174. Gesetz: Aufhebung des Erbhofrechtes und des Landbewirtschaftungsrechtes.
Gesetzestext (1 Artikel)
Die Provisorische Staatsregierung hat beschlossen
§ 1. (1) Alle Rechtsvorschriften auf dem Gebiete
des Erbhofrechtes werden für den Bereich
der Republik Österreich aufgehoben.
(2) Insbesondere werden daher aufgehoben
1. die Verordnung über die Einführung des
Erbhofrechts im Lande Österreich (ÖEHV.)
vom 27. Juli 1938, Deutsches R. G. Bl. I S. 935
(G. Bl. f. d. L. Ö. Nr. 335/1938);
2. das Reichserbhofgesetz (REG.) vom 29. September
1933, Deutsches R. G. Bl. I S. 685 (G. Bl.
f. d. L. Ö. Nr. 335/1938);
3. die Erbhofrechtsverordnung (EHRV.) vom
21. Dezember 1936, Deutsches R. G. Bl. I S. 1069
(G.Bl. f. d. L. Ö. Nr. 335/1938);
4. die Erbhofverfahrensordnung (EHVfO.)
vom 21. Dezember 1936, Deutsches R. G. Bl. I
S. 1082 (G. Bl. f. d. L. Ö. Nr. 335/1938);
5. die Verordnung über Erbhofrecht vom
23. Dezember 1938, Deutsches R. G. Bl. I
S. 1921 (G.Bl. f. d. L. Ö. Nr. 36/1939);
6. die Verordnung über Erbhofrecht vom
26. April 1939, Deutsches R.G.Bl. I S. 843
(G. Bl. f. d. L. Ö. Nr. 583/1939);
7. die Verordnung zur Ergänzung der Vorschriften
über die Einführung des Erbhofrechts
in der Ostmark vom 12. April 1940, Deutsches
R. G. Bl. I S. 665;
8. die Verordnung zur Änderung der Erbhofrechtsverordnung
vom 28. September 1940,
Deutsches R. G. Bl. I S. 1311;
9. die Verordnung über Erbhofrecht vom
22. Jänner 1941, Deutsches R. G. Bl. I S. 60;
10. Artikel 1 der Verordnung über erbhofrechtliche
Vorschriften in den Reichsgauen der
Ostmark, in den sudetendeutschen Gebieten und
im Memelland vom 25. September 1941, Deutsches
R. G. Bl. I S.585;
11. die Verordnung über das Erbhofrecht bei
Besitzungen im Grenzgebiet des Protektorats
Böhmen und Mähren (GrEHV.) vom 4. Mai
1942, Deutsches R. G. Bl. I S. 275;
12. die Verordnung über Kriegsvereinfachungen
im Erbhofverfahren vom 29. Mai 1943,
Deutsches R. G. Bl. I S. 337;
13. die Verordnung zur Fortbildung des Erbhofrechts
(Erbhoffortbildungsvefordnung —
EHFV.) vom 30. September 1943, Deutsches
R. G. Bl. I S. 549; Druckfehlerberichtigung
S. 564;
14. die Verordnung zur Durchführung der
Erbhoffortbildungsverordnung auf dem Gebiete
des Kosten- und Steuerrechts vom 24. Jänner
1944, Deutsches R. G. Bl. I S. 49;
15. die Verordnung über außerordentliche
Maßnahmen im Erbhofrecht und Erbhofverfahren
aus Anlaß des totalen Krieges (Zweite
Kriegsvereinfachungsverordnung für das Erbhofrecht
— 2. EHKV.) vom 27. September 1944,
Deutsches R. G. Bl. I S. 238.
§ 2. (1) Desgleichen werden alle Rechtsvorschriften
auf dem Gebiete des Landbewirtschaftungsrechtes
für den Bereich der Republik
Österreich aufgehoben.
(2) Insbesondere werden daher aufgehoben
1. die Verordnung über die Einführung von
Vorschriften zur Sicherung der Landbewirtschaftung
im Lande Österreich vom 28. Februar
1939, Deutsches R. G. Bl. I S. 414 (G. Bl. f. d.
L. Ö. Nr. 338/1939);
2. die Verordnung zur Sicherung der Landbewirtschaftung
vom 23. März 1937, Deutsches
R. G. Bl. I S. 422 (G. Bl. f. d. L. Ö. Nr. 338 aus
1939);
3. die Verordnung zur Durchführung der
Verordnung zur Sicherung der Landbewirtschaftung
vom 22. April 1937, Deutsches R. G. Bl. I
S. 535 (G. Bl. f. d. L. Ö. Nr. 338/1939);
4. die Zweite Verordnung zur Sicherung der
Landbewirtschaftung vom 28. Februar 1939,
Deutsches R.G.Bl. I S. 413;
5. die Verordnung zur Durchführung und Ergänzung
der Verordnung zur Sicherung der
Landbewirtschaftung vom 20. Jänner 1943, Deutsches
R.G.Bl. I S. 29;
6. die Bekanntmachung der neuen Fassung der
Verordnung zur Durchführung der Verordnung
zur Sicherung der Landbewirtschaftung vom
20. Jänner 1943, Deutsches R. G. Bl. I S. 35;
7. die Verordnung über außerordentliche Maßnahmen
im Pacht-, Landbewirtschaftungs- und
Entschuldungsrecht aus Anlaß des totalen Krieges
vom 11. Oktober 1944, Deutsches R.G.
Bl. I S. 245, soweit sie sich auf das Landbewirtschaftungsrecht
bezieht.
§ 3. Die erforderlichen Ausführungs- und
Übergangsbestimmungen werden durch ein besonderes
Gesetz getroffen. Dieses bestimmt auch
den Zeitpunkt, in dem die §§ 1 und 2 in Wirksamkeit
treten.
§ 4. (1) Bis zum Inkrafttreten der §§ 1 und 2
werden Verlassenschaftsabhandlungen über Erbhöfe
nicht durchgeführt, doch können durch
einstweilige Anordnungen dringlich erforderliche
Vorkehrungen, insbesondere zur Sicherung
des Nachlasses und zur Aufrechterhaltung des
Wirtschaftsbetriebes, getroffen werden.
(2) Die Tätigkeit der Anerbenbehörden und
die Tätigkeit der Bezirksgerichte in Angelegenheiten
zur Sicherung der Landbewirtschaftung
ruht, doch können durch einstweilige Anordnungen
dringlich erforderliche Vorkehrungen,
insbesondere zur Sicherung und Aufrechterhaltung
des Wirtschaftsbetriebes, getroffen werden.
Die Entscheidung steht bei den Anerbenbehörden
dem Vorsitzenden, bei den Bezirksgerichten
in Angelegenheit zur Sicherung der Landbewirtschaftung
dem Richter ohne Heranziehung von
Beisitzern zu. Vor der Entscheidung ist die zuständige
Bezirksbauernkammer zu hören. Ein
Rechtsmittel findet nicht statt.
§ 5. Mit der Vollziehung des Gesetzes ist das
Staatsamt für Justiz im Einvernehmen mit dem
Staatsamt für Land- und Forstwirtschaft betraut.