BAföG retroactive payments: income attribution under old SGB II and lack of clarification need after statutory amendment
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Social Court dismissed the appellants' complaints as inadmissible, rejecting the appeal against the non-admission of revision and leaving the Lower Social Court's judgment in force. The dispute concerned whether retroactively paid education allowances (BAföG) that caused a benefit exclusion under SGB II should be assigned to the month of actual receipt or a different period for income calculation purposes under the old law. The court held that the appellants failed to sufficiently demonstrate the fundamental significance of the legal question, as the applicable legal framework prior to August 1, 2016, relied on the modified receipt principle without specific normative provisions for retroactive payments, and a new statutory clause explicitly addressing such cases took effect in 2016; consequently, there is no need to clarify expired law absent specific exceptional circumstances, which were not established.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 160 Abs 2 Nr 1 SGG, § 160a Abs 2 Satz 3 SGG, § 169 SGG, § 7 Abs. 5 SGB II, § 11 SGB II, § 11 Abs 3 Satz 2 SGB II; BAföG retroactive payments: income attribution under old SGB II and lack of clarification need after statutory amendment: The dispute concerned whether retroactively paid education allowances (BAföG) that caused a benefit exclusion under SGB II should be assigned to the month of actual receipt or a different period for income calculation purposes under the old law. The court held that the appellants failed to sufficiently demonstrate the fundamental significance of the legal question, as the applicable legal framework prior to August 1, 2016, relied on the modified receipt principle without specific normative provisions for retroactive payments, and a new statutory clause explicitly addressing such cases took effect in 2016; consequently, there is no need to clarify expired law absent specific exceptional circumstances, which were not established.
Schlagwörter
KI-generiertZitierte Gesetzesbestimmungen
KI-generiertVerwandte Entscheide
KI-generiertZentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator
KI-generiertBasis for declaring the non-admission complaint inadmissible due to insufficient specification of the legal question.
Procedural provision authorizing the rejection of the complaint without the participation of lay judges.
Procedural provision cited alongside § 160a SGG for the rejection of the complaint.
Basis for the decision on costs, establishing that no reimbursement of out-of-court costs is required.
Volltext
(Sozialgerichtliches Verfahren - Nichtzulassungsbeschwerde - grundsätzliche Bedeutung - keine ausreichende Darlegung der Klärungsbedürftigkeit der Rechtsfrage - Grundsicherung für Arbeitsuchende - Einkommensberücksichtigung - Nachzahlung von Ausbildungsförderung - Zuflussprinzip - Rechtsänderung des § 11 Abs 3 S 2 SGB 2 - kein Klärungsbedarf für abgelaufenes Recht)
[TENOR]
Die Beschwerden der Kläger gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des Sächsischen Landessozialgerichts vom 16. Dezember 2021 werden als unzulässig verworfen.
Außergerichtliche Kosten des Beschwerdeverfahrens sind nicht zu erstatten.
[GRUENDE]
Die Nichtzulassungsbeschwerden sind unzulässig, weil der allein geltend gemachte Zulassungsgrund der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache (§ 160 Abs 2 Nr 1 SGG) nicht in der erforderlichen Weise dargelegt worden ist (§ 160a Abs 2 Satz 3 SGG). Die Beschwerden sind daher ohne Zuziehung ehrenamtlicher Richter zu verwerfen (§ 160a Abs 4 Satz 1 Halbsatz 2 SGG, § 169 SGG).
Grundsätzliche Bedeutung (§ 160 Abs 2 Nr 1 SGG) hat eine Rechtssache nur, wenn sie eine Rechtsfrage aufwirft, die über den Einzelfall hinaus aus Gründen der Rechtseinheit oder der Fortbildung des Rechts einer Klärung durch das Revisionsgericht bedürftig und fähig ist. Die Darlegung einer grundsätzlichen Bedeutung erfordert, dass eine konkrete Rechtsfrage klar formuliert wird. Weiter muss ihre (abstrakte) Klärungsbedürftigkeit, ihre (konkrete) Klärungsfähigkeit im jeweiligen Rechtsstreit (Entscheidungserheblichkeit) sowie die über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung der angestrebten Entscheidung (sog Breitenwirkung) aufgezeigt werden (stRspr; vgl etwa BSG vom 25.9.2002 - B 7 AL 142/02 B - SozR 3-1500 § 160a Nr 34 S 70 mwN).
Diese Voraussetzungen sind hier nicht erfüllt. Die Kläger werfen die Frage auf, ob "eine Nachzahlung von solcher Ausbildungsförderung, die zu einem Leistungsausschluss nach § 7 Abs. 5 SGB II führt, im Rahmen der Einkommensanrechnung nach dem SGB II abweichend vom tatsächlichen Zeitpunkt des Zuflusses dem jeweiligen Monat als Einkommen zuzurechnen" ist. Die Frage bezieht sich auf die Berücksichtigung von Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG), die im Oktober 2015 zugeflossen sind. Die Kläger haben jedenfalls die Klärungsbedürftigkeit dieser Frage nicht hinreichend dargetan. Die Berücksichtigung der Leistungen nach dem BAföG richtete sich im vorliegenden Fall nach § 11 SGB II in der bis zum 31.7.2016 geltenden Fassung. Das LSG hat insofern im Anschluss an die ständige Rechtsprechung des BSG auf die sog modifizierte Zuflusstheorie abgestellt, wonach vom tatsächlichen Zufluss auszugehen ist, es sei denn, rechtlich werde ein anderer Zufluss als maßgeblich bestimmt (etwa BSG vom 24.6.2020 - B 4 AS 7/20 R - SozR 4-4200 § 22 Nr 107 RdNr 28 mwN), und eine abweichende normative Vorgabe für die vorliegende Konstellation verneint (zustimmend Söhngen in Schlegel/Voelzke, jurisPK-SGB II, 5. Aufl 2020, § 11a RdNr 66.2). Seit dem 1.8.2016 regelt § 11 Abs 3 Satz 2 SGB II ausdrücklich die Behandlung von Nachzahlungen dahingehend, dass zu den - nach § 11 Abs 3 Satz 1 SGB II in dem Zuflussmonat zu berücksichtigenden - einmaligen Einnahmen auch als Nachzahlung zufließende Einnahmen gehören, die nicht für den Monat des Zuflusses erbracht werden (zur Berücksichtigung von Nachzahlungen von Leistungen nach dem BAföG im Zuflussmonat jetzt BSG vom 11.11.2021 - B 14 AS 33/20 R - juris RdNr 26). Die der Entscheidung des LSG zugrundeliegende Gesetzesfassung hat sich damit inzwischen erheblich verändert (vgl Söhngen in Schlegel/Voelzke, jurisPK-SGB II, 5. Aufl 2020, § 11 RdNr 77, 88). Für abgelaufenes Recht besteht aber grundsätzlich kein Klärungsbedarf (vgl BSG vom 26.3.2010 - B 11 AL 192/09 B - juris RdNr 10 mwN; BSG vom 19.7.2012 - B 1 KR 65/11 B - SozR 4-1500 § 160a Nr 32 RdNr 10 mwN). Dass hiervon aufgrund der Umstände des konkreten Falls eine Ausnahme zu machen ist, ist in der Beschwerdebegründung darzulegen (BSG vom 19.7.2012 - B 1 KR 65/11 B - SozR 4-1500 § 160a Nr 32 RdNr 10 mwN). Daran fehlt es hier.
Die Kostenentscheidung beruht auf einer entsprechenden Anwendung des § 193 Abs 1 Satz 1, Abs 4 SGG.
Meßling B. Schmidt Burkiczak