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2 BvR 2396/14 ECLI:DE:BVerfG:2015:rk20151022.2bvr239614 KI-generiert

Exhaustion of legal remedies via objection to denial of hearing for failure to notify judicial personnel changes

Geschäftsnummer 2 BvR 2396/14
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Constitutional Court refused to accept the constitutional complaint, ruling it inadmissible because the complainant failed to exhaust the required legal remedies by not filing a prior objection to denial of hearing (*Anhörungsrüge*). The dispute concerned a violation of the right to be heard under Article 103(1) of the Basic Law, arising from the Regional Court’s failure to (1) provide the complainant with the correctional facility’s response to his counter-argument before issuing a decision on interim relief and (2) proactively notify him of a new judge assigned to the case following a change in judicial personnel, despite a prior notification request under Section 24(3) Sentence 2 of the Code of Criminal Procedure. The Court held that these omissions constituted a breach of the right to be heard, which includes the duty to inform parties of any changes in the composition of the court to allow for the filing of recusal motions, and that the complainant was obligated to challenge this violation via *Anhörungsrüge* before seeking constitutional review, as no exceptional reasons rendered this step unreasonable.

Legislator-Regeste

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§ 90 Abs 2 BVerfGG, § 93a Abs. 2 BVerfGG, Art. 103 Abs. 1 GG, § 33a StPO, § 24 Abs. 3 Satz 2 StPO, § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG; Exhaustion of legal remedies via objection to denial of hearing for failure to notify judicial personnel changes: The dispute concerned a violation of the right to be heard under Article 103(1) of the Basic Law, arising from the Regional Court’s failure to (1) provide the complainant with the correctional facility’s response to his counter-argument before issuing a decision on interim relief and (2) proactively notify him of a new judge assigned to the case following a change in judicial personnel, despite a prior notification request under Section 24(3) Sentence 2 of the Code of Criminal Procedure. The Court held that these omissions constituted a breach of the right to be heard, which includes the duty to inform parties of any changes in the composition of the court to allow for the filing of recusal motions, and that the complainant was obligated to challenge this violation via *Anhörungsrüge* before seeking constitutional review, as no exceptional reasons rendered this step unreasonable.

Schlagwörter

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Anspruch auf rechtliches Gehör Normenkontrolle ungenügende Substantiierung von Grundrechtsverletzungen Erschöpfung des Instanzenzuges Ausstandsbegehren Eröffnung des Entscheids

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BVerfGE 90, 22
Die Verfassungsbeschwerde wird gemäß § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht zur Entscheidung angenommen, weil sie keine Aussicht auf Erfolg hat (vgl. BVerfGE 90, 22 ). Die Verfassungsbeschwerde ist gemäß § 90 Abs. 2 BVerfGG unzulässig, weil der Beschwerdeführer den Rechtsweg nicht erschöpft hat.
BVerfGE 19, 32
BVerfGE 19, 32 ; 49, 325 ; BVerfGK 7, 438 ).
2 BvR 1183/09
Prison detention and denial of personal property: Violation of the right to be heard by withholding opposing party submissions in custody proceedings
2 BvR 301/11
Constitutional complaint deemed inadmissible due to failure to exhaust legal remedies via hearing objection (Anhöungsrüge) for alleged violation of right to be heard.
2 BvR 103/91
Juni 1991 - 2 BvR 103/91 -, juris, Rn.
2 BvR 1264/08
August 2008 - 2 BvR 1264/08 -, juris, Rn.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 93a Abs. 2 BVerfGG

Cited in the first operative order as the basis for refusing to accept the constitutional complaint due to a lack of prospect of success.

§ 90 Abs. 2 BVerfGG

Cited in the first operative order to establish the admissibility requirement that the legal path must be exhausted before filing a constitutional complaint.

§ 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG

Cited in the final section of the decision to justify omitting a further substantive explanation of the refusal.

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Volltext

Nichtannahmebeschluss: Erhebung der Anhörungsrüge zur Rechtswegerschöpfung (§ 90 Abs 2 BVerfGG) geboten, wenn nach Mitteilung der Gerichtsbesetzung gem § 24 Abs 3 S 2 StPO und erneutem Richterwechsel die Besetzung des Gerichts nicht von Amts wegen mitgeteilt wurde

[GRUENDE]

Die Verfassungsbeschwerde wird gemäß § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht zur Entscheidung angenommen, weil sie keine Aussicht auf Erfolg hat (vgl. BVerfGE 90, 22 ). Die Verfassungsbeschwerde ist gemäß § 90 Abs. 2 BVerfGG unzulässig, weil der Beschwerdeführer den Rechtsweg nicht erschöpft hat.

1. Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG) durch das Landgericht. Hiergegen steht ihm der Rechtsbehelf der Anhörungsrüge nach § 120 Abs. 1 StVollzG in Verbindung mit § 33a StPO zur Verfügung. Das Verfahren der Anhörungsrüge gehört zum Rechtsweg im Sinne des § 90 Abs. 2 BVerfGG (vgl. BVerfGK 5, 337 ), der grundsätzlich vor Erhebung der Verfassungsbeschwerde erschöpft sein muss.

2. Eine Anhörungsrüge war hier nicht deshalb entbehrlich, weil sie offensichtlich aussichtslos gewesen wäre (vgl. BVerfGK 7, 403 ).

Dass das Landgericht zum einen mit dem angegriffenen Beschluss über den einstweiligen Rechtsschutzantrag des Beschwerdeführers entschieden hat, ohne ihm zuvor die Stellungnahme der Justizvollzugsanstalt zur Erwiderung zuzuleiten, und dass es zum anderen den Beschluss gefasst hat, ohne dem Beschwerdeführer zuvor den nach dem Richterwechsel - abweichend von der auf sein Verlangen bereits erfolgten Mitteilung - zur Entscheidung berufenen Richter von Amts wegen zu nennen, stellt einen Gehörsverstoß dar.

Art. 103 Abs. 1 GG gewährt jedem Verfahrensbeteiligten die grundsätzliche Möglichkeit, sich im Verfahren in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht zu äußern (vgl. BVerfGE 19, 32 ; 49, 325 ; BVerfGK 7, 438 ). Die Gelegenheit zur Äußerung muss grundsätzlich zu jedem dem Gericht unterbreiteten Vortrag eingeräumt werden, der für die Entscheidung erheblich ist (vgl. BVerfGE 19, 32 ; 49, 325 ; 89, 381 ; BVerfGK 7, 438 ). Dazu gehören Stellungnahmen der Gegenseite (vgl. BVerfGK 7, 438 ; BVerfG, Beschlüsse der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 15. November 2010 - 2 BvR 1183/09 -, juris, Rn. 22 und vom 21. März 2011 - 2 BvR 301/11 -, juris, Rn. 2).

Als Ausprägung des grundrechtsgleichen Rechts aus Art. 103 Abs. 1 GG verlangt § 24 Abs. 3 Satz 2 StPO, den zur Ablehnung Berechtigten auf Verlangen die zur Mitwirkung bei der Entscheidung berufenen Gerichtspersonen namhaft zu machen und ihnen eine angemessene Frist einzuräumen, um gegebenenfalls gegen diese Gerichtspersonen einen Befangenheitsantrag zu stellen und zu begründen (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 5. Juni 1991 - 2 BvR 103/91 -, juris, Rn. 23 ff.; Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 26. August 2008 - 2 BvR 1264/08 -, juris, Rn. 6). Dies gebietet, den Betroffenen, dem auf sein Verlangen die zur Entscheidung berufenen Gerichtspersonen mitgeteilt worden sind, über jede Änderung in der Besetzung von Amts wegen zu informieren (vgl. zu § 24 Abs. 3 Satz 2 StPO: RGSt 66, 10 ; BayObLG, Urteil vom 29. September 1989 - RReg 2 St 10/89 -, juris, Rn. 11; Schmitt, in: Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 58. Auflage 2015, § 24 Rn. 21).

Diese Anforderungen des Art. 103 Abs. 1 GG gelten - auch wenn der Gehörsverstoß nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Aufhebung der ergangenen Entscheidung nur unter der Voraussetzung führt, dass sie auf dem Verstoß beruht (vgl. BVerfGE 7, 239 ; 13, 132 ; 52, 131 ; 89, 381 ) - grundsätzlich unabhängig davon, ob unter den gegebenen Umständen von der Möglichkeit auszugehen ist, dass eine etwaige Äußerung Einfluss auf das Entscheidungsergebnis gewinnt oder nicht. Denn der grundrechtliche Anspruch auf rechtliches Gehör dient nicht nur der Gewährleistung sachrichtiger Entscheidungen, sondern auch der Wahrung der Subjektstellung der Beteiligten im gerichtlichen Verfahren (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 6. Juni 2011 - 2 BvR 2076/08 -, juris, Rn. 3 m.w.N.).

3. Sonstige Gründe, derentwegen es dem Beschwerdeführer ausnahmsweise unzumutbar sein könnte (§ 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG), den Rechtsweg mit der Anhörungsrüge auszuschöpfen, sind nicht ersichtlich.

Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.