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XIII ZB 86/22 ECLI:DE:BGH:2025:201025BXIIIZB86.22.0 KI-generiert

Airport detention order invalidated for failure to balance liberty rights against specific health circumstances

Geschäftsnummer XIII ZB 86/22
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)
Kostenauflage zulasten Vorinstanz / Staat

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (BGH) allowed the affected individual’s legal complaint, overturning the regional court’s dismissal and declaring that the district court’s order for airport detention violated the individual’s rights; consequently, the district court’s decision was deemed unlawful, and the State of Bavaria was ordered to bear the legal costs for the individual in all instances. The dispute concerned the appropriateness of an airport detention order under § 62b AufenthG, where the individual, placed under guardianship for healthcare, had cited severe psychological issues and an inability to withstand detention during a hearing attended without their guardian. The decisive legal basis was the requirement under § 38 Abs. 3 Satz 1 FamFG for courts to demonstrate a due exercise of discretion by explicitly balancing the individual’s fundamental right to liberty against the state’s interest in rapid deportation, which the lower court failed to do by omitting a detailed assessment of the individual’s specific personal and health circumstances.

Legislator-Regeste

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Airport detention order invalidated for failure to balance liberty rights against specific health circumstances: The dispute concerned the appropriateness of an airport detention order under § 62b AufenthG, where the individual, placed under guardianship for healthcare, had cited severe psychological issues and an inability to withstand detention during a hearing attended without their guardian. The decisive legal basis was the requirement under § 38 Abs. 3 Satz 1 FamFG for courts to demonstrate a due exercise of discretion by explicitly balancing the individual’s fundamental right to liberty against the state’s interest in rapid deportation, which the lower court failed to do by omitting a detailed assessment of the individual’s specific personal and health circumstances.

Schlagwörter

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Schutz vor Freiheitsentzug Haftkosten Recht auf Gesundheit persönliche Verhältnisse Ausübung des Ermessens Gesundheitszustand
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Volltext

Auf die Rechtsbeschwerde des Betroffenen wird der Beschluss des Landgerichts Kempten (Allgäu) - 4. Zivilkammer - vom 21. Oktober 2022 aufgehoben.

Es wird festgestellt, dass der Beschluss des Amtsgerichts Kempten (Allgäu) vom 28. April 2022 den Betroffenen in seinen Rechten verletzt hat.

Gerichtskosten werden in allen Instanzen nicht erhoben. Die zur zweckentsprechenden Rechtsverfolgung notwendigen Auslagen des Betroffenen in allen Instanzen werden dem Freistaat Bayern auferlegt.

Der Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt 5.000 €.

[GRUENDE]

Die Rechtsbeschwerde ist begründet, weil der Beschluss des Amtsgerichts, mit dem dieses Ausreisegewahrsam gemäß § 62b AufenthG gegen den Betroffenen angeordnet hat, eine pflichtgemäße Ermessensausübung nicht ausreichend erkennen lässt. Aus den Entscheidungsgründen, in denen die für die Ermessensausübung maßgeblichen Gründe - wenn auch in knapper Form - darzulegen sind (§ 38 Abs. 3 Satz 1 FamFG), ist nicht ersichtlich, dass das Gericht bei der vorzunehmenden Abwägung zwischen dem Freiheitsgrundrecht des Betroffenen und dem staatlichen Interesse an der zügigen Durchführung der Abschiebung (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Juni 2025 - XIII ZB 7/24, juris Rn. 10) die in der Person des Betroffenen liegenden, gegen eine Gewahrsamsanordnung sprechenden Gründe mit einbezogen hat. Die persönlichen Umstände des Betroffenen hätten in diesem besonders gelagerten Einzelfall einer näheren Würdigung bedurft, die im Beschluss keinen Niederschlag gefunden hat. Der Betroffene stand unter Betreuung, die auch die Gesundheitsfürsorge umfasste. Er hat in seiner Anhörung, an der sein Betreuer nicht teilgenommen hat, auf seine psychischen Probleme hingewiesen und erklärt, keine Kraft für einen Gefängnisaufenthalt mehr zu haben.

Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 74 Abs. 7 FamFG abgesehen.

Roloff Tolkmitt Holzinger

Kochendörfer Pastohr