angst: Apg 4, 1—22 (in Auswahl) Gestärkt durch den Heiligen Geist bekennen, loben und preisen wir Christen Gott: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen."

Gott geht alle Wege mit Die Josefsgeschichte (Gen 37—50 in Auswahl): Menschen schöpfen Hoffnung aus dem Erzählschatz der Bibel

DRITTE SCHULSTUFE Leitmotiv

MITEINANDER UNTERWEGS SEIN - GOTT BEGLEITET UNS

Bildungs- und Lehraufgabe

Die Schüler und Schülerinnen sollen

— ihre Fähigkeiten zum Leben in der Gemeinschaft als Empfangende und Gebende entfalten und ihr Verständnis von Gemeinschaft erweitern,

— erkennen, daß Gott mit den Menschen Gemeinschaft will und ihnen in Jesus Christus in ganz besonderer Weise nahe ist,

— mit Erfahrungen von Menschen vertraut werden, die ihren Gott, der sammelt, rettet, führt und befreit, bekennend feiern, und dadurch

— eingeladen werden, mit diesem Gott in Beziehung zu treten und mit der Kirche in Gemeinschaft zu leben.

THEMENFELD 3.1 GEMEINSAM LEBEN — MIT GOTT VERBUNDEN SEIN

ZIELE

— Eigene Fähigkeiten und die Bereicherung durch die Gemeinschaft schätzen

— Leben in Gemeinschaft als Gabe und Aufgabe sehen

— Zeichen der Gemeinschaft entdecken und begreifen

— Gott als geheimnisvolle Mitte erahnen

LEHRINHALT

Manches schaffe ich alleine — vieles geht gemeinsam besser Was ich kann und mir zutraue: Fähigkeiten und Fertigkeiten, Aufgabenbereiche übernehmen, ... Gemeinsames Tun ist schön und beglückend Gemeinsam fühlt man sich stärker

Dabeisein fordert heraus Anderssein macht die Gemeinschaft bunt, bereichert, zieht an, stört, ängstigt,. . . Einander annehmen und achten führen zusammen

Dabeisein wird sichtbar Zeichen und Gesten der Zusammengehörigkeit: Hände reichen, Gesprächsgruppe, Gemeinschaftskreis, ... Zusammenhalten und gemeinsames Tun Ideen und Vorstellungen (geheimnisvolle Mitte)

Gott inmitten der Menschen — Überall bekennen Menschen Gott als ihre Mitte und feiern ihn Menschen leben und feiern verschieden (ZB Feste, Alltag, Mythen, Kultstätten,. . .)

— Das jüdische Volk erzählt seine Erfahrungen mit Gott und feiert ihn „Warum ist diese Nacht so ganz anders als alle übrigen Nächte?": Pessah als Erinnerungs- und Bekenntnisfeier (Dtn 26, 5—9)

— Die Gemeinschaft der Christen bekennt und feiert Was verbindet und zusammenhält: Gemeinsamer Glaube (Bekenntnis) Gemeinsames Handeln und Feiern Gemeinsamer Weg

THEMENFELD 3.2 GEMEINSAM UNTERWEGS SEIN — GOTT GEHT MIT

ZIELE

— Aufmerksam werden, daß gemeinsame Lebenswege verbinden

— Aufbruch als neue Möglichkeit für das Leben entdecken

— Aus Exoduserzählungen Gottes Hilfe und Führung erfahren

— In Jesus den guten Hirten sehen

LEHRINHALT

Menschen sind gemeinsam unterwegs — Ein Stück des Lebens gemeinsam gehen Zufällige und gewollte Begegnungen in Familie, Gruppe, Schule,... Gemeinsame Wege verbinden

— Menschen suchen neue Wege Neue Ziele locken und faszinieren Menschen führen, begleiten und gehen mit uns

Mit Gott den Aufbruch wagen In immer wieder erzählten Exodusgeschichten erleben Menschen: — Gott beruft und erwählt — Gott steht auf Seiten der Schwachen — Gott führt, sorgt und geht mit — Gott schließt einen Bund — Gott befreit und löst die Verheißung ein (Aus Ex 1—20; 24; 32-34; Jos 1—3; 6) Sie erfahren: — Jahwe: Ich bin für euch da (Ex 3, 14) — „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat; aus dem Sklavenhaus." (Ex 20, 2)

Jesus, dem guten Hirten, nachfolgen Jesus führt und beschützt: Joh 10, 1 — 16 (in Auswahl)

THEMENFELD 3.3 EINE HEILE WELT ERSEHNEN — GOTT RETTET

ZIELE

— Schwierigen Situationen mit Zuversicht begegnen

— Verheißungen erfahren, die Hoffnung geben

— Jesus als den von Gott verheißenen Retter erkennen und feiern

LEHRINHALT

Wenn Wege auseinander führen . . . Erfahrungen von enttäuschten Hoffnungen, zerbrochenen Beziehungen, Aufbrüchen zu „neuen Ufern",. . .

Sehnsüchte und Erwartungen Hoffnungsbilder und Zukunftsträume der Schüler und ihrer Umwelt

Menschen erwarten Rettung Eine Sehnsucht wird wach: Ps 137, 1—4 Propheten verheißen Rettung: Jes 11, 3—10

Weihnachten: Fest der Errettung Jubel über die erfüllte Verheißung: Lk 1, 46—50 Jesus = Gott rettet: Mt 1, 18—25 Gott ist mit allen Menschen: Die Huldigung der Sterndeuter (Mt 2, 1 — 12)

THEMENFELD 3.4 EINANDER ERMUTIGEN - AUS GOTTES ZUSAGE LEBEN

ZIELE

— Ermutigung und Beistand als Quelle neuer Kraft entdecken

— In Jesu heilbringendem Handeln das Wohlwollen Gottes erahnen

— Bildworte vom Reich Gottes kennen

— Mit biblischen Visionen und ihren Verheißungen vertraut werden

LEHRINHALT

Hinter den Möglichkeiten zurückbleiben — über sich hinauswachsen Erfahrungen aus dem alltäglichen Leben: — Entmutigung und Zuspruch — Einander Kraft geben — Von gemeinsamen Ideen leben — Miteinander „Berge versetzen"

Jesus geht auf die Menschen zu und verkündet durch Wort und Tat: Gott will ein Leben in Fülle Jesus der Heiland: Mt 4, 23—25 Menschen erfahren Heilung: Die gekrümmte Frau (Lk 13, 10—17) Jesus verkündet das Reich Gottes: — Bekehrung und Glaube als Voraussetzung — Es bricht an, wird sichtbar und spürbar: Beispielserzählungen nach Mt 5—7 — Es wächst: Das Gleichnis vom Senfkorn und Sauerteig: Mt 13, 31—33

Gott sagt einen neuen Himmel und eine neue Erde zu Die Vision nach Offb 21, 1—4 Große Phantasien haben: Von guten Orten träumen

THEMENFELD 3.5 MIT GRENZEN LEBEN - GOTTES ERLÖSENDER KRAFT VERTRAUEN

ZIELE

— Grenzen erkennen und mit ihnen leben lernen

— Zur Überwindung von Grenzen Mut gewinnen

— Am Leiden und Sterben Jesu entdecken, wie Jesus Verlassenheit erlebt und dennoch Gott grenzenlos vertraut

— Erfahren, wie Menschen aus dem Glauben an die Auferstehung Jesu neue Kraft gewinnen

LEHRINHALT

Grenzen erleben Beispiele von Begrenzung und Einschränkung

Erfahrungen von Erfolglosigkeit, Einsamkeit, Isolation, . . . Vieles können wir ändern, anderes scheinbar nicht

Sich über Grenzen hinauswagen Menschen geben dennoch nicht auf Im Vertrauen auf einen guten Ausgang etwas durchstehen, für etwas einstehen, „Mauern überspringen"

Grenzenlos verlassen sein — grenzenlos vertrauen Jesus erfährt beim Einzug in Jerusalem Jubel (Mt 21, 1-11) und Ablehnung (Mt 26, 1-5) Trotz Unverständnis setzt Jesus Zeichen der Liebe (Joh 13, 1—30), erlebt Verlassenheit, wird verraten (Mt 26, 47—56) Er steht alleine vor seinen Anklägern und Richtern, wird verleugnet und erfährt in seinem Sterben Gott als verborgen und nah (nach Mt 26—27)

Jesus überwindet Sünde und Tod Die Erscheinung Jesu vor den Frauen (Mt 28, 9f.) Der Auftrag des Auferstandenen (Mt 28, 16—20): Die Apostel sollen durch Taufe und Verkündigung die Frohbotschaft weitergeben Christen glauben: Sünde und Tod sind nicht das Letzte. Jesus ist durch sein Leben, Sterben und Auferstehen für uns zum Erlöser geworden. Er hat uns von der Schuld (Erbschuld) befreit

THEMENFELD 3.6 ALS BESCHENKTE DANKBAR SEIN — ERLÖSUNG FEIERN

ZIELE

— Neue Aufbrüche im Leben wahrnehmen

— Ostern als Fest der Erlösung verstehen

— Die Eucharistie als Gedächtnisfeier des Lebens, des Todes und der Auferstehung Jesu begreifen

— Mit der Feier der hl. Messe vertraut werden

LEHRINHALT

Neues bricht auf — Menschen erleben neue Aufbrüche — In der Natur (Keimen, Knospen, Blühen,. . .) — Im alltäglichen Leben (ein unerwarteter Erfolg, nach einer schweren Krankheit,. . .) — In der Gemeinschaft der Menschen (nach einer Versöhnung,. . .)

— Hoffnungen werden geweckt Neuanfänge ermutigen und bestärken Sie können als Geschenk erfahren werden

— Neugewonnene Lebensfreude drängt zum Danken Den Dank ganzheitlich zum Ausdruck bringen: Singen, staunen, kreativ gestalten,. . .

Der Auferstandene eröffnet neues Leben Der Auferstandene gibt Mut zum Glauben: Er erscheint den Jüngern am See und überträgt Petrus das Hirtenamt (Joh 21, 1 — 19) Ostern (Osternacht) als Fest der Erlösung und des Aufbruches zu neuem Leben

In der hl. Messe feiern die Christen die Erlösungstat Gottes Tod und Auferstehung Jesu läßt Menschen ihr Leben im neuen Licht sehen Christen feiern, was sie Gott verdanken Jede Eucharistie-(Danksagungs-)Feier läßt Tod und Auferstehung Jesu gegenwärtig sein

Der Aufbau der Meßfeier — Eröffnung — Wortgottesdienst — Eucharistiefeier — Entlassung Deutung und Einübung der wesentlichen Zeichen, Gesten und Worte der hl. Messe

THEMENFELD 3.7

IN GEMEINSCHAFT DAS LEBEN WAGEN - DURCH GOTTES GEIST VEREINT UND

ERMUTIGT

ZIELE

— Beispiele für die Lebendigkeit von Gemeinschaften entdecken

— Spuren pfarrlichen Lebens nachgehen

— Für Mittun in der Pfarre offen sein

— Vom Leben und Wirken des hl. Paulus erfahren

LEHRINHALT

Lebendige Gemeinschaft wird sichtbar Beispiele für „Lebenszeichen" einer Gemeinschaft (Familie, Klasse, Gruppe,. . .)

Die Pfarrgemeinde — eine Gemeinschaft mit vielen „Lebenszeichen" — Wir entdecken das Pfarrgebiet Durch Lehrausgänge, Begegnungen und Gespräche (Pfarrkirche, Kapellen, Bildstöcke, Bilder und Statuen, Pfarrhof,. . .)

— Wir bemerken das pfarrliche Leben Verschiedene Dienste, gemeinsame Aktionen, Gottesdienste und Feste, Gruppen und Runden,. . .

— Jesus ist die geheimnisvolle Mitte Er ist der lebendige Stein, und mit allen, die an ihn glauben, baut er ein Haus aus lebendigen Steinen (nach 1 Petr 2, 1 — 10) Kirche als Haus Gottes — Kirche als Volk Gottes

Menschen verkünden das Wort Gottes, handeln in seinem Geist und werden Gemeinde — Die Berufung des Paulus Apg 9, 1-30

— Paulus gründet Gemeinden Wo immer Paulus hinkommt, verkündet er das Evangelium und gründet Gemeinden, in denen Gottes Geist lebt und wirkt: zB Philippi (Apg 16, 11—40), Athen (Apg 17, 16—34), Ephesus (Apg 19, 11—20), Rom (Apg 28, 16—31)

— Alle Menschen sind zum Leben in Gottes Gemeinschaft berufen Weltkirche

VIERTE SCHULSTUFE Leitmotiv

DIE WELT MITGESTALTEN - GOTT RUFT UND ERMUTIGT UNS

Bildungs- und Lehraufgabe

Die Schüler und Schülerinnen sollen

— die sie umgebende Wirklichkeit wahrnehmen, beurteilen und das Wirken Gottes in der Welt entdecken,

— an Lebensbeispielen erkennen, daß Gottes Ruf in jeder Zeit an Menschen ergeht,

— hellhörig werden und auf den Ruf antworten,

— lernen, die Welt aus dem Geist Jesu mitzugestalten.

THEMENFELD 4.1

WUNDER IN DER WELT ENTDECKEN - DIE SCHÖPFUNG ALS GESCHENK GOTTES

BEGREIFEN

ZIELE

— Erstaunliches und Geheimnisvolles in der Welt entdecken

— Nach Ursprung und Sinn der Welt fragen

— Die Schöpfung als Geschenk sehen und dafür danken

— Gott als Schöpfer der Welt und des Lebens bekennen

LEHRINHALT

Eine Welt voller Wunder und Rätsel — Vielfalt und Gesetzmäßigkeit, Erstaunliches und Geheimnisvolles Vieles gibt es zu entdecken, zu ergründen und zu bestaunen: zB Luft, Wasser, Erde,. . . Dinge, die die Natur formt (Schneckenhaus, Kristalle, Blüten, Blätter,. . .) Auch unser Körper läßt uns staunen (Puls, Bewegung der Glieder,. . .) Manches erleben wir als Bedrohung: zB Naturgewalten, ...

— Alles ist aufeinander bezogen Mensch, Erde und Weltall sind miteinander verbunden und aufeinander angewiesen: zB Klima und Leben,.. .

— Menschen stellen Fragen Warum ist das so? Wie ist das entstanden? Wer hat das gemacht? Exemplarische Antworten und Deutungen

Gläubige Menschen sagen: Die Welt ist Gottes Schöpfung und Geschenk — Gott hat alles gut gemacht Das Schöpfungslied (Gen 1—2, 3)

— Gott erhält und trägt die Welt ZB Loblied auf den Schöpfer: Ps 104 (ausgewählte Verse)

— Alle Geschöpfe haben ihre eigene Würde ZB Sonnengesang des Franziskus: Er nennt die Geschöpfe seine Schwestern und Brüder

— Der Mensch als Bild und Gleichnis Gottes Die Herrlichkeit des Schöpfers — die Würde des Menschen: Ps 8

Alle Geschöpfe loben den Herrn und danken ihm — Christen bekennen Lobpreis der Schöpfung (aus Dan 3, 57—90) „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde"

THEMENFELD 4.2 DAS LEBEN GESTALTEN — AUF GOTTES WEISUNGEN ACHTEN

ZIELE

— Die Erde als Lebensraum für alle schätzen

— In der Schöpfung verantwortlich leben

— Auf die Güte Gottes aufmerksam werden

— Die 10 Gebote als Weisungen für ein gottgewolltes Leben verstehen

LEHRINHALT

Erde — Lebensraum des Menschen — Unsere Lebensräume

Im Wahrnehmen der eigenen Lebensräume erspüren wir unsere Beziehungen zu ihnen

Wir bemerken, wie wir mit ihnen umgehen

Wir entdecken, was uns Dinge, Pflanzen, Tiere und Menschen bedeuten

Dabei finden wir viel Schönes, aber auch Leidvolles (Schmerzliches)

— Sehnsucht nach einer heilen Welt In allen Menschen leben Sehnsüchte nach „paradiesischen" Orten, wo Beziehungen stimmen, wo einer den anderen stützt, wo jeder das Schwache behütet, wo einer für den anderen sorgt,...

— Sorge für den Lebensraum Erde Vieles nehmen wir als selbstverständlich, aber nicht alles ist unerschöpflich In Verantwortung handeln: Sorgsamer Umgang mit den Gaben der Erde

Gott will, daß es den Menschen gut geht — Er ist wie ein guter Hirte Ps 23

— Er baut auf die Mithilfe des Menschen Der Mensch ist der Hüter der Erde (Vgl. Gen 1, 28-30; 2, 15)

— Er ist in ihrer Mitte — sie werden sein Volk sein Ez 37, 26f.

Gottes Gebote als Weisungen zu einem gottgewollten und geglückten Leben Menschen, die erfahren, daß Gott es mit ihnen gut meint (Vgl. Ex 20, 2), nehmen seine Weisungen ernst

— Leben in Gemeinschaft mit Gott (1. — 3. Gebot) Gott im Glauben bekennen, auf ihn hoffen, ihn lieben Gottes Namen im Reden und Tun heilighalten Sonntag als Tag des Herrn heiligen

— Leben in Gemeinschaft mit den Menschen und der Schöpfung (4. — 10. Gebot) In Familie und Gemeinschaft einander wertschätzen, füreinander dasein, treu sein Das Leben achten, entfalten und schützen Dem Leib ehrfurchtsvoll begegnen Mit Eigentum behutsam umgehen, gerecht leben Wahrhaftig sein im Reden und Tun

THEMENFELD 4.3 VIELE STIMMEN RUFEN - AUF GOTTES RUF HÖREN

ZIELE

— Auf die Vielfalt der Herausforderungen aufmerksam werden

— Durch Berufungsgeschichten für den persönlichen Anruf Gottes hellhörig werden

— Glaube als Antwort auf den Anruf Gottes begreifen

— Weihnachten als Fest der Menschwerdung des Gottes Sohnes verstehen und feiern

LEHRINHALT

Vieles spricht uns an, ruft, lockt und fordert heraus Wahl- und Entscheidungssituationen: Beispiele aus der Erfahrungswelt der Kinder (Werbung, Freizeitangebote, . . .) Ein persönlicher Ruf: Komm und hilf mir — Ich brauche dich Ein Anruf kann zur Herausforderung werden und Fähigkeiten wecken

Gott ruft Menschen für einen Auftrag — Sie hören sein Wort und handeln — Abraham hört und glaubt Gott ruft Abraham und verheißt Land, Volk, Segen (aus Gen 12—22) Abraham wird zum Vorbild des Glaubens

— Maria sagt Ja zum Anruf Gottes Sie wird zur Mutter der Glaubenden „Der Engel des Herrn . . ."

— Johannes der Täufer wird zum Rufer Menschen hören ihn und fragen: Was sollen wir tun? (Lk 3, 1—20)

Gott spricht uns durch Jesus an

— Jesus auch in uns zur Welt kommen lassen

— Christen bekennen

Jesus, der geliebte Sohn Gottes: Lk 3, 21f. Advent, Weihnachten

„Ich glaube ... an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria"

THEMENFELD 4.4 ORIENTIERUNG SUCHEN - SICH NACH DER BOTSCHAFT JESU RICHTEN

ZIELE

— Vorschriften, Regeln und Gebote als Voraussetzung für geordnetes Zusammenleben erkennen

— Aus dem Vorgehen Jesu einen Maßstab für das Handeln gewinnen

— Das Gebot der Liebe als Richtschnur für das Leben bejahen

LEHRINHALT

Wir leben nach Regeln — Regeln beachten Vorschriften, Regeln und Gebote helfen, sind notwendig, engen ein Menschen (Vorbilder) helfen dabei, geben Orientierung, warnen, tragen uns mit, sichern ab Sehen — urteilen — handeln

Jesus zeigt einen Weg — Er hält dem Gesetz die Treue Er lebt in der Tradition seines Volkes (ZB Lk 2, 41—51) Er erfüllt das Gesetz (Mt 5, 17-19)

— Er stellt den Menschen in die Mitte In Auswahl: Die Heilung eines Gelähmten am Sabbat (Joh 5, 1 — 18) Die Erhörung der Bitte einer heidnischen Frau (Mt 15,21—28) Das Beispiel vom Pharisäer und Zöllner (Lk 18, 9-14)

— Er eröffnet neue Perspektiven und fordert Menschen zum Umdenken und zur Umkehr auf Die Werke der Barmherzigkeit (Mt 25, 35—40)

Angelpunkt eines erfüllten Lebens Das Gebot der Liebe: An diesem Gebot hängt das ganze Gesetz (Lk 10, 25-37)

THEMENFELD 4.5 DEM LEID BEGEGNEN - SICH IN DUNKLEN STUNDEN VON GOTT BEGLEITET WISSEN

ZIELE

— Das Leid als Bestandteil unseres Lebens sehen

— Einblicke gewinnen, wie Menschen das Leid zu bewältigen suchen

— Im Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu den Grund unserer Hoffnung erkennen

LEHRINHALT

Menschen erfahren Leid und Unheil Beispiele von Erfahrungen im individuellen und gesellschaftlichen Bereich

— Leid fordert heraus Alltagserfahrungen der Kinder, wie Menschen mit dem Leid umgehen, einander beistehen, Schmerzen lindern, Trost spenden, heilende Nähe erfahren und gewähren

— Im Leid Hoffnung haben Ijob, der leidende Mensch (Ijobsgeschichte in Auswahl)

Jesus geht durch Leiden und Tod im Vertrauen auf Gott — Der leidende Jesus Gebete der Kirche (Kreuzweg, schmerzhafter Rosenkranz,. . .) zeigen, wie Jesus im Gebet Trost und Kraft für sein Leiden findet, sich auch auf seinem Kreuzweg noch anderen Menschen zuwendet und im Vertrauen zu seinem Vater stirbt

— Jesus bleibt nicht im Tod — Christen bekennen Zeugen seiner Auferstehung: 1 Kor 15, 1—7 „Ich glaube ... an Jesus Christus.. . gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten."

Jesus gibt Hoffnung über den Tod hinaus Wir können auf ein Leben bei Gott hoffen (Joh 14, 1—6), aber Gott drängt seine Liebe nicht auf (Gericht, Himmel, Hölle, Fegefeuer)

THEMENFELD 4.6 VON GEMEINSAMEN IDEEN GETRAGEN SEIN - MIT CHRISTUS KIRCHE WERDEN

ZIELE

— Gemeinsame Ziele und Aufgaben als Antrieb entdecken

— Die Einheit im Glauben als verbindende Kraft verstehen

— Verkündigung, Liturgie und Caritas als kirchliches Heilshandeln für die Menschen begreifen

— Auf verschiedene Dienste und Aufgaben in der Kirche aufmerksam werden

LEHRINHALT

Gemeinsame. Ideen und Aufgaben können verbinden Sie treiben an, geben Kraft, reißen mit

Gemeinsamer Glaube verbindet und ermutigt — Die Jünger erleben den Auferstandenen in ihrer Mitte und glauben Der Auferstandene zeigt sich den Jüngern, nimmt ihre Angst, bringt Frieden, stärkt sie mit dem Heiligen Geist, sendet sie, gibt ihnen Vollmacht zur Sündenvergebung (Joh 20, 19—29)

— Immer mehr Menschen finden zum Glauben und bestärken einander — Apg 5, 12—42 (in Auswahl) — Die junge Kirche öffnet sich (Apg 8, 26—38)

Der Glaube an Jesus Christus breitet sich aus und lebt in der Kirche fort — Immer und überall wird das Evangelium verkündet — Wie das Christentum zu uns gekommen ist: Unvergeßliche Glaubensgestalten: Landesheilige, Schutzpatrone, . . . Wegzeichen des Glaubens (christliche Heimatkunde)

— Christen bekennen „Ich glaube ... an den Heiligen Geist, an die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben."

— In aller Welt versammeln sich die Gläubigen Im Gebet, im gemeinsamen Gottesdienst und in der Feier der Sakramente erfahren Menschen, daß Gott ihnen nahe ist und Heil bringt

— In der tätigen Nächstenliebe wird Glaube greifbar Caritas als Grundhaltung und Aufgabe

— Der Geist Gottes wirkt in den Gläubigen fort Charismen, Berufe, Dienste, Ämter,. . . Wesentliche Dienste in der Kirche: Diakon, Priester, Bischof Das Petrusamt

THEMENFELD 4.7 UNTERWEGS MIT ALLEN MENSCHEN - MIT GOTT DEN FRIEDEN WAGEN

ZIELE

— Verständnis für Menschen anderer Überzeugung gewinnen

— Toleranz und Wertschätzung einüben, den eigenen Standpunkt vertreten

— Auf verschiedene Religionen und Konfessionen aufmerksam werden, Gemeinsames und Unterscheidendes entdecken

— Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der. Schöpfung als Voraussetzung für ein Leben miteinander erkennen

LEHRINHALT

Mit Menschen unterschiedlicher Meinungen auf dem Weg sein — Menschen haben verschiedene Meinungen und Überzeugungen — Überzeugungen, die mir viel bedeuten . . . — Fremde und eigene Meinungen bereichern das Leben — Aufeinander hören, voneinander lernen, gemeinsam Kirche sein — Toleranz und Wertschätzung

— Nicht alle Menschen verehren Gott in gleicherweise Beispiele der Gottesverehrung und Lebenspraxis in verschiedenen Religionen (Gebete, Bekenntnisse, religiöse Feste, Lieder ...)

— Nicht alle Christen leben in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche Evangelische, orthodoxe . . . Christen in unserer Umgebung Christus betet: „Alle sollen eins sein . . ." (Joh 17, 21)

Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung sind gemeinsame Aufgaben aller Menschen — Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Frieden Ungerechtigkeit, Machtgier, Unterdrückung . . . zerstören das Leben Menschen sehnen sich nach umfassendem Frieden (Mich 4, 1—5)

— Einsatz für eine bessere Welt Beispiele der Friedensarbeit, des Einsatzes für Menschenrechte, der Sorge für die Mitwelt, . . . Lernorte für Gerechtigkeit und Frieden (Familie, Schule ...) Im rechten Umgang mit den Menschen erweist sich die Liebe zu Gott (1 Joh 4, 19—21)

— Gott verspricht einen neuen Himmel und eine neue Erde „Die ganze Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes." (Röm 8, 21) Christen erwarten einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt (Vgl. 2 Petr 3, 13)"

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