Cross-border legal aid: application of German income thresholds and admissibility of appointing a tax advisory GmbH as counsel
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Finance granted the applicant's request for legal aid (PKH) up to the declared amount in dispute of €1,353 and appointed a tax advisory limited liability company (GmbH) as her counsel for a compensation claim regarding excessive procedural delay in a prior tax court proceeding. The applicant, residing in an EU member state with lower cost of living than Germany, sought legal aid for a compensation action against the state under the Financial Courts Act (FGO). The court ruled that the means test for cross-border legal aid must be conducted using German income thresholds under § 115(2) of the Code of Civil Procedure (ZPO), rejecting the application of local foreign standards. Furthermore, the court determined that a tax advisory company in the form of a GmbH is eligible for court appointment as legal counsel pursuant to § 121(1) and (5) ZPO in conjunction with § 142(1) and (2) FGO, extending the admission of lawyer associations recognized by the Federal Court of Justice to the tax procedure context.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 1076, § 1078 Abs. 2, § 114 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 142 Abs. 1 FGO, § 121 Abs. 1, 5 ZPO sowie § 142 Abs. 2 Satz 1 FGO, § 113 Abs. 2 Satz 1 FGO; Cross-border legal aid: application of German income thresholds and admissibility of appointing a tax advisory GmbH as counsel: The applicant, residing in an EU member state with lower cost of living than Germany, sought legal aid for a compensation action against the state under the Financial Courts Act (FGO). The court ruled that the means test for cross-border legal aid must be conducted using German income thresholds under § 115(2) of the Code of Civil Procedure (ZPO), rejecting the application of local foreign standards. Furthermore, the court determined that a tax advisory company in the form of a GmbH is eligible for court appointment as legal counsel pursuant to § 121(1) and (5) ZPO in conjunction with § 142(1) and (2) FGO, extending the admission of lawyer associations recognized by the Federal Court of Justice to the tax procedure context.
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertZitierte Rechtsprechung
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertLegal basis for the grant of legal aid (Prozesskostenhilfe) to the applicant in the compensation proceedings.
Basis for the appointment (Beiordnung) of the tax advisory limited liability company as counsel for the applicant.
Procedural rule permitting the issuance of the decision without further reasoning in the dispositive.
Volltext
Grenzüberschreitende PKH; Beiordnung einer Steuerberatungs-GmbH
[LEITSATZ]
1. NV: Die Bedürftigkeitsprüfung im Rahmen der Entscheidung über die Bewilligung von grenzüberschreitender PKH ist auch dann unter Zugrundelegung der in Deutschland geltenden Einkommensgrenzen vorzunehmen, wenn der Antragsteller in einem anderen EU-Staat wohnt, in dem die Lebenshaltungskosten geringer sind als in Deutschland (Anschluss an BGH-Beschluss vom 10.06.2008 - VI ZB 56/07, MDR 2008, 992) .
2. NV: In Verfahren nach der FGO einschließlich der vor dem BFH geführten Entschädigungsklageverfahren wegen überlanger Verfahrensdauer kann einem Beteiligten, dem PKH bewilligt worden ist, auch eine Steuerberatungs-GmbH beigeordnet werden .
[TENOR]
Der Antragstellerin wird antragsgemäß Prozesskostenhilfe bis zu dem von ihr genannten Streitwert von 1.353 € für eine Entschädigungsklage wegen überlanger Dauer des Verfahrens vor dem Finanzgericht Berlin-Brandenburg 10 K 10223/17 PKH bewilligt.
Ihr wird die ... beigeordnet.
Diese Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei.
[GRUENDE]
1. Die Bewilligung der Prozesskostenhilfe beruht auf § 1076, § 1078 Abs. 2, § 114 Abs. 1 der Zivilprozessordnung (ZPO) i.V.m. § 142 Abs. 1 der Finanzgerichtsordnung (FGO).
a) Die beabsichtigte Rechtsverfolgung durch Erhebung einer Entschädigungsklage bietet im Umfang des von der Antragstellerin angekündigten Antrags hinreichende Aussicht auf Erfolg und erscheint nicht als mutwillig.
b) Die Antragstellerin hat auch glaubhaft gemacht, dass sie nach ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen die Kosten der Prozessführung nicht aufbringen kann. Obwohl die Antragstellerin in Bulgarien wohnt und die dortigen Lebenshaltungskosten geringer sind als in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland), war die entsprechende Prüfung unter Zugrundelegung der in Deutschland geltenden Einkommensgrenzen (§ 115 Abs. 2 ZPO) vorzunehmen (gl.A. Groß, Beratungshilfe/Prozesskostenhilfe/ Verfahrenskostenhilfe, 14. Aufl. 2018, § 1078 ZPO Rz 7; Zöller/Geimer, ZPO, 32. Aufl. , § 115 Rz 41; Baumbach/Lauterbach/Hartmann/Anders/Gehle, Zivilprozessordnung, 78. Aufl., § 1078 Rz 5 f.; Gräber/Stapperfend, Finanzgerichtsordnung, 9. Aufl., § 142 Rz 20; Schoenfeld in Gosch, FGO § 142 Rz 86; a.A. Brandis in Tipke/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, § 142 FGO Rz 40, m.w.N.). Dies entspricht dem Gesetzeswortlaut und der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) zu den Vermögensfreibeträgen des § 115 Abs. 3 ZPO (BGH-Beschluss vom 10.06.2008 - VI ZB 56/07, Monatsschrift für Deutsches Recht --MDR-- 2008, 992, unter II.3.c; allerdings --noch-- offengelassen für die Frage der Anpassung der Einkommensfreibeträge, unter II.3.c bb). Zunächst verweist § 1078 Abs. 2 ZPO ohne Einschränkung auf die Vorschriften §§ 114 bis 116 ZPO; die Zugrundelegung der (höheren) Einkommensgrenzen des § 115 Abs. 2 ZPO kann zudem aus dem Umkehrschluss aus § 1078 Abs. 3 ZPO abgeleitet werden, der ausdrücklich nur den umgekehrten Fall regelt.
2. Die Beiordnung der Prozessbevollmächtigten beruht auf § 121 Abs. 1, 5 ZPO sowie § 142 Abs. 2 Satz 1 FGO.
a) Da die Antragstellerin glaubhaft gemacht hat, angesichts ihres ausländischen Wohnsitzes keinen Prozessbevollmächtigten ihrer Wahl (§ 121 Abs. 1 ZPO) benennen zu können, hat das Gericht ihr gemäß § 121 Abs. 5 ZPO eine Prozessbevollmächtigte beigeordnet.
b) Auch eine Steuerberatungsgesellschaft in der Rechtsform der GmbH (§ 49 Abs. 1 des Steuerberatungsgesetzes) ist beiordnungsfähig.
Nach dem Wortlaut des § 121 Abs. 1, 5 ZPO wird ein "Rechtsanwalt" beigeordnet. Der BGH hält allerdings auch die Beiordnung von Rechtsanwaltsgesellschaften nach § 59c der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) für zulässig (BGH-Beschluss vom 17.09.2008 - IV ZR 343/07, MDR 2009, 103, unter 1.). In § 59c Abs. 1 BRAO ist die Rechtsanwalts-GmbH ausdrücklich genannt.
§ 142 Abs. 1 FGO --der gemäß § 155 Satz 2 FGO auch für Entschädigungsklageverfahren vor dem Bundesfinanzhof gilt-- erweitert die Beiordnungsmöglichkeit u.a. auf Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Dies muss bei Anwendung der angeführten BGH-Rechtsprechung, die der Senat für zutreffend hält, ebenso für eine Steuerberatungs-GmbH gelten.
3. Im Übrigen ergeht der Beschluss gemäß § 113 Abs. 2 Satz 1 FGO ohne weitere Begründung.