Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
VIII B 50/11 KI-generiert

Shortened Statutory Summons Period in Oral Proceedings Constituting Denial of Legal Hearing

Geschäftsnummer VIII B 50/11
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Finance Court (BFH) granted the plaintiff's complaint against the non-admission of revision, reversing the lower finance court's judgment and remanding the case for renewed hearing and decision. The dispute centered on whether the finance court violated the requirement of legal hearing by conducting oral proceedings despite failing to meet the statutory minimum two-week summons period. The court held that the two-week deadline under § 91 Abs. 1 S. 1 FGO must be calculated from the actual time of service rather than the date of the summons order, resulting in the oral hearing being scheduled one day too early. Because the plaintiffs were absent and did not waive their right to be heard by participating in the shortened proceedings, the failure to adhere to the strict time limits constituted a denial of legal hearing, rendering the judgment void under §§ 115 Abs. 2 Nr. 3 and 119 Nr. 3 FGO.

Legislator-Regeste

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§ 91 Abs. 1 Satz 1 FGO, § 54 Abs. 2 FGO, § 222 Abs. 1 ZPO, § 188 Abs. 2 BGB, § 91 Abs. 1 Satz 2 FGO, § 119 Nr. 3 FGO; Shortened Statutory Summons Period in Oral Proceedings Constituting Denial of Legal Hearing: The dispute centered on whether the finance court violated the requirement of legal hearing by conducting oral proceedings despite failing to meet the statutory minimum two-week summons period. The court held that the two-week deadline under § 91 Abs. 1 S. 1 FGO must be calculated from the actual time of service rather than the date of the summons order, resulting in the oral hearing being scheduled one day too early. Because the plaintiffs were absent and did not waive their right to be heard by participating in the shortened proceedings, the failure to adhere to the strict time limits constituted a denial of legal hearing, rendering the judgment void under §§ 115 Abs. 2 Nr. 3 and 119 Nr. 3 FGO.

Schlagwörter

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Verweigerung der mündlichen Verhandlung Verjährungsfrist angemessene Verfahrensdauer Abweisung des Fristerstreckungsgesuchs Versäumung der gesetzlichen Frist Verhandlungstermin
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 116 Abs. 6 FGO

Procedural rule cited in the dispositive to order the remand of the case for renewed hearing and decision.

§ 115 Abs. 2 Nr. 3 i.V.m. § 119 Nr. 3 FGO

Legal basis cited in the reasoning for the main ground of the verdict, establishing that the judgment is void due to a procedural error involving a denial of legal hearing.

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Volltext

Versagung des rechtlichen Gehörs infolge nicht eingehaltener Ladungsfrist

[LEITSATZ] 1. NV: Die Feststellung ordnungsgemäßer Ladung im Protokoll zur mündlichen Verhandlung ist unbeachtlich, wenn die Ladungsfrist offenkundig nicht eingehalten ist .

2. NV: Für die Berechnung der Ladungsfrist kommt es maßgeblich auf den Zustellungszeitpunkt der Ladung an .

3. NV: Die Nichteinhaltung der Ladungsfrist stellt eine Versagung des rechtlichen Gehörs gegenüber dem Kläger dar, der nicht zur mündlichen Verhandlung erschienen ist oder sich nicht rügelos auf die Verhandlung einlässt .

[GRUENDE] 1

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision ist begründet. Sie führt zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zurückverweisung der Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung nach § 116 Abs. 6 der Finanzgerichtsordnung (FGO).

2

Das Finanzgericht (FG) hat die Ladungsfrist für die mündliche Verhandlung von mindestens zwei Wochen (§ 91 Abs. 1 Satz 1 FGO) nicht eingehalten. Die Feststellung ordnungsgemäßer Ladung im Protokoll zur mündlichen Verhandlung entspricht offenkundig nicht der Sachlage.

3

Nach § 54 Abs. 2 FGO gelten für die Fristberechnung die dort aufgeführten Vorschriften der Zivilprozessordnung (ZPO) und damit aufgrund der Verweisung des § 222 Abs. 1 ZPO die einschlägigen Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB). Für den Streitfall bedeutet dies, dass ausgehend von der zwar bereits am 19. Januar 2011 verfügten, aber nach dem Inhalt der Zustellungsurkunde erst am 25. Januar 2011, einem Dienstag, bewirkten Zustellung die einzuhaltende Ladungsfrist erst mit Ablauf von Dienstag, dem 8. Februar 2011, endete (§ 187 Abs. 1, § 188 Abs. 2 BGB). Da das FG auf Montag, den 7. Februar 2011, geladen und an diesem Tag in Abwesenheit der Kläger und Beschwerdeführer (Kläger) auch mündlich verhandelt hat, ist die Ladungsfrist nicht gewahrt. Ein Fall der Fristabkürzung nach § 91 Abs. 1 Satz 2 FGO liegt nicht vor.

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Die Nichteinhaltung der Ladungsfrist stellt eine Versagung des rechtlichen Gehörs gegenüber den Klägern dar (Urteile des Bundesfinanzhofs --BFH-- vom 21. Januar 1981 II R 91/79, BFHE 132, 394, BStBl II 1981, 401; vom 17. November 1989 VI R 38/86, BFH/NV 1990, 650; Gräber/Koch, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 91 Rz 14, m.w.N.). Eine Heilung dieses Verfahrensmangels, wie sie bei rügeloser Einlassung der verspätet Geladenen auf die mündliche Verhandlung möglich ist (vgl. BFH-Urteil in BFH/NV 1990, 650), ist im Streitfall nicht eingetreten. Damit beruht das angefochtene Urteil auf dem Verfahrensmangel (§ 115 Abs. 2 Nr. 3 i.V.m. § 119 Nr. 3 FGO).