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B 4 AS 190/22 BH ECLI:DE:BSG:2023:260123BB4AS19022BH0 KI-generiert

Admissibility of non-admission complaint in social security litigation and competence of small Senate to decide on judgment completion

Geschäftsnummer B 4 AS 190/22 BH
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)
Kostenauflage keine Kosten erhoben

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Social Court (BSG) dismissed the applicant's motions for legal aid and the appointment of a special representative, and rejected his complaint against the non-admission of revision as inadmissible, thereby leaving the lower court's judgment in force. The dispute involved the applicant’s attempt to challenge a decision by the Hessian State Social Court (LSG) that had denied admission of revision in a social security matter; the applicant filed the complaint personally without a lawyer, arguing procedural errors including a denial of the right to be heard due to an oral hearing held in his absence and a jurisdictional error by a small Senate deciding on a request to complete the judgment. The BSG held that the complaint was inadmissible primarily because it violated the mandatory representation requirement for proceedings before the BSG, requiring a licensed attorney. Substantively, the court found no admissibility grounds for revision, ruling that proper service of the summons with notice of the consequences of absence satisfied the right to be heard, and that the small Senate was competent to decide on the judgment completion request as it remained part of the initial appellate proceedings.

Legislator-Regeste

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§ 140 SGG, § 72 SGG, § 73a SGG, § 114 ZPO, § 73 Abs 4 SGG, § 73a Abs 1 Satz 1 SGG; Admissibility of non-admission complaint in social security litigation and competence of small Senate to decide on judgment completion: The dispute involved the applicant’s attempt to challenge a decision by the Hessian State Social Court (LSG) that had denied admission of revision in a social security matter; the applicant filed the complaint personally without a lawyer, arguing procedural errors including a denial of the right to be heard due to an oral hearing held in his absence and a jurisdictional error by a small Senate deciding on a request to complete the judgment. The BSG held that the complaint was inadmissible primarily because it violated the mandatory representation requirement for proceedings before the BSG, requiring a licensed attorney. Substantively, the court found no admissibility grounds for revision, ruling that proper service of the summons with notice of the consequences of absence satisfied the right to be heard, and that the small Senate was competent to decide on the judgment completion request as it remained part of the initial appellate proceedings.

Schlagwörter

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sozialversicherungsrechtliches Klageverfahren Revision eines Entscheids Verletzung von Verfahrensvorschriften Anspruch auf rechtliches Gehör soziale Sicherheit Verfahren um unentgeltliche Rechtspflege

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 160a Abs 4 Satz 1 Halbsatz 2 iVm § 169 SGG

Serves as the procedural basis for rejecting the complaint against non-admission of revision as inadmissible due to the violation of the mandatory representation rule.

§ 73 Abs 4 SGG

Cited in the dispositive to establish the mandatory requirement of legal representation by a lawyer before the Federal Social Court, which was not met by the appellant.

§ 193 Abs 1 Satz 1, Abs 4 SGG

Applied by corresponding application to determine that no out-of-court costs are to be reimbursed.

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Volltext

(Sozialgerichtliches Verfahren - Nichtzulassungsbeschwerde - Verfahrensmangel - Anspruch auf rechtliches Gehör - Entscheidung aufgrund mündlicher Verhandlung trotz Abwesenheit eines Beteiligten - Entscheidung des "kleinen Senats" über Urteilsergänzungsantrag nach § 140 SGG)

[TENOR]

Der Antrag des Klägers, ihm zur Durchführung des Verfahrens der Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des Hessischen Landessozialgerichts vom 16. September 2022 Prozesskostenhilfe zu bewilligen und einen Rechtsanwalt beizuordnen, wird abgelehnt.

Der Antrag auf Bestellung eines besonderen Vertreters nach § 72 SGG wird abgelehnt.

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in der vorgenannten Entscheidung wird als unzulässig verworfen.

Außergerichtliche Kosten sind nicht zu erstatten.

[GRUENDE]

1. Nach § 73a SGG iVm § 114 ZPO kann einem Beteiligten für das Verfahren vor dem BSG nur dann PKH bewilligt werden, wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet; das ist hier nicht der Fall. Es ist nicht zu erkennen, dass ein zugelassener Prozessbevollmächtigter (§ 73 Abs 4 SGG) in der Lage wäre, eine Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers erfolgreich zu begründen. Da kein Anspruch auf Bewilligung von PKH besteht, ist auch der sinngemäße Antrag auf Beiordnung eines Rechtsanwalts abzulehnen (§ 73a Abs 1 Satz 1 SGG iVm § 121 ZPO).

Nach § 160 Abs 2 SGG ist die Revision nur zuzulassen, wenn die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat (Nr 1), das Urteil des LSG von einer Entscheidung des BSG, des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes (GmSOGB) oder des BVerfG abweicht und auf dieser Abweichung beruht (Nr 2) oder wenn ein Verfahrensmangel geltend gemacht wird, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann (Nr 3). Solche Zulassungsgründe sind nach summarischer Prüfung des Streitstoffs auf der Grundlage des Inhalts der Gerichtsakten sowie unter Berücksichtigung des Vorbringens des Klägers nicht erkennbar.

Eine grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache (§ 160 Abs 2 Nr 1 SGG) ist nur anzunehmen, wenn eine Rechtsfrage aufgeworfen wird, die über den Einzelfall hinaus aus Gründen der Rechtseinheit oder Fortbildung des Rechts einer Klärung durch das Revisionsgericht bedürftig und fähig ist. Dies ist hier nicht der Fall. Es ist auch nicht erkennbar, dass die Entscheidung des LSG von einer Entscheidung des BSG, des GmSOGB oder des BVerfG abweicht, weshalb eine Divergenzrüge keine Aussicht auf Erfolg verspricht (§ 160 Abs 2 Nr 2 SGG).

Nach Aktenlage ist schließlich nicht ersichtlich, dass ein Verfahrensmangel geltend gemacht werden könnte, auf dem die angefochtene Entscheidung des LSG beruhen kann (§ 160 Abs 2 Nr 3 Halbsatz 1 SGG). Insbesondere ist nicht ersichtlich, dass ein Verfahrensmangel darin liegt, dass das LSG in Abwesenheit des Klägers verhandelt und entschieden hat. Das LSG hat den Kläger ordnungsgemäß geladen und in der Ladung darauf hingewiesen, dass auch im Falle seines Ausbleibens verhandelt und entschieden werden kann. Dies ist zur Wahrung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ausreichend (vgl BSG vom 26.5.2014 - B 12 KR 67/13 B - juris RdNr 7; BSG vom 4.3.2020 - B 3 KR 5/19 BH - juris RdNr 10). Die Ladung ist unter anderem an die vom Kläger im verfahrenseinleitenden Schriftsatz genannte Adresse zugestellt worden.

Auch durfte der sog kleine Senat (§ 153 Abs 5 SGG) über den Urteilsergänzungsantrag (§ 140 SGG) entscheiden. Bezieht sich der Antrag nach § 140 SGG auf eine Berufungsentscheidung, ist das Urteilsergänzungsverfahren noch Teil des Berufungsverfahrens (BSG vom 9.8.2022 - B 2 U 3/22 BH - juris RdNr 12; vgl zur Konnexität § 140 Abs 4 SGG; BSG vom 9.10.2014 - B 13 R 157/14 B - juris RdNr 5), sodass der Übertragungsbeschluss vom 30.11.2021 auch Wirkung noch für das Urteilsergänzungsverfahren hat, das gerade auf die vollständige Entscheidung über die Berufung abzielt.

2. Der Antrag auf Bestellung eines besonderen Vertreters nach § 72 SGG bleibt erfolglos, weil dessen Voraussetzungen nicht vorliegen.

3. Die vom Kläger persönlich beim BSG erhobene Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in der vorgenannten Entscheidung des LSG ist schon deshalb nach § 160a Abs 4 Satz 1 Halbsatz 2 iVm § 169 SGG als unzulässig zu verwerfen, weil sie nicht den zwingenden gesetzlichen Vorschriften des § 73 Abs 4 SGG über den Vertretungszwang beim BSG entspricht. Auch auf diese Zulässigkeitsvoraussetzung hat das LSG den Kläger in der Rechtsmittelbelehrung seiner Entscheidung ausdrücklich hingewiesen.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf einer entsprechenden Anwendung des § 193 Abs 1 Satz 1, Abs 4 SGG.

Meßling

Söhngen

Burkiczak