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2 BvR 2113/12 ECLI:DE:BVerfG:2012:rk20121122.2bvr211312 KI-generiert

Constitutional complaint over procedurally flawed default judgment preceding legal aid decision and exhaustion of legal remedies

Geschäftsnummer 2 BvR 2113/12
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Constitutional Court dismissed the constitutional complaint as inadmissible in part and unsuccessful in the remainder, leaving the lower court decisions on legal aid and default judgments in force. The complainant challenged a district court's procedurally flawed issuance of a default judgment prior to ruling on a legal aid application and the subsequent denial of legal aid for appeal, arguing this violated the right to a fair hearing. The Court held that the complaint regarding the appeal was inadmissible because the complainant failed to properly exhaust legal remedies by missing the statutory deadline for filing an appeal. Regarding the initial proceedings, the complaint was deemed unsuccessful because the appellate court correctly determined that the legal aid application would have been denied even if processed in due course, as the complaint lacked sufficient prospects of success. The Court reaffirmed that while the state must ensure access to justice, legal aid is constitutionally permissible only when the intended defense is reasonably likely to succeed, thereby not requiring complete financial equivalence between wealthy and indigent litigants.

Legislator-Regeste

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§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG, Art. 20 Abs. 3 GG, Art. 2 Abs. 1 GG, § 517 ZPO, § 78 Abs. 1 Satz 1 ZPO, § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG; Constitutional complaint over procedurally flawed default judgment preceding legal aid decision and exhaustion of legal remedies: The complainant challenged a district court's procedurally flawed issuance of a default judgment prior to ruling on a legal aid application and the subsequent denial of legal aid for appeal, arguing this violated the right to a fair hearing. The Court held that the complaint regarding the appeal was inadmissible because the complainant failed to properly exhaust legal remedies by missing the statutory deadline for filing an appeal. Regarding the initial proceedings, the complaint was deemed unsuccessful because the appellate court correctly determined that the legal aid application would have been denied even if processed in due course, as the complaint lacked sufficient prospects of success. The Court reaffirmed that while the state must ensure access to justice, legal aid is constitutionally permissible only when the intended defense is reasonably likely to succeed, thereby not requiring complete financial equivalence between wealthy and indigent litigants. (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG: Cited as the basis for dismissing the constitutional complaint as unsuccessful because the complainant would not suffer a severe disadvantage from the non-acceptance.) (§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG: Cited as the procedural ground for declaring the complaint inadmissible in part due to the failure to exhaust legal remedies.) «Nichtannahmebeschluss: Teilweise unzulässige, im Übrigen mangels schweren Nachteils (§ 93a Abs 2 Buchst b BVerfGG) erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen den prozessordnungswidrigen Erlass eines Versäumnisurteils»

Schlagwörter

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Eintretensvoraussetzungen der Verfassungsbeschwerde staatsrechtliches Beschwerdeverfahren Verfassungsrüge ungenügende Substantiierung von Grundrechtsverletzungen hängige Verfassungsbeschwerde Säumnis des Beschwerdeführers § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG Art. 20 Abs. 3 GG Art. 2 Abs. 1 GG § 517 ZPO § 78 Abs. 1 Satz 1 ZPO § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG BVerfGE 81, 347

Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG

Cited as the basis for dismissing the constitutional complaint as unsuccessful because the complainant would not suffer a severe disadvantage from the non-acceptance.

§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG

Cited as the procedural ground for declaring the complaint inadmissible in part due to the failure to exhaust legal remedies.

§ 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG

Cited as the basis for waiving a further detailed justification in the decision.

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Volltext

Nichtannahmebeschluss: Teilweise unzulässige, im Übrigen mangels schweren Nachteils (§ 93a Abs 2 Buchst b BVerfGG) erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen den prozessordnungswidrigen Erlass eines Versäumnisurteils

[GRUENDE] 1

Die Annahme der Verfassungsbeschwerde, der keine grundsätzliche Bedeutung zukommt, ist nicht zur Durchsetzung der Rechte der Beschwerdeführerin angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG).

2

1. In dem Verfahren zu 2. ist die Verfassungsbeschwerde unzulässig, weil die Beschwerdeführerin den Rechtsweg entgegen § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG nicht ordnungsgemäß erschöpft hat. Das Oberlandesgericht hat zunächst festgestellt, dass das Landgericht vor der Entscheidung über den Antrag auf Prozesskostenhilfe prozessordnungswidrig ein Versäumnisurteil erlassen (vgl. Brandenburgisches Oberlandesgericht, Beschluss vom 27. Februar 2001 - 11 W 15/01 - juris; Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Urteil vom 25. November 1997 - 8 UF 14/97 -, juris) und dadurch gegen den Justizgewährungsanspruch aus Art. 20 Abs. 3 GG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 GG verstoßen hat. Den von der Beschwerdeführerin gegen das Urteil des Landgerichts vom 19. Juni 2012 eingelegten Rechtsbehelf hat es vertretbar als Antrag auf Prozesskostenhilfe für ein Berufungsverfahren ausgelegt. Die Beschwerdeführerin hat jedoch die Frist zur Einlegung der Berufung (§ 517 ZPO), die auch für einen Antrag auf Prozesskostenhilfe im Berufungsverfahren maßgeblich ist, nicht eingehalten, so dass das Oberlandesgericht den Antrag aus diesem Grunde abgelehnt hat. Damit fehlt es jedoch an der ordnungsgemäßen Erschöpfung des Rechtswegs (§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG).

3

2. a) In dem Verfahren zu 1. entsteht der Beschwerdeführerin durch die Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde jedenfalls kein schwerer Nachteil (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG). Zwar hat das Landgericht auch hier vor der Entscheidung über den Antrag auf Prozesskostenhilfe prozessordnungswidrig ein Versäumnisurteil erlassen. In der Entscheidung über die sofortige Beschwerde gegen die Versagung von Prozesskostenhilfe durch das Landgericht hat das Oberlandesgericht jedoch in nicht zu beanstandender Weise festgestellt, dass der Antrag auf Prozesskostenhilfe auch bei ordnungsgemäßer Behandlung durch das Landgericht keinen Erfolg gehabt hätte. Gegen die Versagung der Prozesskostenhilfe bestehen im Ergebnis keine Bedenken.

4

b) Die Ablehnung von Prozesskostenhilfe hat zur Folge, dass sich die Beschwerdeführerin wegen des Anwaltszwangs vor dem Landgericht (§ 78 Abs. 1 Satz 1 ZPO) nicht mehr gegen den klägerischen Anspruch verteidigen konnte. Dieses Ergebnis ist hinzunehmen. Zwar besteht eine Verpflichtung des Staates, auch finanziell unbemittelten Parteien Zugang zu den Gerichten zu verschaffen. Verfassungsrechtlich ist es jedoch unbedenklich, dass die Bewilligung von Prozesskostenhilfe davon abhängig gemacht wird, dass die beabsichtigte Rechtsverteidigung hinreichend Erfolg verspricht (vgl. BVerfGE 81, 347 ). Eine vollständige Gleichstellung bemittelter und unbemittelter Parteien ist nicht geboten. Es genügt die Gleichstellung unbemittelter Parteien mit solchen bemittelten Parteien, die ihre Erfolgsaussichten vernünftig einschätzen und das Prozesskostenrisiko abwägen (vgl. BVerfGK 17, 498 ). Nach diesen Maßstäben hat es mit der Entscheidung des Oberlandesgerichts sein Bewenden.

5

Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

6

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.