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518_1996 AT

518. Bekanntmachung: Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht an Volksschulen

1 Artikel / Bestimmungen · Österreich
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Gesetzestext (1 Artikel)

BGBlPdf 518. Bekanntmachung: Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht an Volksschulen

Auf Grund des § 2 Abs. 2 des Religionsunterrichtsgesetzes, BGBl. Nr. 190/1949, zuletzt geändert

durch das Bundesgesetz BGBl. Nr. 256/1993, wird der folgende von der Evangelischen Kirche A. und

H. B. erlassene Lehrplan bekanntgemacht

In Anlage A (Lehrplan der Volksschule) der Verordnung des Bundesministers für Unterricht und

Kunst, mit welcher die Lehrpläne der Volksschule, der Hauptschule und der Sonderschulen erlassen

werden, BGBl. Nr. 134/1963, zuletzt geändert durch die Verordnung BGBl. Nr. 355/1996, lautet im

fünften Teil (Lehrpläne für den Religionsunterricht an Volksschulen) die lit. b (Evangelischer Religionsunterricht)

„b) Evangelischer Religionsunterricht

ART UND GLIEDERUNG DES LEHRPLANES

Der Lehrplan für den Religionsunterricht an der Grundschule ist ein Lehrplan mit Rahmencharakter.

Dieser ermöglicht den Religionslehrern und Religionslehrerinnen Entscheidungsfreiräume hinsichtlich

der zeitlichen Verteilung, der Konkretisierung und Strukturierung der Lehrinhalte sowie hinsichtlich der

Festlegung der Unterrichtsmethoden und -mittel nach verschiedenen didaktischen Gesichtspunkten. Der

Lehrplan bildet demnach die Grundlage für die eigenständige und verantwortliche Vorbereitung, Durchführung

und Nachbereitung des Unterrichts.

Er umfaßt

– Die allgemeine Bildungs- und Lehraufgabe

– Die didaktischen Grundsätze und fachdidaktischen Hinweise

– Die Aufgliederung nach Schulstufen (wobei jeweils die erste und zweite im Sinne der Grundstufe

I, die dritte und vierte im Sinne der Grundstufe II als Einheit zu sehen sind)

Die einzelnen Schulstufen umfassen

– Das didaktische Stichwort des Jahres

– den Lehrstoff, der in acht bis neun korrelativ angelegte Lernfelder, in denen das jeweilige Thema

durch die Verbindung von didaktischem Stichwort und elementarisierter Bildungs- und Lehraufgabe

in seiner anthropologischen und theologischen Bezogenheit angesprochen wird, mit Angabe

der Ziele und vorgeschlagenen Inhalte. Je nach Gegebenheiten und Notwendigkeit (zB

schulstufenübergreifender Unterricht) kann die Reihenfolge der Lernfelder verändert und/oder

einzelne Teile zusammengefügt und ausgetauscht werden.

I. BILDUNGS- UND LEHRAUFGABE

Der Religionsunterricht ist ein Ort des Lernens, an dem der Erziehungsauftrag der Schule in besonderer

Weise ernstgenommen wird. Eingerichtet vom Staat und besorgt von der Kirche, nimmt er die sittlich-

religiöse Dimension im Bildungsauftrag der Schule wahr und ist damit pädagogisch unverzichtbarer

Bestandteil der Erziehung in einer pluralistischen Gesellschaft.

Evangelischer Religionsunterricht in der Grundschule bietet den Kindern an, sich mit dem Evangelium

von der Menschenfreundlichkeit Gottes, wie es in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments

bezeugt ist, selbständig auseinanderzusetzen. In wachsender Mündigkeit soll der christliche Glaube, der

die Freiheit des Menschen begründet, als tragfähiger Grund der Lebensgestaltung begriffen werden.

Für den Evangelischen Religionsunterricht ergibt sich daraus eine Reihe von Aufgaben

1. die Lebenswirklichkeit der Kinder in ihrer Fülle und ihren Widersprüchlichkeiten wahrnehmen;

2. die Kinder in ihren existentiellen Grundfragen, Ängsten und Nöten annehmen und begleiten;

3. die verschiedenen Lebensbereichs- und Schulerfahrungen bündeln und biblische wie kirchliche

Überlieferung in ihrer Bedeutung für diese ihre Gegenwart erschließen;

4. eine Hilfe für die Kinder geben in ihrer Beziehung zu sich selbst, zu ihren Mitmenschen, zur

Natur und zu Gott durch das Angebot des Glaubens als tragende Grundlegung, Orientierung und

Sinngebung;

5. christliche Gemeinschaft im Schulgeschehen für Kinder, Lehrende und Eltern erlebbar gestalten;

6. das Hineinwachsen der Kinder in die geschichtlich und lokal geprägten christlichen Lebensräume

begleiten und fördern;

7. die Feste im Kirchenjahr feiernd erfahren und gelebte Formen des christlichen Glaubens wie

seine Symbole verstehend eröffnen;

8. über elementare biblische und christliche Inhalte in klaren Zusammenhängen sinnvoll aufeinander

aufbauend kindgerecht informieren und orientieren;

9. die Lebensfreude der Kinder wecken und bewahren; sie daraus Verhaltensweisen entwickeln

lassen, die durch die menschenfreundliche Zuwendung Gottes getragen sind;

10. zu Achtung gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen hinführen, zur Entwicklung

einer ökumenische Gesinnung beitragen, interkulturelles Lernen ermöglichen und zur Übernahme

solidarischer Verantwortung in der Welt ermutigen;

11. in den Kindern Wachsamkeit, Sensibilität, Kritikfähigkeit und Engagement in Kirche und Gesellschaft

bilden und festigen;

12. den Zusammenhang von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung verstehen lernen

und ein Leben in Freiheit und Verantwortung einüben.

Der Religionsunterricht hat Teil am allgemeinen Bildungsziel der Schule (§ 2 Schulorganisationsgesetz),

an den Lehrzielen der Grundschule sowie an den fächerübergreifenden Unterrichtsprinzipien: Gesundheits-,

Lese-, Medien-, und Musische Erziehung, Politische Bildung, Erziehung zum Umweltschutz,

Sexual-, Sprech-, Verkehrs- und Wirtschaftserziehung.

II. DIDAKTISCHE GRUNDSÄTZE UND FACHDIDAKTISCHE HINWEISE

Die allgemeinen didaktischen Grundsätze für die Grundschule

Kindgemäßheit und Berücksichtigung der Lernvoraussetzungen, soziales Lernen, Lebensbezogenheit

und Anschaulichkeit, Konzentration der Bildung, Sachgerechtheit, Aktivierung und Motivierung,

Differenzieren und Fördern, Sicherung und Kontrolle des Unterrichtsertrages sowie die grundschulgemäßen

Lernformen

Lernen im Spiel, offenes Lernen, projektorientiertes Lernen, entdeckendes Lernen, wiederholendes

Lernen, übendes Lernen uam. sind auch für den Religionsunterricht konstitutiv. Der Lernort

„Evangelischer Religionsunterricht“ stellt seine spezifischen Anforderungen an den Unterrichtsprozeß

und an die Lehrerpersönlichkeit. Diese können wie folgt umschrieben werden

1. die Kinder bedingungsfrei annehmen;

2. die Lebenswirklichkeit von Kindern und Erwachsenen (etwa die unterschiedlichen Familienformen)

berücksichtigen und in das unterrichtliche Geschehen einbeziehen;

3. im sozialen Umgang Nähe und Distanz verantwortungsvoll leben;

4. Konflikte erkennen, durchleben und lösen;

5. gegenseitig Schuld vergeben und Neuanfang ermöglichen;

6. einen konkurrenzfreien Raum schaffen im Gegensatz zu ausschließlicher Leistungsorientierung

und -bewertung;

7. ganzheitliche Unterrichtsformen gemeinsam erleben;

8. um die Kinder- und Jugendkultur wissen;

9. die Botschaft des Evangeliums in die Lebenswirklichkeit der Kinder sprechen und zur Handlung

bringen;

10. kognitive Inhalte vermitteln und gewichten;

11. die biblischen und außerbiblischen Geschichten erzählen und eine narrative Unterrichtskultur

entwickeln;

12. neben der großen Anzahl von männlichen auch weibliche Identifikationsfiguren für die Glaubensentwicklung

der Kinder aus Bibel und Geschichte anbieten;

13. Gottesbilder angstfrei und vertrauenschaffend vermitteln;

14. als Angebot zur Orientierung in Lebensfragen ethisch erziehen;

15. die vielfältigen Formen des Glaubens zum Ausdruck kommen lassen: Gebet, Lied, Tanz, Bild,

Schweigen, Tun (Diakonie) . . .;

16. an der (religiösen, ökumenischen) Schulkultur nach Möglichkeit teilnehmen: Gottesdienste,

Schulfeiern, religiöse Übungen und anschauliche Schulveranstaltungen (zB Exkursionen) als

Ergänzung zum Unterricht anbieten;

17. als möglicherweise der erste für die Kinder greifbare Erwachsene, der das Christsein repräsentiert,

glaubwürdiges Vorbild im Gelingen und Scheitern für christliches Leben und evangelische

Kirche sein; vorauszusetzen ist, daß die Lehrenden mit ihrer eigenen religiösen Herkunft umzugehen

lernen und die Kinder durch ihre persönlichen Glaubensvorstellungen nicht einengen,

sondern ermutigen, selbständig nach dem Glauben zu suchen.

III. UNTERRICHTSPLANUNG

– Im Sinne das § 17 Abs. 1 des Schulunterrichtsgesetzes ist unterrichtliches Planen Ausdruck der

eigenständigen und verantwortlichen Unterrichts- und Erziehungsarbeit des Lehrers und der Lehrerin.

Die Religionslehrer und Religionslehrerinnen haben bei ihrer unterrichtlichen Arbeit von

einer Jahresplanung auszugehen, die eine Konkretisierung des Lehrplans für die jeweilige

Schulstufe sowie für die Klassen- und Schulsituation bezogen auf ein Unterrichtsjahr darstellt. Im

Jahresplan erfolgt ab Beginn des Schuljahres eine erste vorläufige zeitliche Anordnung der

Lernfelder und Inhalte bei Orientierung an den Erfahrungs- und Lernbereichen bzw. Teilbereichen

des Religionsunterrichtes. Dabei sind der (kirchliche) Jahresfestkreis, regionale und örtliche

Bedingungen, die Möglichkeiten von Querverbindungen zu anderen Unterrichtsgegenständen, die

Durchführung von Schulveranstaltungen und die Realisierung der „Unterrichtsprinzipien“ zu berücksichtigen.

– Die klassenbezogene langfristige Jahresplanung soll während des Schuljahres durch mittel- und

kurzfristige Planungen ergänzt werden, in welchen die verschiedenen grundschulgemäßen

Lernformen Beachtung finden. Diese Planungen sollen auch die aktuellen Bedürfnisse und Interessen

der Schüler und Schülerinnen berücksichtigen und ihnen ein dem Alter und der Entwicklung

entsprechendes Maß an Mitbestimmung ermöglichen. Aktuelle Ereignisse und Lernanlässe

sind im Sinne des Gelegenheitsunterrichts aufzugreifen.

– Die Arbeit mit den Religionsbüchern ist dieser eigenverantwortlichen Konzeption unterzuordnen.

– Zur Gestaltung eines sinnvollen fächerübergreifenden Unterrichtes ist die Kooperation mit den

Klassenlehrern und Klassenlehrerinnen im Hinblick auf möglichst ganzheitliche Lernprozesse –

allerdings unter Wahrung der fachspezifischen Ziele und Inhalte – anzustreben.

IV. LEHRPLAN DER EINZELNEN SCHULSTUFEN

ÜBERSICHT

ERSTE SCHULSTUFE

„SEHEN, HÖREN UND SICH FREUEN“

Lernfeld 1.1: Ich – Du – Wir

Die Religionsunterrichtsgruppe entspricht im Regelfall nicht der neugebildeten Klasse. Eine neue

Gemeinschaft soll entstehen. Dabei sollen sich die Kinder als von Gott geliebte Menschen verstehen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Mein Name ist wichtig

Meine Fähigkeiten – ich kann viel

Wir leben nicht alleine

Von Gott und Menschen angenommen – Taufe

Zusammen können wir mehr

Lernfeld 1.2: Jesus ist die Nähe Gottes

Die Kinder sollen Jesus als den kennenlernen, der die Nähe Gottes für seine Mitmenschen spürbar

lebte.

Aus dieser Nähe wachsen Vertrauen und Hingabe.

Vorgeschlagene

Inhalte: Jesus sucht Freunde (Mk. 1, 16–20)

Jesus schenkt Kindern seine Zuneigung (Mk. 10, 13–16)

Jesus hört Bartimäus (Mk. 10, 46–52)

Jesus erzählt, wie Gott ist (Luk. 15)

Jesus hilft in der Angst (Mk. 4, 36–41)

Lernfeld 1.3: Mut und Vertrauen: Abraham und Sara

Das erste Schuljahr bedeutet eine massive Veränderung im Leben der Kinder. Mit Sara und Abraham

können sie mutig im Vertrauen auf Gott ihre neue Lebenssituation sehen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Aufbruch ins Unbekannte (Gen. 12)

Abraham stiftet Frieden (Gen. 13)

Die Verheißung und das Warten (Gen. 15; 18)

Freude über Isaak (Gen. 21)

Erweiterung: Eine Frau für Isaak (Gen. 24)

Lernfeld 1.4: Ausdrucksformen des Glaubens

Glaube kennt soviele Mitteilungsformen, wie dem Menschen Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung

stehen. Die Kinder sollen den Reichtum kennenlernen und aus ihm schöpfen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Lieder, Gebet, Stille, Tanz . . .

Lernfeld 1.5.1: Weihnachten: das Geburtsfest Christi

Weihnachten im Leben der Kinder hat oft keine Verbindung mit der Geburt Christi. Die Kinder

sollen zwischen beiden Ereignissen einen Bezug herstellen können und im Weihnachtsfest das Fest der

Liebe Gottes zu den Menschen entdecken und feiern.

Vorgeschlagene

Inhalte: Advent: Eine Zeit des Wartens und der Freude

Ein Engel kommt zu Maria – Jesus wird geboren

Die Hirten hören, sehen und freuen sich

Die Weisen kommen zur Krippe

Erweiterung: Die Freude von Simeon und Hanna (Lk. 2, 22–40)

Lernfeld 1.5.2: Passion – Ostern: Trauer – Freude

Gefühle von Schmerz und Trauer sind den Kindern nicht unbekannt. Sie verstehen nicht, warum ein

Gott am Kreuz hängt. Durch die Kunde von Jesu Tod und Auferstehung erkennen die Kinder, daß Gott

auch ihre Traurigkeit in Freude verwandeln kann.

Vorgeschlagene

Inhalte: Freunde – Feinde / Freude – Schmerz

Verurteilung Jesu – sein Tod

Frauen am Grab

Lernfeld 1.6: Unsere Pfarrgemeinde

Manche Kinder wissen nur vage, daß sie zu einer Evangelischen Pfarrgemeinde A. B., H. B. oder A.

und H. B. gehören und wo diese ist; andere kennen „die Kirche“ nur von besonderen Anlässen.

Erstes Kennenlernen und Vertrautwerden sollen Bausteine zum Erleben der Pfarrgemeinschaft sein.

Vorgeschlagene

Inhalte: Die Gemeinde: Orte und Personen

Christen suchen Gemeinschaft

Der Gottesdienst am Sonntag

Lehrausgang in die Kirche

Erweiterung: Reformationsfest

Lernfeld 1.7: Palästina zur Zeit Jesu

Mit den biblischen Geschichten tauchen die Kinder in eine ihnen unbekannte Welt. Durch Anschauung

und Identifikationsmöglichkeiten soll ihnen die Umwelt Jesu in Ansätzen erschlossen werden.

Vorgeschlagene

Inhalte: Das Leben im Dorf – die Arbeit von Frauen und Männern (Haus, Acker, Markt, Fischfang,

Lehrhaus . . .)

Jerusalem: Tempel, Priester, Schriftgelehrte

Lernfeld 1.8: Freude an der Schöpfung

Wunderbares und Schönes gilt es in unserer Welt mit allen Sinnen wahrzunehmen. Aus der Freude

an der Welt kommt das Lob Gottes.

Vorgeschlagene

Inhalte: Sinneswahrnehmungen üben

Bedeutung von Sonne und Wasser

Mein Körper bewegt sich

Wir zeigen unsere Freude im Lob (Ps. 104)

Erweiterung: Erntedank

ZWEITE SCHULSTUFE

„FÜREINANDER DASEIN“

Lernfeld 2.1: Streit und Versöhnung

Kinder leiden unter Streit. Gutes Zusammenleben und versöhnte Beziehungen miteinander, in den

Familien und zwischen Völkern müssen immer neu geübt werden. Friedliche Konfliktlösungen kann man

lernen. Jesus macht uns Mut dazu.

Vorgeschlagene

Inhalte: Streit im Alltag – Regeln zur Fairneß

Wir lassen andere Meinungen gelten

Versöhnungsrituale – Mt. 5, 9

Erweiterung: Gen. 13; Lk. 9, 51–56; Die 5. Vaterunserbitte

Lernfeld 2.2: Augen haben wie Jesus

Kriege, Hunger, Verletzungen ängstigen Kinder; sie sehnen sich nach einer heilen Welt.

Über sich selbst hinauszusehen, ein Auge haben für andere, für das Verletzte, den Hungrigen, die

Ungeliebten und Heimatlosen: zu dieser diakonischen Aufgabe will uns Jesus ermutigen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Wir nehmen einander wahr – das Symbol „Auge“

Beim Ungeliebten zu Gast (Lk. 19, 1–10)

Gebt ihr ihnen zu essen! (Mt. 14, 13 ff.)

Der gute Mensch aus Samarien (Lk. 10, 25 ff.)

Die gekrümmte Frau (Lk. 13, 10–13)

Erweiterung: Ein Sitzender steht auf(Mk. 2, 13–17)

Füreinander da sein (Mk. 2, 1–5, 10b–12)

Weine nicht (Lk. 7, 11–17)

Lernfeld 2.3: „Trotz allem“: Jakob und Esau

In den Geschichten von den unterschiedlichen Brüdern finden sich die Kinder wieder.

Ihr Vertrauen in Gott kann wachsen, wenn sie hören, wie Gott zu denen hält, die Fehler machen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Die ungleichen Zwillinge Rebekkas und Isaaks: Esau und Jakob (Gen. 24, 25 i. A.)

Aus Brüdern werden Feinde (27)

Gott will auch Jakob segnen (28)

Jakobs Erlebnisse in der Fremde (29; 30)

Jakob ringt mit Gott – die Brüder versöhnen sich (32; 33)

Lernfeld 2.4: Wir gestalten einen Gottesdienst

Einige (Schüler-)Gottesdienste haben die Kinder schon erlebt. In Zusammenarbeit mit Verantwortlichen

in Kirche und Schule sollen die Kinder Grundelemente des Gottesdienstes kennenlernen und die

Feier gestalten helfen.

Lernfeld 2.5.1: Weihnachten: das Fest der Hoffnung

Im Leben von Kindern und Erwachsenen gibt es schwierige, „dunkle“ Situationen.

Menschen warten und warteten auf jemand, der ihnen Hoffnung gibt und das Dunkel beendet.

Jesus wurde geboren, um beides zu erfüllen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Was mir das Leben schwer macht

Jesaia macht den Menschen Hoffnung (Jes. 9)

Mit Jesus kommt ein Hoffnungslicht in die Welt, gegen alle Umstände (Lk. 2, 1–7)

Wie wir füreinander Licht werden können

Erweiterung: Zacharias, Elisabeth, Johannes (Lk. 1, 5–25, 57–66)

Flucht nach Ägypten (Mt. 2, 13–22)

Lernfeld 2.5.2: Passion – Ostern: Verlassensein – Hoffnung erfahren

Zur Alltagserfahrung der Kinder gehören Gefühle der Verlassenheit und Einsamkeit. Alle Beteiligten

an der Leidensgeschichte erleben diese Gefühle in ihrer tiefsten Form. Durch die Begegnung mit dem

Auferstandenen keimt neue Hoffnung auf.

Vorgeschlagene

Inhalte: Gethsemane: Verlassenheit und Angst

Gefangennahme Jesu

Verleugnung des Petrus

Kreuzigung/Ps. 22

Begegnung des Auferstandenen mit Maria Magdalena (Joh. 20, 11–18)

Erweiterung: Thomas (Joh. 20, 24–29)

Lernfeld 2.7: Glaube und Leben

Glaube lebt von Vorbildern. Zu christlichem Handeln muß eingeladen werden. Die Kinder sollen an

historischen Persönlichkeiten sehen, was Christsein heißen kann.

Vorgeschlagene

Inhalte: Lebensbilder von ausgewählten Persönlichkeiten

Einsatz und Schutz: Nikolaus von Myra; Albert Schweitzer

Teilen, hergeben können: Martin von Tours;

Glaube befreit aus gesellschaftlichen Zwängen: Elisabeth von Thüringen;

Gräfin Elvine de la Tour

Erweiterung: Symbol „Hand“

Lernfeld 2.8: Zukunft der Schöpfung

Die Umweltängste der Kinder sind überaus groß. Sie erfahren aber auch, daß sich viele für den

Schutz der Schöpfung einsetzen. Vom Schöpfungsauftrag (Gen. 2, 15) sollen für die Zukunft Mut und

Aktivität wachsen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Unser Lebensraum der Landschaften

Pflanzen- und Tierwelten und ihre Bedrohung

Der besondere Auftrag des Menschen: Gen. 2, 15

Erweiterung: Gottes Verheißung an Noah

Lernfeld 2.9: Die römisch-katholische Kirche

In der 2. Klasse haben die röm-kath. Kinder ihre Erstkommunionfeier. Evangelische Kinder verstehen

kaum, warum sie das nicht betrifft. In diesem Zusammenhang ist eine Erstinformation über die

Schwesterkirche notwendig – nicht gegeneinander, sondern miteinander zum Zueinander.

Vorgeschlagene

Inhalte: Die gemeinsamen Grundlagen: Bibel, Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Kirche als Gemeinschaft,

Nächstenliebe, Mitverantwortung . . .

Verschiedene Glaubenshaltungen: Lehramt, Sakramente, Amt, Frömmigkeit . . .

Erweiterung: Informationen über andere Konfessionen

DRITTE SCHULSTUFE

„GEHEN, UNTERWEGS SEIN“

Lernfeld 3.1: Wir leben in Gemeinschaften

Kinder erleben unterschiedliche gemeinschaftliche Lebensformen mit verschiedenen Zielsetzungen.

Die Kinder sollen beantworten können, welches das Ziel der Religionsunterrichtsgruppen, welches

das der (ur-)christlichen Gemeinschaft ist.

Vorgeschlagene

Inhalte: In welchen Gemeinschaften leben wir?

Welche Zielsetzungen haben sie?

Unsere RU-Gruppe: Was kann ICH, was können WIR dazu beitragen.

Die Kirche als „Gemeinschaft unterwegs“ (Mt. 28, 18–20)

Erweiterung: Gegenseitiges Dienen (Mt. 23, 1–12; Mk. 10, 35–45)

Fußwaschung (Joh. 13, 1–20)

Lernfeld 3.2: Mit Jesus unterwegs zu den Menschen

Kinder erleben sich nicht nur behütet und in Sicherheit, sondern auch allein und mißverstanden. Wie

sich Jesus den Ausgestoßenen seiner Zeit zuwandte soll den Kindern Orientierung und Lebensmut geben.

Vorgeschlagene

Inhalte: Ich bin „draußen“ – ich werde hereingenommen

„Komm in die Mitte“ (Mk. 3, 1–6)

Das Vertrauen eines Fremden (Mt. 8, 5–13)

Die Frau, der Pharisäer und der Rabbi (Lk. 7, 36–50)

Erweiterung: Jesus heilt einen Aussätzigen (Lk. 5, 12–16)

Der barmherzige Vater (Lk. 15, 11–32)

Symbol: „Weg“

Lernfeld 3.3: Mit Gott auf dem Weg: Josef

Die Josefsgeschichte soll den Kindern einen weiteren tragfähigen Grund von Vertrauen auf ihren

Lebensweg mitgeben. Gott führt zu einem guten Ende, zu gerettetem Leben.

Vorgeschlagene

Inhalte: Josef und seine Brüder: Familienkonflikte (Gen. 37)

Josefs Erlebnisse in Ägypten (Gen. 39+40)

Der Pharao und Josef (Gen. 41)

Rettung der Familie Jakobs und Versöhnung (Gen. 42–46; 50)

Lernfeld 3.4: Wir klagen über einen Verlust

Kinder haben bereits schmerzliche Erfahrungen mit Verlust und Tod. Die Klage und das Gespräch

sind adäquate Möglichkeiten des Umgangs damit.

Vorgeschlagene

Inhalte: Die Begrenztheit aller Lebenswege

Wenn wir einen Menschen/ein Tier verlieren und trauern (Umzug, Scheidung, Tod . . .)

Vertrauen auf Geborgenheit bei Gott (Ps. 22; Ps. 69; Off. 21)

Lernfeld 3.5.1: Weihnachten: Gott kommt in die Welt: Ein Kind

Kinder erleben, daß vieles mit Gewalt geregelt wird und daß viele den „Starken“ nachlaufen.

Gott antwortet darauf in seinem Kommen als Kind.

Vorgeschlagene

Inhalte: Was wir brauchen, um gut miteinander zu leben

Der Wunsch nach einem König, der alles richtet (1. Sam. 8)

Die Hoffnung auf den Messias

Gott schenkt sich als Kind

Lernfeld 3.5.2: Passion – Ostern: Wege ins Leiden – Wege ins Leben

Wer sich einsetzt, setzt sich aus. Das haben Kinder bereits erfahren. Jesus bleibt seinem Weg bis

zum Ende treu. Gott bestätigt diesen Weg durch seine Auferweckung. Das gibt Mut, Jesu Weg zu folgen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Der Weg nach Jerusalem

Der Weg ans Kreuz

Osterwege

Lernfeld 3.6: Unsere Pfarrgemeinde – Nachbargemeinde(n) – Diözese

Kinder, Lehrer und Lehrerinnen müssen oft mit Situationen der Vereinzelung und Benachteiligung

fertig werden. Eingebundensein in eine größere Gemeinschaft kann stärken.

Vorgeschlagene

Inhalte: Die Inhalte ergeben sich aus dem Umfeld des jeweiligen Unterrichtsortes

Lernfeld 3.7: Frauen und Männer der lokalen Kirchengeschichte

Kinder sind einer Flut von Identifikationsfiguren ausgesetzt, während es an hilfreichen Vorbildern

mangelt. Aus Beispielen gelebten Glaubens können sie Mut schöpfen, auch in ihrer Umgebung christlich

zu handeln.

Vorgeschlagene

Inhalte: Von den Diözesen (Region) zu bestimmen bzw. zu erforschen.

Lernfeld 3.8: Regeln – Gebote – Verbote: Herausforderungen der Freiheit

Zusammenleben braucht Regeln. Mit den Grenzen, die Vorschriften errichten, tun Kinder sich

schwer. Jesus hat in seiner Gottesnähe eine ganz besondere Haltung den Gesetzen seiner Zeit gegenüber

eingenommen. Warum? Er gibt uns das Liebesgebot. Gibt es dafür auch Grenzen?

Vorgeschlagene

Inhalte: Beispiele von Regeln und Vorschriften, deren Bewertung

Wie man mit Gesetzen das Leben gut machen will: Sabbatgesetz zur Zeit Jesu

Jesus wehrt sich gegen dieses Gesetzesverständnis (Mk. 2)

Jesus zeigt einen neuen Weg: Das Gebot der Liebe (Lk. l0, 25–28)

Lernfeld 3.9: Fremdes wahrnehmen – aufeinander zugehen

Von Anfang an sind die Kinder in der Klasse mit Kindern aus anderen Kulturkreisen zusammen.

Mit dem „Fremden“ zu leben, fällt Kindern manchmal schwer. Abbau von Vorurteilen, Erwerb einer

toleranten und akzeptierenden Haltung sind Ziele dieser Unterrichtseinheit.

Vorgeschlagene

Inhalte: Das Besondere im Leben „fremder“ Kinder

Wir werden uns unserer eigenen Kultur und Religion bewußt

Wir denken uns in andere hinein und teilen ihre Erfahrungen

VIERTE SCHULSTUFE

„MITEINANDER LEBEN“

Lernfeld 4.1: Gerechtigkeit

Daß es gerecht zugeht, ist sehr wichtig für Kinder. Bei ungerechter Behandlung werden sie wütend

und unglücklich. An Beispielen sollen sie un/gerechte Verhältnisse erkennen und Jesu Haltung zum

Thema aufnehmen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Un/Gerechtigkeit bei uns und anderswo

Beispiel: Hunger in der Welt/Überproduktion

Der gütige Arbeitgeber (Mt. 20,1–15)

Kinderrechte – Menschenrechte

Erweiterung: Ein Prophet fordert Gerechtigkeit: Amos

Die Botschaft Johannes des Täufers

Jesus will eine „bessere“ Gerechtigkeit (Mt. 25, 31 ff.)

Lernfeld 4.2: Jesus beauftragt zum Miteinander

Kinder tragen ein Stück weit die Phantasie für eine neue Welt in sich. Gottes Welt im Miteinander

zu leben: für diese Hoffnung lebte Jesus. Wir überlegen, was wir dazu tun können, auch wenn diese Welt

sehr ferne von uns zu liegen scheint.

Vorgeschlagene

Inhalte: Wir stehen in eigener Verantwortung

Himmelfahrt (Apg. 1) „macht euch selbst auf den Weg . . .“

Beispiele aus der Urgemeinde

Die Gemeinschaft (Apg. 2, 42 ff.)

Konflikte (Apg. 6, 1 ff.)

Eine utopische Vorstellung? (1. Kor. 12, 12 ff.)

Erweiterung: Gleichnis vom Senfkorn (Mt. 13, 31+32)

Lernfeld 4.3: Gott befreit zur Geschwisterlichkeit

Kinder kennen Situationen, aus denen sie gerettet werden müssen. Sie erfahren, daß Gott für die Bedrückten

da ist: die Rettung aus Ägypten feiert das Volk Israel bis heute. Zu dieser Grundlage des Glaubens

gehört eine zweite: die der neuen Lebensordnung, von Gott am Sinai gegeben. Welche Richtlinien

brauchen wir heute für die Weltgemeinschaft, die auch Kinder einsehen?

Vorgeschlagene

Inhalte: Menschen herrschen über Rechtlose (Ex. 1)

Frauen wagen Widerstand (Ex. 2)

Mose – ein neuer Gottesname (Ex. 3)

Auszug aus Ägypten (Ex. 7–12 i. A. 15, 21)

Das Bündnis zwischen Gott und Israel (Ex. 19)

Die neue Lebensordnung (Ex. 20; Lev. 19; Mt. 5, 43–48)

Erweiterung: Erlaßjahr (Lev. 25); Schutzbestimmungen (Deut. 24,17)

Weitere Mosegeschichten in Auswahl; Psalm 114

Lernfeld 4.4: Taufe und Abendmahl

Die beiden Sakramente sind Kennzeichen der Liebe Gottes zu uns. Das Versprechen Gottes in ihnen

seine Nähe, seine Vergebung brauchen Kinder wie Erwachsene.

Vorgeschlagene

Inhalte: Taufe Jesu am Jordan (Mk. 1, 9–13)

Das Zeichen der Taufe (Symbole Wasser, Licht)

Das Hl. Abendmahl als lebendige Erinnerung an unsere Hoffnung (Mk. 14 – 1. Kor. 11)

Gottes Vergebung setzt uns frei zu geben (Symbol Brot)

Lernfeld 4.5: Weihnachten, Passion und Ostern

Vorgeschlagene

Inhalte: –

Lernfeld 4.6: Die Kirche

Auf der ganzen Welt leben Christen. Die Verschiedenheit und Buntheit soll Kinder einladen, voneinander

zu wissen, zu lernen und einander zu helfen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Glaubensbekenntnis(se)

Der Glaube kommt überall hin (Mt. 28, 18–20; Apg. 8, 26 ff.)

Pfingsten (Apg. 2, 1 ff.)

Eine Bibel – viele Sprachen

Christen unterstützen sich gegenseitig

Lernfeld 4.7: Reformation – M. Luther, H. Zwingli

Oft gehören Kinder mit augsburgischem oder helvetischem Bekenntnis derselben Unterrichtsgruppe

an. Gemeinsam wird ihnen der angstfreie und vertrauensvolle Zugang zu Gott vermittelt, wie er in Lebensbildern

Luthers und Zwinglis zum Ausdruck kommen kann.

Vorgeschlagene

Inhalte: Angst: Das Zeitgefühl im Spätmittelalter

Die Entdeckung in der Bibel

Konsequenzen – persönliche, gesellschaftliche, kirchliche

Die Bibel – unser Glaubensbuch (AT, NT, Sprachen . . .)

Lernfeld 4.8: Die eine Welt

Informationen aus anderen Ländern werden von den Kindern teils erschreckt, teils befremdet, aber

neugierig entgegengenommen. Eine lebenswerte Zukunft der Menschheit hängt davon ab, ob ein

„Miteinander leben“ gelingt – im Kleinen wie im Großen.

Vorgeschlagene

Inhalte: Es gibt viele Welten in der Welt

Wir brauchen einander – die (wirtschaftliche, soziale) Verflochtenheit

Wir können miteinander leben, wenn wir es lernen

Ziel: die Verheißung Gottes (Jes. 65; Off. 21)

Erweiterung: Symbol: Haus

Lernfeld 4.9: Kinder anderer Religionen leben bei uns

In die Schule gehen (regional unterschiedlich viele) Kinder mit verschiedenen Religionsbekenntnissen.

Lebensgewohnheiten und Bräuche befremden. Erstes Kennenlernen sollen Akzeptanz und Verstehen

sowie die Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschiede fördern.

Vorgeschlagene

Inhalte: Je nach vorkommenden Religionsbekenntnissen

zB: Muslime, Buddhisten, Zeugen Jehovas . . .“

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