Validity of contractual waiver of statutory right to apply for extension of vacation period under § 794a ZPO
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe German Federal Court of Civil Procedure (BGH) granted the tenants application for free legal aid, set the case value at €4,560, and ordered that the procedural costs be canceled out between the parties, effectively resulting in a mutual cost offset without a substantive ruling on the merits. The dispute arose from a land court decision that rejected the tenants' application under § 794a ZPO for an extension of the vacation period for a rented apartment, following their prior contractual waiver of the right to apply for such extensions in an earlier settlement. Although the parties declared the main proceedings concluded after the tenants vacated the property, the court declined to resolve the contested legal question of whether a contractual waiver of the statutory right to apply for a vacation period extension is valid, citing that cost determinations under § 91a(1) sentence 1 ZPO are not intended to clarify fundamental legal questions or develop case law. Consequently, the BGH applied a summary review standard, finding that the outcome of the hypothetical legal dispute remained uncertain due to divergent lower court and scholarly opinions on the validity of such waivers, which justified an equal distribution of costs.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO, § 91a Abs. 1 Satz 1 ZPO; Validity of contractual waiver of statutory right to apply for extension of vacation period under § 794a ZPO: The dispute arose from a land court decision that rejected the tenants' application under § 794a ZPO for an extension of the vacation period for a rented apartment, following their prior contractual waiver of the right to apply for such extensions in an earlier settlement. Although the parties declared the main proceedings concluded after the tenants vacated the property, the court declined to resolve the contested legal question of whether a contractual waiver of the statutory right to apply for a vacation period extension is valid, citing that cost determinations under § 91a(1) sentence 1 ZPO are not intended to clarify fundamental legal questions or develop case law. Consequently, the BGH applied a summary review standard, finding that the outcome of the hypothetical legal dispute remained uncertain due to divergent lower court and scholarly opinions on the validity of such waivers, which justified an equal distribution of costs.
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KI-generiertBasis for granting the applicants free legal aid (ratenfreie Prozesskostenhilfe) for the legal revision proceedings.
Basis for determining the distribution of procedural costs based on a declaration of the proceedings as concluded in the main.
Volltext
Herausgabe einer Mietwohnung: Zulässigkeit des rechtsgeschäftlichen Verzichts auf den Antrag auf Bewilligung oder Verlängerung einer Räumungsfrist
[TENOR]
Den Beklagten wird ratenfreie Prozesskostenhilfe für die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des Landgerichts Bremen - 2. Zivilkammer - vom 27. Juni 2024 bewilligt und Rechtsanwalt Dr. Nassall beigeordnet.
Die Kosten des Verfahrens werden gegeneinander aufgehoben.
Der Wert des Verfahrensgegenstands wird auf 4.560 € festgesetzt.
[GRUENDE]
I. Die Beklagten verpflichteten sich in einem amtsgerichtlichen Vergleich gegenüber dem Kläger, eine von ihnen bewohnte, in Bremen gelegene Wohnung bis zum 31. Dezember 2023 zu räumen und an den Kläger herauszugeben. Zugleich verzichteten sie - "soweit zulässig" - auf Vollstreckungsschutzanträge.
Am 11. Dezember 2023 haben die Beklagten beim Amtsgericht einen Antrag nach § 794a ZPO auf Verlängerung der Räumungsfrist bis zum 30. April 2024 gestellt. Das Amtsgericht hat den Antrag zurückgewiesen. Die gegen diesen Beschluss gerichtete sofortige Beschwerde der Beklagten hat das Landgericht mit Beschluss der Einzelrichterin vom 19. Januar 2024 unter Zulassung der Rechtsbeschwerde zurückgewiesen. Auf die Rechtsbeschwerde der Beklagten hat der Senat mit Beschluss vom 14. Mai 2024 (VIII ZB 6/24, juris) den landgerichtlichen Beschluss aufgehoben und die Sache zur erneuten Entscheidung an das Beschwerdegericht - Einzelrichter - zurückverwiesen.
Am 28. Mai 2024 haben die Beklagten die Verlängerung der Räumungsfrist bis zum 30. November 2024 beantragt. Nach Übertragung der Sache von der Einzelrichterin auf die Kammer hat das Beschwerdegericht den Antrag mit dem angefochtenen Beschluss zurückgewiesen. Mit ihrer vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde haben die Beklagten ihr Begehren zunächst weiterverfolgt. Nachdem sie die Mietwohnung am 12. September 2024 geräumt haben, haben die Parteien das Verfahren in der Hauptsache übereinstimmend für erledigt erklärt.
II. Den Beklagten ist auf ihren Antrag gemäß § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO ratenfreie Prozesskostenhilfe für das Rechtsbeschwerdeverfahren zu bewilligen.
III. Aufgrund der Erledigungserklärungen der Parteien hat der Senat über die Kosten des Verfahrens gemäß § 91a Abs. 1 Satz 1 ZPO unter Berücksichtigung des bisherigen Sach- und Streitstands nach billigem Ermessen zu entscheiden. Im Verfahren nach § 794a ZPO sind auch für die Kosten erster Instanz die §§ 91 ff. ZPO maßgeblich (Senatsbeschlüsse vom 28. Oktober 2008 - VIII ZB 28/08, NJW-RR 2009, 422 Rn. 4; vom 19. September 2023 - VIII ZB 44/22, NZM 2023, 947 Rn. 3; jeweils mwN). Dabei ist der mutmaßliche Ausgang des Rechtsbeschwerdeverfahrens zu berücksichtigen (Senatsbeschlüsse vom 9. Februar 2021 - VIII ZR 346/19, NJW 2021, 1887 Rn. 4; vom 19. September 2023 - VIII ZB 44/22, aaO; jeweils mwN). Bei Anlegung des vorgenannten Prüfungsmaßstabs sind im Streitfall die Kosten des Verfahrens gegeneinander aufzuheben.
1. Es ist - auch im Rechtsbeschwerdeverfahren - nicht Zweck einer Kostenentscheidung nach § 91a Abs. 1 Satz 1 ZPO, Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung zu klären oder das Recht fortzubilden geht (st. Rspr.; vgl. Senatsbeschlüsse vom 28. Oktober 2008 - VIII ZB 28/08, aaO Rn. 5; vom 25. Oktober 2022 - VIII ZB 58/21, NJW 2022, 3778 Rn. 6; vom 19. September 2023 - VIII ZB 44/22, aaO Rn. 4; vom 13. August 2024 - VIII ZR 255/21, NZM 2024, 854 Rn. 12; jeweils mwN). Grundlage der Entscheidung ist demgemäß lediglich eine summarische Prüfung, bei der das Gericht grundsätzlich davon absehen kann, in einer rechtlich schwierigen Sache nur wegen der Verteilung der Kosten alle für den hypothetischen Ausgang bedeutsamen Rechtsfragen zu klären (Senatsbeschlüsse vom 28. Oktober 2008 - VIII ZB 28/08, aaO; vom 19. September 2023 - VIII ZB 44/22, aaO; vom 13. August 2024 - VIII ZR 255/21, aaO; jeweils mwN).
2. Der Senat sieht sich deshalb nicht veranlasst, die - für die Zulassung der Rechtsbeschwerde maßgebliche - in der Instanzrechtsprechung und im Schrifttum umstrittene Rechtsfrage zu entscheiden, ob ein rechtsgeschäftlicher Verzicht auf den Antrag auf Bewilligung oder Verlängerung einer Räumungsfrist nach § 794a ZPO zulässig ist (dafür: LG Aachen, WuM 1996, 568; LG München, NZM 2008, 839; Musielak/Voit/Lackmann, ZPO, 21. Aufl., § 794a Rn. 2; BeckOK-ZPO/Hoffmann, Stand: 1. Dezember 2024, § 794a Rn. 1.1; Saenger/Kindl, ZPO, 10. Aufl., § 794a Rn. 1; aA Zöller/Geimer, ZPO, 35. Aufl., § 794a Rn. 7; MünchKommZPO/Wolfsteiner, 6. Aufl., § 794a Rn. 1; differenzierend: Schmidt-Futterer/Lehmann-Richter, Mietrecht, 16. Aufl., § 794a ZPO Rn. 31; siehe auch Wieczorek/Schütze/Paulus, ZPO, 4. Aufl., § 721 Rn. 2 [zu § 721 ZPO]; offenlassend: Senatsbeschlüsse vom 28. Oktober 2008 - VIII ZB 28/08, aaO; vom 19. September 2023 - VIII ZB 44/22, aaO Rn. 5). Bleibt diese Frage damit offen, ist ungewiss, welchen Ausgang das Verfahren genommen hätte.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeerwiderung lässt sich - einen unwirksamen Verzicht unterstellt - nach den getroffenen Feststellungen auch das Vorliegen der Voraussetzungen des § 794a ZPO nicht ausschließen.
Mangels anderer Verteilungskriterien sind die Kosten des Verfahrens daher gegeneinander aufzuheben.
Dr. Bünger Kosziol Dr. Liebert
Wiegand Dr. Böhm