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2 BvQ 22/17 ECLI:DE:BVerfG:2017:qk20170505.2bvq002217 KI-generiert

Einstweilige Anordnung against reading of criminal judgment: insufficient substantiation of constitutional violation in attorney-client confidentiality dispute

Geschäftsnummer 2 BvQ 22/17
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Constitutional Court of Germany (Second Senate, Second Chamber) rejected the applicant’s request for a temporary injunction (einstweilige Anordnung), ruling that the application was inadmissible due to insufficient substantiation. The applicant, a lawyer, sought to prevent the reading of a district court criminal judgment during an appellate main hearing at the regional court, arguing that this procedural step would cause severe damage to his professional standing and violate fundamental rights. The court found that the applicant failed to provide a sufficiently detailed constitutional argumentation regarding the specific procedural act and unsubstantiatedly alleged that the reading of the judgment would expose confidential client-attorney relations and constitute retaliation by a corrupt judicial group. Under § 32(1) of the Federal Constitutional Court Act (BVerfGG), a temporary injunction requires the applicant to enable the court to assess the fulfillment of prerequisites for its issuance; where the underlying constitutional complaint is manifestly inadmissible or unfounded, such relief is unavailable.

Legislator-Regeste

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§ 32 Abs. 1 BVerfGG, Art. 5 GG, Art. 2 GG; Einstweilige Anordnung against reading of criminal judgment: insufficient substantiation of constitutional violation in attorney-client confidentiality dispute: The applicant, a lawyer, sought to prevent the reading of a district court criminal judgment during an appellate main hearing at the regional court, arguing that this procedural step would cause severe damage to his professional standing and violate fundamental rights. The court found that the applicant failed to provide a sufficiently detailed constitutional argumentation regarding the specific procedural act and unsubstantiatedly alleged that the reading of the judgment would expose confidential client-attorney relations and constitute retaliation by a corrupt judicial group. Under § 32(1) of the Federal Constitutional Court Act (BVerfGG), a temporary injunction requires the applicant to enable the court to assess the fulfillment of prerequisites for its issuance; where the underlying constitutional complaint is manifestly inadmissible or unfounded, such relief is unavailable.

Schlagwörter

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Verletzung von Verfahrensrechten verfassungsrechtliche Rüge Strafanzeige einzelne Grundrechte Auslegung von Urteilen Eilvorabentscheidungsverfahren

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BVerfGE 108, 238
BVerfGE 108, 238 ; stRspr).
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 32 Abs. 1 BVerfGG

The provision cited to determine the admissibility requirements for the application for a temporary injunction, which the court found not met.

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Volltext

Ablehnung des Erlasses einer einstweiligen Anordnung: unzureichende Substantiierung des Vorliegens der Voraussetzungen einer eA, mit der die Verlesung eines amtsgerichtlichen Strafurteils in einer landgerichtlichen Berufungshauptverhandlung verhindert werden soll

[TENOR]

Der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung wird abgelehnt.

[GRUENDE]

1. Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall auch schon vor Anhängigkeit eines Verfahrens zur Hauptsache einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Erweist sich die - eingelegte oder noch zu erhebende - Verfassungsbeschwerde von vornherein als unzulässig oder offensichtlich unbegründet, kommt eine einstweilige Anordnung nicht in Betracht (vgl. BVerfGE 108, 238 ; stRspr).

2. Ein Antrag nach § 32 Abs. 1 BVerfGG ist nur zulässig, wenn das Antragsvorbringen es dem Bundesverfassungsgericht ermöglicht, das Vorliegen der Voraussetzungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung zu beurteilen (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 17. Februar 2011 - 2 BvQ 50/10 -, juris, m.w.N.; stRspr). Daran fehlt es hier.

a) Die Antragsschrift lässt bereits eine ausreichend substantiierte verfassungsrechtlich argumentierende Auseinandersetzung mit der angeblich beabsichtigten und aus Sicht des Antragstellers zu beanstandenden Verfahrenshandlung vermissen. Der Vortrag, durch das Verlesen des Urteils des Amtsgerichts Reutlingen vom 5. Oktober 2011 mit dem Aktenzeichen 7 Ds 24 Js 7896/11 im Rahmen einer für den 8. Mai 2017 anberaumten Berufungsverhandlung würde ein "bleibender Schaden für den Stand der Rechtsanwälte, für die Justiz und für die Strafrechtspflege" verursacht, was zu einer "massiven Grundrechtsverletzung von Art. 12, 14, Art. 5 GG sowie Art. 2 GG (meine Menschenwürde sowie die meiner Mandantschaft) durch die Justizbehörden" führe, wird den an die Begründung eines Antrags gemäß § 32 Abs. 1 BVerfGG zu stellenden Anforderungen nicht gerecht. Die weitere Behauptung, das gesamte vorliegende Strafverfahren stelle sich "insgesamt als Rachehandlung einer korrupten Gruppe innerhalb der Justiz im Bereich Reutlingen/Tübingen dafür dar, dass dem Rechtsanwalt im Rahmen seiner gemäß Art. 12, 14 GG geschützten Berufsausübung anvertraute Mitteilungen einer Mandantin im Bereich der Justiz (Bestechung einer Richterin!), nachdem er sich vorab von der Richtigkeit dieser Mitteilung durch drei (!) schriftliche Versicherungen an Eides Statt abgesicherte hatte, den zuständigen Ermittlungsbehörden übergeben hatte", ist ebenfalls unsubstantiiert.

b) Das gleiche gilt, soweit der Antragsteller behauptet, durch das Verlesen des Urteils des Amtsgerichts Reutlingen vom 5. Oktober 2011 würden seine Mandate, seine Strategien, die Gründe von einzelnen Passagen aus seinen anwaltlichen Schriftsätzen und geschützte Interna der Anwalts-Mandantenbeziehung offengelegt und hierdurch das Vertrauen der Öffentlichkeit in Anwälte permanent geschädigt.

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.