Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
2 B 34/11 KI-generiert

Admissibility of revision in state disciplinary proceedings under § 187 VwGO and Art. 99 GG

Geschäftsnummer 2 B 34/11
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Administrative Court dismissed the appellant's revision complaint as inadmissible, thereby upholding the lower appellate court's judgment in favor of the respondent disciplinary authority. The dispute concerned a disciplinary proceeding against a civil servant under the state disciplinary law of Saxony-Anhalt, specifically challenging the procedural limitation that prevents the opening of a revision instance (third instance) before the Federal Administrative Court. The Court held that the state legislature possesses the authority under § 187(1) of the Administrative Court Act (VwGO) to delegate disciplinary jurisdiction to administrative courts and to deviate from the standard procedural rules of the VwGO, including the structure of the appellate process. Consequently, because the state law did not expressly assign final appellate jurisdiction for disciplinary matters to the Federal Administrative Court as required by Article 99 of the Basic Law, the general reference norm in the state disciplinary law was insufficient to establish such jurisdiction, rendering the revision complaint inadmissible.

Legislator-Regeste

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§ 187 Abs. 1 VwGO, Art. 99 GG; Admissibility of revision in state disciplinary proceedings under § 187 VwGO and Art. 99 GG: Sachsen-Anhalt hat von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Nach § 45 Satz 1 Halbs. 1 DG LSA nehmen die Gerichte der Verwaltungsgerichtsbarkeit die Aufgaben der Disziplinargerichtsbarkeit nach dem Landesdisziplinargesetz wahr.

Schlagwörter

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Disziplinarbehörde Revision eines Entscheids Verwaltungsbeschwerde Streitgegenstand Prozesshandlung Verfahrensbeschränkungen

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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§ 187 Abs. 1 VwGO Art. 99 GG

Zitierte Rechtsprechung

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2 BvL 8/70 BVerfGE 29, 125 2 BvF 5/58 BVerfGE 10, 285 BVerwGE 137, 30 BVerwGE 11, 336
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Volltext

Landesrechtliche Regelung des disziplinargerichtlichen Verfahrens; Eröffnung der Revisionsinstanz durch Landesgesetz

[LEITSATZ]

Der Landesgesetzgeber ist berechtigt, in Disziplinarsachen keine Revisionsinstanz zu eröffnen.

[GRUENDE]

Die Beschwerde ist entgegen der Rechtsmittelbelehrung des Berufungsurteils unzulässig, weil das Landesdisziplinargesetz des Landes Sachsen-Anhalt (DG LSA) für landesrechtliche Disziplinarverfahren eine Revisionsinstanz nicht eröffnet (vgl. auch Entwurfsbegründung LTDrucks 4/2364 S. 81).

Der Bundesgesetzgeber hat nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG unter anderem die Kompetenz, Verfassung und Verfahren der Verwaltungsgerichte zu regeln. Von dieser Kompetenz hat er durch Erlass der Verwaltungsgerichtsordnung Gebrauch gemacht und das verwaltungsgerichtliche Verfahren erschöpfend geregelt. Auch bei umfassender und erschöpfender Regelung eines Gegenstandes der konkurrierenden Gesetzgebungskompetenz durch den Bund sind landesrechtliche Regelungen jedoch insoweit zulässig, als das Bundesrecht Vorbehalte zugunsten der Landesgesetzgebung enthält. Einen solchen Vorbehalt enthält § 187 Abs. 1 VwGO. Nach dieser Vorschrift können die Länder den Gerichten der Verwaltungsgerichtsbarkeit Aufgaben der Disziplinargerichtsbarkeit übertragen sowie dabei die Besetzung und das Verfahren regeln (vgl. BVerfG, Beschluss vom 22. Juli 1970 - 2 BvL 8/70 - BVerfGE 29, 125 m.w.N.).

Sachsen-Anhalt hat von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Nach § 45 Satz 1 Halbs. 1 DG LSA nehmen die Gerichte der Verwaltungsgerichtsbarkeit die Aufgaben der Disziplinargerichtsbarkeit nach dem Landesdisziplinargesetz wahr.

§ 187 Abs. 1 VwGO belässt dem Landesgesetzgeber nicht nur die Kompetenz, den Gerichten der Verwaltungsgerichtsbarkeit Aufgaben der Disziplinargerichtsbarkeit zu übertragen. Er eröffnet ihm auch die Möglichkeit, die Besetzung und das Verfahren abweichend von den Regelungen der Verwaltungsgerichtsordnung zu regeln, ohne dass er dabei eine umfassende eigenständige Verfahrensregelung treffen müsste. Der Landesgesetzgeber kann sich auf den Erlass einiger abweichender Verfahrensbestimmungen beschränken (BVerfG, Beschluss vom 22. Juli 1970 a.a.O. S. 146 f.). Diese Kompetenz umfasst die Befugnis, den Instanzenzug abweichend vom Regelfall der Verwaltungsgerichtsordnung zu regeln.

Der Landesgesetzgeber in Sachsen-Anhalt hat eine Revisionsinstanz für das Disziplinarverfahren nicht eingeführt. Nach Art. 99 GG kann dem Bundesverwaltungsgericht für den letzten Rechtszug durch Landesgesetz die Entscheidung in solchen Sachen zugewiesen werden, bei denen es sich um die Anwendung von Landesrecht handelt. Die Vorschrift eröffnet den Ländern damit die Möglichkeit, Zuständigkeiten von Bundesgerichten im Bereich des Landesrechts und damit auch im Bereich des Disziplinarrechts durch Landesgesetz zu begründen (vgl. zum Verhältnis zu § 127 BRRG: BVerfG, Beschluss vom 2. Februar 1960 - 2 BvF 5/58 - BVerfGE 10, 285 und BVerwG, Urteil vom 29. April 2010 - BVerwG 2 C 77.08 - BVerwGE 137, 30 = Buchholz 271 LBeihilfeR Nr. 37 Rn. 6; zum Personalvertretungsrecht: BVerwG, Beschluss vom 13. Januar 1961 - BVerwG 7 P 3.60 - BVerwGE 11, 336 , Urteile vom 16. Dezember 1977 - BVerwG 7 P 27.77 und 28.77 - Buchholz 238.3A § 106 BPersVG Nr. 1 S. 4 und zum Rundfunkgebührenrecht: Beschluss vom 9. Januar 1990 - BVerwG 7 B 199.89 - juris Rn. 4). Für eine solche Zuweisung genügt eine allgemeine Verweisungsnorm wie § 3 DG LSA, mit der zur Ergänzung des Landesdisziplinargesetzes die Vorschriften der Verwaltungsgerichtsordnung für entsprechend anwendbar erklärt werden, nicht. Es bedarf vielmehr nach Art. 99 GG einer ausdrücklichen landesgesetzlichen Zuweisung an das Bundesverwaltungsgericht als Revisionsinstanz. Eine solche enthält das Disziplinargesetz des Landes Sachsen-Anhalt nicht.