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6 StR 389/21 ECLI:DE:BGH:2021:061021B6STR389.21.0 KI-generiert

Adhäsionsverfahren: Elimination of separate award for future non-material damages under the unity principle of pain and suffering compensation.

Geschäftsnummer 6 StR 389/21
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Court of Justice (BGH) dismissed the defendant’s criminal appeal as unfounded but reversed the lower court’s civil award of compensation for future non-material damages in the ancillary civil procedure, ordering that no further decision be made on that specific claim; the defendant was ordered to bear the costs of the appeal, including the special costs of the ancillary proceedings. The dispute arose from a conviction for attempted murder, dangerous bodily harm, and assault on officials, with the appeal challenging the scope of the pain and suffering compensation awarded to the victim. The court applied the principle of the unity of pain and suffering compensation, which encompasses all foreseeable future non-material damages in a single lump-sum award; since the lower court’s reasoning indicated that the damages already assessed in the fixed compensation amount already accounted for all foreseeable future impacts, the separate reservation for future damages was legally redundant and thus revoked under § 406(1) Sentence 3 of the Code of Criminal Procedure.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 406 Abs. 1 Satz 3 StPO, § 472a Abs. 2 StPO, § 473 Abs. 4 StPO; Adhäsionsverfahren: Elimination of separate award for future non-material damages under the unity principle of pain and suffering compensation: The dispute arose from a conviction for attempted murder, dangerous bodily harm, and assault on officials, with the appeal challenging the scope of the pain and suffering compensation awarded to the victim. The court applied the principle of the unity of pain and suffering compensation, which encompasses all foreseeable future non-material damages in a single lump-sum award; since the lower court’s reasoning indicated that the damages already assessed in the fixed compensation amount already accounted for all foreseeable future impacts, the separate reservation for future damages was legally redundant and thus revoked under § 406(1) Sentence 3 of the Code of Criminal Procedure.

Schlagwörter

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Körperverletzung Einheit des Verfahrens Strafprozessordnung Zivilrechtsstreitigkeit E-Justice pauschale Entschädigung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Cited as the legal basis for declaring the criminal appeal unfounded.

§ 406 Abs. 1 Satz 3 StPO

Applied to revoke the decision on future damages due to the principle of unity of pain and suffering compensation.

§ 473 Abs. 4 StPO

Applied to determine the allocation of litigation costs to the appellant.

§ 472a Abs. 2 StPO

Applied to rule on the necessary expenses of the civil claimants in the appellate proceedings.

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Volltext

Adhäsionsverfahren: Schmerzensgeld für künftige Schäden

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Ansbach vom 16. März 2021 wird als unbegründet verworfen; jedoch wird der Ausspruch über die Verpflichtung des Angeklagten, dem Neben- und Adhäsionskläger B. die aus der Tat vom 3. März 2020 künftig entstehenden immateriellen Schäden zu ersetzen, aufgehoben und insoweit von einer Entscheidung im Adhäsionsverfahren abgesehen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels, die insoweit durch das Adhäsionsverfahren entstandenen besonderen Kosten und die dem Neben- und Adhäsionskläger sowie den weiteren Adhäsionsklägern im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie mit tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt und Adhäsionsentscheidungen getroffen. Die gegen dieses Urteil gerichtete Revision des Angeklagten führt zu der aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Änderung des Adhäsionsausspruchs; im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

1. Durchgreifenden rechtlichen Bedenken begegnet der im Adhäsionsverfahren getroffene Feststellungsausspruch über die Verpflichtung des Angeklagten, dem Neben- und Adhäsionskläger B. aus der verfahrensgegenständlichen Tat künftig entstehende immaterielle Schäden zu ersetzen.

Verlangt der Geschädigte für erlittene Verletzungen ein Schmerzensgeld, so werden nach dem Grundsatz der Einheitlichkeit des Schmerzensgeldes davon alle Schadensfolgen erfasst, die entweder bereits eingetreten und objektiv erkennbar sind oder deren Eintritt jedenfalls vorhergesehen und bei der Entscheidung berücksichtigt werden kann (st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüsse vom 22. Oktober 2019 - 2 StR 397/19, NStZ-RR 2020, 53; vom 6. Oktober 2020 - 4 StR 168/20, NStZ-RR 2020, 367). Vorliegend enthalten die Urteilsgründe keine Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit anderer zukünftiger immaterieller Schäden als derjenigen, die das Landgericht bereits bei der Bemessung des dem Neben- und Adhäsionskläger zuerkannten Schmerzensgeldes in den Blick genommen hat. Der Adhäsionsausspruch hat daher insoweit zu entfallen (§ 406 Abs. 1 Satz 3 StPO).

2. Wegen des geringen Erfolgs des Rechtsmittels ist es nicht unbillig, den Angeklagten mit den gesamten Kosten des Rechtsmittels einschließlich der besonderen Kosten des Adhäsionsverfahrens zu belasten; auch die angeordnete Kostenlast des Angeklagten hinsichtlich der notwendigen Auslagen des Neben- und Adhäsionsklägers entspricht der Billigkeit (§ 473 Abs. 4, § 472a Abs. 2 StPO).

Sander

König

Feilcke

Tiemann

von Schmettau