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I ZR 175/21 ECLI:DE:BGH:2022:071122BIZR175.21.0 KI-generiert

Anhörungsrüge failure to demonstrate independent constitutional hearing violation by rejection of non-admission complaint

Geschäftsnummer I ZR 175/21
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Nichteintreten / Unzulässig (Inadmissible)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice dismissed the plaintiff's appeal on the ground of non-compliance with the right to be heard (Anhörungsrüge), ordering the plaintiff to bear the costs. The dispute concerned a prior decision by the First Civil Senate that had rejected a complaint for non-admission of revision (Nichtzulassungsbeschwerde) under § 544 ZPO. The court held the appeal inadmissible because the plaintiff failed to demonstrate a new and independent violation of the constitutional right to be heard (Art. 103(1) GG) arising from the appellate court's specific decision not to admit revision. Merely repeating arguments from the original complaint or asserting that a detailed justification should have been provided instead of using the statutory simplified reasoning allowed under § 544(6) sentence 2 ZPO does not satisfy the stringent requirements for a valid Anhörungsrüge, which demands proof that the court overlooked the party's submissions in a manner that concretely violated their procedural rights.

Legislator-Regeste

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Art. 103 Abs. 1 GG, § 97 Abs. 1 ZPO; Anhörungsrüge failure to demonstrate independent constitutional hearing violation by rejection of non-admission complaint: The dispute concerned a prior decision by the First Civil Senate that had rejected a complaint for non-admission of revision (Nichtzulassungsbeschwerde) under § 544 ZPO. The court held the appeal inadmissible because the plaintiff failed to demonstrate a new and independent violation of the constitutional right to be heard (Art. 103(1) GG) arising from the appellate court's specific decision not to admit revision. Merely repeating arguments from the original complaint or asserting that a detailed justification should have been provided instead of using the statutory simplified reasoning allowed under § 544(6) sentence 2 ZPO does not satisfy the stringent requirements for a valid Anhörungsrüge, which demands proof that the court overlooked the party's submissions in a manner that concretely violated their procedural rights.

Schlagwörter

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Anspruch auf rechtliches Gehör Verletzung von Verfahrensrechten verfassungsmässige Anforderung wiederholte Säumnis gesetzliche Voraussetzungen Zivilrechtsstreitigkeit

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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V ZR 142/08
März 2009 - V ZR 142/08, NJW 2009, 1609 [juris Rn.
BVerfGE 107, 395
Die Anhörungsrüge ist insoweit nur zulässig, wenn die Entscheidung, die Revision nicht zuzulassen, das Verfahrensgrundrecht auf rechtliches Gehör neu und eigenständig verletzt (BVerfGE 107, 395 [juris Rn.
I ZR 47/06
Dezember 2007 - I ZR 47/06, GRUR 2008, 932 [juris Rn.
I ZR 256/14
Dezember 2015 - I ZR 256/14, juris Rn.
I ZR 192/17
Admissibility of complaint for denial of justice against rejection of non-admission of appeal: Requirement of new and independent violation of right to be heard
I ZR 80/20
Admissibility of hearing objection against rejection of non-admission complaint: no independent right-to-be-heard violation from omission of reasons under § 544 Abs. 6 ZPO
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 97 Abs. 1 ZPO

Basis for the order that the appellant bears the costs of the proceedings.

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Volltext

Die Anhörungsrüge gegen den Senatsbeschluss vom 15. September 2022 wird auf Kosten der Klägerin als unzulässig verworfen.

[GRUENDE]

I. Die Anhörungsrüge ist unzulässig.

1. Eine Anhörungsrüge muss Ausführungen dazu enthalten, aus welchen Umständen sich die entscheidungserhebliche Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch das Gericht ergeben soll. Wendet sich die Anhörungsrüge gegen die Zurückweisung einer Nichtzulassungsbeschwerde, bedarf es dazu Ausführungen in Bezug auf die Entscheidung über die Nichtzulassung der Revision (BGH, Beschluss vom 19. März 2009 - V ZR 142/08, NJW 2009, 1609 [juris Rn. 4]). Die Anhörungsrüge ist insoweit nur zulässig, wenn die Entscheidung, die Revision nicht zuzulassen, das Verfahrensgrundrecht auf rechtliches Gehör neu und eigenständig verletzt (BVerfGE 107, 395 [juris Rn. 48 f.]; BVerfG, NJW 2008, 2635 [juris Rn. 16 f.]; NJW 2011, 1497 [juris Rn. 19]; BGH, Beschluss vom 13. Dezember 2007 - I ZR 47/06, GRUR 2008, 932 [juris Rn. 6] = WRP 2008, 956; Beschluss vom 17. Dezember 2015 - I ZR 256/14, juris Rn. 2; Beschluss vom 13. Februar 2019 - I ZR 192/17, juris Rn. 2; Beschluss vom 28. Januar 2021 - I ZR 80/20, juris Rn. 2; Beschluss vom 10. Februar 2022 - I ZR 36/21, juris Rn. 2). Eine Anhörungsrüge muss sich damit auseinandersetzen und in diesem Zusammenhang die Verletzung des Art. 103 Abs. 1 GG darlegen. Hierfür reicht eine schlichte Behauptung einer Gehörsverletzung nicht aus, sondern es ist vielmehr erforderlich, dass die Umstände vorgetragen werden, aus denen sich ergibt, dass der Bundesgerichtshof bei seiner Entscheidung das Vorbringen des Beschwerdeführers übergangen haben muss (vgl. BGH, NJW 2009, 1609 [juris Rn. 9 f.] mwN; BGH, Beschluss vom 17. Dezember 2015 - I ZR 256/14, juris Rn. 2; Beschluss vom 15. Februar 2018 - I ZR 216/16, juris Rn. 2; Beschluss vom 13. Februar 2019 - I ZR 192/17, juris Rn. 2; Beschluss vom 28. Januar 2021 - I ZR 80/20, juris Rn. 2; Beschluss vom 10. Februar 2022 - I ZR 36/21, juris Rn. 2).

2. Diesen Anforderungen wird die Anhörungsrüge nicht gerecht.

a) Soweit mit der Anhörungsrüge der Vortrag aus der Nichtzulassungsbeschwerde wiederholt wird, kann die Anhörungsrüge damit nicht begründet werden, weil damit keine neue und eigenständige Verletzung des Art. 103 Abs. 1 GG durch das Rechtsmittelgericht gerügt wird. Dasselbe gilt, soweit die Anhörungsrüge geltend macht, bei Kenntnisnahme dieses Vorbringens und der aufgeführten Zulassungsgründe hätte eine Zulassung erfolgen müssen. Die Partei hat keinen Anspruch darauf, dass das Gericht sich in dem von ihr für richtig erachteten Sinn mit ihrem Vorbringen befasst (vgl. BGH, Beschluss vom 7. Juli 2011 - I ZB 68/10, GRUR 2012, 314 [juris Rn. 12] - Medicus.log; Beschluss vom 13. Februar 2019 - I ZR 192/17, juris Rn. 4; Beschluss vom 10. Februar 2022 - I ZR 36/21, juris Rn. 4).

b) Eine neue und eigenständige Gehörsverletzung kann nicht damit begründet werden, dass der Bundesgerichtshof von der vom Gesetzgeber in verfassungsrechtlich unbedenklicher Weise vorgesehenen Begründungserleichterung gemäß § 544 Abs. 6 Satz 2 Halbsatz 2 ZPO Gebrauch gemacht hat (vgl. im Einzelnen BGH, NJW 2009, 1609 [juris Rn. 6]; BGH, Beschluss vom 15. August 2013 - I ZR 119/12, juris Rn. 6 bis 8; Beschluss vom 13. Februar 2019 - I ZR 192/17, juris Rn. 5; Beschluss vom 28. Januar 2021 - I ZR 80/20, juris Rn. 3; Beschluss vom 10. Februar 2022 - I ZR 36/21, juris Rn. 5).

II. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO analog.

Koch

Löffler

Schwonke

Schmaltz

Wille