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2 ARs 76/25 ECLI:DE:BGH:2025:120325B2ARS76.25.0 KI-generiert

Joinder of proceedings for unified psychiatric commitment assessment under § 63 StGB

Geschäftsnummer 2 ARs 76/25
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Court of Justice (BGH) ordered the joinder of two pending first-instance criminal proceedings: one at the District Court of Ludwigsburg for bodily injury and another at the Regional Court of Karlsruhe for theft and robbery committed in concurrence with bodily injury. This procedural ruling was necessitated because a forensic psychiatric expert opinion in the Karlsruhe appeal indicated the defendant suffered from hebephrenic schizophrenia, potentially triggering mandatory commitment to a psychiatric hospital under § 63 StGB. The BGH determined that under § 4(2) StPO, as the superior common court for both jurisdictions, it was competent to join the cases to enable a comprehensive assessment of the defendant's criminal responsibility and the need for § 63 StGB commitment. Although the Karlsruhe case initially existed as an appeal, the Regional Court’s grand jury chamber (große Strafkammer) lawfully assumed jurisdiction as a first-instance court under §§ 323(1), 225a StPO after recognizing that the specialized subject matter required its jurisdiction rather than that of the small jury chamber or the District Court, thereby rendering the prior district court judgment moot.

Legislator-Regeste

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§ 4 Abs. 2 StPO, § 63 StGB, § 6 StPO, § 323 Abs. 1 Satz 1 StPO, § 225a Abs. 1 Satz 1 StPO, § 225a Abs. 1 Satz 2 StPO; Joinder of proceedings for unified psychiatric commitment assessment under § 63 StGB: This procedural ruling was necessitated because a forensic psychiatric expert opinion in the Karlsruhe appeal indicated the defendant suffered from hebephrenic schizophrenia, potentially triggering mandatory commitment to a psychiatric hospital under § 63 StGB. The BGH determined that under § 4(2) StPO, as the superior common court for both jurisdictions, it was competent to join the cases to enable a comprehensive assessment of the defendant's criminal responsibility and the need for § 63 StGB commitment. Although the Karlsruhe case initially existed as an appeal, the Regional Court’s grand jury chamber (große Strafkammer) lawfully assumed jurisdiction as a first-instance court under §§ 323(1), 225a StPO after recognizing that the specialized subject matter required its jurisdiction rather than that of the small jury chamber or the District Court, thereby rendering the prior district court judgment moot.

Schlagwörter

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Vereinigung von Verfahren Einweisung in eine Heil- oder Pflegeanstalt Strafprozessordnung psychiatrisches Gutachten E-Justice common law

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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2 StR 103/67
Mai 1967 – 2 StR 103/67, BGHSt 21, 245, 247; Beschluss vom 29.
BGHSt 21, 245
Mai 1967 – 2 StR 103/67, BGHSt 21, 245, 247; Beschluss vom 29.
3 StR 141/09
Oktober 2009 – 3 StR 141/09, BGHR StPO § 328 Abs.
4 StR 273/98
Juli 1998 – 4 StR 273/98, BGHSt 44, 121, 123; Löwe/Rosenberg/Jäger, StPO, 27.
BGHSt 44, 121
Juli 1998 – 4 StR 273/98, BGHSt 44, 121, 123; Löwe/Rosenberg/Jäger, StPO, 27.
1 StR 306/02
Dezember 2002 – 1 StR 306/02, BGHR StPO § 225a Anwendungsbereich 1) und das Verfahren als erstinstanzliches Verfahren bei der großen Strafkammer des Landgerichts rechtshängig.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 4 Abs. 2 StPO

Basis for the joinder of the two pending proceedings under the jurisdiction of the Federal Court of Justice.

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Volltext

Verbindung zweier rechtshängiger Verfahren zur gemeinsamen Verhandlung und Entscheidung

[TENOR]

Das beim Amtsgericht – Strafrichter – Ludwigsburg rechtshängige Verfahren 4 Ds 324 Js 113101/24 wird zu dem beim Landgericht Karlsruhe rechtshängigen Verfahren 4 KLs 420 Js 5866/24 (2) zur gemeinsamen Verhandlung und Entscheidung verbunden.

[GRUENDE]

Das Amtsgericht – Schöffengericht – Karlsruhe hat den Angeklagten am 5. Juni 2024 wegen Diebstahls und Raubes in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Gegen dieses Urteil hat der Angeklagte form- und fristgerecht Berufung eingelegt, die er nachträglich auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkt hat. Ausweislich eines im Berufungsverfahren eingeholten Sachverständigengutachtens litt der Angeklagte zu den jeweiligen Tatzeitpunkten an einer hebephrenen Schizophrenie, weswegen nach Auffassung der kleinen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe die Voraussetzungen der §§ 21, 63 StGB vorliegen könnten. Sie hat das Verfahren deshalb mit Beschluss vom 9. Januar 2025 „gemäß §§ 323 Abs. 1, 225a StPO“ der großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe zur Übernahme vorgelegt, die es mit Beschluss vom 22. Januar 2025 übernommen hat.

Mit Anklageschrift vom 5. Dezember 2024 hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart den Angeklagten wegen Körperverletzung zum Amtsgericht – Strafrichter – Ludwigsburg angeklagt. Das Hauptverfahren ist dort mit Beschluss vom 23. Dezember 2024 eröffnet worden. Das Landgericht Karlsruhe ist bereit, das beim Amtsgericht Ludwigsburg rechtshängige Verfahren zu übernehmen und mit dem dort rechtshängigen Verfahren zu verbinden, und hat die Sache dem Bundesgerichtshof zur Entscheidung vorgelegt. Die formellen und materiellen Voraussetzungen einer Verbindung durch den Bundesgerichtshof gemäß § 4 Abs. 2 StPO liegen vor.

1. Der Bundesgerichtshof ist gemeinschaftliches oberes Gericht gemäß § 4 Abs. 2 Satz 2 StPO für das Amtsgericht Ludwigsburg (Bezirk des Oberlandesgerichts Stuttgart) und das Landgericht Karlsruhe (Bezirk des Oberlandesgerichts Karlsruhe).

2. Die Verfahren richten sich gegen denselben Angeklagten; die Tatzeiträume liegen eng beieinander. Eine sachgerechte Entscheidung über die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus gemäß § 63 StGB erfordert eine Gesamtwürdigung aller gegen ihn erhobenen Tatvorwürfe. Eine Verbindung der Verfahren, für die nach § 74 Abs. 1 Satz 2 GVG die große Strafkammer in erster Instanz zuständig ist, ist daher zweckmäßig.

3. Verbunden werden schließlich zwei erstinstanzliche Verfahren, auch wenn das bei dem Landgericht Karlsruhe rechtshängige Verfahren vor seiner Übernahme durch die große Strafkammer als auf den Rechtsfolgenausspruch beschränktes Berufungsverfahren geführt wurde.

Auch in dem Karlsruher Verfahren ist die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus zu erwarten, so dass es, was die kleine Strafkammer von Amts wegen in der Berufungsinstanz zu überprüfen hatte, § 6 StPO, tatsächlich nicht in die erstinstanzliche sachliche Zuständigkeit der Amtsgerichte, sondern in die der Landgerichte fiel, § 74 Abs. 1 Satz 2 GVG. Um eine Einstellung dieses Verfahrens durch Prozessurteil in der Berufungsinstanz zu vermeiden, hätte die kleine Strafkammer in der Hauptverhandlung unter Aufhebung des amtsgerichtlichen Urteils die Sache an die große Strafkammer des Landgerichts mit der Folge verweisen können, dass sie sogleich und ohne Beschränkung auf den Rechtsfolgenausspruch als erstinstanzliches Gericht auf der förmlichen Grundlage des ursprünglichen Eröffnungsbeschlusses mit einer neuen Hauptverhandlung zu beginnen hatte (vgl. BGH, Urteil vom 3. Mai 1967 – 2 StR 103/67, BGHSt 21, 245, 247; Beschluss vom 29. Oktober 2009 – 3 StR 141/09, BGHR StPO § 328 Abs. 2 Verweisungsurteil 1 Rn. 10). Außerhalb der Hauptverhandlung konnte der Vorsitzende der kleinen Strafkammer auf der Grundlage des § 323 Abs. 1 Satz 1 StPO in der seit dem 1. Juli 2021 geltenden Fassung in Verbindung mit § 225a Abs. 1 Satz 1 StPO die Akten der großen Strafkammer zur Entscheidung darüber vorlegen, ob sie das Verfahren als erstinstanzliches übernehme. Mit dem Erlass des Übernahmebeschlusses gemäß § 225a Abs. 1 Satz 2 StPO am 22. Januar 2025 durch die große Strafkammer (vgl. BGH, Beschluss vom 14. Juli 1998 – 4 StR 273/98, BGHSt 44, 121, 123; Löwe/Rosenberg/Jäger, StPO, 27. Aufl., § 225a Rn. 30) traten die Folgen ein, die sonst ein Urteil nach § 328 Abs. 2 StPO gezeitigt hätte. Das erstinstanzliche amtsgerichtliche Urteil wurde gegenstandslos (vgl. BGH, Beschluss vom 19. Dezember 2002 – 1 StR 306/02, BGHR StPO § 225a Anwendungsbereich 1) und das Verfahren als erstinstanzliches Verfahren bei der großen Strafkammer des Landgerichts rechtshängig.

Menges Appl Zeng

Grube Schmidt