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1 BvR 1750/21 ECLI:DE:BVerfG:2021:rk20211013.1bvr175021 KI-generiert

Constitutional complaint over custody: objection to interim order inadmissible due to lack of standing for non-party beneficiary

Geschäftsnummer 1 BvR 1750/21
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Constitutional Court's First Senate, 1st Chamber, dismissed the father's objection to a temporary order, ruling the objection inadmissible while the original constitutional complaint filed by the mother against the Oberlandesgericht (Higher Regional Court) family law decision remains pending and its suspensive effect stands. The dispute concerned a family law proceeding regarding custody, where the Chamber had previously issued a temporary order suspending the validity of the Oberlandesgericht's decision that granted the father custody against expert recommendations. The court held that the father lacked standing to file the objection because he was not a formal party to the constitutional complaint procedure; under § 32 Abs. 3 BVerfGG in conjunction with § 93d Abs. 2 BVerfGG, only the constitutional organs listed in § 94 BVerfGG possess objection rights, whereas the beneficiary of the underlying civil litigation is limited to making submissions under § 94 Abs. 3 BVerfGG. Furthermore, the Court declined to amende the order ex officio, finding the underlying constitutional complaint still evidently well-founded due to the lower court's failure to provide a reliable basis for deviating from expert evidence, noting that the father's new arguments did not sufficiently challenge the admissibility of those expert reports.

Legislator-Regeste

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§ 32 Abs 3 BVerfGG, § 32 Abs. 3 Satz 3 BVerfGG, § 94 Abs. 3 BVerfGG, § 32 Abs. 3 Satz 2 BVerfGG, § 94 Abs. 5 BVerfGG, § 93d Abs. 2 Satz 1 BVerfGG; Constitutional complaint over custody: objection to interim order inadmissible due to lack of standing for non-party beneficiary: The dispute concerned a family law proceeding regarding custody, where the Chamber had previously issued a temporary order suspending the validity of the Oberlandesgericht's decision that granted the father custody against expert recommendations. The court held that the father lacked standing to file the objection because he was not a formal party to the constitutional complaint procedure; under § 32 Abs. 3 BVerfGG in conjunction with § 93d Abs. 2 BVerfGG, only the constitutional organs listed in § 94 BVerfGG possess objection rights, whereas the beneficiary of the underlying civil litigation is limited to making submissions under § 94 Abs. 3 BVerfGG. Furthermore, the Court declined to amende the order ex officio, finding the underlying constitutional complaint still evidently well-founded due to the lower court's failure to provide a reliable basis for deviating from expert evidence, noting that the father's new arguments did not sufficiently challenge the admissibility of those expert reports.

Schlagwörter

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fehlende Legitimation Verbleiberecht Zivilrechtsstreitigkeit Recht auf Familiengründung ungenügende Substantiierung von Grundrechtsverletzungen Beweislosigkeit

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 93d Abs. 2 Satz 1 BVerfGG

Basis for the Chamber to decide the objection without oral proceedings and to dismiss it as inadmissible.

§ 32 Abs. 3 BVerfGG

Procedural rule governing the admissibility of objections against interim orders in constitutional complaint proceedings.

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Volltext

Kammerbeschluss: Verwerfung eines Widerspruchs gegen eine einstweilige Anordnung (§ 32 Abs 3 BVerfGG) im Verfassungsbeschwerdeverfahren

[TENOR]

Der Widerspruch wird verworfen.

[GRUENDE]

I. Die Beschwerdeführerin wendet sich mit der Verfassungsbeschwerde gegen eine in einem das Sorgerecht für ihren Sohn betreffenden familiengerichtlichen Verfahren vom Oberlandesgericht als Beschwerdegericht erlassene einstweilige Anordnung. Mit Beschluss vom 6. September 2021 hat die Kammer die Wirksamkeit der angegriffenen Entscheidung vom 28. Juni 2021 durch eine einstweilige Anordnung vorläufig ausgesetzt. Hiergegen hat der Widerspruchsführer ‒ der Vater des betroffenen Kindes ‒ mit Schriftsatz vom 16. September 2021 Widerspruch eingelegt.

II. Der Widerspruch gegen die von der Kammer erlassene einstweilige Anordnung ist zu verwerfen, weil er unzulässig ist.

1. Die Verwerfung des Widerspruchs kann auf der Grundlage von § 93d Abs. 2 Satz 1 in Verbindung mit § 32 Abs. 3 BVerfGG ohne mündliche Verhandlung durch die Kammer erfolgen.

Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts setzt die Durchführung einer mündlichen Verhandlung (§ 32 Abs. 3 Satz 3 BVerfGG) einen zulässigen Widerspruch voraus (vgl. BVerfGE 99, 49 ; stRspr). Fehlt dem Widerspruchsführer die Berechtigung dazu, ist auch die Kammer befugt, den Widerspruch zu verwerfen (vgl. BVerfGE 99, 49 ; siehe auch BVerfG, Beschlüsse der 1. Kammer des Ersten Senats vom 26. Januar 2017 - 1 BvQ 4/17 -, juris, Rn. 2 und vom 26. Februar 2018 - 1 BvQ 72/17 u.a. -, juris, Rn. 2). Die Zuständigkeit des Senats, in solchen Konstellationen entscheiden zu können, bleibt davon unberührt (vgl. BVerfGE 139, 378 ).

2. Die Voraussetzungen für eine Verwerfung durch die Kammer liegen vor. Der Widerspruch ist unzulässig, weil dem Widerspruchsführer die Widerspruchsberechtigung fehlt.

Widerspruchsberechtigt ist lediglich, wer am verfassungsgerichtlichen Verfahren beteiligt ist. Der Begünstigte des einer Verfassungsbeschwerde zugrundeliegenden Ausgangsverfahrens ist zwar äußerungsberechtigt (§ 94 Abs. 3 BVerfGG). Ihm fehlt aber als einem nicht am Verfahren Beteiligten die Befugnis zum Widerspruch (vgl. BVerfGE 89, 119 ; 99, 49 ; 139, 378 ; stRspr). Eine Beteiligtenstellung können im Verfassungsbeschwerdeverfahren außer dem Beschwerdeführer selbst, der allerdings nach § 32 Abs. 3 Satz 2 BVerfGG nicht widerspruchsberechtigt ist, lediglich die in § 94 Abs. 1, 2 und 4 BVerfGG genannten Verfassungsorgane erlangen, § 94 Abs. 5 BVerfGG (vgl. BVerfGE 99, 49 ; 139, 378 m.w.N.).

III. Die Begründung des Widerspruchs gibt keinen Anlass, die einstweilige Anordnung von Amts wegen abzuändern oder vorläufig außer Vollzug zu setzen. Die Verfassungsbeschwerde der Beschwerdeführerin ist weiterhin offensichtlich begründet, weil eine hinreichend zuverlässige Grundlage für die Entscheidung des Oberlandesgerichts, das Kind entgegen dem Rat der Sachverständigen im Haushalt des Widerspruchsführers zu belassen, nach wie vor nicht erkennbar ist. Auf den Vortrag des Widerspruchsführers und die von ihm vorgelegten Unterlagen stützt das Oberlandesgericht die angegriffene Entscheidung nicht.

Diese sind im Übrigen auch nicht geeignet, die Verwertbarkeit der Gutachten derart in Zweifel zu ziehen, dass eine Auseinandersetzung des Oberlandesgerichts hiermit entbehrlich sein könnte. Mit wesentlichen Teilen des Vortrags hat sich die Kammer bereits in dem Verfahren über die Verfassungsbeschwerde gegen die vorangegangene Beschwerdeentscheidung des Oberlandesgerichts auseinandergesetzt (vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 14. April 2021 - 1 BvR 1839/20 -, Rn. 28 ff.). Soweit der Widerspruchsführer nunmehr bestreitet, die von der Kammer dem Gutachten entnommenen Aussagen gegenüber dem Sachverständigen geäußert zu haben, substantiiert er dieses Bestreiten nicht. Aus den vorgelegten Stellungnahmen anderer Personen über ihre Aussagen gegenüber dem Sachverständigen wird nicht ersichtlich, dass der Sachverständige die Angaben dieser Personen objektiv falsch im Gutachten wiedergegeben hat.