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2 BvR 2699/17 ECLI:DE:BVerfG:2020:rk20200526.2bvr269917 KI-generiert

Constitutional complaint inadmissible for insufficient substantiation despite likely violation of right to be heard in asylum proceedings following waiver of oral hearing

Geschäftsnummer 2 BvR 2699/17
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Constitutional Court declined to accept the constitutional complaint for lack of admissible substance, though it noted that the underlying lower court proceedings likely violated the applicant's fundamental rights. The dispute concerned an asylum applicant who challenged the rejection of their appeal due to a waiver of oral hearing; specifically, the administrative court had dismissed the case three days after introducing new evidence via a list of press reports and official inquiries, without allowing a meaningful opportunity to respond. The Court held that the complaint was inadmissible because the applicant failed to address the nature of the non-admission decision and the specific constitutional standards for reviewing the admission of appeals, despite the Court acknowledging that the waiver of oral hearing under § 101 Abs. 2 VwGO does not constitute a waiver of the right to be heard under Art. 103 Abs. 1 GG. The decisive legal basis involved the interaction of the right to effective judicial protection (Art. 19 Abs. 4 S 1 GG), the right to be heard (Art. 103 Abs. 1 GG), and the procedural rules for introducing evidence in asylum proceedings (§ 78 Abs. 3 Nr. 3 AsylG i.V.m. § 138 Nr. 3 VwGO), establishing that parties must be given a reasonable timeframe to comment on newly introduced decision-relevant facts even when oral hearings are waived.

Legislator-Regeste

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§ 101 Abs 2 VwGO, Art 103 Abs 1 GG, § 92 BVerfGG, § 78 Abs. 3 Nr. 3 AsylG, § 138 Nr. 3 VwGO, § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG; Constitutional complaint inadmissible for insufficient substantiation despite likely violation of right to be heard in asylum proceedings following waiver of oral hearing: The dispute concerned an asylum applicant who challenged the rejection of their appeal due to a waiver of oral hearing; specifically, the administrative court had dismissed the case three days after introducing new evidence via a list of press reports and official inquiries, without allowing a meaningful opportunity to respond. The Court held that the complaint was inadmissible because the applicant failed to address the nature of the non-admission decision and the specific constitutional standards for reviewing the admission of appeals, despite the Court acknowledging that the waiver of oral hearing under § 101 Abs. 2 VwGO does not constitute a waiver of the right to be heard under Art. 103 Abs. 1 GG. The decisive legal basis involved the interaction of the right to effective judicial protection (Art. 19 Abs. 4 S 1 GG), the right to be heard (Art. 103 Abs. 1 GG), and the procedural rules for introducing evidence in asylum proceedings (§ 78 Abs. 3 Nr. 3 AsylG i.V.m. § 138 Nr. 3 VwGO), establishing that parties must be given a reasonable timeframe to comment on newly introduced decision-relevant facts even when oral hearings are waived.

Schlagwörter

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Verzicht auf mündliche Verhandlung Asylrecht ungenügende Substantiierung von Grundrechtsverletzungen Verletzung von Verfahrensrechten Normenkontrolle einzelne Grundrechte

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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2 BvR 657/19
Inadmissibility of constitutional complaint for lack of exhaustion of legal remedies and insufficient substantiation despite potential violation of effective legal protection in expulsion leave-to-appeal procedure
2 BvR 113/20
Insight into asylum country reports and preclusion of evidence on general country conditions in administrative proceedings
BVerfGE 19, 32
BVerfGE 19, 32 ; 49, 325 ; 64, 135 ) sowie Anträge zu stellen und Ausführungen zu machen (vgl.
BVerfGE 6, 19
BVerfGE 6, 19 ; 15, 303 ; 36, 85 ).
BVerfGE 70, 180
BVerfGE 70, 180 m.w.N.; stRspr).
2 BvR 736/95
Mai 1995 - 2 BvR 736/95 -, Rn.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG

Procedural rule cited in the final order to justify the omission of a further substantive explanation of the decision.

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Volltext

Nichtannahmebeschluss: Verzicht auf mündliche Verhandlung nach § 101 Abs 2 VwGO bedeutet nicht zugleich Verzicht auf Gewährung rechtlichen Gehörs (Art 103 Abs 1 GG) - hier: Verletzung von Art 19 Abs 4 S 1 GG naheliegend - allerdings Unzulässigkeit der Verfassungsbeschwerde mangels hinreichender Substantiierung

[TENOR]

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

[GRUENDE]

1. Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, weil sie den Substantiierungsanforderungen aus § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG nicht genügt. Der Beschwerdeführer setzt sich insbesondere nicht mit dem Umstand auseinander, dass es sich bei der letztinstanzlichen Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs um eine Nichtzulassungsentscheidung handelt. Er beschränkt sein Vorbringen im Wesentlichen auf die Rüge von Gehörsverletzungen durch das Verwaltungsgericht. Dabei hat er es versäumt, die verfassungsrechtlichen Maßstäbe für Anforderungen an die Darlegung der Zulassungsgründe zu erörtern und deutlich zu machen, aus welchen Gründen die angegriffene Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs diese überspannt habe (vgl. BVerfG, Beschlüsse der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 8. Mai 2019 - 2 BvR 657/19 -, Rn. 41 und vom 25. März 2020 - 2 BvR 113/20 -, Rn. 35 ff.).

2. Es spricht allerdings vieles dafür, dass die Nichtzulassung der Berufung vorliegend Art. 19 Abs. 4 Satz 1 GG verletzt, weil dem Beschwerdeführer durch das Urteil des Verwaltungsgerichts das rechtliche Gehör versagt wurde und die Entscheidung auf der geltend gemachten Verletzung beruhen dürfte (vgl. § 78 Abs. 3 Nr. 3 AsylG i.V.m. § 138 Nr. 3 VwGO).

a) Art. 103 Abs. 1 GG vermittelt allen an einem gerichtlichen Verfahren Beteiligten einen Anspruch darauf, sich zu dem in Rede stehenden Sachverhalt sowie zur Rechtslage zu äußern (vgl. BVerfGE 19, 32 ; 49, 325 ; 64, 135 ) sowie Anträge zu stellen und Ausführungen zu machen (vgl. BVerfGE 6, 19 ; 15, 303 ; 36, 85 ). Auch im Asylverfahren gilt, dass die Gerichte nur solche Tatsachen und Beweisergebnisse ‒ einschließlich Presseberichten und Behördenauskünften ‒ verwerten dürfen, die von einem Verfahrensbeteiligten oder dem Gericht im Einzelnen bezeichnet zum Gegenstand des Verfahrens gemacht wurden und zu denen die Beteiligten sich äußern konnten (vgl. BVerfGE 70, 180 m.w.N.; stRspr). Die Erkenntnismittel sind auch dann einzuführen, wenn die Beteiligten nach § 101 Abs. 2 VwGO auf mündliche Verhandlung verzichtet haben. Die Verzichtserklärung bedeutet in diesem Zusammenhang nicht zugleich den Verzicht auf die Gewährung rechtlichen Gehörs zu solchen, die Entscheidung tragenden Umständen, die bislang nach übereinstimmender Auffassung aller Verfahrensbeteiligter nicht entscheidungserheblich waren (vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 31. Mai 1995 - 2 BvR 736/95 -, Rn. 29; Funke-Kaiser, in: GK-AsylG, 119. Lieferung März 2019, § 78 Rn. 328). Daraus folgt, dass nach Einführung von neuen Erkenntnismitteln durch das Gericht ein angemessener Zeitraum bis zur Entscheidung über die Klage verbleiben muss.

b) Gemessen daran hatte der Beschwerdeführer ‒ wie der Verwaltungsgerichtshof zutreffend festgestellt hat ‒ keine zumutbare Möglichkeit, zu den eingeführten Erkenntnismitteln Stellung zu nehmen. Das Schreiben des Gerichts vom 21. April 2016 mit der Erkenntnismaterialliste und dem Hinweis auf weitere Quellen ist dem Beschwerdeführer am 25. April 2016 zugegangen. Bereits am 28. April 2016 hat das Verwaltungsgericht die Klage unter Bezugnahme auf Tatsachen aus den zuvor eingeführten Berichten und Entscheidungen abgewiesen. Angesichts des Umfangs dieser Berichte war der für den Beschwerdeführer verbleibende Zeitraum von drei Tagen für eine mögliche Stellungnahme jedenfalls zu kurz.

3. Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.