303. Verordnung: Änderung der Verordnung, mit welcher Lehrpläne für Minderheiten-Volksschulen und für den Unterricht in Minderheitensprachen in Volks- und Hauptschulen in den Bundesländern Burgenland und Kärnten erlassen werden
Gesetzestext (1 Artikel)
Auf Grund des § 19 des Minderheiten-Schulgesetzes für Kärnten, BGBl. Nr. 101/1959, zuletzt
geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 137/1998, des § 2 Abs. 1 und des § 3 Abs. 2 und 3 des
Minderheiten-Schulgesetzes für das Burgenland, BGBl. Nr. 641/1994, zuletzt geändert durch das Bundesgesetz
BGBl. I Nr. 136/1998, sowie des Schulorganisationsgesetzes, BGBl. Nr. 242/1962, zuletzt geändert
durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 132/1998, insbesondere dessen §§ 6 und 10, wird verordnet
Die Verordnung des Bundesministers für Unterricht, mit welcher Lehrpläne für Minderheiten-
Volksschulen und für den Unterricht in Minderheitensprachen in Volks- und Hauptschulen in den
Bundesländern Burgenland und Kärnten erlassen werden, BGBl. Nr. 118/1966, zuletzt geändert durch die
Verordnung BGBl. Nr. 356/1996, wird wie folgt geändert
1. Im Artikel I erhält der bisherige Text des § 5 die Absatzbezeichnung „(1)“ und wird folgender Abs. 2
angefügt
„(2) Die Anlagen 1 vierter und siebenter Teil, 2 siebenter Teil und 3 siebenter Teil dieser Verordnung
in der Fassung der Verordnung BGBl. II Nr. 303/1998 treten wie folgt in Kraft
1. Anlage 1 vierter Teil mit Ablauf des Tages der Kundmachung im Bundesgesetzblatt;
2. Anlage 1 siebenter Teil nur bezüglich der den Pflichtgegenstand „Ernährung und Haushalt/
prehrana in gospodinjstvo“ betreffenden Bestimmung mit Ablauf des Tages der Kundmachung
im Bundesgesetzblatt;
3. Anlage 1 siebenter Teil, sofern nicht von Z 2 erfaßt, mit 1. September 1998;
4. Anlagen 2 siebenter Teil und 3 siebenter Teil mit 1. September 1998.“
2. In Anlage 1 [Lehrplan der Volksschulen (Volksschulklassen, Volksschulabteilungen) mit deutscher und
slowenischer Unterrichtssprache] vierter Teil (Gesamtstundenzahl und Stundenausmaß der Pflichtgegenstände,
der verbindlichen Übungen, des Förderunterrichts, der Freigegenstände und unverbindlichen
Übungen) lit. c (Stundentafel der Volksschuloberstufe) wird in der Stundentafel der Pflichtgegenstand
„Hauswirtschaft/gospodinjstvo“ durch den Pflichtgegenstand „Ernährung und Haushalt/prehrana in
gospodinjstvo“ ersetzt.
3. In Anlage 1 siebenter Teil (Bildungs- und Lehraufgaben sowie Lehrstoff und didaktische Grundsätze
der Pflichtgegenstände der Grundschule und der Volksschuloberstufe) wird im ersten Absatz das Wort
„Hauswirtschaft“ durch die Worte „Ernährung und Haushalt“ ersetzt.
4. In Anlage 1 siebenter Teil Abschnitt A (Grundschule) lautet im Pflichtgegenstand „Deutsch,
Slowenisch, Lesen, Schreiben“ bzw. „Deutsch, Slowenisch, Lesen“ nach der Überschrift „Lehrstoff
Grundstufe I (1. und 2. Schulstufe)“ der den Teilbereich „Rechtschreiben/Pravopis“ betreffende Abschnitt
samt Überschrift
„Rechtschreiben/Pravopis
Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, dass die Schüler bis zum Ende der 2. Schulstufe
– einen begrenzten Wortschatz gründlich geübt haben und möglichst sicher beherrschen;
– sich einiger Strategien bedienen können, um zu normgerechtem Schreiben zu gelangen;
– einige grundlegende Kenntnisse der Großschreibung, der Interpunktion und der Trennung erworben
haben.
Unterstützende Strategien beim Rechtschreibenlernen
5. In Anlage 1 siebenter Teil Abschnitt A lautet im Pflichtgegenstand „Deutsch, Slowenisch, Lesen,
Schreiben“ bzw. „Deutsch, Slowenisch, Lesen“ nach der Überschrift „Lehrstoff: Grundstufe II
(3. Schulstufe)“ der den Teilbereich „Rechtschreiben“ betreffende Abschnitt samt Überschrift
„Rechtschreiben/Pravopis
Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, dass die Schüler
– einen allgemein gebrauchten, aber begrenzten Schreibwortschatz gründlich geübt haben und möglichst
sicher beherrschen;
– einige grundlegende Phänomene und Probleme der Rechtschreibung kennen, zB die Fälle der
Großschreibung, der Interpunktion sowie der Bezeichnung von Vokallänge und Vokalkürze;
– zunehmend selbstständig Schreibstrategien anwenden können;
– sich aus dem gesicherten Schreibwortschatz die Schreibung anderer Wortformen bzw. anderer Wörter
erschließen und Regelmäßigkeiten bewusst machen; daraus erarbeitete einfache Regeln formulieren
und anwenden.
Besonderheiten der Rechtschreibung
6. In Anlage 1 siebenter Teil Abschnitt A lautet im Pflichtgegenstand „Deutsch, Slowenisch, Lesen,
Schreiben“ bzw. „Deutsch, Slowenisch, Lesen“ nach der Überschrift „Didaktische Grundsätze“ der den
Teilbereich „Rechtschreiben“ betreffende Abschnitt samt Überschrift
„Rechtschreiben/Pravopis
Das Erlernen der Rechtschreibung ist ein komplexer Vorgang, der in engem Zusammenhang mit
anderen Teilbereichen des Deutsch- bzw. Slowenischunterrichts steht
Bevor die normgerechte Schreibung eines Wortes erworben wird, sollen die Schüler seine Bedeutung
verstehen (Sprechen). Außerdem sollen sie die Lautbestandteile eines Wortes und ihre Abfolge
wahrnehmen und den Schriftzeichen zuordnen können (Erstlesen). Schließlich müssen die Grundformen
der Schrift erworben sein und die Schüler Geschriebenes auch lesen können (Schreiben, Lesen).
Der Rechtschreibunterricht legt schon auf der Grundstufe I großen Wert auf Üben und sicheres
Beherrschen eines begrenzten Schreibwortschatzes, um eine bloß oberflächliche Aneignung möglichst
vieler Wörter zu vermeiden.
Wörter sollen in verschiedenen Zusammensetzungen, in unterschiedlichen Textvarianten und in
vielseitigen Lernsituationen geübt werden.
Für den Lernprozess sind
– das Verstehen der Wortbedeutung,
– das bewusste Wahrnehmen des Lautbestandes,
– das Einprägen der normgerechten Schreibung sowie
– das gründliche Einüben des Bewegungsablaufes wesentliche Komponenten.
Bloß eindimensionale Vermittlungsweisen können demnach diese Aufgabe nicht zufriedenstellend
lösen.
Daneben sollen durch das Zusammenstellen gleichartiger Formen bestimmte Einzelphänomene der
Rechtschreibung bewusst gemacht werden. Die Vermittlung der Interpunktion ist in engem Zusammenhang
mit der Sprachbetrachtung zu sehen.
Auf der Grundstufe II soll die gründliche Vermittlung eines begrenzten Schreibwortschatzes fortgesetzt
werden. Durch vielseitige methodische Maßnahmen wird sich auf der Grundlage dieses Wortschatzes
die Rechtschreibfähigkeit der Schüler in beiden Sprachen erweitern.
Das wiederholte Zusammenstellen gleichartiger Formen soll zu ersten Regelbildungen führen; diese
sollen von den Schülern auch angewendet werden.
Die Vermittlung einer möglichst geläufigen Nachschlagetechnik führt in der Regel dazu, dass sich
die Schüler an den Gebrauch des Wörterbuches als verlässliche Hilfe bei ihren Rechtschreibproblemen
schneller und leichter gewöhnen. Diese Technik soll bei allen schriftlichen Arbeiten, zB bei der Überarbeitung
von Diktaten, angewendet werden.
Die Verwendung des Wörterbuches ist auch bei den Schularbeiten zu ermöglichen.
Bei der Beurteilung von schriftlichen Leistungsfeststellungen, die nicht ausschließlich der Überprüfung
von bestimmten Rechtschreibkenntnissen dienen, ist § 15 der Verordnung über die Leistungsbeurteilung
zu berücksichtigen.“
7. In Anlage 2 [Lehrplan der Volksschulen (Volksschulklassen) mit kroatischer oder mit kroatischer und
deutscher Unterrichtssprache] siebenter Teil (Bildungs- und Lehraufgaben sowie Lehrstoff und
didaktische Grundsätze der Pflichtgegenstände der Grundschule) lautet der erste Halbsatz des dritten
Absatzes nach der Überschrift „Bildungs- und Lehraufgabe“
„Im einzelnen geht es darum,
– das Gefühl der Zugehörigkeit zur burgenländisch-kroatischen Volksgruppe zu entwickeln bzw. tolerantes
Verhalten zu wecken und zu fördern; auch bei Schülern mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen
ist von Anfang an Zweisprachigkeit zu ermöglichen;“
8. In Anlage 2 siebenter Teil lautet der sechste Absatz nach der Überschrift „Bildungs- und Lehraufgabe“
„Diese Aufgliederung in Teilbereiche verdeutlicht Sachstrukturen und die stoffliche Linienführung
des Lehrplans, soll aber keinesfalls einer sinnvollen Vernetzung von Lernbereichen entgegenstehen und
ermöglicht daher dem Lehrer einen kindgemäßen und sachgerechten Unterricht. Gleiches gilt für den die
Grundleistungen der Kinder sichernden Lehrplanteil „Elementarer Spracherwerb“, der ebenfalls in die
oben angeführten Teilbereiche zu integrieren ist.“
9. In Anlage 2 siebenter Teil wird vor der Überschrift „Didaktische Grundsätze“ folgender Abschnitt samt
Überschrift eingefügt
„Elementarer Spracherwerb
Für jene Schüler, die mit geringen Kenntnissen der kroatischen Sprache in die Volksschule mit
kroatischer oder mit kroatischer und deutscher Unterrichtssprache eintreten, sind zunächst folgende
Grundleistungen zu sichern.
Im Sinne des elementaren Spracherwerbs sind
– die Schüler zu befähigen, möglichst bald dem Unterricht folgen zu können,
– die Kommunikationsfähigkeit anzubahnen und
– die Motivation zur Beschäftigung mit der kroatischen Sprache grundzulegen und zu vertiefen.
Diese Zielsetzungen stehen in engem Zusammenhang und beeinflussen einander. Der Lehrplanteil
„Elementarer Spracherwerb“ soll – unterstützend – die Begegnung mit der kroatischen Sprache in einer
lustbetonten und zwanglosen Atmosphäre herbeiführen, die Freude der Kinder am Erlernen der
kroatischen Sprache wecken und somit im allgemeinen eine positive Haltung gegenüber der kroatischen
Sprache aufbauen.
Sprachliche Kommunikation muß als konkrete Tätigkeit anhand von Themen, Situationen und
Aktivitäten (Lieder, Rätsel, Reime, Spiele …) erfahren werden, die auf die unmittelbaren Interessen des
Kindes Bezug nehmen. Denn für das Kind ist es unnatürlich und schwierig, Sprache von ihrem
Verwendungszweck zu trennen.
Die Schüler sollen in ihrer Bereitschaft und Fähigkeit zur zwischenmenschlichen Verständigung im
mündlichen (und schriftlichen) Bereich gefördert werden.
Da der Erwerb einer weiteren Sprache ein den Menschen in seiner Gesamtheit bewegender Prozeß ist
und Kommunikation immer soziales Verhalten einschließt, ist das bewußt geplante Lernen von
kooperativen Verhaltensweisen unabdingbar. Darüber hinaus soll eine offene, aufgeschlossene Haltung
der Volksgruppe und ihrer Kultur gegenüber angestrebt werden.
ZIELE IM BEREICH DER FERTIGKEITEN
Elementarer Spracherwerb soll den Aufbau von Hörverstehen und mündlicher Kommunikationsfähigkeit
zum Schwerpunkt haben. Leseverstehen und Schreiben als eigenständige Fertigkeiten sind im
jeweiligen Unterrichtsgegenstand zu vermitteln. Das Schriftbild kann jedoch lernunterstützend eingesetzt
werden, sobald das Klangbild abgesichert ist.
Durch Ausnützen natürlicher Kommunikationssituationen in der Klasse sollen die Schüler lernen,
sprachlich zu handeln und die Unterrichtsarbeit mitzugestalten (zB Vorschläge machen, Wünsche
vorbringen, Nichtverstehen äußern, um Wiederholung bitten usw.).
Weiters sollen die Schüler auf Alltagssituationen vorbereitet werden, die sich aus den Unterrichtsthemen
ergeben. Das Rollenspiel wird dabei besondere Bedeutung haben und die Kinder zum Gebrauch
der kroatischen Sprache in Alltagssituationen ermutigen.
Hörverstehen
Die Schüler sollen möglichst bald in der Lage sein,
– die Anweisungen und Anleitungen des Lehrers zu verstehen,
– einfache Äußerungen im Rahmen der erarbeiteten Gesprächsstoffe zu erfassen sowie
– einfache Hörtexte über Medien zu erfassen, sofern sie an Bekanntes anschließen.
Sprechfertigkeit
Die Schüler sollen möglichst bald in der Lage sein, spontan und in einfachster Form
– Kontakte mit Lehrern und Mitschülern aufzunehmen, Informationen zu geben und einzuholen, Gefühle
und Wünsche zum Ausdruck zu bringen,
– einfache Gespräche zu führen sowie
– am Unterricht aktiv teilzunehmen.
LEHRSTOFF
Ausgehend von Unterrichtssituationen und einfachen Alltagssituationen, die sich aus den verschiedenen
Themen ergeben, soll der Schüler lernen, sprachliche Äußerungen anderer zu verstehen, und
ermutigt werden, eigene Sprechabsichten mit einfachsten Mitteln zu verwirklichen.
Hörverstehen und Sprechfertigkeit müssen sich vorerst am Unterrichtsgeschehen orientieren
(Anweisungen, Anleitungen, Fragen zum Unterricht usw.). In weiterer Folge können sie im Rahmen der
im Lehrplan vorgesehenen Erfahrungs- und Lernbereiche realisiert werden: Unterricht, Klassenzimmer,
Schulsachen; Familie und Freunde, Alltag zu Hause, Feste; Einkaufen; Arbeit und Freizeit; Essen und
Trinken; Kleidung; Zeit; Wetter; Reisen; Tiere uä.
Mündliches Sprachhandeln
Sprachbetrachtung
Redemittel werden ganzheitlich erfahren und erlebt. Von einer Vorgabe grammatikalischer Regeln
ist abzusehen.
Wortschatz
Die Unterrichtsarbeit hat sich an einem Grundwortschatz zu orientieren, der nach den Kriterien der
Themenbezogenheit, des leicht Erlernbaren sowie unter Berücksichtigung des für den Aufbau mündlicher
Kommunikationsfähigkeit notwendigen Zeitaufwandes festzulegen ist. Die Erweiterung des Wortschatzes
erfolgt im zweisprachigen Unterricht bzw. Kroatischunterricht.
Gehörschulung und Aussprache
Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der beiden Fertigkeiten Hörverstehen und
Sprechen sind die Schulung des Gehörs und die Pflege der Aussprache. Im Sinne einer intensiven
Ausspracheschulung ist auf die individuellen Schwierigkeiten einzugehen.
11. In Anlage 2 siebenter Teil wird im Abschnitt „Didaktische Grundsätze“ Unterabschnitt „Schreiben
(nur Grundstufe I)/Pisanje (samo prvi stupanj)“ dem bisherigen Text folgender Absatz samt Überschrift
angefügt
„Alphabetisierung
Ausgehend von den unterschiedlichen Vorkenntnissen der Kinder, dem soziokulturellen Umfeld der
Schule und dem Sprachmilieu in der Familie, kann die Alphabetisierung
– in der Sprache, in der die Kinder die besseren Voraussetzungen mitbringen,
– aber auch in beiden Sprachen, gleichzeitig oder zeitlich versetzt, erfolgen.“
12. In Anlage 2 siebenter Teil wird dem Abschnitt „Didaktische Grundsätze“ folgender Abschnitt samt
Überschrift angefügt
„Elementarer Spracherwerb
Elementarer Spracherwerb ist im Sinne eines differenzierten Kroatischunterrichtes eine Art
„Sprachlehrgang“ des Kroatischen, der integrativ zu führen ist und keine zusätzliche Unterrichtsveranstaltung
darstellt. Die Übungsformen sind nicht ausschließlich Aufgabe im Rahmen des
„Elementaren Spracherwerbs“, sondern vielmehr auf den gesamten zweisprachigen Unterricht auszudehnen.
Damit wird bereits von Anfang an Kroatisch als Zielsprache angestrebt und als Unterrichtssprache
verwendet.
Schülerzentrierte Arbeitsformen
Das Lehren einer weiteren Sprache wird nur dann erfolgreich vor sich gehen, wenn das
Unterrichtsgeschehen nicht ausschließlich vom Lehrer dominiert wird. Es ist darauf zu achten, daß auf
den vom Lehrer gesteuerten Aufbauunterricht schülerzentrierte Arbeitsformen folgen, um die Aktivität
der Schüler sicherzustellen und die Sprechzeit zu erhöhen. Folgende schülerzentrierte Arbeitsformen
bieten sich an
Die Schüler arbeiten zu zweit, in kleinen Gruppen, alle Schüler bewegen sich gleichzeitig im
Klassenzimmer, und jedes Kind führt mit verschiedenen Partnern einfache Gespräche. Schüler mit guten
kroatischen Sprachkenntnissen können als Helfer eingesetzt werden.
Medien
Die Beachtung des Prinzips der Anschaulichkeit ist für den Lehrplanabschnitt „Elementarer
Spracherwerb“ besonders wichtig.
Als Medien kommen in Betracht: Gegenstände, Tuchtafelbilder, Tafelskizzen, Folien, Wandbilder,
Wort- und Bildkarten, Kassetten, Spiele usw. Darüber hinaus spielt das Verknüpfen von Sprechen und
Handeln unter Einbeziehung von Gestik und Mimik eine wichtige Rolle. Die bereits erarbeiteten
kroatischen Bezeichnungen bzw. Aufschriften im Klassenraum sind zu verwenden.
Fehler
Die Korrektur von Fehlern beim Sprechen ist stets behutsam, aber konsequent durchzuführen, wobei
der Lehrer die Rolle eines Helfers einnimmt. Es ist jedoch entscheidend, daß die Schüler in
Transfersituationen spüren, daß sie auch frei agieren können, ohne daß Korrekturen durch den Lehrer
vorgenommen werden, soweit nicht die Kommunikation beeinträchtigt wird.
Wiederholung
Auf eine gezielte und ausreichende Wiederholung ist zu achten. Insbesondere muß darauf Bedacht
genommen werden, daß der bisher gelernte Sprachschatz verwendet bzw. erweitert wird (Transfer).
„Elementarer Spracherwerb“ ist Teil des täglichen Unterrichts, bis die Schüler befähigt sind, dem
Unterricht in Kroatisch zu folgen.
Hörverstehen
Der Schüler wird wesentlich mehr verstehen, als er sprachlich produzieren kann. Hörverstehen
entwickelt sich durch das Verstehen der Äußerungen des Lehrers und jener Schüler, die über gute
Kroatischkenntnisse verfügen. Es kann auch über Medien (Kassetten) geschult werden.
Sprechen
Die Sprechfertigkeit der Kinder wird anhand authentischer, altersgemäßer Minidialoge geschult,
wobei die Verwendung der gesprochenen Sprache zu beachten ist. Die Schüler reproduzieren und
variieren die Dialoge nach der Darbietung in Partnerarbeit.
Nicht das bloße auswendige Aufsagen von Minidialogen ist als Ziel anzustreben, sondern die
Anbahnung der spontanen Verwendung der kroatischen Sprache in den für den Unterricht charakteristischen
Situationen.
Es ist darauf zu achten, daß ein möglichst natürliches Sprechtempo eingehalten wird, das die Grundlage
für eine gute Aussprache, Wortbildung und Intonation bildet.
Aussprache
Die Schulung der Gehörs und die Pflege der Aussprache sind eine sehr wichtige Aufgabe des
„Elementaren Spracherwerbs“. Die Schüler sollen lernen, die für das Kroatische charakteristischen Laute
und Lautfolgen richtig zu hören und wiederzugeben.
Die unrichtige Artikulation von Phonemen kann zur Störung der Verständigung führen; insofern sind
sinnunterscheidende Laute bzw. Lautoppositionen besonders zu üben
– bei Vokalen – lang:kurz
– bei Konsonanten – stimmlos:stimmhaft, Lautunterscheidungen bei Palatallauten.
Zu beachten ist, daß die Schüler im Lehrplanteil „Elementarer Spracherwerb“ vor allem durch
Nachsprechen lernen sollen. Der Lehrer spricht im normalen Sprechtempo vor, die Schüler hören zu,
beobachten die Mundstellung des Lehrers und sprechen nach. Dem Lehrer kommt dabei besondere
Vorbildwirkung zu. Eine gute Möglichkeit, Ausspracheschulung attraktiv zu gestalten, ergibt sich durch
die Verwendung von kurzen Reimen, die eine größere Anzahl der zu übenden Laute enthalten. Auch das
Zusammenstellen von Reimpaaren oder das Erfinden von Klangbildern bereitet den Schülern viel Spaß.
Ergänzend dazu sind Rollenspiele (zB mit Handpuppen) zur Schulung der Sprachmelodie (Fragen,
Verwunderung, Begeisterung usw.) nützlich; gleichzeitig werden die Schüler dadurch auf Kommunikationssituationen
vorbereitet.
Lesen und Schreiben
Der Lese- und Schreibunterricht bleibt dem jeweiligen Unterrichtsgegenstand vorbehalten. Dabei
erworbene Kenntnisse können im „Elementaren Spracherwerb“ genutzt und gefestigt werden.
Wortschatz
Der Wortschatz soll kontextuell (im Wortfeld, im sinnvollen Satz) dargeboten und geübt werden.
Realia, Bildmaterial, Gestik und Mimik usw. unterstützen die Bedeutungsvermittlung.
Das Qualitative hat generell Vorrang vor dem Quantitativen. Es kommt nicht darauf an, möglichst
viele Wörter zu vermitteln, sondern einen kleinen, sorgfältig ausgewählten Wortschatz zu erarbeiten, zu
üben und im Unterricht vielfältig anzuwenden.
Übungsformen
Dem Spielerischen und Musischen kommt auch im „Elementaren Spracherwerb“ besondere Bedeutung
zu. Reime, Lieder und Lernspiele sind äußerst wirkungsvolle Motivationsträger. Die aus dem
zweisprachigen Unterricht bekannten Übungsformen sollen auch hier Anwendung finden.
Das Erleben der Sprache in Verbindung mit spielerischer Tätigkeit vermittelt den Kindern ein
Erfolgsgefühl und fördert die Bereitschaft zu weiterem Spracherwerb.
Werden Äußerungsmuster nicht mit Hilfe von Spielen erarbeitet, bieten sich im „Elementaren
Spracherwerb“ Reihenübungen sowie Frage- und Antwortketten an. Die Übungen sind dem sprachlichen
Niveau der Schüler anzupassen.“
13. In Anlage 3 [Lehrplan der Volksschulen (Volksschulklassen) mit ungarischer oder mit ungarischer
und deutscher Unterrichtssprache] lautet der siebente Teil samt Überschrift
„SIEBENTER TEIL
BILDUNGS- UND LEHRAUFGABEN SOWIE LEHRSTOFF UND DIDAKTISCHE
GRUNDSÄTZE DER PFLICHTGEGENSTÄNDE DER GRUNDSCHULE
Für den Sachunterricht, Deutsch, Lesen, Mathematik, Musikerziehung, Bildnerische Erziehung,
Schreiben, Werkerziehung und Leibesübungen gelten die Bestimmungen des jeweiligen Lehrplanes der
Volksschule, siebenter Teil, mit der Maßgabe, daß der Unterricht (ausgenommen in Deutsch, Lesen und
Schreiben) den Vorkenntnissen der Kinder entsprechend nach Möglichkeit in annähernd gleichem
Ausmaß in ungarischer und deutscher Sprache zu erteilen ist.
Ungarisch, Lesen, Schreiben/Ungarisch, Lesen
Bildungs- und Lehraufgabe
Der Ungarischunterricht hat die Aufgabe, die Schüler – unter Berücksichtigung der individuellen
Lernvoraussetzungen – in ihrer Bereitschaft und Fähigkeit zu zwischenmenschlicher Verständigung im
mündlichen und schriftlichen Bereich durch Lernen mit der ungarischen und über die ungarische Sprache
zu fördern.
Im einzelnen geht es darum,
– die individuelle Sprache des Kindes zur Standardsprache zu erweitern; auch bei Schülern mit
unterschiedlichen Sprachkenntnissen ist von Anfang an Zweisprachigkeit zu ermöglichen;
– den richtigen Sprachgebrauch im mündlichen und schriftlichen Bereich zu üben und zu festigen;
– zum Lesen und zur Auseinandersetzung mit dem Gelesenen anzuregen;
– einen kreativen Sprachgebrauch zu ermöglichen und zu fördern;
– einige Grundeinsichten in Funktion und Struktur der ungarischen Sprache gewinnen zu lassen;
– auf die Schönheit der ungarischen Sprache und den Wert der Zweisprachigkeit hinzuweisen;
– einfache Arbeits- und Lerntechniken zu vermitteln, die in zunehmendem Maße zu selbständigem
Bildungserwerb befähigen.
Der Unterrichtsgegenstand Ungarisch, Lesen, Schreiben/Ungarisch, Lesen gliedert sich in folgende
Teilbereiche
– Sprechen/Beszédgyakorlat
– Lesen/Olvasás
– Schreiben (nur Grundstufe I)/Írás
– Verfassen von Texten/Fogalmazás
– Rechtschreiben/Helyesírás
– Sprachbetrachtung/Szövegelemzés
Diese Aufgliederung in Teilbereiche verdeutlicht Sachstrukturen und die stoffliche Linienführung
des Lehrplans, soll aber keinesfalls einer sinnvollen Vernetzung von Lernbereichen entgegenstehen und
ermöglicht daher dem Lehrer einen kindgemäßen und sachgerechten Unterricht. Gleiches gilt für den die
Grundleistungen der Kinder sichernden Lehrplanteil „Elementarer Spracherwerb“, der ebenfalls in die
oben angeführten Teilbereiche zu integrieren ist.
Sprechen/Beszédgyakorlat
Sprechen ist einer der wichtigsten Teilbereiche des Ungarischunterrichts, gliedert sich in fünf
Aufgabenfelder und umfaßt grundlegende und langfristige Ziele. Wesentliche Aufgabe des Teilbereiches
Sprechen ist es, die Bereitschaft und Fähigkeit der Schüler zur mündlichen Kommunikation allmählich zu
erhöhen und sie zu einem möglichst sicheren Gebrauch der Standardsprache zu führen.
Lesen/Olvasás
Der Leseunterricht auf der Grundstufe I hat die Aufgabe, den Schülern grundlegende
Lesefertigkeiten zu vermitteln und damit die Begegnung und Auseinandersetzung mit Texten zu
ermöglichen. Zunehmend erfahren die Schüler das Lesen als einen bedeutenden Zugang zur Kultur der
Ungarn im Burgenland und der gesamten ungarischen Kultur, insbesondere als ein wesentliches Mittel zur
Informationsgewinnung und zur Unterhaltung.
Im Leseunterricht auf der Grundstufe II sollen die Schüler erfahren, daß sie durch Lesen und durch
die Auseinandersetzung mit dem Gelesenen über ihre realen Lebenserfahrungen hinaus das Verständnis
für sich selbst und für andere vertiefen sowie sich und andere informieren und unterhalten können.
Die vielfältige Begegnung und Auseinandersetzung mit Texten verschiedenster Art dient der
Anbahnung der Lesemündigkeit. In diesem Zusammenhang ist auch die Lesefertigkeit der Schüler zu
erweitern und zu festigen.
Schreiben (nur Grundstufe I)/Írás
Aufgabe des Schreibunterrichts ist es, die Schüler zum Gebrauch grundlegender konventioneller
grafischer Zeichensysteme anzuleiten. Dabei sollen sie erfahren, daß Schreiben eine Form der
Kommunikation und Dokumentation ist. Im besonderen soll der Schreibunterricht zur sicheren
Beherrschung des ungarischen Schriftsystems führen.
Verfassen von Texten/Fogalmazás
Im Teilbereich Verfassen von Texten sollen sich die Schüler auf der Grundlage ihrer Mitteilungsbereitschaft
und der erworbenen Fähigkeiten im Sprechen, Schreiben und Rechtschreiben zunehmend
selbständig schriftlich äußern, und zwar sowohl ichbezogen, zB über Erlebnisse, Beobachtungen, als auch
partnerbezogen, zB Wünsche, Fragen; auf der Grundstufe II auch sachbezogen.
Rechtschreiben/Helyesírás
Aufgabe des Rechtschreibunterrichts ist es, die Schüler zu normgerechtem Schreiben zu motivieren,
grundlegende Rechtschreibkenntnisse zu vermitteln und in der Folge ihr Rechtschreibkönnen kontinuierlich
zu erweitern, sie zum Erkennen und Anwenden einfacher Regeln zu führen und ihnen eine möglichst
geläufige Nachschlagetechnik zu vermitteln.
Sprachbetrachtung/Szövegelemzés
Aufgabe der Sprachbetrachtung ist es, allmählich wachsende Einsichten in Funktion und Struktur der
ungarischen Sprache zu vermitteln und zunehmend begrifflich zu sichern.
Lehrstoff
Grundstufe I (1. und 2. Schulstufe)
Sprechen/Beszédgyakorlat
Als Schwerpunkte innerhalb der einzelnen Aufgabenfelder bis zum Ende der 2. Schulstufe gelten
beim Erzählen, Mitteilen, Zuhören
– beim Erzählen und Mitteilen anderer bewußt zuhören und sich zu Gehörtem äußern können;
beim situationsbezogenen Sprechen
– in verschiedenartigen Situationen sprachlich angemessen handeln;
beim Gespräch
– sich in verschiedenen Gesprächsformen beim Sprechen, Hören und Verstehen einander zuwenden;
– einsehen, daß Miteinander-Sprechen geregelt werden muß und daher einfache Gesprächsregeln
vereinbaren und beachten;
– in der Schule erworbene Sprechformen und sprachliche Mittel allmählich auch im Gespräch anwenden;
bei der Sprachübung (Erweiterung der Sprachfähigkeit)
– den Wortschatz auf verschiedenen Ebenen (Wortbedeutung, Wortfeld, Wortfamilie, Oberbegriffe usw.)
erweitern;
– über häufig gebrauchte Satzmuster verfügen und allmählich zur Standardsprache hingeführt werden;
bei der Sprechübung (Deutliches Sprechen)
– Laute richtig bilden sowie Wörter und Texte gut artikulieren können;
– ausdrucksvoll sprechen können.
Erzählen, Mitteilen, Zuhören
Lesen/Olvasás
Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, daß die Schüler bis zum Ende der 2. Schulstufe
– eine möglichst anhaltende Lesemotivation entwickelt haben;
– in der Lage sind, altersgemäße Texte geläufig zu lesen;
– den Sinn dieser Texte erfassen können;
– sich mit Texten in einfacher Weise auseinandersetzen können.
Erstlesen (Grundleistungen)
Den nachfolgend genannten Grundleistungen kommt als Voraussetzung für den Erstleseunterricht im
engeren Sinn besondere Bedeutung zu (siehe dazu auch diesbezügliche didaktische Grundsätze).
Erstleseunterricht (Lehrgang)
Unabhängig von der gewählten Methode und Ausgangsschrift umfaßt der Erstleseunterricht im
eigentlichen Sinn der Grundstufe I mehrere Teilschritte, wobei ihre Reihenfolge keine bindende
methodische Abfolge ausdrückt.
Weiterführendes Lesen
Schreiben/Írás
Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, daß die Schüler bis zum Ende der 2. Schulstufe
– Buchstaben, Ziffern und Zeichen in einer der österreichischen Schulschrift angenäherten Form aus der
Vorstellung schreiben können (dies schließt nicht aus, daß die Schüler mit dem Schreiben der
Druckschrift vertraut gemacht werden);
– kurze Texte gut lesbar schreiben können;
– Ansätze zu einer geläufigen Schrift erkennen lassen.
Darüber hinaus orientiert sich der Schreibunterricht am Lehrstoff des Lehrplans der Volksschule,
siebenter Teil.
Verfassen von Texten/Fogalmazás
Als Schwerpunkte der einzelnen Aufgabenfelder können bis zum Ende der 2. Schulstufe angesehen
werden
– Freude am Verfassen von Texten entwickeln;
– sich je nach Situation verschiedener Textsorten bedienen (Mitteilungen, Notizen, Fragen, Antworten,
…);
– eigene Erlebnisse, Beobachtungen und ähnliches in kurzen Sätzen aufschreiben;
– über Personen, Tiere, Gegenstände, Handlungsabläufe und Sachverhalte schreiben.
Rechtschreiben/Helyesírás
Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, daß die Schüler bis zum Ende der 2. Schulstufe
– einen begrenzten Wortschatz gründlich geübt haben und möglichst sicher beherrschen;
– sich einiger Strategien bedienen können, um zu normgerechtem Schreiben zu gelangen;
– einige grundlegende Kenntnisse der Großschreibung, der Interpunktion und der Trennung erworben
haben.
Sprachbetrachtung/Szövegelemzés
Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, daß die Schüler bis zum Ende der 2. Schulstufe
– Interesse am bewußten Umgang mit Sprache entwickeln.
Grundstufe II (3. und 4. Schulstufe)
Sprechen/Beszédgyakorlat
Als Schwerpunkte innerhalb der einzelnen Aufgabenfelder bis zum Ende der 4. Schulstufe gelten
Erzählen, Informieren, Zuhören
– sprachliche Ausdrucksformen allmählich bewußt einsetzen;
– durch aufmerksames Zuhören Sachverhalte, Gedanken und die Lage anderer erfassen;
Situationsbezogenes Sprechen
– verschiedenartige Situationen einschätzen und sprachlich angemessen bewältigen;
Gespräch
– relativ selbständig partner-, sach- und problembezogene Gespräche in verschiedenen Formen führen;
– Gesprächsregeln formulieren, begründen, beachten;
– im Sinne des „sozialen Lernens“ und des Unterrichtsprinzips des „interkulturellen Lernens“ beachten,
daß man in der Regel in der Sprache antwortet, in der man angesprochen wird;
– einfache Gesprächstechniken kennen und situationsgerecht anwenden;
– in der Schule erworbene Sprech- und Sprachformen im Gespräch anwenden;
Sprachübung (Erweiterung der Sprachfähigkeit)
– einen grundlegenden Wortschatz inhaltlich erschlossen und begrifflich verfügbar haben;
– zunehmende Sicherheit im Gebrauch der Standardsprache erlangt haben;
Sprechübung (Deutliches Sprechen)
– Sicherheit im ausdrucksvollen und lautrichtigen Sprechen gewinnen.
Erzählen, Informieren, Zuhören
Lesen/Olvasás
Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, daß die Schüler bis zum Ende der 4. Schulstufe
– ihr Lesen zunehmend an persönlichen Interessen orientieren;
– altersgemäße Texte selbständig lesen und inhaltlich erschließen können;
– durch die Auseinandersetzung mit Texten deren Absichten, Wirkungen und dergleichen erkennen
können;
– vorbereitete Texte sinngestaltend vorlesen können.
Verfassen von Texten/Fogalmazás
Als Schwerpunkte bis zum Ende der 4. Schulstufe gelten
– eine anhaltende Freude am Verfassen von Texten entwickeln;
– eigene Erlebnisse, Beobachtungen, Dialoge, Erfundenes und ähnliches aufschreiben;
– Mitteilungen, Aufforderungen, Wünsche, Hinweise, Anleitungen, Aufträge und ähnliches aufschreiben;
– über Personen, Tiere, Gegenstände, Handlungsabläufe und Sachverhalte in ganzen Sätzen und in
Stichwörtern schreiben;
– Einzelbilder und Bildfolgen schriftlich versprachlichen sowie Texte ergänzen und verändern;
– Briefe, Grußkarten und ähnliches zu verschiedenen Anlässen schreiben;
– Gelesenes, Gehörtes, Gesehenes, Gefühltes und Gedachtes in eigenen Worten (ganze Sätze oder
Stichworte) schriftlich wiedergeben.
Begleitende Übungen zum Verfassen von Texten
Rechtschreiben/Helyesírás
Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, daß die Schüler bis zum Ende der 4. Schulstufe
– einen allgemein gebrauchten, aber begrenzten Schreibwortschatz gründlich geübt haben und möglichst
sicher beherrschen;
– einige grundlegende Phänomene und Probleme der Rechtschreibung kennen, zB die Fälle der
Großschreibung, der Interpunktion sowie der Bezeichnung von Vokallänge und Vokalkürze;
– sich aus dem gesicherten Schreibwortschatz die Schreibung anderer Wortformen bzw. anderer Wörter
erschließen und Regelmäßigkeiten bewußtmachen; daraus erarbeitete einfache Regeln formulieren und
anwenden.
Sprachbetrachtung/Szövegelemzés
Bei der Unterrichtsarbeit ist anzustreben, daß die Schüler bis zum Ende der 4. Schulstufe
– Wortarten unterscheiden und auch mit der ungarischen Fachbezeichnung benennen können;
– erste Einsichten in Wortbildung und Wortbedeutung gewinnen.
Ersten Einblick in Funktion und Bau von Sätzen
gewinnen
3. Schulstufe
Die wichtigsten Wortarten kennen
Einblick in Wortbildung und Wortbedeutung
Elementarer Spracherwerb
Für jene Schüler, die mit geringen Kenntnissen der ungarischen Sprache in die Volksschule mit
ungarischer bzw. ungarischer und deutscher Unterrichtssprache eintreten, sind zunächst folgende Grundleistungen
zu sichern.
Im Sinne des elementaren Spracherwerbs sind
– die Schüler zu befähigen, möglichst bald dem Unterricht folgen zu können,
– die Kommunikationsfähigkeit anzubahnen und
– die Motivation zur Beschäftigung mit der ungarischen Sprache grundzulegen und zu vertiefen.
Diese Zielsetzungen stehen in engem Zusammenhang und beeinflussen einander. Der Lehrplanteil
„Elementarer Spracherwerb“ soll – unterstützend – die Begegnung mit der ungarischen Sprache in einer
lustbetonten und zwanglosen Atmosphäre herbeiführen, die Freude der Kinder am Erlernen der
ungarischen Sprache wecken und somit im allgemeinen eine positive Haltung gegenüber der ungarischen
Sprache aufbauen.
Sprachliche Kommunikation muß als konkrete Tätigkeit anhand von Themen, Situationen und
Aktivitäten (Lieder, Rätsel, Reime, Spiele …) erfahren werden, die auf die unmittelbaren Interessen des
Kindes Bezug nehmen. Denn für das Kind ist es unnatürlich und schwierig, Sprache von ihrem
Verwendungszweck zu trennen.
Die Schüler sollen in ihrer Bereitschaft und Fähigkeit zur zwischenmenschlichen Verständigung im
mündlichen (und schriftlichen) Bereich gefördert werden.
Da der Erwerb einer weiteren Sprache ein den Menschen in seiner Gesamtheit bewegender Prozeß ist
und Kommunikation immer soziales Verhalten einschließt, ist das bewußt geplante Lernen von
kooperativen Verhaltensweisen unabdingbar. Darüber hinaus soll eine offene, aufgeschlossene Haltung
der Volksgruppe und ihrer Kultur gegenüber angestrebt werden.
ZIELE IM BEREICH DER FERTIGKEITEN
Elementarer Spracherwerb soll den Aufbau von Hörverstehen und mündlicher Kommunikationsfähigkeit
zum Schwerpunkt haben. Leseverstehen und Schreiben als eigenständige Fertigkeiten sind im
jeweiligen Unterrichtsgegenstand zu vermitteln. Das Schriftbild kann jedoch lernunterstützend eingesetzt
werden, sobald das Klangbild abgesichert ist.
Durch Ausnützen natürlicher Kommunikationssituationen in der Klasse sollen die Schüler lernen,
sprachlich zu handeln und die Unterrichtsarbeit mitzugestalten (zB Vorschläge machen, Wünsche
vorbringen, Nichtverstehen äußern, um Wiederholung bitten usw.).
Weiters sollen die Schüler auf Alltagssituationen vorbereitet werden, die sich aus den Unterrichtsthemen
ergeben. Das Rollenspiel wird dabei besondere Bedeutung haben und die Kinder zum Gebrauch
der ungarischen Sprache in Alltagssituationen ermutigen.
Hörverstehen
Die Schüler sollen möglichst bald in der Lage sein,
– die Anweisungen und Anleitungen des Lehrers zu verstehen,
– einfache Äußerungen im Rahmen der erarbeiteten Gesprächsstoffe zu erfassen sowie
– einfache Hörtexte über Medien zu erfassen, sofern sie an Bekanntes anschließen.
Sprechfertigkeit
Die Schüler sollen möglichst bald in der Lage sein, spontan und in einfachster Form
– Kontakte mit Lehrern und Mitschülern aufzunehmen, Informationen zu geben und einzuholen, Gefühle
und Wünsche zum Ausdruck zu bringen,
– einfache Gespräche zu führen sowie
– am Unterricht aktiv teilzunehmen.
LEHRSTOFF
Ausgehend von Unterrichtssituationen und einfachen Alltagssituationen, die sich aus den
verschiedenen Themen ergeben, soll der Schüler lernen, sprachliche Äußerungen anderer zu verstehen,
und ermutigt werden, eigene Sprechabsichten mit einfachsten Mitteln zu verwirklichen.
Hörverstehen und Sprechfertigkeit müssen sich vorerst am Unterrichtsgeschehen orientieren
(Anweisungen, Anleitungen, Fragen zum Unterricht usw.). In weiterer Folge können sie im Rahmen der
im Lehrplan vorgesehenen Erfahrungs- und Lernbereiche realisiert werden: Unterricht, Klassenzimmer,
Schulsachen; Familie und Freunde, Alltag zu Hause, Feste; Einkaufen; Arbeit und Freizeit; Essen und
Trinken; Kleidung; Zeit; Wetter; Reisen; Tiere uä.
Mündliches Sprachhandeln
Sprachbetrachtung
Redemittel werden ganzheitlich erfahren und erlebt. Von einer Vorgabe grammatikalischer Regeln
ist abzusehen.
Wortschatz
Die Unterrichtsarbeit hat sich an einem Grundwortschatz zu orientieren, der nach den Kriterien der
Themenbezogenheit, des leicht Erlernbaren sowie unter Berücksichtigung des für den Aufbau mündlicher
Kommunikationsfähigkeit notwendigen Zeitaufwandes festzulegen ist. Die Erweiterung des Wortschatzes
erfolgt im zweisprachigen Unterricht bzw. Ungarischunterricht.
Gehörschulung und Aussprache
Eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der beiden Fertigkeiten Hörverstehen und
Sprechen sind die Schulung des Gehörs und die Pflege der Aussprache. Im Sinne einer intensiven
Ausspracheschulung ist auf die individuellen Schwierigkeiten einzugehen.
Vor- und Nachsprechen Mit Berücksichtigung der für das Ungarische
charakteristischen Laute
DIDAKTISCHE GRUNDSÄTZE
Die Unterrichtssituation im Unterrichtsgegenstand „Ungarisch, Lesen, Schreiben“ bzw. „Ungarisch,
Lesen“ wird in der Regel dadurch gekennzeichnet sein, daß die Kinder über äußerst heterogene Sprachkenntnisse
verfügen.
Im Unterricht sollen Situationen geschaffen werden, in denen die Kinder die ungarische Sprache
allmählich auch aktiv gebrauchen können. Es sind daher didaktische Verfahren zu bevorzugen, die den
Kindern ausreichend Gelegenheit zur Begegnung mit der ungarischen Sprache geben.
Der Ungarischunterricht leistet einen wesentlichen Beitrag zur persönlichen Entwicklung des Kindes,
wenn es durch didaktische Maßnahmen gelingt, sowohl die Rezeptivität der Kinder als auch ihre
Ausdrucksfähigkeit zu fördern und zu steigern. Dazu ist es notwendig, eine Atmosphäre zu schaffen, die
von einer breiten Akzeptanz geprägt ist (zB mit der einkalkulierten Möglichkeit, Fehler machen zu dürfen
und aus Irrtümern zu lernen).
Diese Überlegungen beziehen sich zunächst auf den Unterrichtsgegenstand „Ungarisch, Lesen,
Schreiben“ bzw. „Ungarisch, Lesen“, gelten aber auch für jene Unterrichtsgegenstände, die an Schulen
bzw. in Klassen mit Deutsch und Ungarisch als Unterrichtssprachen zweisprachig unterrichtet werden. Sie
umfassen außerdem Teilbereiche und Teilfähigkeiten im Sprachbereich.
Sprechen/Beszédgyakorlat
Ausgangspunkt für sprachliches Lernen sowie für eine gezielte Förderung der kindlichen
Sprachentwicklung in der Grundschule sind die individuellen sprachlichen Vorerfahrungen der Kinder.
Schulanfänger weisen in bezug auf Sprechen sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen auf. Um
sprachliche Hemmungen zu vermeiden bzw. abzubauen, soll das Hinführen zu den Formen der
Standardsprache behutsam und keinesfalls unter Leistungsdruck erfolgen.
Vielfältige Anregungen zum Sprechen sowie eine einfühlsame Anleitung zum richtigen
Sprachgebrauch werden die Sprechfähigkeit der Kinder erweitern. Durch Sprechübungen soll die
Artikulation und Intonation der Kinder geübt und verbessert werden. Dabei ist allerdings strikt darauf zu
achten, daß solche Übungen nicht ausschließlich linguistische Ziele verfolgen, sondern auf
kommunikative Ziele hin orientiert werden.
Gespräch
Als Hochform des Sprechens stellt das Gespräch hohe Anforderungen an alle Teilnehmer. Es setzt
daher die Schaffung eines entsprechenden Gesprächsklimas voraus. Dies erfolgt einerseits durch die
äußeren Bedingungen, unter denen das Gespräch stattfindet, wie etwa Gestaltung des Klassenraumes
(Sitzordnung, Gruppenbildung, Beleuchtung usw.) oder den Einsatz von Medien (zB: Musik, Dias,
Overheadfolien, Bilder und ähnliches mehr). Andererseits ist die Schaffung eines entsprechenden
Gesprächsklimas eine wesentliche Voraussetzung. Dazu zählen unter anderem: grundsätzliches
Akzeptieren und Ermutigen von Äußerungen der Schüler, auch wenn diese von der Sprachnorm
abweichen, Maßnahmen zur ausgewogenen Gesprächsbeteiligung aller Kinder, aktives Zuhören des
Lehrers und Verringerung seines Sprechanteils zugunsten der Kinder.
Sprachübung (Erweiterung der Sprachfähigkeit)
Sprachübung gründet auf dem Sprachkönnen, das der Schüler in seiner Familie und seiner
sprachlichen Umwelt erworben hat. Wesentlich ist, daß sich das Hinführen zur Hochsprache ohne Bruch
vollzieht. Für die Erweiterung der kindlichen Sprachfähigkeit ist es wichtig, daß Gesprächsthemen aus der
Erfahrungswelt und dem Interessenbereich der Kinder entnommen werden. Jede Abwertung der
Herkunftssprache der Kinder ist dabei zu vermeiden. Für die Entwicklung ihrer Sprachfähigkeit brauchen
die meisten Schüler gezielte Sprachübung, jedoch sollten mechanisierende Übungsformen möglichst
vermieden werden.
Diesen Faktoren hat der Lehrplanabschnitt „Elementarer Spracherwerb“ insofern gerecht zu werden,
als er differenzierte Lernangebote im kommunikativen Bereich vorsieht und in allen sprachlichen
Lernsituationen das Vertrauen des Kindes in seine eigene Sprechfähigkeit weckt und stärkt.
Dabei sollen folgende Aspekte berücksichtigt werden
– Authentische Materialien sind bevorzugt zu verwenden, da sie von der Lebenssituation des Kindes
ausgehen und neben Sprache auch Träger kultureller und landeskundlicher Inhalte sind.
– Das entdeckende Lernen ist besonders zu fördern, insbesondere dann, wenn es um die Erweiterung des
Ausdrucksvermögens und des Wortschatzes geht.
– Fehler entsprechen den Etappen des Lernprozesses und sollen daher keinesfalls so kritisiert und
ausgebessert werden, daß sie sich negativ auf die Lernmotivation des Kindes auswirken.
– Die Kinder sollen im Unterricht Sprachsituationen vorfinden, die auch außerhalb der Schule auftreten.
Grundlegende Bedeutung kommt auch der Lehrersprache zu. Beim Sprechen wird der Lehrer
beachten, daß seine Sprechmuster einerseits die kindliche Sprachentwicklung anregen, andererseits aber
die sprachlichen Äußerungen des Lehrers von den Kindern verstanden werden müssen.
Lesen/Olvasás
Erstlesen
Schulanfänger weisen in bezug auf den Teilbereich Lesen sehr unterschiedliche Lernvoraussetzungen
auf. Diesen hat der Leseunterricht durch differenzierte Lernangebote gerecht zu werden.
Jedenfalls ist dem Erwerb der für das Lesenlernen im engeren Sinn erforderlichen Grundleistungen durch
jeden einzelnen Schüler besondere Beachtung zu schenken, dh. erst wenn der einzelne Schüler
(Schülergruppe) die für das Lesenlernen erforderlichen Voraussetzungen erreicht hat, ist mit dem
Erstleseunterricht (Leselehrgang) zu beginnen. Erstleseunterricht hat sowohl den Erwerb dieser
Grundlagen als auch das Lesenlernen im engeren Sinn in geeigneten Lernsituationen und durch
entsprechende Lernmittel zu ermöglichen. Dem Kind ist ausreichend Lernzeit zur Verfügung zu stellen
und dem Selbstentdecken genügend Raum zu geben.
Übungen zur Steigerung der Lesefähigkeit und Lesefertigkeit sollen abwechslungsreich sein und so
lebendig wie möglich in den Unterricht eingebaut werden. Lesevergnügen und Sinnerfassung sollen den
Unterricht von Anfang an leiten, wobei auch ganzheitliches („naives“, „erratendes“) Lesen zum Tragen
kommt (zB Lesen von Kinderreimen, die die Kinder auswendig können; Namenskärtchen der Kinder,
Aufschriften, Plakate, Ge- und Verbotstafeln).
Weiterführendes Lesen
Der Übergang vom Erstleseunterricht zum weiterführenden Lesen wird – abhängig vom
individuellen Leselerntempo – für die einzelnen Kinder zu verschiedenen Zeitpunkten erfolgen. Deshalb
werden einerseits die Übungen zur Steigerung der Lesefertigkeit bis zum Ende der Grundstufe I und
darüber hinaus durchgeführt und andererseits die Begegnung und Auseinandersetzung mit Texten für
einzelne Kinder schon frühzeitig ermöglicht.
Im Leseunterricht auf der Grundstufe II sollen die Schüler zunehmend erfahren, daß sie durch Lesen
und durch die Auseinandersetzung mit dem Gelesenen über ihre realen Lebenserfahrungen hinaus das
Verständnis für sich selbst und andere vertiefen, sowie sich und andere informieren und unterhalten
können.
Die vielfältige Begegnung und Auseinandersetzung mit Texten verschiedener Art dient der
Anbahnung der Lesemündigkeit. In diesem Zusammenhang ist auch die Lesefertigkeit der Schüler zu
erweitern und zu festigen.
Schreiben (nur Grundstufe I)/Írás
In der Regel hat das Kind bereits vor seinem Schuleintritt Erfahrungen im Umgang mit Schreibmaterial
gesammelt. Es darf aber nicht übersehen werden, daß die Schreibmuskulatur, der Stützapparat
der Schreibhand, die Bewegungssteuerung und die Koordinationsfähigkeit des Schulanfängers für den
Schreibunterricht nicht voll entwickelt sind und daß der jeweils erreichte Entwicklungsstand dieser
Bereiche innerhalb einer Schulklasse oft erhebliche Unterschiede aufweist.
Daraus ergibt sich für den Erstschreibunterricht die Notwendigkeit einer gründlichen Vorschulung
und Differenzierung. Durch sie soll der Schüler auf den eigentlichen Schreibvorgang sowie auf das
Erfassen der Funktion der Schrift vorbereitet werden. Kinder mit ausgeprägter Linkshändigkeit dürfen
nicht gezwungen werden, mit der rechten Hand zu schreiben. In Grenzfällen kann jedoch der Lehrer das
Schreiben mit der rechten Hand behutsam anregen.
Aufbauend auf die Vorkenntnisse der Kinder sind die ungarischen Schriftzeichen, die von der
deutschen Schreibweise abweichen (zB: Á, á, É, é, Í, í, Ó, ó, Ë Gy, gy, Ny, ny, Ty, ty usw.) besonders
zu üben.
Alphabetisierung
Ausgehend von den unterschiedlichen Vorkenntnissen der Kinder, dem soziokulturellen Umfeld der
Schule und dem Sprachmilieu in der Familie, kann die Alphabetisierung
– in der Sprache, in der die Kinder die besseren Voraussetzungen mitbringen,
– aber auch in beiden Sprachen, gleichzeitig oder zeitlich versetzt, erfolgen.
Verfassen von Texten/Fogalmazás
Dieser Lernbereich geht von der Mitteilungsbereitschaft des Kindes und dessen Bedürfnis aus, etwas
schriftlich festzuhalten.
Hier wirken verschiedentliche Teilleistungen unmittelbar ineinander, und zwar vor allem das
Sprechen, das Schreiben und das Rechtschreiben. Das Verfassen von Texten stellt daher sehr hohe
Ansprüche an das Kind.
Grundsätzlich wird zunächst vom Wortschatz des Kindes und seiner Ausdrucks- und
Kommunikationsfähigkeit auszugehen sein. Da auch die Ausgangslage und der Lernverlauf der Schüler in
diesem Teilbereich individuell sehr unterschiedlich sind, müssen die Anforderungen an Umfang und
Selbständigkeit der Niederschriften und die Fördermaßnahmen im Unterricht entsprechend den
Sprachkenntnissen differenziert werden.
Die Texte der Schüler dürfen auf der Grundstufe I keinesfalls hinsichtlich ihrer rechtschreibmäßigen
Mängel eingeschätzt bzw. beurteilt werden. Jede schriftliche Arbeit muß so organisiert werden, daß die
Schüler während der Niederschrift, jedenfalls aber vor der Abgabe im Zweifelsfall lexikalische Lösungswege
einschlagen können. Auf der Grundstufe I können die Schüler auch zB dem Lehrer ihre eigenen
Geschichten ansagen.
Auf unsichere Schreibungen und häufige Rechtschreibfehler wird im Rechtschreibunterricht
einzugehen sein.
Der Lehrer hat geeignete Schreibgelegenheiten zu schaffen bzw. aufzugreifen. Hier kommen sowohl
ichbezogene Texte (Erlebnisse, Beobachtungen, …) als auch partnerbezogene Texte (Mitteilungen,
Fragen, Wünsche, …) in Betracht.
Auch auf der Grundstufe II bildet die Mitteilungsbereitschaft des Kindes eine wesentliche Grundlage
für das Verfassen von Texten. Es wird ebenfalls vom Wortschatz des Kindes und seiner Ausdrucks- und
Kommunikationsfähigkeit auszugehen sein und die Teilleistungen in den Bereichen Sprechen, Schreiben
und Rechtschreiben zu berücksichtigen sein. Deshalb sind sowohl das eigentliche Verfassen von Texten
wie dessen begleitende Übungen entsprechend den individuellen Lernerfordernissen zu differenzieren.
Entsprechend der Steigerung ihrer Fähigkeiten im Sprechen, Schreiben und Rechtschreiben sollen
sich die Schüler in kontinuierlicher Fortführung der Arbeit auf der Grundstufe I selbständig immer
angemessener ich-, partner- und sachbezogen schriftlich äußern.
Rechtschreiben/Helyesírás
Das Erlernen der Rechtschreibung ist ein komplexer Vorgang, der in engem Zusammenhang mit
anderen Teilbereichen des Ungarischunterrichts steht.
Diese Teilbereiche wären
– Sprechen: Bevor sich die Kinder die normgerechte Schreibung eines Wortes einprägen können, müssen
sie seine Bedeutung verstehen.
– Erstlesen: Um Wörter normgerecht schreiben zu können, müssen Lautbestandteile und deren Abfolge
wahrgenommen werden.
– Schreiben, Lesen: Außerdem müssen Lauten Schriftzeichen und Schriftzeichen Laute zugeordnet
werden.
Im Rechtschreibunterricht wird bereits auf der Grundstufe I großer Wert auf Üben und sicheres
Beherrschen eines begrenzten Schreibwortschatzes gelegt, das heißt, daß eine oberflächliche Aneignung
möglichst vieler Wörter zu vermeiden ist. Dieser begrenzte Schreibwortschatz ergibt sich unter anderem
aus dem aktiven und passiven Wortschatz der Kinder, aus Themen, die im Bereich ”Verfassen von
Texten” bearbeitet werden und aus häufig in der ungarischen Sprache benutzten Wörtern.
Wörter sollen in den verschiedenen Zusammensetzungen, in unterschiedlichen Textvarianten und in
vielseitigen Lernsituationen geübt werden. Für den Lernprozeß sind folgende Komponenten wesentlich
– das Verstehen der Wortbedeutung,
– das bewußte Wahrnehmen des Lautbestandes,
– das Einprägen der normgerechten Schreibung und
– das gründliche Einüben des Bewegungsablaufes.
Bloß eindimensionale Vermittlungsweisen können demnach diese Aufgabe nicht lösen.
Durch Zusammenstellung gleichartiger Formen können bestimmte Einzelphänomene der
Rechtschreibung bewußtgemacht werden. Die Vermittlung der Interpunktion ist in engem Zusammenhang
mit der Sprachbetrachtung zu sehen.
Auf der Grundstufe II soll die gründliche Vermittlung eines begrenzten Schreibwortschatzes
fortgesetzt werden. Durch vielseitige methodische Maßnahmen wird sich auf der Grundlage dieses
Wortschatzes die Rechtschreibfähigkeit der Schüler erweitern.
Das wiederholte Zusammenstellen gleichartiger Formen soll zu ersten Bildungen von Regeln führen,
die von den Schülern auch angewendet werden.
Die Vermittlung einer möglichst geläufigen Nachschlagetechnik führt in der Regel dazu, daß sich die
Schüler an den Gebrauch des Wörterbuches als verläßliche Hilfe bei ihren Rechtschreibproblemen
schneller und leichter gewöhnen.
Die Verwendung eines Wörterbuches ist auch bei den Schularbeiten zu ermöglichen.
Sprachbetrachtung/Szövegelemzés
Grundstufe I
Voraussetzung für das Gewinnen von Einsichten in Sprachstrukturen ist eine gewisse Sicherheit im
Gebrauch der Sprache. Da zudem die Fähigkeit zur Abstraktion und Begriffsbildung bei den meisten
Schülern der Grundstufe I noch auf konkrete Erfahrungen angewiesen und daher begrenzt ist, kommt der
Sprachbetrachtung geringere Bedeutung zu als der Erweiterung der Sprachfähigkeit. Sprachbetrachtung
ist überall dort angebracht, wo es gelingt, die Freude am Spracherleben und am Umgang mit sprachlichen
Elementen zu fördern. Dies schließt die Überbetonung grammatischer Begriffsbildung aus.
Grundstufe II
Auch auf der Grundstufe II ist die Voraussetzung für das Gewinnen von Einsichten in Sprachstrukturen
eine gewisse Sicherheit im Gebrauch der Sprache.
Da sich die Fähigkeit zur Abstraktion und Begriffsbildung erst auf der Grundstufe II entsprechend
entwickelt, bleibt Sprachbetrachtung mit Ausnahme der Beobachtung einiger leicht zu erfassender
sprachlicher Erscheinungen der Unterrichtsarbeit der 3. und 4. Schulstufe vorbehalten; aber auch hier ist
das Lernziel nicht das Beherrschen einer vordergründigen Begrifflichkeit.
Sprachbetrachtung erfolgt möglichst im Rahmen solcher Unterrichtsformen, die Gespräche über
Sprache ermöglichen und bei denen die Kinder Einsichten in Sprachstrukturen durch Entdecken, Ordnen
und Vergleichen gewinnen. Dabei wird sowohl die gesprochene als auch die geschriebene Sprache zum
Gegenstand der Betrachtung.
Fachbegriffe werden erst dann eingeführt, wenn die Schüler durch vielfältigen Umgang mit
Sprachmaterial eine Sprachform in ihrer Funktion erkannt haben. Werden Fachbegriffe ohne
entsprechende Einsicht, also zu früh, verwendet, bleiben sie leere Worthülsen.
Auf der 4. Schulstufe sind die wichtigsten Fachbegriffe zu sichern. Jedoch ist auch auf dieser
Schulstufe die Überbetonung grammatischen Begriffswissens zu vermeiden.
Schularbeiten
Auf der vierten Schulstufe vier Schularbeiten im Schuljahr.
Elementarer Spracherwerb
Elementarer Spracherwerb ist im Sinne eines differenzierten Ungarischunterrichtes eine Art
„Sprachlehrgang“ des Ungarischen, der integrativ zu führen ist und keine zusätzliche Unterrichtsveranstaltung
darstellt. Die Übungsformen sind nicht ausschließlich Aufgabe im Rahmen des
„Elementaren Spracherwerbs“, sondern vielmehr auf den gesamten zweisprachigen Unterricht
auszudehnen. Damit wird bereits von Anfang an Ungarisch als Zielsprache angestrebt und als Unterrichtssprache
verwendet.
Schülerzentrierte Arbeitsformen
Das Lehren einer weiteren Sprache wird nur dann erfolgreich vor sich gehen, wenn das
Unterrichtsgeschehen nicht ausschließlich vom Lehrer dominiert wird. Es ist darauf zu achten, daß auf
den vom Lehrer gesteuerten Aufbauunterricht schülerzentrierte Arbeitsformen folgen, um die Aktivität
der Schüler sicherzustellen und die Sprechzeit zu erhöhen. Folgende schülerzentrierte Arbeitsformen
bieten sich an
Die Schüler arbeiten zu zweit, in kleinen Gruppen, alle Schüler bewegen sich gleichzeitig im
Klassenzimmer, und jedes Kind führt mit verschiedenen Partnern einfache Gespräche. Schüler mit guten
ungarischen Sprachkenntnissen können als Helfer eingesetzt werden.
Medien
Die Beachtung des Prinzips der Anschaulichkeit ist für den Lehrplanabschnitt „Elementarer
Spracherwerb“ besonders wichtig.
Als Medien kommen in Betracht: Gegenstände, Tuchtafelbilder, Tafelskizzen, Folien, Wandbilder,
Wort- und Bildkarten, Kassetten, Spiele usw. Darüber hinaus spielt das Verknüpfen von Sprechen und
Handeln unter Einbeziehung von Gestik und Mimik eine wichtige Rolle. Die bereits erarbeiteten
ungarischen Bezeichnungen bzw. Aufschriften im Klassenraum sind zu verwenden.
Fehler
Die Korrektur von Fehlern beim Sprechen ist stets behutsam, aber konsequent durchzuführen, wobei
der Lehrer die Rolle eines Helfers einnimmt. Es ist jedoch entscheidend, daß die Schüler in
Transfersituationen spüren, daß sie auch frei agieren können, ohne daß Korrekturen durch den Lehrer
vorgenommen werden, soweit nicht die Kommunikation beeinträchtigt wird.
Wiederholung
Auf eine gezielte und ausreichende Wiederholung ist zu achten. Insbesondere muß darauf Bedacht
genommen werden, daß der bisher gelernte Sprachschatz verwendet bzw. erweitert wird (Transfer).
„Elementarer Spracherwerb“ ist Teil des täglichen Unterrichts, bis die Schüler befähigt sind, dem
Unterricht in Ungarisch zu folgen.
Hörverstehen
Der Schüler wird wesentlich mehr verstehen, als er sprachlich produzieren kann. Hörverstehen
entwickelt sich durch das Verstehen der Äußerungen des Lehrers und jener Schüler, die über gute
Ungarischkenntnisse verfügen. Es kann auch über Medien (Kassetten) geschult werden.
Sprechen
Die Sprechfertigkeit der Kinder wird anhand authentischer, altersgemäßer Minidialoge geschult,
wobei die Verwendung der gesprochenen Sprache zu beachten ist. Die Schüler reproduzieren und
variieren die Dialoge nach der Darbietung in Partnerarbeit.
Nicht das bloße auswendige Aufsagen von Minidialogen ist als Ziel anzustreben, sondern die
Anbahnung der spontanen Verwendung der ungarischen Sprache in den für den Unterricht
charakteristischen Situationen.
Es ist darauf zu achten, daß ein möglichst natürliches Sprechtempo eingehalten wird, das die
Grundlage für eine gute Aussprache, Wortbildung und Intonation bildet.
Aussprache
Die Schulung der Gehörs und die Pflege der Aussprache sind eine sehr wichtige Aufgabe des
„Elementaren Spracherwerbs“. Die Schüler sollen lernen, die für das Ungarische charakteristischen Laute
und Lautfolgen richtig zu hören und wiederzugeben.
Die unrichtige Artikulation von Phonemen kann zur Störung der Verständigung führen; insofern sind
sinnunterscheidende Laute bzw. Lautoppositionen besonders zu üben
– bei Vokalen
– bei Konsonanten
Zu beachten ist, daß die Schüler im Lehrplanteil „Elementarer Spracherwerb“ vor allem durch
Nachsprechen lernen sollen. Der Lehrer spricht im normalen Sprechtempo vor, die Schüler hören zu,
beobachten die Mundstellung des Lehrers und sprechen nach. Dem Lehrer kommt dabei besondere
Vorbildwirkung zu. Eine gute Möglichkeit, Ausspracheschulung attraktiv zu gestalten, ergibt sich durch
die Verwendung von kurzen Reimen, die eine größere Anzahl der zu übenden Laute enthalten. Auch das
Zusammenstellen von Reimpaaren oder das Erfinden von Klangbildern bereitet den Schülern viel Spaß.
Ergänzend dazu sind Rollenspiele (zB mit Handpuppen) zur Schulung der Sprachmelodie (Fragen,
Verwunderung, Begeisterung usw.) nützlich; gleichzeitig werden die Schüler dadurch auf Kommunikationssituationen
vorbereitet.
Lesen und Schreiben
Der Lese- und Schreibunterricht bleibt dem jeweiligen Unterrichtsgegenstand vorbehalten. Dabei
erworbene Kenntnisse können im „Elementaren Spracherwerb“ genutzt und gefestigt werden.
Wortschatz
Der Wortschatz soll kontextuell (im Wortfeld, im sinnvollen Satz) dargeboten und geübt werden.
Realia, Bildmaterial, Gestik und Mimik usw. unterstützen die Bedeutungsvermittlung.
Das Qualitative hat generell Vorrang vor dem Quantitativen. Es kommt nicht darauf an, möglichst
viele Wörter zu vermitteln, sondern einen kleinen, sorgfältig ausgewählten Wortschatz zu erarbeiten, zu
üben und im Unterricht vielfältig anzuwenden.
Übungsformen
Dem Spielerischen und Musischen kommt auch im „Elementaren Spracherwerb“ besondere
Bedeutung zu. Reime, Lieder und Lernspiele sind äußerst wirkungsvolle Motivationsträger. Die aus dem
zweisprachigen Unterricht bekannten Übungsformen sollen auch hier Anwendung finden.
Das Erleben der Sprache in Verbindung mit spielerischer Tätigkeit vermittelt den Kindern ein
Erfolgsgefühl und fördert die Bereitschaft zu weiterem Spracherwerb.
Werden Äußerungsmuster nicht mit Hilfe von Spielen erarbeitet, bieten sich im „Elementaren
Spracherwerb“ Reihenübungen sowie Frage- und Antwortketten an. Die Übungen sind dem sprachlichen
Niveau der Schüler anzupassen.“