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2 StR 126/25 ECLI:DE:BGH:2025:041125B2STR126.25.0 KI-generiert

Retrospective application of KCanG to pre-2024 drug trafficking convictions as more favorable law under § 2 Abs. 3 StGB

Geschäftsnummer 2 StR 126/25
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage keine Kosten erhoben

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice dismissed the defendant's revision as unfounded while modifying the conviction to align with the new *Konsumcannabisgesetz* (KCanG) and retaining the original sanctions, which included a warning and a €1,500 payment. The underlying dispute involved a juvenile accused of aiding and abetting band-like drug trafficking and possessing cannabis in significant quantities, a case where the Lower Regional Court Aachen had originally applied the former Narcotic Drugs Act (BtMG). The decisive legal basis for the modification was the principle that, under § 2(3) StGB and § 354a StPO, the new KCanG law, effective April 1, 2024, is more favorable to the defendant because cannabis offenses under it carry a lower degree of guilt than those under the BtMG; consequently, the court amended the legal qualification in the conviction but upheld the juvenile-specific sentencing and the forfeiture decision, determining that the juvenile court would have imposed the same measures under the new law.

Legislator-Regeste

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§ 354 Abs. 1 StPO, §§ 74, 109 Abs. 2 JGG; Retrospective application of KCanG to pre-2024 drug trafficking convictions as more favorable law under § 2 Abs. 3 StGB: The underlying dispute involved a juvenile accused of aiding and abetting band-like drug trafficking and possessing cannabis in significant quantities, a case where the Lower Regional Court Aachen had originally applied the former Narcotic Drugs Act (BtMG). The decisive legal basis for the modification was the principle that, under § 2(3) StGB and § 354a StPO, the new KCanG law, effective April 1, 2024, is more favorable to the defendant because cannabis offenses under it carry a lower degree of guilt than those under the BtMG; consequently, the court amended the legal qualification in the conviction but upheld the juvenile-specific sentencing and the forfeiture decision, determining that the juvenile court would have imposed the same measures under the new law.

Schlagwörter

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Strafzumessung wegen Drogenhandels Betäubungsmittelgesetz Beginn des Rentenanspruchs Verwirkung E-Justice Gehilfenschaft

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 354 Abs. 1 StPO

Legal basis cited for the authority to modify the conviction (Schuldspruch) to align with the more favorable new law without a new hearing.

§§ 74, 109 Abs. 2 JGG

Provisions cited as the basis for the decision regarding the allocation of costs and expenses in the revision procedure.

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Volltext

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Aachen vom 16. Juni 2023 wird mit der Maßgabe als unbegründet verworfen, dass der Angeklagte der Beihilfe zum bandenmäßigen Handeltreiben mit Cannabis in Tateinheit mit Besitz von Cannabis schuldig ist.

Es wird davon abgesehen, dem Beschwerdeführer die Kosten und Auslagen des Revisionsverfahrens aufzuerlegen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Beihilfe zum bandenmäßigen „unerlaubten“ Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit „unerlaubtem“ Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verwarnt und ihm auferlegt, einen Geldbetrag in Höhe von 1.500 Euro an eine näher bezeichnete Einrichtung zu zahlen. Daneben hat es eine Einziehungsentscheidung getroffen.

1. Die dagegen gerichtete und auf die unausgeführte Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten ist zulässig. Die Anfechtungsbeschränkung gemäß § 109 Abs. 2 Satz 1, § 55 Abs. 1 JGG und die aus ihr erwachsenden Anforderungen an den Revisionsvortrag (vgl. BGH, Beschluss vom 10. Juli 2013 – 1 StR 278/13, BGHR StPO § 344 Abs. 1 Antrag 6) greifen nicht ein, da das Landgericht nicht lediglich Zuchtmittel gemäß § 105 Abs. 1, § 13 Abs. 2 Nr. 1 und 2 JGG angeordnet, sondern daneben auch eine Einziehungsentscheidung nach § 74 Abs. 1 StGB getroffen hat (vgl. BGH, Beschluss vom 21. April 2020 – 4 StR 67/20, Rn. 4).

2. Die auf die Sachrüge veranlasste umfassende Nachprüfung des Urteils führt zur Änderung des Schuldspruchs, weil der Umgang mit Marihuana seit dem 1. April 2024 dem Konsumcannabisgesetz (KCanG, BGBl. I Nr. 109) unterfällt (vgl. § 1 Nr. 4 KCanG). Aufgrund der im Wesentlichen jugendstrafrechtliche Gesichtspunkte berücksichtigenden Sanktionszumessung des Landgerichts ist das neue Recht bei dem nach § 2 Abs. 3 StGB, § 354a StPO gebotenen konkreten Gesamtvergleich im Einzelfall (st. Rspr.; vgl. BGH, Urteile vom 8. August 2022 – 5 StR 372/21, BGHSt 67, 130 Rn. 12 f., und vom 10. August 2023 – 3 StR 412/22, NZWiSt 2024, 187 Rn. 70; Patzak/Möllinger, NStZ 2024, 321, 327) für den Angeklagten günstiger als das Tatzeitrecht, weil Taten nach dem Konsumcannabisgesetz gegenüber Taten nach dem Betäubungsmittelgesetz einen geringeren Schuldgehalt aufweisen (vgl. BGH, Beschlüsse vom 5. Dezember 2024 – 2 StR 399/24, Rn. 3, und vom 26. März 2025 – 4 StR 313/24, Rn. 3).

Der Senat ändert den Schuldspruch in entsprechender Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO wie aus der Beschlussformel ersichtlich. Die Vorschrift des § 265 Abs. 1 StPO steht nicht entgegen, denn der Angeklagte hätte sich nicht wirksamer als geschehen verteidigen können.

3. Die ausgesprochenen Sanktionen haben ungeachtet der Schuldspruchänderung Bestand. Der Senat schließt aus, dass die Jugendkammer, die die Sanktionen maßgeblich jugendspezifisch bestimmt hat, auf der Grundlage eines Schuldspruchs nach dem Konsumcannabisgesetz von einer Ahndung mit einer Auflage neben einer Verwarnung abgesehen oder nur eine Erziehungsmaßregel nach § 105 Abs. 1, § 9 Nr. 1 JGG angeordnet hätte. Die Einziehungsentscheidung ist rechtsfehlerfrei.

4. Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 74, 109 Abs. 2 JGG.

Menges Zeng Grube

Schmidt Herold