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1 BvR 1790/14 ECLI:DE:BVerfG:2017:rk20170413.1bvr179014 KI-generiert

Refusal of single judge to adjudicate statutory reinstatement motion violates lawful judge requirement; lack of merits prospects due to expiring deadline

Geschäftsnummer 1 BvR 1790/14
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Constitutional Court rejected the constitutional complaint and denied legal aid, holding that the petition lacked a sufficient prospect of success. The complainant challenged a letter from the presiding judge of the Federal Social Court, who refused to have the competent senate adjudicate a motion for reinstatement (Wiedereinsetzung) in the Social Court proceedings, asserting a violation of the right to a lawful judge. While the Court confirmed that under Article 101(1) sentence 2 of the German Basic Law and § 67(4) SGG, the decision on reinstatement must generally be made by the competent senate rather than a single judge, it ruled that the complaint was not admitted because the underlying motion was demonstrably time-barred. Applying § 67(1)-(2) SGG, the Court found that the one-month deadline for filing the reinstatement motion had expired upon the complainant's knowledge of the court's assumption regarding missing financial declarations, rendering a subsequent referral to the competent body without legal prospects of success.

Legislator-Regeste

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§ 67 SGG, § 90 Abs. 1 BVerfGG, § 67 Abs. 4 SGG, § 12 Abs. 1 Satz 2 SGG, § 67 Abs. 1 SGG, § 67 Abs. 2 SGG; Refusal of single judge to adjudicate statutory reinstatement motion violates lawful judge requirement; lack of merits prospects due to expiring deadline: The complainant challenged a letter from the presiding judge of the Federal Social Court, who refused to have the competent senate adjudicate a motion for reinstatement (Wiedereinsetzung) in the Social Court proceedings, asserting a violation of the right to a lawful judge. While the Court confirmed that under Article 101(1) sentence 2 of the German Basic Law and § 67(4) SGG, the decision on reinstatement must generally be made by the competent senate rather than a single judge, it ruled that the complaint was not admitted because the underlying motion was demonstrably time-barred. Applying § 67(1)-(2) SGG, the Court found that the one-month deadline for filing the reinstatement motion had expired upon the complainant's knowledge of the court's assumption regarding missing financial declarations, rendering a subsequent referral to the competent body without legal prospects of success.

Schlagwörter

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gesetzliche Voraussetzungen verfassungsmässige Anforderung Petitionsrecht Verfahren um unentgeltliche Rechtspflege Einreichungszeitpunkt Fristversäumnis

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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2 BvR 1412/13
Exhaustion of legal remedies and reinstatement of lapsed appeal deadlines due to missing legal remedy instruction in prison law proceedings
2 BvR 1175/01
Juli 2001 - 2 BvR 1175/01 -, juris, m.w.N.) unterliegt am Maßstab von Art.
BVerfGE 89, 28
BVerfGE 89, 28 ; 133, 168 ).
BVerfGE 90, 22
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 93a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG

Cited in the dispositive as the ground for rejecting the application for legal aid and the constitutional complaint due to a lack of fundamental significance.

§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG

Cited in the dispositive as the ground for rejecting the constitutional complaint because its acceptance was not necessary to enforce the complainant's fundamental rights.

§ 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG

Cited as the procedural basis for omitting a further detailed justification for the decision.

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Volltext

Nichtannahmebeschluss: Nichtbearbeitung eines Wiedereinsetzungsantrags (hier: gem § 67 SGG) im fachgerichtlichen Verfahren - Absehen von einer Entscheidung durch zuständigen Spruchkörper nur in extremen Ausnahmefällen - vorliegend jedoch auch im Falle der Zurückverweisung keine Erfolgsaussichten, da Wiedereinsetzungsantrag offensichtlich verfristet

[TENOR]

Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Rechtsanwalts wird abgelehnt, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet.

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

[GRUENDE]

Die Verfassungsbeschwerde, mit der sich der Beschwerdeführer unter anderem gegen die Nichtbearbeitung eines Antrags auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand durch den 14. Senat des Bundessozialgerichts wendet, ist nicht zur Entscheidung anzunehmen. Ihr kommt weder grundsätzliche Bedeutung zu (§ 93a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG) noch ist ihre Annahme zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte des Beschwerdeführers angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG).

1. Das Schreiben des Vorsitzenden vom 27. Mai 2014, dass der zuständige Senat nach der Ablehnung des Prozesskostenhilfeantrages und der Durchführung eines Anhörungsrügeverfahrens keinen Anlass sehe, über weitere Wiedereinsetzungsanträge zu entscheiden, und die darin zum Ausdruck gebrachte Entscheidung (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 7. August 2013 - 2 BvR 1412/13 -, juris; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 19. Juli 2001 - 2 BvR 1175/01 -, juris, m.w.N.) unterliegt am Maßstab von Art. 19 Abs. 4, Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG verfassungsrechtlichen Bedenken. Grundsätzlich darf nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG richterlich nur handeln und entscheiden, wer nach dem Gerichtsverfassungsgesetz, den Prozessordnungen sowie den Geschäftsverteilungs- und Besetzungsregelungen des Gerichts dafür zuständig ist (vgl. BVerfGE 89, 28 ; 133, 168 ). Das ist nach § 67 Abs. 4 SGG für einen Wiedereinsetzungsantrag grundsätzlich das Gericht, das über die versäumte Rechtshandlung zu befinden hat, mangels Sonderregelung in der Besetzung für die Sachentscheidung, also hier in der Besetzung des Senats durch den oder die Vorsitzende Richterin oder Richter und zwei Beisitzende (§ 40 i.V.m. § 33 Abs. 1, § 12 Abs. 1 Satz 2 SGG). Im einschlägigen Verfahrensrecht gibt es jedenfalls keine Regelung, die ein Absehen von einer Entscheidung durch den zuständigen Spruchkörper ermöglicht (zu extremen Ausnahmefällen BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 19. Juli 2001 - 2 BvR 1175/01 -, juris, Rn. 4).

2. Die Annahme der Verfassungsbeschwerde ist zur Durchsetzung der Grundrechte des Beschwerdeführers jedoch nicht angezeigt, da im Falle einer Zurückverweisung keine Erfolgsaussicht bestünde (vgl. BVerfGE 90, 22 ). Der Wiedereinsetzungsantrag ist offensichtlich verfristet. Nach § 67 Abs. 1 SGG ist denjenigen, die ohne Verschulden verhindert waren, eine gesetzliche Verfahrensfrist einzuhalten, auf Antrag Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gewähren. Nach § 67 Abs. 2 SGG ist der Antrag binnen eines Monats nach Wegfall des Hindernisses zu stellen, also spätestens dann, wenn der Betroffene oder verantwortliche Prozessbevollmächtigte einen der Fristversäumung zugrundeliegenden Irrtum erkennen müssen (vgl. Keller, in: Meyer-Ladewig/Keller/Leitherer, SGG, 11. Aufl. 2014, § 67 Rn. 11). Hier erlangte der Beschwerdeführer bereits mit der Begründung des Beschlusses vom 10. Juli 2013, der ihm am 19. Juli 2013 zugegangen ist, davon Kenntnis, dass das Bundessozialgericht davon ausging, dass er keine Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse vorgelegt habe. Wer einen Prozess gewissenhaft führt, wäre bereits dann veranlasst, einen Wiedereinsetzungsantrag zu stellen, und nicht erst nach der Durchführung eines Anhörungsrügeverfahrens am 26. Mai 2014. Eine Wiedereinsetzung in die Wiedereinsetzungsfrist kommt hier nicht in Betracht.

Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.