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1 BvR 1825/16 ECLI:DE:BVerfG:2016:rk20160921.1bvr182516 KI-generiert

Denial of interim social welfare relief for lack of urgency where applicant rejected insurer's provisional cost coverage

Geschäftsnummer 1 BvR 1825/16
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Constitutional Court refused to accept the constitutional complaint for decision, thereby leaving the lower courts' denial of interim relief in force and rendering the request for a preliminary injunction moot. The dispute concerned a minor's failed application for emergency judicial protection regarding the provision of a child car seat under social law, where the social courts rejected the request due to the absence of an "urgent need" (Anordnungsgrund) for interim measures, despite the existence of a pending main proceedings. The Court held the complaint inadmissible for lacking a substantiated argument under §§ 23, 92 BVerfGG, finding that the applicant failed to demonstrate a violation of Art. 2(1), 2(2), or 19(4) GG in conjunction with the social state principle; specifically, the lower courts' interpretation of § 86b(2) sentence 2 SGG, which permits considering the ability to bridge the time until the final judgment with one's own means or that of maintenance-liable parents, was not shown to be based on a fundamentally incorrect view of fundamental rights, especially given the health insurance company's offer to cover costs provisionally which the applicant had rejected.

Legislator-Regeste

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§ 92 BVerfGG, Art. 2 Abs. 1 GG, Art. 2 Abs. 2 GG, Art. 19 Abs. 4 GG, § 86b Abs. 2 Satz 2 SGG, § 1601 BGB; Denial of interim social welfare relief for lack of urgency where applicant rejected insurer's provisional cost coverage: The dispute concerned a minor's failed application for emergency judicial protection regarding the provision of a child car seat under social law, where the social courts rejected the request due to the absence of an "urgent need" (Anordnungsgrund) for interim measures, despite the existence of a pending main proceedings. The Court held the complaint inadmissible for lacking a substantiated argument under §§ 23, 92 BVerfGG, finding that the applicant failed to demonstrate a violation of Art. 2(1), 2(2), or 19(4) GG in conjunction with the social state principle; specifically, the lower courts' interpretation of § 86b(2) sentence 2 SGG, which permits considering the ability to bridge the time until the final judgment with one's own means or that of maintenance-liable parents, was not shown to be based on a fundamentally incorrect view of fundamental rights, especially given the health insurance company's offer to cover costs provisionally which the applicant had rejected.

Schlagwörter

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sozialversicherungsrechtlicher Vorbescheid Vorläufiger Rechtsschutz Deckung der Krankenversicherung Recht des Versicherers provisorische Deckung Wohlfahrtsstaat

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BVerfGE 99, 84
BVerfGE 99, 84 ; 108, 370 ).
BVerfGE 101, 331
BVerfGE 101, 331 ; 105, 252 ).
BVerfGE 89, 1
BVerfGE 89, 1 ; 99, 145 ).
1 BvR 1630/16
Urgent relief for personal budget increase: limits on proving urgency under effective legal protection
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 40 Abs. 3 GOBVerfG

Procedural rule cited in the dispositive to determine that the request for a preliminary injunction became moot upon the non-acceptance of the constitutional complaint.

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Volltext

Nichtannahmebeschluss: Unzureichende Darlegung einer Grundrechtsverletzung (§§ 23 Abs 1 S 2, 92 BVerfGG) bzgl Versagung sozialgerichtlichen Eilrechtsschutzes bei Fehlen eines Anordnungsgrundes

[TENOR]

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

Mit der Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde wird der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegenstandslos (§ 40 Abs. 3 GOBVerfG).

[GRUENDE]

Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, weil es ihr an einer substantiierten Begründung (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG) mangelt. Nach diesen Vorschriften ist ein Beschwerdeführer gehalten, innerhalb der Beschwerdefrist die Grundrechtsverletzung durch Bezeichnung des angeblich verletzten Rechts und des die Verletzung enthaltenden Vorgangs substantiiert und schlüssig vorzutragen. Dabei hat er auch darzulegen, inwieweit durch die angegriffene Maßnahme das bezeichnete Grundrecht verletzt sein soll (vgl. BVerfGE 99, 84 ; 108, 370 ). Werden gerichtliche Entscheidungen angegriffen, so muss sich der Beschwerdeführer auch mit deren Gründen auseinandersetzen (vgl. BVerfGE 101, 331 ; 105, 252 ).

Auslegung und Anwendung des einfachen Rechts sind Sache der Fachgerichte; das Bundesverfassungsgericht beanstandet nur die Verletzung von Verfassungsrecht. Die Schwelle eines Verstoßes gegen Verfassungsrecht, den das Bundesverfassungsgericht zu korrigieren hat, ist erst erreicht, wenn die Auslegung oder Anwendung des Rechts durch die Fachgerichte Fehler erkennen lässt, die auf einer grundsätzlich unrichtigen Anschauung von der Bedeutung des Grundrechts, insbesondere vom Umfang seines Schutzbereichs, beruhen und auch in ihrer materiellen Bedeutung für den konkreten Rechtsfall von einigem Gewicht sind (vgl. BVerfGE 89, 1 ; 99, 145 ).

Der Vortrag des Beschwerdeführers lässt einen Verstoß gegen Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip, Art. 2 Abs. 2 GG sowie Art. 19 Abs. 4 GG durch die Auslegung und Anwendung der Vorschrift über den gerichtlichen Eilrechtsschutz (§ 86b Abs. 2 Satz 2 Sozialgerichtsgesetz ) nicht erkennen.

Auf der Grundlage des vorliegend anzuwendenden § 86b Abs. 2 Satz 2 SGG haben die Gerichte im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes zu prüfen, ob dem Antragsteller ein Abwarten bis zur Hauptsacheentscheidung zuzumuten ist, oder ob eine vorläufige Regelung zur Abwendung wesentlicher Nachteile im Einzelfall notwendig ist. Dabei ist zu berücksichtigen, ob der Antragsteller die Zeit bis zur Entscheidung in der Hauptsache mit eigenen Mitteln - oder mit zumutbarer Hilfe Dritter - überbrücken kann (vgl. Landessozialgericht Sachsen-Anhalt, Beschluss vom 17. April 2015 - L 4 AS 137/15 B ER -, juris, Rn. 25; Schleswig-Holsteinisches Landessozialgericht, Beschluss vom 28. März 2011 - L 5 KR 20/11 B ER -, juris, Rn. 10; zu den verfassungsrechtlichen Grenzen ihrer Sichtweise vgl. allerdings BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 12. September 2016 - 1 BvR 1630/16 -, juris, Rn. 12).

Vor diesem Hintergrund greift die Argumentation des Beschwerdeführers, er selbst verfüge als Minderjähriger über keinerlei Vermögen, zu kurz. Es ist weder hinreichend substantiiert vorgetragen noch ist ersichtlich, inwieweit die Berücksichtigung auch des Vermögens der nach § 1601 BGB unterhaltspflichtigen Eltern durch die Sozialgerichte im Rahmen des Eilverfahrens verfassungsrechtlich zu beanstanden wäre und die Eltern die Kosten der beantragten Versorgung nicht vorzuleisten in der Lage wären. Im Übrigen hat die Krankenkasse ihm die vorläufige Kostenübernahme für den beantragten Kindersitz bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens angeboten. Er hat dieses Angebot aber abgelehnt.

Die Ausführungen zum krankenversicherungsrechtlichen Leistungsanspruch gehen ins Leere, da die Fachgerichte keine Feststellungen zum Bestehen eines Anordnungsanspruchs getroffen, sondern ihre Entscheidungen auf das Nichtvorliegen eines Anordnungsgrundes gestützt haben.

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.