SGB II benefit denial: violation of right to lawful judge due to missing formal transfer order for rapporteur and lay judges under § 153 Abs 5 SGG
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Social Court (BSG) quashed the lower court’s decision and remanded the case for retrial, ruling in favor of the claimant. The dispute concerned the procedural regularity of an appellate judgment that denied unemployment benefits under the Second Book of the Social Code (SGB II), where the claimant argued that the appellate panel was improperly constituted. The BSG held that the lower social court violated the constitutional right to the lawful judge (Art. 101 para. 1 sentence 2 GG) by allowing the rapporteur judge to decide with lay judges without a prior, formal written transfer order from the professional judges of the senate as required by § 153 para. 5 SGG. The Court emphasized that this procedural defect, stemming from the absence of a mandated § 153 para. 5 SGG resolution, is not curable by the parties’ lack of objection under § 202 SGG in conjunction with § 295 ZPO, rendering the original judgment void.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 153 Abs 5 SGG, § 160a Abs 5 SGG, § 160a Abs 2 Satz 3 SGG, § 160 Abs 2 Nr 3 SGG, § 33 Abs 1 Satz 1 SGG, § 105 SGG; SGB II benefit denial: violation of right to lawful judge due to missing formal transfer order for rapporteur and lay judges under § 153 Abs 5 SGG: The dispute concerned the procedural regularity of an appellate judgment that denied unemployment benefits under the Second Book of the Social Code (SGB II), where the claimant argued that the appellate panel was improperly constituted. The BSG held that the lower social court violated the constitutional right to the lawful judge (Art. 101 para. 1 sentence 2 GG) by allowing the rapporteur judge to decide with lay judges without a prior, formal written transfer order from the professional judges of the senate as required by § 153 para. 5 SGG. The Court emphasized that this procedural defect, stemming from the absence of a mandated § 153 para. 5 SGG resolution, is not curable by the parties’ lack of objection under § 202 SGG in conjunction with § 295 ZPO, rendering the original judgment void.
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KI-generiertProcedural basis for the operative order to quash the lower court's judgment and remand the case for renewed hearing and decision.
Volltext
(Sozialgerichtliches Verfahren - Nichtzulassungsbeschwerde - Verfahrensmangel - Verletzung des Rechts auf den gesetzlichen Richter - fehlender Übertragungsbeschluss nach § 153 Abs 5 SGG)
[TENOR]
Auf die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 14. Dezember 2017 - L 7 AS 680/16 - aufgehoben.
Die Sache wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Landessozialgericht zurückverwiesen.
[GRUENDE]
I. Mit Urteil vom 14.12.2017 - L 7 AS 680/16 - hat das LSG nach mündlicher Verhandlung durch die Berichterstatterin und zwei ehrenamtliche Richter die Berufung des Klägers gegen einen Gerichtsbescheid des SG zur Frage der Rechtmäßigkeit einer Versagung von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach dem SGB II zurückgewiesen, ohne dass zuvor ein förmlicher Übertragungsbeschluss nach § 153 Abs 5 SGG erlassen worden ist. Mit seiner Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des LSG rügt der Kläger sinngemäß die Besetzung des Gerichts als verfahrensfehlerhaft; es fehle an dem notwendigen Beschluss des LSG, durch den die Berufung auf die Berichterstatterin und zwei ehrenamtliche Richter übertragen werden könne.
II. Die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers ist zulässig und im Sinne der Aufhebung des Urteils des LSG und Zurückverweisung der Sache begründet (§ 160a Abs 5 SGG).
Das Urteil des LSG vom 14.12.2017 beruht auf einem von dem Kläger hinreichend bezeichneten (§ 160a Abs 2 Satz 3 SGG) Verfahrensmangel iS des § 160 Abs 2 Nr 3 SGG. Das LSG hat den Anspruch des Klägers auf den gesetzlichen Richter (Art 101 Abs 1 Satz 2 GG) verletzt, weil die Berichterstatterin zusammen mit den ehrenamtlichen Richtern entschieden hat, obwohl die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür nicht vorlagen.
Gesetzlicher Richter für die Entscheidung von Verfahren vor dem LSG ist grundsätzlich ein Senat in der Besetzung mit einem Vorsitzenden, zwei weiteren Berufsrichtern und zwei ehrenamtlichen Richtern (§ 33 Abs 1 Satz 1 SGG). Hiervon macht § 153 Abs 5 SGG (eingefügt durch das Gesetz zur Änderung des Sozialgerichtsgesetzes und des Arbeitsgerichtsgesetzes vom 26.3.2008 - BGBl I 444) eine Ausnahme. Danach kann das LSG in den Fällen einer Entscheidung des SG durch Gerichtsbescheid (§ 105 SGG) die Berufung durch Beschluss der berufsrichterlichen Mitglieder des Senats dem Berichterstatter übertragen, der zusammen mit den ehrenamtlichen Richtern entscheidet. Das erfordert einen schriftlich abzufassenden, der Geschäftsstelle zu übergebenden (§ 153 Abs 1 iVm § 142 Abs 1 und § 134 SGG) und den Beteiligten zuzustellenden Beschluss, woran es vorliegend nach dem Akteninhalt entgegen der Angabe im angefochtenen Urteil indes fehlt. Dies ist nicht durch rügelose Einlassung (§ 202 SGG iVm § 295 ZPO) heilbar (vgl BSG vom 14.2.2018 - B 14 AS 423/16 B - und BSG vom 14.2.2018 - B 14 AS 426/16 B - jeweils RdNr 6).
Die Entscheidung über die Kosten des Beschwerdeverfahrens bleibt der abschließenden Entscheidung des LSG vorbehalten.