Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
XI B 86/10 KI-generiert

VAT treatment of major renovation as new construction; lack of factual comparability for divergence and absence of fundamental significance in individual case assessment

Geschäftsnummer XI B 86/10
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Finance (BFH) dismissed the taxpayer's non-acceptance complaint, upholding the lower financial court's ruling that denied the taxpayer's challenge to the tax authority's assessment. The dispute concerned whether the renovation of a single-story industrial hall constituted a fundamental reconstruction equivalent to the erection of a new building for Value Added Tax (VAT) purposes, with the taxpayer arguing the case presented a divergence from established precedent or was of fundamental importance. The court held that no divergence under § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO existed because the disputed facts were not comparable to those in the cited BFH decision, and the financial court had explicitly applied existing case law to find a significant change in function and purpose due to the subdivision of the hall into various smaller units (offices, workshops, etc.). Furthermore, the court found no fundamental significance under § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO because the financial court’s reliance on established legal principles and its subsequent individualized factual assessment did not present a novel legal issue, thereby leaving the lower court's rejection of the appeal in force.

Legislator-Regeste

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§ 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO, § 116 Abs. 5 Satz 2 FGO; VAT treatment of major renovation as new construction; lack of factual comparability for divergence and absence of fundamental significance in individual case assessment: The dispute concerned whether the renovation of a single-story industrial hall constituted a fundamental reconstruction equivalent to the erection of a new building for Value Added Tax (VAT) purposes, with the taxpayer arguing the case presented a divergence from established precedent or was of fundamental importance. The court held that no divergence under § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alt. 2 FGO existed because the disputed facts were not comparable to those in the cited BFH decision, and the financial court had explicitly applied existing case law to find a significant change in function and purpose due to the subdivision of the hall into various smaller units (offices, workshops, etc.). Furthermore, the court found no fundamental significance under § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO because the financial court’s reliance on established legal principles and its subsequent individualized factual assessment did not present a novel legal issue, thereby leaving the lower court's rejection of the appeal in force.

Schlagwörter

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Mehrwertsteuerveranlagung Streitwert Praxisänderung Steuerbehörde Renovationskosten Wertschöpfung
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 116 Abs. 5 Satz 2 FGO

Procedural provision cited in the dispositive to justify the omission of a further detailed reasoning by the Senate.

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Volltext

Keine Divergenz bei fehlender Vergleichbarkeit der Sachverhalte - Keine grundsätzliche Bedeutung bei einzelfallbezogener Würdigung

[LEITSATZ]

1. NV: Eine Abweichung von der behaupteten Divergenzentscheidung kann bei einer Würdigung aller Umstände des Einzelfalls durch das FG nur vorliegen, wenn die Sachverhalte des Streitfalls und der behaupteten Divergenzentscheidung vergleichbar sind .

2. NV: Die Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung, wenn das FG seiner Entscheidung die Rechtsprechung des BFH zugrunde gelegt hat und im Rahmen der Einzelfallbeurteilung zu einem vom Kläger nicht für zutreffend gehaltenen Ergebnis gelangt ist .

[GRUENDE]

Die Beschwerde des Klägers und Beschwerdeführers (Kläger) ist unbegründet.

1. Die vom Kläger behauptete Divergenz i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) ist nicht gegeben.

Die Zulassung der Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung setzt eine die Rechtseinheit gefährdende Abweichung der angefochtenen Entscheidung voraus. Diese ist gegeben, wenn das Finanzgericht (FG) bei vergleichbarem Sachverhalt in einer entscheidungserheblichen Rechtsfrage eine andere Rechtsauffassung vertritt als z.B. der Bundesfinanzhof (BFH) oder ein anderes FG. Das FG muss seiner Entscheidung einen abstrakten Rechtssatz zugrunde gelegt haben, der mit den tragenden Rechtsausführungen in der Divergenzentscheidung des anderen Gerichts nicht übereinstimmt (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 30. Oktober 2009 III B 6/08, BFH/NV 2010, 176, m.w.N.). Keine Abweichung in diesem Sinne liegt vor, wenn das FG erkennbar von den in der Rechtsprechung entwickelten und auch der vorgeblichen Divergenzentscheidung zugrunde liegenden Rechtsgrundsätzen ausgeht, diese aber fehlerhaft auf die Besonderheiten des Streitfalls angewendet hat (vgl. BFH-Beschluss vom 13. Januar 2010 X B 113/09, BFH/NV 2010, 600).

Danach sind im Streitfall die Voraussetzungen für eine Divergenz nicht erfüllt. Die geltend gemachte Abweichung von dem BFH-Urteil vom 5. Juni 2003 V R 32/02 (BFHE 203, 200, BStBl II 2004, 28) liegt nicht vor. Das FG hat seiner Entscheidung vielmehr ausdrücklich die Rechtsprechung des BFH zugrunde gelegt (Seite 5, 4. Absatz des Urteils). Danach steht der grundlegende Umbau eines Altbaus dann einer Errichtung eines (neuen) Gebäudes i.S. des § 27 Abs. 2 des Umsatzsteuergesetzes gleich, wenn die neu eingefügten Gebäudeteile dem Gesamtgebäude das bautechnische Gepräge eines neuen Gebäudes geben oder wenn der Altbau durch den Umbau eine wesentliche Funktions- und Zweckveränderung erfährt (vgl. BFH-Urteil in BFHE 203, 200, BStBl II 2004, 28, unter II.5.a).

Soweit das FG in Würdigung aller von ihm festgestellten Umstände des Einzelfalls entschieden hat, dass eine wesentliche Funktions- und Zweckveränderung vorliegt, wenn eine als Produktionsbetrieb genutzte eingeschossige Industriehalle aufgrund von Baumaßnahmen in mehrere kleinere Funktionseinheiten aufgeteilt wird, die nicht zur industriellen Großproduktion, sondern vielfältig anderweitig genutzt werden (Büros, Werkstätten, Lager, Schulungen und Therapien), könnte darin nur eine Abweichung liegen, wenn die Sachverhalte vergleichbar wären. Das ist aber nicht der Fall.

2. Die Revision ist nicht wegen grundsätzlicher Bedeutung nach § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO zuzulassen. Denn das FG hat in dem angefochtenen Urteil die in der Rechtsprechung des BFH entwickelten Rechtsgrundsätze (BFH-Urteile vom 26. Januar 1978 V R 137/75, BFHE 124, 259, BStBl II 1978, 280, und in BFHE 203, 200, BStBl II 2004, 28) zum Ausgangspunkt seiner konkreten Würdigung genommen und ist lediglich im Rahmen der Einzelfallbeurteilung zu einem von dem Kläger nicht für zutreffend gehaltenen Ergebnis gelangt. In einem derartigen Fall liegt keine grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache vor (ständige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 27. Dezember 2010 XI B 7/10, BFH/NV 2011, 463, m.w.N.).

3. Der Senat sieht von einer weiteren Begründung ab (§ 116 Abs. 5 Satz 2 FGO).