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2 BvR 1180/15 ECLI:DE:BVerfG:2015:rk20150707.2bvr118015 KI-generiert

Constitutional admissibility requirements for involuntary neuroleptic treatment orders

Geschäftsnummer 2 BvR 1180/15
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Constitutional Court (BVerfG) declared the constitutional complaint inadmissible and refused to take up the case, rendering the request for interim relief moot, while acknowledging that the lower court's decision suffered from serious constitutional defects. The dispute concerned the judicial approval of a two-year extension of involuntary psychiatric treatment with neuroleptics for a detained patient; the patient challenged this extension and the underlying statutory framework. Although the Court noted that a two-year extension was disproportionate, the order was too indefinite regarding the specific mode of treatment, and the decision lacked sufficient analysis of the patient's incapacity to recognize the necessity of the measures, rendering the lower court's ruling constitutionally flawed. Nevertheless, the complaint was inadmissible due to the failure to observe the one-month filing deadline, the non-exhaustion of legal remedies regarding the concrete execution of the treatment, and the lack of standing to challenge the abstract statutory provision. The decisive legal basis involved Article 2(2) Sentence 1 of the Basic Law (physical integrity), § 29(5) of the Thuringian Prison Act (ThürMRVG) in conjunction with §§ 312, 329 of the Family Courts Act (FamFG) limiting extensions to six weeks, and §§ 90, 92, 93, 93a, 93d of the Federal Constitutional Court Act (BVerfGG).

Legislator-Regeste

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§ 93a Abs. 2 BVerfGG, § 323 Abs. 1 Nr. 1 FamFG, § 93 Abs. 1 BVerfGG, § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG, § 92 BVerfGG, § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG; Constitutional admissibility requirements for involuntary neuroleptic treatment orders: The dispute concerned the judicial approval of a two-year extension of involuntary psychiatric treatment with neuroleptics for a detained patient; the patient challenged this extension and the underlying statutory framework. Although the Court noted that a two-year extension was disproportionate, the order was too indefinite regarding the specific mode of treatment, and the decision lacked sufficient analysis of the patient's incapacity to recognize the necessity of the measures, rendering the lower court's ruling constitutionally flawed. Nevertheless, the complaint was inadmissible due to the failure to observe the one-month filing deadline, the non-exhaustion of legal remedies regarding the concrete execution of the treatment, and the lack of standing to challenge the abstract statutory provision. The decisive legal basis involved Article 2(2) Sentence 1 of the Basic Law (physical integrity), § 29(5) of the Thuringian Prison Act (ThürMRVG) in conjunction with §§ 312, 329 of the Family Courts Act (FamFG) limiting extensions to six weeks, and §§ 90, 92, 93, 93a, 93d of the Federal Constitutional Court Act (BVerfGG).

Schlagwörter

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psychiatrische Behandlung verfassungsmässige Schranken gesetzliche Voraussetzung Prozessrecht Erschöpfung des Instanzenzuges Zwangsmedikation

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BVerfGE 90, 22
BVerfGE 90, 22 ; 96, 245 ; BVerfGK 12, 189 ).
BVerfGE 128, 282
hierzu BVerfGE 128, 282 ; 129, 269 ; 133, 112 ).
XII ZB 236/05
Februar 2006 - XII ZB 236/05 -, Rz.
2 BvR 1899/14
Compulsory medical treatment in psychiatric institutional care: requirement to exhaust judicial review under state execution laws
BVerfGE 110, 370
BVerfGE 110, 370 ; 125, 39 ; 126, 112 ).
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG

Procedural rule invoked to dispense with a further detailed reasoning for the non-acceptance of the constitutional complaint.

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Volltext

Nichtannahmebeschluss: Verlängerung einer Zwangsbehandlung mit Neuroleptika für eine Dauer von zwei Jahren ist unverhältnismäßig und entbehrt gesetzlicher Grundlage (§ 29 Abs 5 S 6 MVollzG TH iVm § 312 S 2, § 329 Abs 1 S 2, Abs 2 S 1 FamFG) - schwerwiegender Eingriff in Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit (Art 2 Abs 2 S 1 GG) - hier jedoch Unzulässigkeit der Verfassungsbeschwerde mangels Fristwahrung, Rechtswegerschöpfung und Beschwerdebefugnis

[GRUENDE]

1. Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen, da die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen; die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg (vgl. BVerfGE 90, 22 ; 96, 245 ; BVerfGK 12, 189 ). Zwar begegnet zumindest der Beschluss des Landgerichts vom 17. April 2015 schwerwiegenden verfassungsrechtlichen Bedenken. Die Verfassungsbeschwerde ist jedoch unzulässig.

a) Bei der medizinischen Zwangsbehandlung eines Untergebrachten mit Neuroleptika handelt es sich um einen besonders schwerwiegenden Eingriff in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit aus Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG (vgl. BVerfGE 128, 282 ). Den sich hieraus ergebenden Anforderungen wird der auf der Grundlage von § 29 Abs. 5 ThürMRVG ergangene Beschluss vom 17. April 2015, mit dem das Landgericht der "am 15.11.2014 begonnenen Zwangsmedikation […] für die Dauer von weiteren 2 Jahren zugestimmt" hat, nicht gerecht.

Insbesondere hätte das Landgericht seine Zustimmung zu der Verlängerung der Zwangsbehandlung nicht für eine Dauer von zwei Jahren erteilen dürfen. Gemäß § 29 Abs. 5 Satz 6 ThürMRVG in Verbindung mit § 312 Satz 2, § 329 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 Satz 1 FamFG darf die Zustimmung zu der Verlängerung einer Zwangsbehandlung jeweils nur für die Dauer von sechs Wochen erteilt werden (vgl. auch Thüringer OLG, Beschluss vom 11. Februar 2015 - 1 Ws 40/15 -, Rz. 18, juris). Auch unabhängig von dieser gesetzlichen Regelung erscheint eine Verlängerung um zwei Jahre unverhältnismäßig. Außerdem ist der Tenor des Beschlusses zu unbestimmt, da sich hieraus nichts zu der Art und Weise der Zwangsbehandlung ergibt (vgl. § 29 Abs. 5 Satz 6 ThürMRVG i.V.m. § 312 Satz 2, § 323 Abs. 1 Nr. 1 FamFG; siehe hierzu BTDrucks 17/11513, S. 8 mit Verweis auf BGH, Beschluss vom 1. Februar 2006 - XII ZB 236/05 -, Rz. 27, juris). Auch den Gründen des Beschlusses lässt sich zu der Art und Weise der Behandlung nur entnehmen, dass die Medikation "mit den Medikamenten Ciatyl-Z-Accuphase, und sobald möglich Fluanxol depot" durchgeführt werde. Darüber hinaus fehlt es an einer ausreichenden Auseinandersetzung mit den Tatbestandsvoraussetzungen des § 29 ThürMRVG. Insbesondere lässt sich dem Beschluss nicht explizit entnehmen, ob der Beschwerdeführer gemäß § 29 Abs. 2 Nr. 1 ThürMRVG krankheitsbedingt nicht in der Lage war, die Notwendigkeit der ärztlichen Maßnahmen zu erkennen oder nach dieser Einsicht zu handeln (vgl. hierzu BVerfGE 128, 282 ; 129, 269 ; 133, 112 ).

b) Indes ist die Verfassungsbeschwerde unzulässig. Im Hinblick auf die angegriffenen gerichtlichen Entscheidungen ergibt sich die Unzulässigkeit bereits daraus, dass die Monatsfrist des § 93 Abs. 1 BVerfGG nicht gewahrt worden ist. Soweit sich der Beschwerdeführer gegen die Anordnung von Zwangsbehandlungsmaßnahmen durch den Chefarzt sowie deren Durchführung wendet, hat er den Rechtsweg nicht erschöpft (vgl. § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG). Gegen diese Maßnahmen kann der Beschwerdeführer einen Antrag auf gerichtliche Entscheidung nach § 138 Abs. 3 in Verbindung mit §§ 109 ff. StVollzG stellen (vgl. Thüringer OLG, Beschluss vom 11. Februar 2015 - 1 Ws 40/15 -, Rz. 6, juris; Thüringer OLG, Beschluss vom 26. Februar 2015 - 1 Ws 72/15 -, Rz. 3, juris; vgl. auch BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 24. September 2014 - 2 BvR 1899/14 -, Rz. 2 m.w.N., juris). Soweit der Beschwerdeführer die Regelung in § 29 Abs. 5 ThürMRVG angreift, fehlt es ihm an der Beschwerdebefugnis. Er ist von der gesetzlichen Regelung nicht unmittelbar betroffen, da es weiterer Vollzugsakte bedarf, um seine Rechtsstellung zu verändern (vgl. BVerfGE 110, 370 ; 125, 39 ; 126, 112 ). Vor diesem Hintergrund kann dahinstehen, inwieweit die Verfassungsbeschwerde den Begründungsanforderungen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG genügt.

2. Durch die Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde wird der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegenstandslos.

3. Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.