Embezzlement of wages and tax evasion: Dismissal of minor charges under § 154 StPO and its impact on confiscation of criminal proceeds
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe Federal Court of Justice (BGH), 1st Criminal Senate, partially granted the defendant’s appeal, dismissing it as otherwise unfounded, and ordered the dismissal of proceedings for specific charges under § 154 StPO due to the public prosecutor's motion. The court modified the Landgericht Göttingen’s judgment by reducing the convictions for withholding and embezzling of wages to 32 cases and tax evasion to 10 cases, while confirming 22 counts of fraud, and reduced the confiscation of criminal proceeds to €1,752,681.25. The dispute involved the defendant’s challenge to a combined prison sentence of three years and nine months for white-collar offenses, specifically arguing procedural errors regarding unreadable tables and the calculation of the overall sentence and confiscation amount following the partial dismissal of charges. The decisive legal bases included § 154 Abs. 2 StPO for the dismissal of minor offenses, § 354 Abs. 1 StPO analogously and § 337 Abs. 1 StPO to maintain the total prison sentence as sufficiently stringent despite the removal of minor individual sentences, and the doctrinal principle that a procedural dismissal under § 154 Abs. 2 StPO renders the corresponding confiscation of criminal proceeds legally groundless.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 154 Abs. 2 StPO, § 349 Abs. 4 StPO, § 349 Abs. 2 StPO, § 354 Abs. 1 StPO, § 337 Abs. 1 StPO; Embezzlement of wages and tax evasion: Dismissal of minor charges under § 154 StPO and its impact on confiscation of criminal proceeds: The court modified the Landgericht Göttingen’s judgment by reducing the convictions for withholding and embezzling of wages to 32 cases and tax evasion to 10 cases, while confirming 22 counts of fraud, and reduced the confiscation of criminal proceeds to €1,752,681.25. The dispute involved the defendant’s challenge to a combined prison sentence of three years and nine months for white-collar offenses, specifically arguing procedural errors regarding unreadable tables and the calculation of the overall sentence and confiscation amount following the partial dismissal of charges. The decisive legal bases included § 154 Abs. 2 StPO for the dismissal of minor offenses, § 354 Abs. 1 StPO analogously and § 337 Abs. 1 StPO to maintain the total prison sentence as sufficiently stringent despite the removal of minor individual sentences, and the doctrinal principle that a procedural dismissal under § 154 Abs. 2 StPO renders the corresponding confiscation of criminal proceeds legally groundless.
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KI-generiertCited as the procedural basis for the partial success of the revision and the resulting partial amendment of the judgment.
Cited as the legal basis for dismissing the further, unsuccessful parts of the revision as unfounded.
Volltext
1. Auf die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Göttingen vom 5. Juni 2023 wird
a) das Verfahren in den Fällen 12 bis 18, 95, 99 bis 105 und 107 bis 112 der Urteilsgründe eingestellt; insoweit hat die Staatskasse die Kosten des Verfahrens sowie die dem Angeklagten entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen,
b) das vorgenannte Urteil
aa) im Schuldspruch dahin geändert, dass der Angeklagte des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt in 32 Fällen sowie der Steuerhinterziehung in zehn Fällen und des Betrugs in 22 Fällen schuldig ist,
bb) im Ausspruch über die Einziehung des Wertes von Taterträgen dahin geändert, dass diese in Höhe von 1.752.681,25 Euro angeordnet ist und hinsichtlich des darüberhinausgehenden Betrages entfällt.
2. Die weitergehende Revision des Angeklagten wird als unbegründet verworfen.
3. Der Angeklagte hat die weiteren Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.
[GRUENDE]
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt in 40 Fällen sowie Steuerhinterziehung in 23 Fällen und Betrugs in 22 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt und hiervon zwei Monate wegen einer rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung als vollstreckt erklärt. In einem Fall (Lohnsteuerhinterziehung Fall 106) hat es ihn freigesprochen und das Verfahren in weiteren 13 Fällen eingestellt. Darüber hinaus hat es die Einziehung des Wertes von Taterträgen in Höhe von 1.896.432,42 Euro angeordnet. Die gegen seine Verurteilung gerichtete Revision des Angeklagten, mit der er die Verletzung formellen und materiellen Rechts beanstandet, hat nach einer Verfahrenseinstellung (§ 154 Abs. 2 StPO) den aus der Beschlussformel ersichtlichen geringen Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO); im Wesentlichen ist das Rechtsmittel unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).
1. Auf Antrag des Generalbundesanwalts stellt der Senat das Verfahren hinsichtlich des Vorwurfs des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt im Zeitraum von Januar 2014 bis Juli 2014 (Ziffer A. II. 2. der Urteilsgründe, Fälle 12 bis 18 betreffend die T. Krankenkasse) und für das Jahr 2013 (Ziffer A. II. 4. der Urteilsgründe, Fall 95 betreffend die B. Bau) sowie des Vorwurfs der Hinterziehung von Lohnsteuer im Zeitraum von Januar 2013 bis einschließlich 2. Quartal 2014 (Ziffer A. II. 5. der Urteilsgründe, Fälle 99 bis 105 und 107 bis 112) ein (§ 154 Abs. 2, Abs. 1 Nr. 1 StPO). Damit kann offenbleiben, ob diese Fälle verjährt sind.
2. Soweit die Revision verschiedene, in das Urteil eingefügte Tabellen als schlecht lesbar und die die Fälle 95 bis 98 betreffenden Tabellen wegen ihres kleinen Schriftbilds als unlesbar beanstandet hat, greift diese Rüge nicht durch. Der Senat konnte von dem Inhalt der Tabellen ausreichend Kenntnis nehmen.
3. Die Gesamtstrafe bleibt durch das Entfallen der Einzelstrafen, die fast ausschließlich – anders als die verbleibenden Einzelstrafen – in der unteren Hälfte des nach Schadens- bzw. Verkürzungshöhe gestaffelten Tableaus der zu verhängenden Freiheitsstrafen liegen, unberührt (§ 354 Abs. 1 StPO entsprechend; § 337 Abs. 1 StPO). Der Zusammenzug der verbleibenden Einzelstrafen unter Erhöhung der Einsatzstrafe von einem Jahr und sieben Monaten Freiheitsstrafe erweist sich nach wie vor als straff, weshalb auszuschließen ist, dass das Landgericht eine für den Angeklagten günstigere Gesamtstrafe verhängt hätte.
4. Die Verfahrenseinstellung nach § 154 Abs. 2 StPO entzieht der Einziehung des Wertes von Taterträgen in diesen Fällen die Grundlage (z.B. BGH, Beschlüsse vom 3. April 2024 – 6 StR 84/24 Rn. 3; vom 12. Dezember 2023 – 6 StR 157/23 Rn. 9 und vom 12. Dezember 2023 – 4 StR 62/23 Rn. 3; vgl. auch Beschluss vom 23. Mai 2023 – GSSt 1/23, BGHSt 67, 295 Rn. 25, 59). Der Senat hat den Einziehungsbetrag entsprechend herabgesetzt.
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