Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
8 BN 1/19, 8 BN 1/19 (8 CN 4/19) ECLI:DE:BVerwG:2019:270919B8BN1.19.0 KI-generiert

Scope of municipal hearing rights in district levy calculation under Article 28(2) of the German Basic Law

Geschäftsnummer 8 BN 1/19, 8 BN 1/19 (8 CN 4/19)
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

The Federal Administrative Court (8th Senate) granted the leave to appeal, ruling in favor of the appellant by permitting a revision against the lower court's decision based on a subsequent divergence of jurisprudence. The dispute concerned whether Article 28(2) of the German Basic Law mandates the specific determination and hearing of the financial needs of municipal districts when fixing the rate of the district levy (Kreisumlage). The lower court had affirmed that such a hearing was constitutionally required, relying on federal constitutional law; however, a later judgment by the 10th Senate of the Federal Administrative Court resolved this legal question in the negative. The current court determined that the lower court's judgment rested solely on the divergent federal legal basis (Article 28(2) GG) and did not independently rely on the Thuringian State Constitution, thereby allowing the previously identified need for clarification to be recharacterized as a divergence of case law under § 132(2) No. 2 of the Code of Administrative Court Procedure (VwGO).

Legislator-Regeste

KI-generiert

§ 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO, Art. 28 Abs. 2 GG, § 52 Abs. 3 GKG; Scope of municipal hearing rights in district levy calculation under Article 28(2) of the German Basic Law: The dispute concerned whether Article 28(2) of the German Basic Law mandates the specific determination and hearing of the financial needs of municipal districts when fixing the rate of the district levy (Kreisumlage). The lower court had affirmed that such a hearing was constitutionally required, relying on federal constitutional law; however, a later judgment by the 10th Senate of the Federal Administrative Court resolved this legal question in the negative. The current court determined that the lower court's judgment rested solely on the divergent federal legal basis (Article 28(2) GG) and did not independently rely on the Thuringian State Constitution, thereby allowing the previously identified need for clarification to be recharacterized as a divergence of case law under § 132(2) No. 2 of the Code of Administrative Court Procedure (VwGO).

Schlagwörter

KI-generiert
Revision eines Entscheids Verfassung Anspruch auf rechtliches Gehör Geltungsbereich des auf den Vertrag anzuwendenden Rechts Gemeindeautonomie gesetzlicher Anspruch

Zitierte Gesetzesbestimmungen

KI-generiert

Zitierte Rechtsprechung

KI-generiert
BVerwGE 153, 169
Oktober 2015 - 3 B 70.15 - BVerwGE 153, 169 Rn.
BVerwGE 152, 188
Juni 2015 - 10 C 13.14 - (BVerwGE 152, 188 Rn.
KI-generiert

Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

KI-generiert
§ 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO

Main ground for the verdict, cited as the legal basis for admitting the revision due to a divergence of jurisprudence.

Fragen Sie sich, wie dieser Entscheid auf Ihren Fall anwendbar ist?

Prüfen Sie diesen Entscheid zusammen mit Bundesrecht, kantonalen Erlassen, Kommentaren und Folgeentscheiden in Legislator AI.

Fall in Legislator öffnen →

Volltext

Zulassung der Revision wegen nachträglicher Divergenz

[GRUENDE]

Die Beschwerde hat Erfolg. Die Revision gegen das angefochtene Urteil ist nach § 132 Abs. 2 Nr. 2 VwGO zuzulassen.

Die Beschwerdebegründung führt auf die Frage, ob Art. 28 Abs. 2 GG bei der Festlegung der Höhe des Kreisumlagesatzes stets die konkrete Ermittlung des Finanzbedarfs der kreisangehörigen Gemeinden durch deren Anhörung erfordert.

Diese vom Berufungsgericht bejahte Frage ist durch das nach Ablauf der Beschwerdebegründungsfrist ergangene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 29. Mai 2019 - 10 C 6.18 - (NVwZ 2019, 1279) im verneinenden Sinne beantwortet worden. Im Falle einer derartigen nachträglichen Divergenz kann die als klärungsbedürftig aufgeworfene Rechtsfrage in eine Divergenzrüge umgedeutet werden (stRspr, vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 8. Juni 2007 - 8 B 101.06 - Buchholz 310 § 132 Abs. 2 Ziff. 2 VwGO Nr. 15 und vom 29. Oktober 2015 - 3 B 70.15 - BVerwGE 153, 169 Rn. 9).

Das Berufungsurteil beruht auf dieser Abweichung. Es leitet die Verpflichtung zur Anhörung aus Art. 28 Abs. 2 GG und nicht auch selbständig tragend aus Art. 91 und 93 der Verfassung des Freistaates Thüringen (ThürVerf) ab.

Das Berufungsgericht knüpft zwar in den Entscheidungsgründen an sein Urteil vom 7. Oktober 2016 - 3 KO 94/12 - an, dem es die verfassungsrechtlichen Vorgaben, die bei der Festsetzung der Kreisumlage zu berücksichtigen seien, entnimmt. Während jedoch das Urteil vom 7. Oktober 2016 ausdrücklich sowohl auf Art. 28 Abs. 2 GG als auch auf Art. 91, 93 Abs. 1 Satz 1 ThürVerf eingeht und hierzu jeweils gesonderte Ausführungen enthält, ist dies beim Berufungsurteil nicht der Fall. Dieses verweist nicht insgesamt auf das Urteil vom 7. Oktober 2016, sondern gibt lediglich bestimmte Abschnitte daraus wörtlich wieder; in dieser Passage, die sich das Berufungsurteil zu eigen macht, wird indessen die Thüringer Verfassung nicht erwähnt. Vielmehr lassen die darin verwendeten Formulierungen nur den Schluss zu, dass das Berufungsgericht jedenfalls im vorliegenden Fall die Anhörungspflicht allein aus Art. 28 Abs. 2 GG hergeleitet hat, zumal es als Belege für seine Rechtsauffassung ausschließlich Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts heranzieht. Anhaltspunkte dafür, dass das Berufungsgericht die Anhörungspflicht auch und selbständig tragend auf die Landesverfassung stützen wollte, lassen sich dem Berufungsurteil demgegenüber nicht entnehmen.

Von einer allein bundesrechtlichen Anknüpfung des divergierenden Rechtssatzes in dem Berufungsurteil ist ferner im Hinblick darauf auszugehen, dass das Berufungsgericht eine Anhörungspflicht auch dann angenommen hat, wenn die Haushaltssatzung wie hier durch die Aufsichtsbehörde festgesetzt wurde; im Hinblick darauf übernimmt das Berufungsurteil wörtlich eine Passage zum Regelungsgehalt des Art. 28 Abs. 2 GG aus dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juni 2015 - 10 C 13.14 - (BVerwGE 152, 188 Rn. 42).

Die Streitwertfestsetzung für das Beschwerdeverfahren beruht auf § 47 Abs. 1 und 3 und § 52 Abs. 3 GKG. Eine vorläufige Streitwertfestsetzung für das Revisionsverfahren ist nach § 63 Abs. 1 Satz 1 a.E. GKG entbehrlich.