Right to oral statement versus mandatory reading of written submission into court record
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice (BGH) partially granted the defendant's revision, ordering the exclusion of the charge of threat from prosecution and amending the conviction in that count to attempted coercion, while dismissing the remainder of the appeal and upholding the seven-year and nine-month juvenile sentence imposed for the underlying offenses of extortionate kidnapping, especially serious robbery/extortion, heavy robbery, and dangerous bodily harm. The case centered on a criminal appeal where the defendant challenged the lower court's refusal to read a written statement submitted by counsel into the record, arguing it violated evidentiary rights. The court held that such a procedural objection was inadmissible for failure to properly cite the specific motion and rejection decision, and substantively unfounded because Section 243(5) sentence 2 in conjunction with Section 136(2) of the Code of Criminal Procedure (StPO) grants the defendant only the right to make oral statements during the main hearing, establishing that there is no statutory right to have a written submission formally read and minuted as evidence.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 349 Abs. 4 StPO, § 349 Abs. 2 StPO, § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO, § 154a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Abs. 2 StPO, § 354 Abs. 1 StPO; Right to oral statement versus mandatory reading of written submission into court record: The case centered on a criminal appeal where the defendant challenged the lower court's refusal to read a written statement submitted by counsel into the record, arguing it violated evidentiary rights. The court held that such a procedural objection was inadmissible for failure to properly cite the specific motion and rejection decision, and substantively unfounded because Section 243(5) sentence 2 in conjunction with Section 136(2) of the Code of Criminal Procedure (StPO) grants the defendant only the right to make oral statements during the main hearing, establishing that there is no statutory right to have a written submission formally read and minuted as evidence.
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KI-generiertBasis for the partial success of the revision, allowing the court to modify the judgment within the scope of the appeal.
Ground for dismissing the remainder of the revision as unfounded.
Legal basis for excluding the charge of threat from prosecution to avoid a reference procedure.
Procedural rule applied to amend the conviction (Schuldspruch) to attempt coercion in accordance with the exclusion of the threat charge.
Volltext
Strafverfahren: Anspruch des Angeklagten auf Verlesung und Protokollierung einer schriftlichen Einlassung
[TENOR]
1. Auf die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Saarbrücken vom 25. Januar 2024 wird
a) im Fall 3 der Urteilsgründe der Vorwurf der Bedrohung von der Strafverfolgung ausgenommen;
b) der Schuldspruch in diesem Fall geändert, dass der Angeklagte der versuchten Nötigung schuldig ist.
2. Die weitergehende Revision wird verworfen.
3. Es wird davon abgesehen, dem Angeklagten die durch sein Rechtsmittel entstandenen Kosten aufzuerlegen. Er hat jedoch die dem Nebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.
[GRUENDE]
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit besonders schwerer räuberischer Erpressung und mit schwerem Raub, wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung sowie wegen Bedrohung in Tateinheit mit versuchter Nötigung unter Einbeziehung früherer Urteile zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren und neun Monaten verurteilt und eine Einziehungsentscheidung getroffen. Die auf die Rüge der Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten erzielt einen geringen Teilerfolg (§ 349 Abs. 4 StPO) und erweist sich im Übrigen als unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).
1. Der Senat hat im Fall 3 der Urteilsgründe den Vorwurf der Bedrohung mit Zustimmung des Generalbundesanwalts zur Vermeidung eines Anfrageverfahrens (vgl. einerseits BGH, Beschluss vom 29. Juni 2022 − 3 StR 161/22 und andererseits BGH, Beschluss vom 12. November 2024 – 6 StR 572/24 mwN) nach § 154a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Abs. 2 StPO von der Verfolgung ausgenommen und den Schuldspruch entsprechend § 354 Abs. 1 StPO geändert. Der Senat schließt aus, dass das Landgericht angesichts der weiteren Taten – insbesondere auch aus den einbezogenen Urteilen – ohne die tateinheitliche Verurteilung auf eine niedrigere Jugendstrafe erkannt hätte.
2. Zur Rüge, die Strafkammer habe es rechtsfehlerhaft abgelehnt, ein von dem Verteidiger übergebenes Schreiben mit der Sacheinlassung des Angeklagten zu verlesen und zu Protokoll zu nehmen und dadurch das Beweisantragsrecht verletzt, ist nur auf das Folgende hinzuweisen:
Die Rüge ist nach § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO bereits unzulässig, weil der Verteidiger weder den vollständigen Antrag noch den gerichtlichen Ablehnungsbeschluss vorträgt. Sie wäre im Übrigen auch unbegründet. Einem Angeklagten steht nach § 243 Abs. 5 Satz 2 StPO das Recht zu, sich „nach Maßgabe des § 136 Abs. 2“ StPO, also im Rahmen einer Vernehmung, mithin mündlich, zu äußern. Hingegen hat er keinen Anspruch darauf, dass eine von ihm oder seinem Verteidiger verfasste schriftliche Einlassung förmlich verlesen und zu Protokoll genommen wird (vgl. BGH, Beschlüsse vom 27. März 2008 – 3 StR 6/08, BGHSt 52, 175, 177; vom 10. November 2008 − 3 StR 390/08, NStZ 2009, 173; vom 19. Mai 2015 − 1 StR 128/15, Rn. 36 ff.; vom 6. November 2018 – 4 StR 226/18, NStZ 2019, 168; KK-StPO/Schneider, 9. Aufl., § 243 Rn. 87). Eine derartige Beweiserhebung sieht die StPO nicht vor.
Bartel Wenske Fritsche
von Schmettau Arnoldi