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2 B 49/21, 2 B 49/21 (2 C 7/22) ECLI:DE:BVerwG:2022:170522B2B49.21.0 KI-generiert

Timeliness of appeal brief filing to the higher court following deadline extension by the disciplinary senate chairperson

Geschäftsnummer 2 B 49/21, 2 B 49/21 (2 C 7/22)
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Administrative Court (2nd Senate) overturned the Higher Administrative Court for North Rhine-Westphalia’s decision to refuse leave for appeal in a disciplinary matter, granting leave for appeal to the defendant. The dispute concerned the admissibility of an appeal in disciplinary proceedings, specifically whether an appeal brief submitted to the Higher Administrative Court remained within the filing deadline after the chairperson of the competent disciplinary senate extended the brief’s deadline. The court held that a simultaneous rejection of an appeal as inadmissible and unfounded is legally excluded due to the differing effects of res judicata; therefore, the appellant was not required to address the merits of the appeal in their leave application, and such "written" merits reasoning is deemed non-existent. Leave for appeal was granted based on § 132(2) no. 2 VwGO, citing a divergence between the lower court’s judgment and the Federal Administrative Court’s precedent of May 23, 2017 (2 B 51.16), which establishes that a timely filing of the appeal brief can be made at the Higher Administrative Court when the deadline is extended by the chairperson of the disciplinary senate.

Legislator-Regeste

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§ 125 Abs. 2 Satz 1 VwGO, § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO; Timeliness of appeal brief filing to the higher court following deadline extension by the disciplinary senate chairperson: The dispute concerned the admissibility of an appeal in disciplinary proceedings, specifically whether an appeal brief submitted to the Higher Administrative Court remained within the filing deadline after the chairperson of the competent disciplinary senate extended the brief’s deadline. The court held that a simultaneous rejection of an appeal as inadmissible and unfounded is legally excluded due to the differing effects of res judicata; therefore, the appellant was not required to address the merits of the appeal in their leave application, and such "written" merits reasoning is deemed non-existent. Leave for appeal was granted based on § 132(2) no. 2 VwGO, citing a divergence between the lower court’s judgment and the Federal Administrative Court’s precedent of May 23, 2017 (2 B 51.16), which establishes that a timely filing of the appeal brief can be made at the Higher Administrative Court when the deadline is extended by the chairperson of the disciplinary senate.

Schlagwörter

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Ausdehnung des Verfahrens Rechtzeitigkeit der Rechtsschrift Disziplinarverfahren Streitgegenstand Rechtskraft Beschwerdelegitimation

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO

Main ground for the verdict, explicitly cited in the dispositive as the basis for admitting the revision due to a divergence from prior case law.

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Volltext

Revisionszulassung; Einreichung der Berufungsbegründung beim Oberverwaltungsgericht bei Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist durch den Vorsitzenden des für die Berufung zuständigen Disziplinarsenats

[TENOR]

Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen über die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil vom 18. August 2021 wird aufgehoben.

Die Revision wird zugelassen.

Die Entscheidung über die Kosten des Beschwerdeverfahrens folgt der Kostenentscheidung in der Hauptsache.

[GRUENDE]

Die zulässige Beschwerde ist begründet.

1. Dabei steht der Zulassung der Revision nicht entgegen, dass sich das Beschwerdevorbringen der Beklagten allein gegen die Verwerfung der Berufung als unzulässig richtet, nicht aber - sieht man von den Ausführungen ab, die sich in der Darlegung einer abweichenden Rechtsansicht erschöpfen und die eine Zulassung der Revision von vornherein nicht rechtfertigen können (vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 31. Juli 2019 - 2 B 83.18 - juris Rn. 11 und vom 30. Juli 2020 - 2 B 32.20 - juris Rn. 13) - die Entscheidung des Berufungsgerichts angreift, soweit dieses die Berufung für unbegründet angesehen hat.

Der Beklagten kann nicht entgegengehalten werden, sie habe versäumt, im Hinblick auf jede selbstständig tragende Begründung des Berufungsgerichts einen Revisionszulassungsgrund darzulegen. Soweit der Senat Beschwerden gegen die Nichtzulassung der Revision (auch) mit vorgenannter Begründung als unbegründet erachtet hat (vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 23. Mai 2017 - 2 B 51.16 - Buchholz 235.1 § 64 BDG Nr. 3 Rn. 16 und vom 22. Juli 2019 - 2 B 25.19 - Buchholz 235.2 LDisziplinarG Nr. 69 Rn. 6), hält er hieran nicht mehr fest.

Eine gleichzeitige Abweisung einer Klage als unzulässig und als unbegründet ist wegen der Verschiedenheit der Rechtskraftwirkung ausgeschlossen. Die Beteiligten dürfen durch den überschießenden Teil des Urteils zur Unbegründetheit nicht beschwert werden. Da die verfahrensfehlerhaften Ausführungen eines Urteils zur Unbegründetheit der Klage nicht in Rechtskraft erwachsen dürfen, gilt dieser Teil des Urteils "als nicht geschrieben" (BVerwG, Beschluss vom 14. Dezember 2018 - 6 B 133.18 - Buchholz 442.066 § 47 TKG Nr. 5 Rn. 21 f. m.w.N.). Dieser Gedanke ist auf die Unterscheidung zwischen Zulässigkeit und Begründetheit eines Rechtsmittels zu übertragen (Büscher, in: Wieczorek/Schütze, ZPO, 4. Aufl. 2015, § 322 Rn. 152; Althammer, in: Stein-Jonas, ZPO, 23. Aufl. 2018, § 322 Rn. 126). Hinzu kommt, dass das Berufungsgericht die Berufung als unzulässig verworfen hat (§ 3 Abs. 1 LDG NRW i.V.m. § 125 Abs. 2 Satz 1 VwGO). Damit tragen die zusätzlichen Erwägungen zur Unbegründetheit der Berufung den Tenor nicht.

Dementsprechend kann von der Beklagten weder verlangt noch kann ihr angesonnen werden, sich in der Beschwerde auch mit den Ausführungen des Oberverwaltungsgerichts zur Begründetheit der Berufung zu befassen.

2. Die Revision ist nach Maßgabe des § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO zuzulassen, weil eine Divergenz des Berufungsurteils zum Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Mai 2017 - 2 B 51.16 - (Buchholz 235.1 § 64 BDG Nr. 3 Rn. 13) in Bezug auf den Rechtssatz besteht, wonach eine fristwahrende Einreichung der Berufungsbegründung auch beim Oberverwaltungsgericht möglich ist, wenn der Vorsitzende des für die Berufung zuständigen Disziplinarsenats die Berufungsbegründungsfrist verlängert hat (vgl. auch BVerwG, Beschluss vom 30. Dezember 2010 - 2 B 66.10 - Buchholz 235.2 LDisziplinarG Nr. 15 Rn. 9).