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B 14 AS 66/18 B ECLI:DE:BSG:2019:200519BB14AS6618B0 KI-generiert

Inadmissibility of non-admission complaint for failure to substantiate procedural defect regarding formal requirements of resumption order and Klagerücknahmefiktion under § 102 Abs. 2 SGG

Geschäftsnummer B 14 AS 66/18 B
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Social Court (BSG) dismissed the appellants' complaints against the refusal to admit revision and denied their applications for legal aid, ruling in favor of the lower court's procedural determination. The dispute concerned a social law appeal where the Landessozialgericht (LSG) had terminated the proceedings based on the fiction of withdrawal of claim under § 102 Abs 2 SGG, triggered by a judge’s order to resume proceedings which the appellants allegedly failed to comply with. The BSG found the complaints inadmissible because the appellants failed to substantiate a procedural defect; specifically, their argument that the order lacked the judge’s full name did not constitute a valid procedural complaint under § 163 SGG in light of the LSG’s findings, and their claim that the fiction required immediate judicial declaration rather than a subsequent judgment was legally incorrect. The decision relied on §§ 160, 160a, and 169 SGG regarding admissibility requirements and § 102 Abs 2 SGG for the procedural fiction, concluding that no procedural error affected the outcome.

Legislator-Regeste

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§ 169 Satz 2 SGG, § 160 Abs 2 SGG, § 160a Abs 2 Satz 3 SGG, § 102 Abs 2 SGG, § 163 SGG, § 73a Abs 1 Satz 1 SGG; Inadmissibility of non-admission complaint for failure to substantiate procedural defect regarding formal requirements of resumption order and Klagerücknahmefiktion under § 102 Abs. 2 SGG: The dispute concerned a social law appeal where the Landessozialgericht (LSG) had terminated the proceedings based on the fiction of withdrawal of claim under § 102 Abs 2 SGG, triggered by a judge’s order to resume proceedings which the appellants allegedly failed to comply with. The BSG found the complaints inadmissible because the appellants failed to substantiate a procedural defect; specifically, their argument that the order lacked the judge’s full name did not constitute a valid procedural complaint under § 163 SGG in light of the LSG’s findings, and their claim that the fiction required immediate judicial declaration rather than a subsequent judgment was legally incorrect. The decision relied on §§ 160, 160a, and 169 SGG regarding admissibility requirements and § 102 Abs 2 SGG for the procedural fiction, concluding that no procedural error affected the outcome.

Schlagwörter

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Entzug der unentgeltlichen Rechtspflege formeller Verfahrensmangel Revisionsverfahren Prozessrecht Verweisungsbruch Ausstandsverfahren

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BSGE 106, 254
BSGE 123, 62
Soweit die Betreibensaufforderung sachliche Anhaltspunkte für einen Wegfall des Rechtsschutzinteresses verlangt (vgl hierzu nur BVerfG vom 17.9.2012 - 1 BvR 2254/11 - juris RdNr 29; BSG vom 4.4.2017 - B 4 AS 2/16 R - BSGE 123, 62 = SozR 4-1500 § 102 Nr 3, RdNr 27), ist ein Verfahrensfehler ebenfalls nicht aufgezeigt.
1 BvR 2254/11
Discontinuation of proceedings for non-prosecution under § 92 VwGO where plaintiff’s bare affirmation of interest sufficed to satisfy constitutional right to effective legal remedy
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 160a Abs 4 Satz 1 iVm § 169 Satz 2 SGG

Legal basis for rejecting the non-admission complaints as inadmissible.

§ 73a Abs 1 Satz 1 SGG iVm § 114 ZPO

Ground for denying the application for legal aid due to lack of sufficient prospect of success.

§ 73a Abs 1 Satz 1 SGG iVm § 117 Abs 2 und 4 ZPO

Ground for rejecting legal aid because the required personal and economic declaration was not submitted.

§ 73a Abs 1 Satz 1 SGG iVm § 121 ZPO

Ground for rejecting the application for the assignment of a lawyer.

§ 169 Satz 3 SGG

Procedural rule authorizing the decision without the participation of lay judges.

§§ 183, 193 SGG

Legal basis for the costs decision.

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Volltext

Sozialgerichtliches Verfahren - Nichtzulassungsbeschwerde - Verfahrensmangel - Klagerücknahmefiktion - Unterzeichnung der Betreibensaufforderung - Verfahrensrüge

[TENOR]

Die Beschwerden der Kläger gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen vom 20. März 2018 werden als unzulässig verworfen.

Die Anträge der Kläger, ihnen für das Beschwerdeverfahren Prozesskostenhilfe zu bewilligen und Rechtsanwalt Ş. beizuordnen, werden abgelehnt.

Kosten sind nicht zu erstatten.

[GRUENDE]

Die Beschwerden gegen die Nichtzulassung der Revision in der bezeichneten Entscheidung des LSG sind als unzulässig zu verwerfen (§ 160a Abs 4 Satz 1 iVm § 169 Satz 2 SGG).

Nach § 160 Abs 2 SGG ist die Revision nur zuzulassen, wenn die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat (Nr 1), die Entscheidung des LSG von einer Entscheidung des BSG, des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes oder des BVerfG abweicht und auf dieser Abweichung beruht (Nr 2) oder wenn ein Verfahrensmangel geltend gemacht wird, auf dem die angefochtene Entscheidung beruhen kann (Nr 3). Eine allgemeine Überprüfung des Rechtsstreits in dem Sinne, ob das LSG in der Sache richtig entschieden hat, ist nicht zulässig.

Die Kläger erheben allein eine Verfahrensrüge, ohne in der Beschwerdebegründung einen Verfahrensmangel, auf dem die angefochtene Entscheidung des LSG beruhen kann, schlüssig zu bezeichnen (§ 160a Abs 2 Satz 3 SGG). Eine solche Bezeichnung setzt voraus, dass das BSG allein anhand der Begründung darüber entscheiden kann, ob ein Verfahrensmangel in Betracht kommt, indem diejenigen Tatsachen, aus denen sich der Mangel ergeben soll, substantiiert dargetan werden (vgl nur BSG SozR 1500 § 160a Nr 14; Leitherer in Meyer-Ladewig/Keller/Leitherer/Schmidt, SGG, 12. Aufl 2017, § 160a RdNr 16 mwN).

Aus der Beschwerdebegründung ergibt sich, dass das LSG im angefochtenen Urteil die Beendigung des Verfahrens durch Eintritt einer Klagerücknahmefiktion (§ 102 Abs 2 SGG) festgestellt habe. Die Kläger wenden sich hiergegen mit ihrer Verfahrensrüge und machen geltend, die förmlichen Voraussetzungen für eine wirksame Betreibensaufforderung lägen nicht vor, weil sie nicht unterzeichnet gewesen sei. Zudem sei der Eintritt der Fiktion nicht durch Urteil oder Beschluss festgestellt worden, sondern die Akte sei einfach an die 1. Instanz zurückgesandt worden.

Im Hinblick auf die Unterzeichnung der Betreibensaufforderung ergibt sich aus der Beschwerdegründung weiter, dass die Kläger im Ergebnis rügen, die Unterzeichnung der richterlichen Verfügung genüge nicht den Anforderungen des BSG (BSG vom 1.7.2010 - B 13 R 58/09 R - BSGE 106, 254 = SozR 4-1500 § 102 Nr 1, RdNr 49; BSG vom 4.4.2017 - B 4 AS 2/16 R - BSGE 123, 62 = SozR 4-1500 § 102 Nr 3, RdNr 24), weil sie "entgegen der Begründung des LSG […] in seinem Tatbestand nicht vom Richter mit vollem Namen unterzeichnet" worden sei. Ein Verfahrensfehler ist hiermit nicht aufgezeigt, weil die Kläger im Hinblick auf die ihrer Behauptung entgegenstehende Feststellung des LSG keine zulässige Verfahrensrüge erhoben haben (vgl § 163 SGG).

Soweit die Kläger weiter rügen, das LSG habe den Eintritt der Rücknahmefiktion nicht durch Urteil festgestellt, ist dies nach dem mitgeteilten Sachverhalt nicht nachvollziehbar, weil danach diese Feststellung Gegenstand des angegriffenen Berufungsurteils ist. Soweit sie hiermit zum Ausdruck bringen wollen, die Feststellung hätte unmittelbar nach Eintritt der Rücknahmefiktion erfolgen müssen, um wirksam zu sein, ist dies bei einer Klagerücknahmefiktion unzutreffend (vgl zum Verfahren nach Fiktionseintritt nur B. Schmidt in Meyer-Ladewig/Keller/Leitherer/Schmidt, SGG, 12. Aufl 2017, § 102 RdNr 9, 12).

Soweit die Betreibensaufforderung sachliche Anhaltspunkte für einen Wegfall des Rechtsschutzinteresses verlangt (vgl hierzu nur BVerfG vom 17.9.2012 - 1 BvR 2254/11 - juris RdNr 29; BSG vom 4.4.2017 - B 4 AS 2/16 R - BSGE 123, 62 = SozR 4-1500 § 102 Nr 3, RdNr 27), ist ein Verfahrensfehler ebenfalls nicht aufgezeigt. Die Kläger beschränken sich auf eine Rüge der - vermeintlich - nicht vorliegenden formellen Voraussetzungen der Betreibensaufforderung bzw der Feststellung des Fiktionseintritts. Die in der Nichtzulassungsbeschwerde dargelegten Tatsachen ermöglichen nicht die Überprüfung, ob "nach einer Würdigung aller Umstände des Einzelfalls" (BSG vom 4.4.2017 - B 4 AS 2/16 R - BSGE 123, 62 = SozR 4-1500 § 102 Nr 3, RdNr 28) Anhaltspunkte für einen Wegfall des Rechtsschutzinteresses vorlagen.

PKH ist den Klägern nicht zu bewilligen, da ihre Rechtsverfolgung aus den vorstehend genannten Gründen keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet (§ 73a Abs 1 Satz 1 SGG iVm § 114 ZPO). Zudem haben sie trotz mehrfacher Erinnerung keine Erklärung über ihre persönlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen vorgelegt (§ 73a Abs 1 Satz 1 SGG iVm § 117 Abs 2 und 4 ZPO). Da die Kläger keinen Anspruch auf Bewilligung von PKH haben, ist auch ihr Antrag auf Beiordnung eines Rechtsanwalts abzulehnen (§ 73a Abs 1 Satz 1 SGG iVm § 121 ZPO).

Die Verwerfung der Beschwerden erfolgt in entsprechender Anwendung des § 169 Satz 3 SGG ohne Zuziehung der ehrenamtlichen Richter.

Die Kostenentscheidung beruht auf einer entsprechenden Anwendung der §§ 183, 193 SGG.