Postulation capacity of a German resident Romanian lawyer: exclusion of temporary service provision under EU law due to permanent establishment
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Constitutional Court issued an order declaring that the respondent legal representative lacked the professional qualification to represent parties, thereby preventing him from acting as counsel in the pending organ dispute. The case involved a procedural challenge regarding postulation capacity, where the representative, whose admission as a German lawyer had been revoked for health reasons in 2003 and who subsequently obtained definitive lawyer status in Romania, attempted to represent multiple parties at the German Federal Constitutional Court. Relying on EU legal norms, the representative argued that his activities constituted temporary service provision under the German Lawyers’ Admission Act (EuRAG) and Directive 77/249/EWG, allowing him to practice without joining the local German bar association. The Court rejected this argument, ruling that the representative’s establishment of a secondary office in Bonn, his continuous and regular litigation in Germany, and his stated intention to practice indefinitely constituted a permanent establishment rather than a temporary service. Consequently, the Court held that the right to provide services on a temporary basis (Article 57 TFEU) did not apply, and the representative was required to adhere to the stricter registration requirements for permanently established European lawyers under §§ 2 et seq. EuRAG, which he had not satisfied.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 22 Abs 1 BVerfGG, Art 57 Abs 3 AEUV, Art. 57 AEUV, § 22 Absatz 1 Bundesverfassungsgerichtsgesetz; Postulation capacity of a German resident Romanian lawyer: exclusion of temporary service provision under EU law due to permanent establishment: The case involved a procedural challenge regarding postulation capacity, where the representative, whose admission as a German lawyer had been revoked for health reasons in 2003 and who subsequently obtained definitive lawyer status in Romania, attempted to represent multiple parties at the German Federal Constitutional Court. Relying on EU legal norms, the representative argued that his activities constituted temporary service provision under the German Lawyers’ Admission Act (EuRAG) and Directive 77/249/EWG, allowing him to practice without joining the local German bar association. The Court rejected this argument, ruling that the representative’s establishment of a secondary office in Bonn, his continuous and regular litigation in Germany, and his stated intention to practice indefinitely constituted a permanent establishment rather than a temporary service. Consequently, the Court held that the right to provide services on a temporary basis (Article 57 TFEU) did not apply, and the representative was required to adhere to the stricter registration requirements for permanently established European lawyers under §§ 2 et seq. EuRAG, which he had not satisfied.
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KI-generiertBasis for the order declaring that the representative is not capable of postulation, directly justifying the denial of the request to act as counsel.
Volltext
Mangelnde Postulationsfähigkeit eines in Deutschland niedergelassenen rumänischen Avocat definitiv gem § 22 Abs 1 BVerfGG, §§ 25ff EuRAG - keine lediglich vorübergehende Dienstleistung iSd Art 57 Abs 3 AEUV bei inländischer Niederlassung und regelmäßiger sowie auf Dauer angelegter Tätigkeit im Inland
[TENOR]
Es wird festgestellt, dass Rechtsassessor P. nicht postulationsfähig ist (§ 22 Absatz 1 Bundesverfassungsgerichtsgesetz).
[GRUENDE]
A. In dem vorliegenden Organstreitverfahren tritt Rechtsassessor P. als Bevollmächtigter für zehn Parteien und Vereinigungen auf. Das Verfahren soll am 18. Dezember 2013 mündlich verhandelt werden.
Mit Bescheid vom 4. Dezember 2003 ist die Zulassung des Rechtsassessors P. zur Rechtsanwaltschaft aus gesundheitlichen Gründen widerrufen worden (§ 14 Abs. 2 Nr. 3 BRAO). Seither verfügt er nicht mehr über die erforderliche Zulassung als Rechtsanwalt bei einem deutschen Gericht. Im Februar 2012 wurde er in Rumänien als Avocat definitiv zugelassen. Ausweislich der rumänischen Zulassungsurkunde liegt sein Hauptkanzleisitz in Rumänien, sein Zweitkanzleisitz in Bonn.
Der Bevollmächtigte beruft sich auf die Richtlinie 77/249/EWG des Rates vom 22. März 1977 zur Erleichterung der tatsächlichen Ausübung des freien Dienstleistungsverkehrs der Rechtsanwälte, wonach die Zugehörigkeit zu einer Berufsorganisation nicht gefordert werden dürfe. Er trägt unter Vorlage einer Einvernehmenserklärung vom 16. Januar 2013 vor, als europäischer Rechtsanwalt im Einvernehmen mit Rechtsanwältin G … zu handeln. Sein Hauptkanzleisitz liege in Rumänien. Da es aber etwa fünf Jahre dauere, bis sich dort ein tragfähiger Mandantenstamm entwickele, sei er weiterhin öfter in Deutschland tätig und habe vor, dies zeitlebens zu sein. Hierbei handele es sich um vorübergehende Tätigkeiten im Sinne der §§ 25 ff. EuRAG.
B. Rechtsassessor P. ist nicht postulationsfähig im Sinne des § 22 Abs. 1 BVerfGG und kann demgemäß nicht als Prozessvertreter der Antragstellerinnen auftreten.
Nach § 22 Abs. 1 BVerfGG können sich die Beteiligten in jeder Lage des Verfahrens vertreten lassen; in der mündlichen Verhandlung müssen sie sich vertreten lassen. Die Prozessvertretung kann, soweit hier von Interesse, nur durch einen Rechtsanwalt erfolgen. Hieran fehlt es, da Rechtsassessor P. lediglich über die Zulassung als Avocat definitiv in Rumänien verfügt.
Aus den Vorschriften über die Dienstleistungsfreiheit in der Europäischen Union ergibt sich nichts anderes. Gemäß § 25 Abs. 1 EuRAG darf ein europäischer Rechtsanwalt, worunter nach § 1 EuRAG in Verbindung mit der Anlage zu dieser Vorschrift auch der rumänische Avocat fällt, vorübergehend in Deutschland die Tätigkeit eines Rechtsanwalts nach den §§ 25 ff. EuRAG ausüben, sofern er Dienstleistungen im Sinne des Art. 50 EG (jetzt Art. 57 AEUV) erbringt. Die von Rechtsassessor P. in Deutschland ausgeübte Tätigkeit ist jedoch keine vorübergehende Dienstleistung.
Der vorübergehende Charakter von unter die Dienstleistungsfreiheit fallenden Tätigkeiten (Art. 50 Abs. 3 EG ) beurteilt sich unter Berücksichtigung von Dauer, Häufigkeit, regelmäßiger Wiederkehr und Kontinuität der Tätigkeit. Soweit es sich um eine stabile und kontinuierliche Berufstätigkeit handelt, die ein Rechtsanwalt in dem Aufnahmemitgliedstaat von einem festen Berufsdomizil aus ausübt, handelt es sich nicht mehr um eine vorübergehende Dienstleistung. Der Sachverhalt fällt vielmehr unter die Vorschriften des Niederlassungsrechts (EuGH, Urteil vom 30. November 1995 - Rs C-55/94 - Gebhard, NJW 1996, S. 579). Für die Tätigkeit als niedergelassener europäischer Rechtsanwalt in Deutschland sehen §§ 2 ff. EuRAG die Aufnahme in die Rechtsanwaltskammer vor. Eine Berufung auf § 25 ff. EuRAG ist in solchen Fällen ausgeschlossen.
Rechtsassessor P. verfügt über eine feste Niederlassung in Bonn, von wo aus er trotz des Widerrufs seiner Zulassung kontinuierlich in Deutschland unter der Bezeichnung Rechtsassessor, aber in der Funktion eines Rechtsanwalts auftritt. Nicht zuletzt die Anzahl seiner allein beim Bundesverfassungsgericht anhängigen Verfahren belegt, dass es sich hierbei um eine regelmäßige und auf Dauer angelegte Tätigkeit handelt. Nach seinen eigenen Angaben hat er vor, zeitlebens Rechtsanwaltstätigkeiten in Deutschland auszuüben. Wo sein Hauptkanzleisitz liegt, kann angesichts seines festen deutschen Zweitberufsdomizils dahinstehen.