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AW.2019.50 • KGN SG AW.2019.50 KI-generiert

Attorney-Notary Secrecy Waiver for Fee Collection

Geschäftsnummer AW.2019.50
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Schweiz · Kanton St. Gallen (CH-SG)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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An attorney acting as a notary public sought release from attorney and notarial secrecy from the disciplinary oversight body to facilitate fee collection for their notary services. The court determined that attorneys practicing as notaries are subject to the disciplinary supervision of the Bar Association concerning their notarial activities, as this is deemed applicable through reference in the Attorneys Act, even though the association does not exercise technical oversight over notarial work. Consequently, the Bar Association is the competent authority to grant the necessary waiver from professional secrecy for the purpose of fee collection, applying the same criteria as for releasing attorney-client privilege, given the often intertwined nature of legal counseling and notarial functions.

Legislator-Regeste

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Art. 321 StGB, Art. 1 Abs. 3 AnwG, Art. 320 StGB, Art. 321 Ziff. 2 StGB; Attorney-Notary Secrecy Waiver for Fee Collection: The court determined that attorneys practicing as notaries are subject to the disciplinary supervision of the Bar Association concerning their notarial activities, as this is deemed applicable through reference in the Attorneys Act, even though the association does not exercise technical oversight over notarial work. Consequently, the Bar Association is the competent authority to grant the necessary waiver from professional secrecy for the purpose of fee collection, applying the same criteria as for releasing attorney-client privilege, given the often intertwined nature of legal counseling and notarial functions.

Schlagwörter

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Notar Gebührenerhebung Anwaltsgeheimnis Wahrung des Berufsgeheimnisses Disziplinarbehörde Vollmacht

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Volltext

Publikationsplattform St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: AW.2019.50 Stelle: Kantonsgericht Rubrik: Anwaltskammer Publikationsdatum: 07.08.2019 Entscheiddatum: 07.08.2019

Entscheid Kantonsgericht, 07.08.2019 Art. 321 StGB (SR 311.0), Art. 1 Abs. 3 AnwG (sGS 963.70). Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte unterstehen mit Bezug auf ihre Tätigkeit als Urkundspersonen ebenfalls der disziplinarischen Aufsicht durch die Anwaltskammer. Diese ist auch zuständig für die Entbindung vom Notariatsgeheimnis (Kantonsgericht, Präsident der Anwaltskammer, 7. August 2019, AW.2019.50).

Sachverhalt:

Ein Anwalt, der für seine Klientschaft u.a. als Urkundsperson tätig war, ersucht die Anwaltskammer für das Honorarinkasso um Entbindung vom Anwaltsund Notariatsgeheimnis.

Aus den Erwägungen:

Auch Notarinnen und Notare sind zur Geheimhaltung verpflichtet. Die staatlichen Urkundspersonen unterstehen dem Amtsgeheimnis gemäss Art. 320 StGB, die freiberuflich tätigen dem Berufsgeheimnis gemäss Art. 321 StGB (vgl. Brückner, Schweizerisches Beurkundungsrecht, Zürich 1993, Rz. 1136; BSK StGB-Oberholzer, 4. Aufl., Art. 321 N 8). Soweit st. gallische Anwältinnen und Anwälte notariell tätig sind, benötigen sie für das Honorarinkasso deshalb ebenfalls eine Entbindung vom

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/2 Publikationsplattform St.Galler Gerichte

Berufsgeheimnis. Zuständig für die Bewilligung ist die Aufsichtsbehörde (Art. 321 Ziff. 2 StGB). Die Anwaltskammer übt zwar keine fachliche Aufsicht über die notarielle Tätigkeit der Anwältinnen und Anwälte aus; mit Bezug auf die fachliche Qualität ihrer Dienstleistungen handeln diese wie im angestammten Tätigkeitsbereich grundsätzlich eigenverantwortlich. Die Bestimmungen des BGFA werden auf die Beurkundungstätigkeit der Anwältinnen und Anwälte jedoch sachgemäss angewendet (Art. 1 Abs. 3 AnwG). Sie unterstehen somit hinsichtlich ihrer Beurkundungstätigkeit ebenfalls einer disziplinarischen Aufsicht durch die Anwaltskammer, und diese ist aufgrund des erwähnten Verweises auch für die Befreiung vom Berufsgeheimnis zuständig. Massgebend dafür sind die gleichen Kriterien, wie sie auch für die Entbindung vom Anwaltsgeheimnis gelten. Dies erscheint auch sachgerecht, denn die anwaltliche, namentlich rechtsberatende Tätigkeit lässt sich oft gar nicht strikt von der notariellen trennen.

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