Scope of cost reimbursement and subject matter value assessment in constitutional complaints resolved by declaration following interim relief
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiert**Outcome:** The Federal Constitutional Court ordered the Land Berlin to reimburse the complainant's necessary legal costs and fixed the subject matter values at €25,000 for the interim relief proceedings and €5,000 for the constitutional complaint proceedings. **Dispute and Facts:** The complainant challenged a lower court’s interim injunction prohibiting the repetition of certain statements, alleging a violation of procedural equality of arms. The Constitutional Chamber had previously suspended the enforcement of this injunction via interim relief; following a mutual declaration of resolution in the lower court proceedings, the complainant declared the constitutional complaint resolved and petitioned for cost allocation and value assessment. **Legal Basis:** Relying on § 34a Abs. 3 BVerfGG, the Court determined that full cost reimbursement was equitable because the interim relief decision was based on evident success prospects, effectively clarifying the constitutional situation. Regarding subject matter values, the Court applied the doctrine that when interim relief proceedings essentially replace the main constitutional complaint proceedings by addressing the core factual and legal questions, the value of the interim relief is set higher (approaching a favorable full decision), while the resolved main complaint is assessed at the statutory minimum of €5,000.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 34a Abs 3 BVerfGG; Scope of cost reimbursement and subject matter value assessment in constitutional complaints resolved by declaration following interim relief: **Dispute and Facts:** The complainant challenged a lower court’s interim injunction prohibiting the repetition of certain statements, alleging a violation of procedural equality of arms. The Constitutional Chamber had previously suspended the enforcement of this injunction via interim relief; following a mutual declaration of resolution in the lower court proceedings, the complainant declared the constitutional complaint resolved and petitioned for cost allocation and value assessment. **Legal Basis:** Relying on § 34a Abs. 3 BVerfGG, the Court determined that full cost reimbursement was equitable because the interim relief decision was based on evident success prospects, effectively clarifying the constitutional situation. Regarding subject matter values, the Court applied the doctrine that when interim relief proceedings essentially replace the main constitutional complaint proceedings by addressing the core factual and legal questions, the value of the interim relief is set higher (approaching a favorable full decision), while the resolved main complaint is assessed at the statutory minimum of €5,000.
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KI-generiertExplicitly cited in the case title and used as the legal basis for ordering the reimbursement of necessary expenses following the declaration of the proceedings as resolved.
Volltext
Anordnung der Auslagenerstattung nach Erledigterklärung (§ 34a Abs 3 BVerfGG) sowie Gegenstandswertfestsetzung im Verfassungsbeschwerdeverfahren
[TENOR]
1. Das Land Berlin hat dem Beschwerdeführer die notwendigen Auslagen für das Verfassungsbeschwerdeverfahren zu erstatten.
2. Der Wert des Gegenstands der anwaltlichen Tätigkeit wird für das einstweilige Anordnungsverfahren auf 25.000 Euro (in Worten: fünfundzwanzigtausend Euro) und für das Verfassungsbeschwerdeverfahren auf 5.000 Euro (in Worten: fünftausend Euro) festgesetzt.
[GRUENDE]
1. Im vorliegenden Verfahren hat die Kammer am 3. Juni 2020 im Wege der einstweiligen Anordnung die Wirksamkeit der einstweiligen Verfügung des Landgerichts Berlin vom 30. April 2020, mit der dem Beschwerdeführer die Wiederholung bestimmter Äußerungen untersagt worden war, ausgesetzt (BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 3. Juni 2020 - 1 BvR 1246/20 -).
Nachdem es im fachgerichtlichen Verfahren zu einer übereinstimmenden Erledigungserklärung kam, erklärte der Beschwerdeführer auch das Verfassungsbeschwerdeverfahren für erledigt und beantragte, dem Land Berlin die Erstattung der notwendigen Auslagen aufzuerlegen sowie den Gegenstandswert für das Verfahren über den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung als auch für das Verfassungsbeschwerdeverfahren festzusetzen.
2. Infolge der Erledigungserklärung des Beschwerdeführers ist gemäß § 34a Abs. 3 BVerfGG nach Billigkeit über die Auslagenerstattung zu entscheiden. Eine Auslagenerstattung entspricht der Billigkeit, soweit ausnahmsweise die Erfolgs-aussichten im Verfassungsbeschwerdeverfahren unterstellt werden können, weil die verfassungsrechtliche Lage insoweit schon geklärt ist (vgl. BVerfGE 133, 37 ; BVerfG, Beschlüsse der 2. Kammer des Ersten Senats vom 25. August 2020 - 1 BvR 2309/19 -, Rn. 3 und vom 7. Juli 2021 - 1 BvR 249/21 -, juris, Rn. 3).
Nach diesem Maßstab entspricht im vorliegenden Fall die vollständige Auslagenerstattung der Billigkeit. Eine Klärung der verfassungsrechtlichen Lage, aufgrund derer ein Obsiegen des Beschwerdeführers im Verfassungsbeschwerdeverfahren unterstellt werden kann, ist hinsichtlich des mit Beschluss der Kammer vom 3. Juni 2020 außer Vollzug gesetzten Beschlusses des Landgerichts gegeben. Denn die Kammer hat ihren Beschluss gerade mit Blick auf die insoweit offenkundigen Erfolgsaussichten der gleichzeitig eingelegten Verfassungsbeschwerde erlassen.
3. Die Festsetzung des Gegenstandswerts hat gesondert für die Verfahren der einstweiligen Anordnung und der Verfassungsbeschwerde zu erfolgen, wobei jeweils mindestens 5.000 Euro anzusetzen sind. Dabei ist der Gegenstandswert des Verfassungsbeschwerdeverfahrens grundsätzlich höher als derjenige der einstweiligen Anordnung zu bemessen. Anders liegt es jedoch, wenn das Verfahren der einstweiligen Anordnung die Hauptsache im Wesentlichen ersetzt und vorweggenommen hat (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 25. August 2020 - 1 BvR 2309/19 -, Rn. 3 mit Verweis auf Barczak, in: ders., BVerfGG, § 32 Rn. 81 sowie Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 7. Juli 2021 - 1 BvR 249/21 -, juris, Rn. 5).
Um einen solchen Fall handelt es sich hier, da die einstweilige Verfügung des Landgerichts Berlin aufgrund des offensichtlichen Verstoßes gegen die prozessuale Waffengleichheit im einstweiligen Verfügungsverfahren außer Wirksamkeit gesetzt wurde. Bereits im Verfahren der einstweiligen Anordnung hatte die Kammer die in dem Verfassungsbeschwerdeverfahren zu klärenden Tatsachen- und Rechtsfragen verfassungsgerichtlich zu beurteilen. Das Verfahren der einstweiligen Anordnung ist somit im Wesentlichen an die Stelle des Verfassungsbeschwerdeverfahrens getreten, so dass sich sein Gegenstandswert dem Wert einer stattgebenden Kammerentscheidung im Verfassungsbeschwerdeverfahren annähert. Im Gegenzug war das nach Rücknahme des Verfügungsantrags für erledigt erklärte Verfassungsbeschwerdeverfahren nur mit dem Mindestwert von 5.000 Euro zu veranschlagen.
Diese Entscheidung ist unanfechtbar.