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1 BvR 689/11 ECLI:DE:BVerfG:2011:rk20110413.1bvr068911 KI-generiert

Denial of legal aid and expense reimbursement due to lack of exhaustion of legal remedies pending hearing order decision

Geschäftsnummer 1 BvR 689/11
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang struck_off

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Constitutional Court denied the applicant's requests for legal aid and reimbursement of out-of-pocket expenses, with the applicant effectively losing all procedural claims while the underlying constitutional complaint was no longer subject to review due to the applicant's declaration of completion. The dispute arose from a civil case where the applicant filed a constitutional complaint while a pending application for a hearing order (Anhörungsrüge) before the Higher Regional Court remained undecided, thereby failing to exhaust the ordinary legal remedies required before constitutional review; the Higher Regional Court subsequently granted relief through its decision on the related counter-argument, rendering the constitutional grievance moot. Decisive for the outcome were §§ 90, 34a, and 114 ff. of the Federal Constitutional Court Act (BVerfGG) in conjunction with the Civil Procedure Code (ZPO), specifically the doctrine that exhaustion of legal remedies is mandatory before filing a constitutional complaint unless specific statutory exceptions are proven, and the principle that legal aid and expense reimbursement are only granted if the constitutional complaint had a sufficient prospect of success or the authorities' action was clearly erroneous.

Legislator-Regeste

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§ 93d Abs. 2 Satz 1 BVerfGG, § 34a Abs. 3 BVerfGG, § 119 Abs. 1 Satz 2 ZPO, § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG, § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG, §§ 114 ff. ZPO; Denial of legal aid and expense reimbursement due to lack of exhaustion of legal remedies pending hearing order decision: The dispute arose from a civil case where the applicant filed a constitutional complaint while a pending application for a hearing order (Anhörungsrüge) before the Higher Regional Court remained undecided, thereby failing to exhaust the ordinary legal remedies required before constitutional review; the Higher Regional Court subsequently granted relief through its decision on the related counter-argument, rendering the constitutional grievance moot. Decisive for the outcome were §§ 90, 34a, and 114 ff. of the Federal Constitutional Court Act (BVerfGG) in conjunction with the Civil Procedure Code (ZPO), specifically the doctrine that exhaustion of legal remedies is mandatory before filing a constitutional complaint unless specific statutory exceptions are proven, and the principle that legal aid and expense reimbursement are only granted if the constitutional complaint had a sufficient prospect of success or the authorities' action was clearly erroneous.

Schlagwörter

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unentgeltliche Rechtspflege Verfahren zur Kontrolle von Beihilfen Erschöpfung des Instanzenzuges Forderungseingabe Zivilrechtsstreitigkeit Rüge verfassungsmässiger Rechte

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BVerfGE 85, 109
BVerfGE 85, 109 ). Zu befinden ist noch über die Anträge des Beschwerdeführers auf Erstattung seiner Auslagen und Gewährung
BVerfGE 72, 34
1 BVerfGG; vgl. BVerfGE 72, 34 ). Beide Anträge haben keinen Erfolg.
BVerfGE 33, 247
BVerfGE 33, 247 ; 85, 109 ; 87, 394 ; Kunze, in: Umbach/Clemens/Dollinger, BVerfGG, 2.
1 BvR 1781/09
Gegenstandswert for attorney fees in constitutional complaint proceedings
1 BvR 226/02
1 BvR 206/08
April 2008 - 1 BvR 206/08 -, juris, Rn.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§§ 114 ff. ZPO

Cited as the legal basis for denying the applicant's request for legal aid in the constitutional complaint proceedings due to the lack of a sufficient prospect of success.

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Volltext

Ablehnung der Auslagenerstattung sowie der PKH-Bewilligung und Beiordnung eines Rechtsanwalts nach Erledigterklärung einer unzulässigen Verfassungsbeschwerde - mangelnde Rechtswegerschöpfung bei ausstehender fachgerichtlicher Entscheidung über Anhörungsrüge

[GRUENDE]

Über die Verfassungsbeschwerde ist nicht mehr zu entscheiden, weil der Beschwerdeführer sie für erledigt erklärt hat (vgl.

BVerfGE 85, 109 ). Zu befinden ist noch über die Anträge des Beschwerdeführers auf Erstattung seiner Auslagen und Gewährung

von Prozesskostenhilfe nebst Beiordnung eines Rechtsanwalts. Die Entscheidung darüber obliegt der Kammer (§ 93d Abs. 2 Satz

1 BVerfGG; vgl. BVerfGE 72, 34 ). Beide Anträge haben keinen Erfolg.

1. Für die erstrebte Anordnung der Auslagenerstattung bestehen keine genügenden Billigkeitsgründe.

a) Nach § 34a Abs. 3 BVerfGG ist im Falle der Erledigung der Verfassungsbeschwerde über die Erstattung der Auslagen des Beschwerdeführers

nach Billigkeitsgesichtspunkten zu entscheiden. Dabei ist eine Gesamtwürdigung aller bekannten Umstände vorzunehmen. Auf eine

summarische Prüfung der Erfolgsaussicht der Verfassungsbeschwerde kommt es regelmäßig nicht an (vgl. BVerfGE 33, 247 ; 85, 109 ; 87, 394 ; Kunze, in: Umbach/Clemens/Dollinger, BVerfGG, 2. Aufl. 2005, § 34a Rn. 40, 44 f.). Im Hinblick

auf Funktion und Tragweite der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts kommt eine Erstattung von Auslagen jedoch dann

in Frage, wenn die Erfolgsaussicht der Verfassungsbeschwerde offensichtlich war und unterstellt werden kann, oder wenn die

verfassungsrechtliche Lage - etwa durch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in einem gleich liegenden Fall - geklärt

worden ist (vgl. BVerfGE 85, 109 ). Grundsätzlich kommt die Anordnung der Auslagenerstattung auch in Betracht, wenn

der verantwortliche Hoheitsträger die mit der Verfassungsbeschwerde gerügte Belastung beseitigt oder der Verfassungsbeschwerde

auf andere Weise abgeholfen hat, und diesem Verhalten entnommen werden kann, dass der Hoheitsträger selbst davon ausgeht,

das Anliegen des Beschwerdeführers sei berechtigt gewesen (vgl. BVerfGE 85, 109 ; 87, 394 ; 91, 146 ).

b) Im vorliegenden Fall hat das Oberlandesgericht zwar seine angegriffene Ausgangsentscheidung im Hinblick auf § 119 Abs.

1 Satz 2 ZPO korrigiert (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 29. Dezember 2009 - 1 BvR 1781/09 -, NJW

2010, S. 987 f. Rn. 13 ff.). Im Zeitpunkt der Einlegung der Verfassungsbeschwerde vor Erlass der Abhilfeentscheidung des Oberlandesgerichts

und bis zum Wegfall der Beschwer des Beschwerdeführers war die Verfassungsbeschwerde indessen unzulässig, so dass trotz der

Abhilfe eine Auslagenerstattung nicht der Billigkeit entspricht. Das Oberlandesgericht hatte bei Einlegung der Verfassungsbeschwerde

noch nicht über die statthafte Anhörungsrüge des Beschwerdeführers entschieden. Bei Einlegung war mithin der Rechtsweg noch

nicht erschöpft (§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG), ohne dass der Beschwerdeführer die Voraussetzungen des § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG

dargetan hätte. Mit der im Anhörungsrügeverfahren erlassenen Abhilfeentscheidung des Oberlandesgerichts war eine Beschwer

des Beschwerdeführers nicht mehr gegeben (vgl. BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom 11. Juli 2002 - 1 BvR

226/02 -, NJW 2002, S. 3388; Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 24. April 2008 - 1 BvR 206/08 -, juris, Rn. 4 f.).

Dass das Oberlandesgericht in dieser Entscheidung nicht auf die Anhörungsrüge, sondern auf die zugleich eingelegte Gegenvorstellung

des Beschwerdeführers Bezug genommen hat, ist ohne Belang.

2. Aus den genannten Gründen ist dem Beschwerdeführer entsprechend §§ 114 ff. ZPO (vgl. BVerfGE 1, 109 ; 1, 415 ;

79, 252 ; 92, 122 ) Prozesskostenhilfe für das Verfassungsbeschwerdeverfahren nicht zu gewähren; denn seine Rechtsverfolgung

im Verfassungsbeschwerdeverfahren bot zu keinem Zeitpunkt hinreichende Aussicht auf Erfolg.

Diese Entscheidung ist unanfechtbar.