4. Verfassungsgesetz: Verfassungs-Überleitungsgesetz
Gesetzestext (1 Artikel)
Die Provisorische Staatsregierung hat beschlossen
Artikel 1.
Das Bundes-Verfassungsgesetz in der Fassung
von 1929 sowie alle übrigen Bundesverfassungsgesetze
und in einfachen Bundesgesetzen enthaltenen
Verfassungsbestimmungen nach dem
Stande der Gesetzgebung vom 5. März 1933
werden im Sinne der Regierungserklärung,
St. G. Bl. Nr. 3 von 1945, wieder in Wirksamkeit
gesetzt.
Artikel 2.
Alle nach dem 5. März 1933 erlassenen
Bundesverfassungsgesetze, in einfachen Bundesgesetzen
enthaltenen Verfassungsbestimmungen
und verfassungsrechtliche Vorschriften enthaltenden
Verordnungen sowie alle für den Bereich
der Republik Österreich von der Deutschen
Reichsregierung erlassenen Gesetze, Verordnungen
und sonstigen Anordnungen verfassungsrechtlichen
Inhaltes sind aufgehoben.
Artikel 3.
Aufgehoben sind daher insbesondere
1. die Verfassung 1934, B. G. Bl. II Nr. 1,
sowie alle zur Ergänzung oder Änderung dieser
Verfassung erlassenen Bundesverfassungsgesetze
und in einfachen Gesetzen enthaltenen Verfassungsbestimmungen;
das Bundesverfassungsgesetz vom 30. April
1934, B. G. Bl. I Nr. 255, über außerordentliche
Maßnahmen im Bereich der Verfassung;
das Bundesverfassungsgesetz vom 19. Juni
1934, B. G. Bl. II Nr. 75, betreffend den Übergang
zur ständischen Verfassung (Verfassungs-
Übergangsgesetz 1934);
das Bundesverfassungsgesetz vom 20. Juli
1934, B. G. Bl. II Nr. 150, über die Regelung
der finanziellen Beziehungen zwischen dem
Bund, der bundesunmittelbaren Stadt Wien,
den Ländern, Ortsgemeindenverbänden und
Ortsgemeinden (Finanz-Verfassungsgesetz —
F-VG.);
das Bundesgesetz vom 1. Mai 1934, B. G. Bl. II
Nr. 4, betreffend die „Vaterländische Front";
das Bundesgesetz vom 12.Juli 1934, B. G.Bl. II
Nr. 123, über die Einrichtung und das Verfahren
des Bundesgerichtshofes (Bundesgerichtshofgesetz);
das Rechnungshofgesetz (R. H. G.) 1934,
B. G. Bl. II Nr. 187;
2. das Gesetz über die Wiedervereinigung
Österreichs mit dem Deutschen Reich vom
13. März 1938, Deutsches R. G. Bl. I S. 237
(G. Bl. f. d. L. Ö. Nr. 1 und 27/1938);
das Gesetz über den Neuaufbau des Reiches
vom 30. Jänner 1934, Deutsches R. G. Bl. I
S. 75 (G. Bl. f. d. L. Ö. Nr. 8/1938);
die Erste Verordnung über den Neuaufbau
des Reiches vom 2. Februar 1934, Deutsches
R. G. Bl. I S. 81 (G. Bl. f. d. L. Ö. Nr. 8/1938);
die Dritte Verordnung über den Neuaufbau
des Reiches vom 28. November 1938, Deutsches
R. G. Bl. I S. 1675 (G. Bl. f. d. L Ö. Nr. 626/
1938);
das Reichsstatthaltergesetz vom 30. Jänner
1935, Deutsches R. G. Bl. I S. 65 (G. Bl. f. d.
L. Ö. Nr. 6/1938);
das Reichsflaggengesetz vom 15. September
1935, Deutsches R. G. Bl. I S. 1145 (G. Bl. f. d.
L. Ö. Nr. 6/1938) mit allen zu seiner Durchführung
erlassenen Verordnungen;
die Verordnung über das Hoheitszeichen des
Reiches vom 5. November 1935, Deutsches
R. G. Bl. I S. 1287 (G. Bl. f. d. L. Ö. Nr. 8/
1938);
der Erlaß über die Reichssiegel vom 16. März
1937, Deutsches R. G. Bl. I S. 307 (G. Bl. f. d.
L. Ö. Nr. 8/1938), mit allen hiezu ergangenen
Durchführungserlässen;
die Verordnung über das Inkrafttreten von
Rechtsvorschriften des Reiches im Lande Österreich
vom 22. März 1938, Deutsches R. G.Bl. I
S. 287 (G. BI. f. d. L. Ö. Nr. 16/1938);
die Verordnung über das Gesetzgebungsrecht
im Lande Österreich vom 30. April 1938, Deutsches
R. G. Bl. I S. 455 (G. Bl. f. d. L. Ö.
Nr. 111/1938);.
das Gesetz über den Aufbau der Verwaltung
in der Ostmark (Ostmarkgesetz) vom 14. April
1939, Deutsches R. G. Bl. I S. 777 (G. Bl. f. d.
L.Ö. Nr. 500/1939) mit allen hiezu erlassenen
Durchführungsverordnungen;
die Verordnung über die Übertragung von
Aufgaben und Befugnissen des Reichsstatthalters
in Österreich (Österreichische Landesregierung)
vom 4.Juli 1939, Deutsches R.G.Bl.I
S. 1194 (G. Bl. f. d. L. Ö. Nr. 866/1939) mit
allen Nachträgen;
die Erste Verordnung über die Aufgaben
der Reichsgaue als Selbstverwaltungskörperschaften
vom 17. Juli 1939, Deutsches R.G.Bl. I
S. 1269 (G. Bl. f. d.L. Ö. Nr. 874/1939) mit
den hiezu erlassenen Durchführungs- und
Änderungsverordnungen.
Artikel 4.
(1) An die Stelle der Bestimmungen des
Bundes-Verfassungsgesetzes in der Fassung
von 1929, die infolge der Lahmlegung des
parlamentarischen Lebens in Österreich seit
5. März 1933, infolge der gewaltsamen Annexion
Österreichs oder infolge der kriegerischen
Ereignisse tatsächlich undurchführbar
geworden sind, treten einstweilen die Bestimmungen
des Verfassungsgesetzes über die
vorläufige Einrichtung der Republik Österreich
(Vorläufige Verfassung).
(2) Das im Abs. (1) bezeichnete Verfassungsgesetz
tritt sechs Monate nach dem Zusammentritt
der ersten auf Grund des allgemeinen,
gleichen, unmittelbaren und geheimen Verhältniswahlrechtes
gewählten Volksvertretung
außer Kraft.
Artikel 5.
Die Überleitung der staatlichen Behörden,
Ämter und sonstigen Einrichtungen die im Bereich
der Republik Österreich am 10. April 1945
bestanden haben, in die der vorläufigen
Verfassung entsprechende neue Rechtsordnung
regelt das Gesetz über die Überleitung der Verwaltungseinrichtungen
des Deutschen Reiches
in die Rechtsordnung der Republik Österreich
(Behörden-Überleitungsgesetz — B-ÜG.).
Artikel 6.
Dieses Verfassungsgesetz tritt mit 1. Mai 1945
in Kraft.
Artikel 7.
Mit der Vollziehung dieses Verfassungsgesetzes
ist die Provisorische Staatsregierung
betraut.