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VIa ZR 595/22 ECLI:DE:BGH:2024:161024UVIAZR595.22.0 KI-generiert

Scope of protective statutes under § 823(2) BGB for vehicle type-approval violations and damages for illegal defeat devices

Geschäftsnummer VIa ZR 595/22
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Gutgeheissen (Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Court of Civil Procedure (BGH) overturned the appellate court's dismissal and remanded the case for a new hearing, ruling in the plaintiff's favor on procedural grounds by establishing a viable legal basis for damages. The dispute involved a purchaser of a new diesel vehicle suing the manufacturer for damages, alleging the installation of an illegal defeat device that manipulated emission controls to artificially lower pollutants during testing conditions, rather than in real-world driving. The lower court had rejected claims based on both intentional tort and statutory violation, incorrectly concluding that specific type-approval regulations were not protective statutes designed to shield consumers. The BGH held that the specific vehicle type-approval regulations constitute protective statutes under § 823(2) of the Civil Code, thereby entitling the purchaser to claim "difference damages" (the financial loss resulting from purchasing a non-compliant vehicle). While the court dismissed the claim for full purchase price reimbursement ("large damages") as unjustified, it mandated that the appellate court must now assess the manufacturer's fault regarding the installation of the device and calculate the specific financial difference suffered by the plaintiff, effectively allowing the damages claim to proceed on the basis of negligent statutory violation.

Legislator-Regeste

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§ 562 Abs. 1 ZPO, § 561 ZPO, § 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO; Scope of protective statutes under § 823(2) BGB for vehicle type-approval violations and damages for illegal defeat devices: The dispute involved a purchaser of a new diesel vehicle suing the manufacturer for damages, alleging the installation of an illegal defeat device that manipulated emission controls to artificially lower pollutants during testing conditions, rather than in real-world driving. The lower court had rejected claims based on both intentional tort and statutory violation, incorrectly concluding that specific type-approval regulations were not protective statutes designed to shield consumers. The BGH held that the specific vehicle type-approval regulations constitute protective statutes under § 823(2) of the Civil Code, thereby entitling the purchaser to claim "difference damages" (the financial loss resulting from purchasing a non-compliant vehicle). While the court dismissed the claim for full purchase price reimbursement ("large damages") as unjustified, it mandated that the appellate court must now assess the manufacturer's fault regarding the installation of the device and calculate the specific financial difference suffered by the plaintiff, effectively allowing the damages claim to proceed on the basis of negligent statutory violation.

Schlagwörter

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zivilrechtlicher Schadenersatz Fahrzeugart Zivilprozessordnung gesetzliche Voraussetzungen Verfahrensverletzungen Kontrollvorschrift

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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BGHZ 237, 245
Juni 2023 - VIa ZR 335/21, BGHZ 237, 245 Rn.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 562 Abs. 1 ZPO

Procedural basis cited in the dispositive to justify the reversal of the lower court's judgment.

§ 561 ZPO

Procedural condition cited to confirm that the decision does not stand on other valid grounds, supporting the remand.

§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO

Procedural basis cited in the dispositive to order the remittal of the case to the appellate court for new hearing and decision.

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Volltext

Auf die Revision des Klägers wird das Urteil des 8. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Bamberg vom 9. März 2022 aufgehoben.

Die Sache wird zur neuen Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Revisionsverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Der Streitwert für die Revision wird auf bis 65.000 € festgesetzt.

Von Rechts wegen

[TATBESTAND]

Der Kläger nimmt die Beklagte wegen der Verwendung unzulässiger Abschalteinrichtungen in einem Kraftfahrzeug auf Schadensersatz in Anspruch. Er erwarb im September 2014 von einem Dritten einen von der Beklagten hergestellten Neuwagen des Typs Audi A6 Avant 3.0 TDI quattro mit einem Dieselmotor (Schadstoffklasse Euro 6).

Das Landgericht hat die auf Zahlung von Schadensersatz in Höhe des Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung nebst Zinsen Zug um Zug gegen Übergabe und Übereignung des Fahrzeugs, Feststellung des Annahmeverzugs und Erstattung von vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten gerichtete Klage abgewiesen. Die Berufung des Klägers ist erfolglos geblieben. Mit der vom Senat zugelassenen Revision verfolgt der Kläger seine Berufungsanträge weiter.

[ENTSCHEIDUNGSGRUENDE]

Die Revision des Klägers hat Erfolg.

I. Das Berufungsgericht hat seine Entscheidung - soweit für das Revisionsverfahren von Interesse - im Wesentlichen wie folgt begründet:

Ein Anspruch aus § 826 BGB bestehe nicht. Im Fahrzeug des Klägers sei keine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut worden, welche den Abgasausstoß ausschließlich in Prüfstandssituationen reduziere. Die Implementierung des "Thermofensters" stelle keine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung der Beklagten dar. Gleiches gelte für die Abschaltung der Harnstoffeinspritzung sowie die behauptete "Aufheizstrategie". Auch stehe dem Kläger gegen die Beklagte kein Schadensersatzanspruch aus § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit den §§ 6, 27 EG-FGV zu. Bei diesen Vorschriften handele es sich nicht um Schutzgesetze im Sinne von § 823 Abs. 2 BGB, die vor der Eingehung einer ungewollten Verbindlichkeit schützen sollten.

II. Diese Erwägungen halten der Überprüfung im Revisionsverfahren nicht in allen Punkten stand.

1. Es begegnet keinen revisionsrechtlichen Bedenken, dass das Berufungsgericht eine Haftung der Beklagten aus §§ 826, 31 BGB verneint hat. Die Revision erhebt insoweit auch keine Einwände.

2. Die Revision wendet sich jedoch mit Erfolg dagegen, dass das Berufungsgericht eine Haftung der Beklagten gemäß § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 6 Abs. 1, § 27 Abs. 1 EG-FGV abgelehnt hat. Wie der Senat nach Erlass des angefochtenen Urteils entschieden hat, sind die Bestimmungen der § 6 Abs. 1, § 27 Abs. 1 EG-FGV Schutzgesetze im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB, die das Interesse des Fahrzeugkäufers gegenüber dem Fahrzeughersteller wahren, nicht durch den Kaufvertragsabschluss eine Vermögenseinbuße im Sinne der Differenzhypothese zu erleiden, weil das Fahrzeug entgegen der Übereinstimmungsbescheinigung eine unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne des Art. 5 Abs. 2 Satz 1 der Verordnung (EG) Nr. 715/2007 aufweist (vgl. BGH, Urteil vom 26. Juni 2023 - VIa ZR 335/21, BGHZ 237, 245 Rn. 29 bis 32).

Das Berufungsgericht hat daher zwar zu Recht einen Anspruch des Klägers auf die Gewährung des sogenannten "großen" Schadensersatzes verneint (vgl. BGH, Urteil vom 26. Juni 2023 - VIa ZR 335/21, BGHZ 237, 245 Rn. 22 bis 27). Es hat jedoch nicht berücksichtigt, dass dem Kläger nach § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 6 Abs. 1, § 27 Abs. 1 EG-FGV ein Anspruch auf Ersatz eines erlittenen Differenzschadens zustehen kann (vgl. BGH, Urteil vom 26. Juni 2023, aaO, Rn. 28 bis 32; ebenso BGH, Urteile vom 20. Juli 2023 - III ZR 267/20, WM 2023, 1839 Rn. 21 ff.; - III ZR 303/20, juris Rn. 16 f.; Urteil vom 12. Oktober 2023 - VII ZR 412/21, juris Rn. 20). Demzufolge hat das Berufungsgericht - von seinem Rechtsstandpunkt aus folgerichtig - weder dem Kläger Gelegenheit zur Darlegung eines solchen Schadens gegeben, noch hat es Feststellungen zu einer deliktischen Haftung der Beklagten wegen des zumindest fahrlässigen Einbaus einer unzulässigen Abschalteinrichtung getroffen.

III. Die angefochtene Entscheidung ist demnach aufzuheben (§ 562 Abs. 1 ZPO), weil sie sich auch nicht aus anderen Gründen als richtig darstellt (§ 561 ZPO). Die Sache ist zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückzuverweisen (§ 563 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Das Berufungsgericht wird auf der Grundlage der mit Urteil des Senats vom 26. Juni 2023 in der Sache VIa ZR 335/21 aufgestellten Grundsätze die erforderlichen Feststellungen zu einer Haftung der Beklagten nach § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 6 Abs. 1, § 27 Abs. 1 EG-FGV zu treffen haben, nachdem es dem Kläger Gelegenheit gegeben hat, den Differenzschaden zu berechnen und dazu vorzutragen.

Möhring Götz Rensen

Wille Vogt-Beheim