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XI B 73/23 ECLI:DE:BFH:2024:B.030524.XIB73.23.0 KI-generiert

Personal connection between land transferor and constructor does not create a single performance for VAT exemption under § 4 No. 9 lit. a UStG

Geschäftsnummer XI B 73/23
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Finance (BFH) 11th Senate dismissed the appellant's complaint for non-admission of revision, thereby rejecting the appeal and affirming the lower court's decision that the taxpayer is liable for both transfer tax and value-added tax (VAT), with the appellant bearing the costs of the proceedings. The dispute concerned whether a personal connection between a natural person transferring land or building rights and a separate entity (partnership) constructing the building constituted a single unified performance that would render the construction services tax-exempt under § 4 No. 9 lit. a of the VAT Act, or whether they constituted separate performances subject to VAT. The court held that no fundamental legal question existed for clarification because established case law distinguishes between VAT law and civil law: outside of a formal tax association (Organschaft) under § 2 para. 2 No. 2 sentence 3 of the VAT Act, services provided by a third party for construction are considered independent performances and are not tax-exempt, even if the transferor and constructor are personally connected or the construction costs are included in the transfer tax base. Consequently, the "no ancillary services of third parties" principle applies, preventing the consolidation of these services into a single tax-free performance.

Legislator-Regeste

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Personal connection between land transferor and constructor does not create a single performance for VAT exemption under § 4 No. 9 lit. a UStG: a) Grundsätzliche Bedeutung im Sinne von § 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) kommt einer Rechtssache zu, wenn die für die Beurteilung des Streitfalls maßgebliche Rechtsfrage das abstrakte Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts berührt; außerdem muss die Rechtsfrage klärungsbedürftig und in einem künftigen Revisionsverfahren klärbar sein (vgl. Beschlüsse des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 31.08.2023 - XI B 89/22, BFH/NV 2023, 1322, Rz 22; vom 10.01.2024 - XI B 24/22, BFH/NV 2024, 403, Rz 3).

Schlagwörter

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Mehrwertsteuerbefreiung Bodenrecht Rechte des Steuerpflichtigen juristische Person Personengesellschaft persönliche Zugehörigkeit

Zitierte Rechtsprechung

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BFHE 164, 482
BFHE 169, 255
BFHE 222, 153
BFHE 148, 80
BFHE 239, 154
BFH-Urteile vom 27.09.2012 - II R 7/12, BFHE 239, 154, BStBl II 2013, 86; vom 04.12.2014 - II R 22/13, BFH/NV 2015, 521; BFH-Beschluss vom 30.06.2020 - II B 90/19, BFH/NV 2020, 1279).
BFHE 223, 498
BFH-Urteil vom 29.10.2008 - XI R 74/07, BFHE 223, 498, BStBl II 2009, 256).
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Volltext

Doppelbelastung mit Grunderwerbsteuer und Umsatzsteuer; keine einheitliche Leistung mehrerer Unternehmer; Leistungen Dritter nicht umsatzsteuerfrei

[LEITSATZ]

1. NV: Leistungen Dritter, die umsatzsteuerrechtlich als eigenständige Leistungen neben dem steuerfreien Umsatz zu betrachten sind, sind nicht gemäß § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG steuerfrei.

2. NV: Dies gilt auch für den Fall, dass die grundstücks- oder erbbaurechtsübertragende Person und die bauwerkserrichtende Person personell verflochten sind.

[TENOR]

Die Beschwerde des Klägers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Sächsischen Finanzgerichts vom 24.10.2023 - 2 K 398/23 wird als unbegründet zurückgewiesen.

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kläger zu tragen.

[GRUENDE]

Die Beschwerde ist unbegründet. Die geltend gemachten Zulassungsgründe liegen nicht vor.

1. Die Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung.

a) Grundsätzliche Bedeutung im Sinne von § 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) kommt einer Rechtssache zu, wenn die für die Beurteilung des Streitfalls maßgebliche Rechtsfrage das abstrakte Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts berührt; außerdem muss die Rechtsfrage klärungsbedürftig und in einem künftigen Revisionsverfahren klärbar sein (vgl. Beschlüsse des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 31.08.2023 - XI B 89/22, BFH/NV 2023, 1322, Rz 22; vom 10.01.2024 - XI B 24/22, BFH/NV 2024, 403, Rz 3).

b) Diese Voraussetzungen liegen im Streitfall nicht vor.

aa) Die Beschwerde wirft die abstrakte Rechtsfrage auf, ob die personelle Verflechtung zwischen der grundstücks- beziehungsweise erbbaurechtsübertragenden (natürlichen) Person und der bauwerkserrichtenden Person (hier einer GbR), dazu führt, dass eine einheitliche Leistung und damit Umsatzsteuerfreiheit gemäß § 4 Nr. 9 Buchst. a des Umsatzsteuergesetzes (UStG) anzunehmen ist.

bb) Diese Rechtsfrage ist nicht klärungsbedürftig. Sie ist nach der ständigen Rechtsprechung des BFH zu verneinen. Nicht unter das Grunderwerbsteuergesetz im Sinne des § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG fallen Leistungen Dritter, die umsatzsteuerrechtlich und zivilrechtlich als eigenständige Werklieferungen, Werkleistungen oder andere Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Errichtung eines Gebäudes zu betrachten sind (vgl. BFH-Urteile vom 07.02.1991 - V R 53/85, BFHE 164, 482, BStBl II 1991, 737; vom 10.09.1992 - V R 99/88, BFHE 169, 255, BStBl II 1993, 316; vom 15.10.1992 - V R 17/89, BFH/NV 1994, 198; vom 03.09.2008 - XI R 54/07, BFHE 222, 153, BStBl II 2009, 499; BFH-Beschlüsse vom 30.10.1986 - V B 44/86, BFHE 148, 80, BStBl II 1987, 145; vom 12.02.2009 - XI B 76/08, BFH/NV 2009, 974). Das gilt auch dann, wenn sie grunderwerbsteuerrechtlich in die Bemessungsgrundlage der Grundstückslieferung einbezogen werden (vgl. BFH-Urteile vom 27.09.2012 - II R 7/12, BFHE 239, 154, BStBl II 2013, 86; vom 04.12.2014 - II R 22/13, BFH/NV 2015, 521; BFH-Beschluss vom 30.06.2020 - II B 90/19, BFH/NV 2020, 1279). Dies ist mit Unionsrecht vereinbar (vgl. Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union --EuGH-- Kerrut vom 08.07.1986 - C-73/85, EU:C:1986:295; EuGH-Beschluss Vollkommer vom 27.11.2008 - C-156/08, EU:C:2008:663) und verfassungsgemäß (vgl. Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts vom 11.01.1988 - 1 BvR 391/87, Umsatzsteuer-Rundschau 1988, 281; vom 27.12.1991 - 2 BvR 72/90, BStBl II 1992, 212; vom 20.08.1992 - 2 BvR 827/90, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung 1993, 91).

cc) Die Beschwerde weist zwar zu Recht darauf hin, dass im Falle der Organschaft die Leistung der Organgesellschaft und des Organträgers zu einer einheitlichen Leistung zusammengefasst werden, die dadurch umsatzsteuerfrei ist (vgl. BFH-Urteil vom 29.10.2008 - XI R 74/07, BFHE 223, 498, BStBl II 2009, 256). Dies beruht jedoch auf § 2 Abs. 2 Nr. 2 Satz 3 UStG, wonach Organträger und Organgesellschaft als ein Unternehmen zu behandeln sind. Umsatzsteuerrechtlich werden daher jegliche Ausgangsumsätze (vgl. BFH-Urteile vom 22.02.2017 - XI R 13/15, BFHE 257, 160, BStBl II 2021, 782, Rz 45; vom 24.05.2023 - XI R 45/20, BFHE 281, 185, BStBl II 2023, 1082, Rz 35) im Verhältnis zu Dritten dem Organträger, der nach § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG unionsrechtskonform zum einzigen Steuerpflichtigen der Organschaft bestimmt ist, zugerechnet. Das bedeutet, dass umsatzsteuerrechtlich der Organträger Leistender ist, obwohl zivilrechtlich mehrere Leistende vorliegen.

dd) Außerhalb des Bestehens einer Organschaft hingegen gilt nach der ständigen Rechtsprechung des BFH der Grundsatz, dass es Nebenleistungen Dritter nicht gibt (vgl. BFH-Urteile vom 26.05.2021 - V R 25/20, BFHE 274, 197, BStBl II 2022, 131, Rz 40; vom 30.06.2022 - V R 36/20, BFHE 277, 508, Rz 41; BFH-Beschluss vom 18.10.2023 - XI B 41/23 (AdV), BFH/NV 2024, 179, Rz 23). Dies gilt auch für den Fall der personellen Verflechtung zwischen der grundstücks- oder erbbaurechtsübertragenden Person und der bauwerkserrichtenden Person.

2. Da das Erfordernis einer Entscheidung des BFH zur Fortbildung des Rechts (§ 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 1 FGO) ein Unterfall des Zulassungsgrunds der grundsätzlichen Bedeutung ist (vgl. BFH-Beschlüsse vom 25.01.2022 - XI B 60/20, BFH/NV 2022, 827, Rz 17; vom 29.03.2022 - XI B 72/21, BFH/NV 2022, 923, Rz 10), kommt eine Zulassung der Revision zur Fortbildung des Rechts aus den genannten Gründen nicht in Frage.

3. Von einer Darstellung des Sachverhalts und einer weiter gehenden Begründung wird gemäß § 116 Abs. 5 Satz 2 Halbsatz 2 FGO abgesehen.

4. Die Kostenentscheidung folgt aus § 135 Abs. 2 FGO.