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6 StR 596/24 ECLI:DE:BGH:2024:061124B6STR596.24.0 KI-generiert

Reinstatement of lapsed appeal deadline in drug trafficking case; absence of documented formal judgment service

Geschäftsnummer 6 StR 596/24
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice (6th Criminal Senate) granted the defendant's application for reinstatement into the former position prior to the deadline for filing an appeal, permitting the revival of the appeal against the Landgericht Bückeburg's judgment of August 19, 2024, and remanded the case to the lower court to continue appeal proceedings and formally serve the judgment. The dispute concerned a conviction for drug import and trafficking offenses, where the defendant's defense attorney missed the statutory one-week deadline to file an appeal due to the paralegal's failure to submit a drafted document, an error the attorney requested to be excused under the provision for reinstatement. The court found the application admissible and well-founded under § 45(1) Sentence 1 of the Code of Criminal Procedure (StPO), as the attorney had proven the lack of fault within the required timeframe and properly retroactively performed the missed act, while also noting that the appeal reason deadline had not yet begun to run because the formal service of the judgment, necessary to start that period under § 345(1) Sentence 3 StPO, had not yet been documented or executed.

Legislator-Regeste

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§ 347 StPO, § 36 Abs. 1 Satz 1 StPO; Reinstatement of lapsed appeal deadline in drug trafficking case; absence of documented formal judgment service: The dispute concerned a conviction for drug import and trafficking offenses, where the defendant's defense attorney missed the statutory one-week deadline to file an appeal due to the paralegal's failure to submit a drafted document, an error the attorney requested to be excused under the provision for reinstatement. The court found the application admissible and well-founded under § 45(1) Sentence 1 of the Code of Criminal Procedure (StPO), as the attorney had proven the lack of fault within the required timeframe and properly retroactively performed the missed act, while also noting that the appeal reason deadline had not yet begun to run because the formal service of the judgment, necessary to start that period under § 345(1) Sentence 3 StPO, had not yet been documented or executed.

Schlagwörter

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Wiederherstellung der versäumten Frist Betäubungsmittelhandel Strafurteil fehlende Akten Vollstreckungsverwirkung ungerechtfertigte Verzögerung der Strafverfolgung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 347 StPO

Procedural basis for remanding the case to the lower court to continue appeal proceedings and serve the judgment.

§ 36 Abs. 1 Satz 1 StPO

Basis for determining that the formal service of the judgment, required to start the appeal reasoning deadline, had not yet occurred.

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Volltext

Dem Angeklagten wird auf seinen Antrag und seine Kosten Wiedereinsetzung in den Stand vor Ablauf der Frist zur Einlegung der Revision gegen das Urteil des Landgerichts Bückeburg vom 19. August 2024 gewährt.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Einfuhr von Cannabis, mit Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und mit Beihilfe zum Handeltreiben mit Cannabis zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Urteil ist am 19. August 2024 in Anwesenheit des Angeklagten und seines Verteidigers verkündet worden. Mit Schriftsatz vom 29. August 2024, bei Gericht eingegangen per elektronischer Übermittlung am selben Tag, hat der Angeklagte über seinen Verteidiger Revision eingelegt und Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Versäumung der Frist zur Einlegung der Revision beantragt.

Zur Begründung hat der Verteidiger ausgeführt, dass seine Kanzleiangestellte es versehentlich unterlassen habe, ihm die am 20. August 2024 nach seinem Diktat gefertigte elektronische Revisionseinlegungsschrift zur Freigabe und zum Versand in das Anwaltspostfach einzustellen, gleichwohl sei die Frist zur Einlegung der Revision im Kalender gestrichen worden. Das sei erst am 29. August 2024 nach einem Anruf des Angeklagten aufgefallen.

Der Antrag auf Wiedereinsetzung ist zulässig und begründet. Der Verteidiger des Angeklagten hat innerhalb der Frist des § 45 Abs. 1 Satz 1 StPO dargetan und glaubhaft gemacht, dass den Angeklagten an der Versäumung der Revisionseinlegungsfrist kein Verschulden trifft. Zugleich hat er die versäumte Handlung formgerecht (§ 32d Satz 2 StPO) nachgeholt.

Die Sache ist zur Fortsetzung des Revisionsverfahrens und zur Zustellung des Urteils an das Landgericht zurückzugeben (§ 347 StPO). Den Akten lässt sich nicht entnehmen, dass eine auf einer Zustellungsanordnung des Vorsitzenden (§ 36 Abs. 1 Satz 1 StPO) beruhende und für den Beginn der Revisionsbegründungsfrist maßgebliche förmliche Zustellung des Urteils (§ 345 Abs. 1 Satz 3 StPO) bereits geschehen ist. Es findet sich dort weder eine schriftliche Anordnungsverfügung des Vorsitzenden noch ein Vermerk der Geschäftsstelle über dessen mündlich getroffene Anordnung, obwohl die Dokumentation im Zeitpunkt der Zustellung aus Gründen der Rechtssicherheit geboten ist (vgl. BGH, Beschluss vom 6.

März 2014 – 4 StR 553/13, NJW 2014, 1686, LR-StPO/Graalmann-Scheerer, 27. Aufl., § 36 Rn. 7; SK-StPO/Weßlau/Singelnstein, 5. Aufl., § 36 Rn. 4; KK-StPO/Schneider-Glockzin, 9. Aufl., § 36 Rn. 2; aA SSW-StPO/Claus, 5. Aufl., § 36 Rn. 5, wonach die Dokumentation im Zeitpunkt der Zustellung keine Wirksamkeitsvoraussetzung darstellt). Die Frist zur Begründung der Revision beginnt hier erst mit wirksamer Zustellung des Urteils.

Bartel Feilcke Wenske

Fritsche von Schmettau