Subsidiarity of constitutional interim relief: Mandatory exhaustion of criminal procedural remedies to halt inspection of seized evidence under § 110 StPO
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Constitutional Court (BVerfG) rejected the application for interim relief, denying the request to suspend the execution of a search order and to maintain the sealing of seized materials pending a constitutional complaint. The applicant, a lawyer, challenged a search order issued by a local court against her law firm and the subsequent confirmation by the regional court, seeking to prevent the prosecution from inspecting seized evidence under the German Code of Criminal Procedure (StPO). The Court held that the application failed due to the principle of subsidiarity, as the applicant did not first exhaust available specialized court remedies, specifically the right to challenge the temporary seizure for inspection purposes via a judicial review based on § 98 StPO and its appeal under § 304 StPO, which would have allowed for a suspension of execution under § 307 StPO. The rejection was based on the procedural requirement under § 32 BVerfGG and § 90 BVerfGG that constitutional interim relief is only available when ordinary legal avenues are unavailing or not reasonably expected to provide adequate protection.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 110 StPO, § 32 Abs. 1 BVerfGG, § 90 Abs. 2 BVerfGG, § 98 Abs. 2 Satz 2 StPO, § 307 Abs. 2 StPO, § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG; Subsidiarity of constitutional interim relief: Mandatory exhaustion of criminal procedural remedies to halt inspection of seized evidence under § 110 StPO: The applicant, a lawyer, challenged a search order issued by a local court against her law firm and the subsequent confirmation by the regional court, seeking to prevent the prosecution from inspecting seized evidence under the German Code of Criminal Procedure (StPO). The Court held that the application failed due to the principle of subsidiarity, as the applicant did not first exhaust available specialized court remedies, specifically the right to challenge the temporary seizure for inspection purposes via a judicial review based on § 98 StPO and its appeal under § 304 StPO, which would have allowed for a suspension of execution under § 307 StPO. The rejection was based on the procedural requirement under § 32 BVerfGG and § 90 BVerfGG that constitutional interim relief is only available when ordinary legal avenues are unavailing or not reasonably expected to provide adequate protection.
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KI-generiertMain ground for rejecting the application as the prerequisites for issuing an interim order were not met.
Volltext
Ablehnung des Erlasses einer einstweiligen Anordnung: Grundsatz der Subsidiarität gebietet vorrangige Erschöpfung fachgerichtlichen Eilrechtsschutzes - hier: Rechtsbehelfe zur einstweiligen Unterbindung der Sichtung sichergestellter Beweismittel gem § 110 StPO
[TENOR]
Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung wird abgelehnt.
[GRUENDE]
Die Voraussetzungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung nach § 32 Abs. 1 BVerfGG liegen nicht vor.
Nach dieser Vorschrift kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile, zur Verhinderung drohender Gewalt oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Dabei gilt auch in dem dem Verfassungsbeschwerdeverfahren vorgelagerten verfassungsgericht-lichen Eilrechtsschutzverfahren der Grundsatz der Subsidiarität (vgl. § 90 Abs. 2 BVerfGG). Der Erlass einer einstweiligen Anordnung kommt daher nur in Betracht, wenn der Antragsteller bestehende Möglichkeiten, fachgerichtlichen Eilrechtsschutz zu erlangen, ausgeschöpft hat (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 24. März 2014 - 1 BvQ 9/14 -, juris, Rn. 2; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 6. Juni 2013 - 2 BvQ 26/13 -, juris, Rn. 4; stRspr).
Daran fehlt es im vorliegenden Fall.
1. Die Antragstellerin begehrt einstweiligen Rechtsschutz vor Erhebung einer Verfassungsbeschwerde gegen den Beschluss des Amtsgerichts München vom 6. März 2017, mit dem die Durchsuchung der von ihr mandatierten Rechtsanwaltskanzlei angeordnet worden ist. Die gegen diesen Beschluss gerichteten Beschwerden der Antragstellerin und der Rechtanwaltskanzlei hat das Landgericht München I mit Beschluss vom 8. Mai 2017 als unbegründet verworfen. Die Antragstellerin beantragt, im Wege der einstweiligen Anordnung die Vollziehung des Durchsuchungsbeschlusses auszusetzen und die Versiegelung der sichergestellten/beschlagnahmten Unterlagen und Daten bis zur Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde aufrecht zu erhalten.
2. Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung ist damit darauf gerichtet, die Durchsicht der vorläufig sichergestellten Beweismittel durch die Staatsanwaltschaft (§ 110 StPO) einstweilen zu unterbinden. Insoweit hat die Antragstellerin die Möglichkeiten des fachgerichtlichen Eilrechtsschutzes nicht ausgeschöpft. Gegen die vorläufige Sicherstellung von Daten und Gegenständen zur Durchsicht gemäß § 110 StPO kann der Betroffene analog § 98 Abs. 2 Satz 2 StPO eine fachgerichtliche Entscheidung herbeiführen (BVerfGK 1, 126 ; Beschlüsse der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 18. März 2009 - 2 BvR 1036/08 -, juris, Rn. 48 ff. und vom 18. Februar 2010 - 2 BvQ 8/10 -, juris, Rn. 4). Betroffene der Sicherungsstellungsmaßnahme ist nicht nur die Rechtsanwaltskanzlei, sondern auch die Antragstellerin, soweit die sichergestellten Beweismittel personenbezogene Daten über sie enthalten (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 2. April 2006 - 2 BvR 237/06, 2 BvR 246/06, 2 BvR 256/06 -, juris, Rn. 3; Schmitt, in: Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 60. Aufl. 2017, § 98 Rn. 20). Die auf den Rechtsbehelf nach § 98 Abs. 2 Satz 2 StPO ergangene Entscheidung des Amtsgerichts kann selbständig mit der Beschwerde (§ 304 Abs. 1 und 2 StPO) angefochten werden (vgl. BVerfGK 1, 126 ; Beschlüsse der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 18. März 2009 - 2 BvR 1036/08 -, juris, Rn. 51 und vom 18. Februar 2010 - 2 BvQ 8/10 -, juris, Rn. 4). Das Beschwerdegericht kann die Vollziehung der angefochtenen Entscheidung gemäß § 307 Abs. 2 StPO von Amts wegen oder auf Antrag vorläufig aussetzen. Diese Rechtsschutzmöglichkeiten hat die Antragstellerin nicht ergriffen. Gründe, warum ihr die Inanspruchnahme ausnahmsweise gemäß § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG nicht zuzumuten sein könnte, sind weder dargelegt worden noch sonst ersichtlich.
Diese Entscheidung ist unanfechtbar.