Legislator Rechtsprechung & Gesetzgebung
6 StR 74/21 ECLI:DE:BGH:2021:090321B6STR74.21.0 KI-generiert

Tank fraud: completed vs. attempted fraud requiring proof that station staff noticed the fueling

Geschäftsnummer 6 StR 74/21
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

KI-generiert

The Federal Court of Justice (BGH) partially granted the defendant's appeal, modifying the Landgericht Braunschweig’s judgment to reduce the conviction for the specific count of "tank fraud" from completed fraud to attempted fraud, sentencing him to a monetary fine of five daily rates of ten euros, while dismissing the remainder of the appeal and upholding the total sentence of four years and nine months for other offenses including theft and robbery. The dispute centered on whether the defendant’s act of fueling a stolen vehicle and driving away without paying constituted completed or attempted fraud; the material facts established that the defendant fueled the car but the court noted the original judgment lacked a finding that the gas station staff was actually aware of the fueling process. The decisive legal basis is the doctrine that completed fraud in "tank fraud" cases requires proof that the perpetrator successfully induced a mistake in the victim by creating the appearance of payment willingness, which presupposes that the fueling was noticed by the staff; absent this finding, the act is legally classified only as an attempt, leading to the appellate correction under §§ 349, 354, and 327 StPO.

Legislator-Regeste

KI-generiert

§ 349 Abs. 4 StPO, § 349 Abs. 2 StPO, § 354 Abs. 1 StPO, § 265 StPO, § 473 Abs. 4 StPO; Tank fraud: completed vs. attempted fraud requiring proof that station staff noticed the fueling: The dispute centered on whether the defendant’s act of fueling a stolen vehicle and driving away without paying constituted completed or attempted fraud; the material facts established that the defendant fueled the car but the court noted the original judgment lacked a finding that the gas station staff was actually aware of the fueling process. The decisive legal basis is the doctrine that completed fraud in "tank fraud" cases requires proof that the perpetrator successfully induced a mistake in the victim by creating the appearance of payment willingness, which presupposes that the fueling was noticed by the staff; absent this finding, the act is legally classified only as an attempt, leading to the appellate correction under §§ 349, 354, and 327 StPO.

Schlagwörter

KI-generiert
versuchter Betrug Betrug vollendeter Versuch Zahlungsnachweis Zahlung der Geldbuße Urteilsdispositiv

Zitierte Gesetzesbestimmungen

KI-generiert

Zitierte Rechtsprechung

KI-generiert
KI-generiert

Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

KI-generiert
§ 349 Abs. 4 StPO

Cited in the operative part as the procedural basis for partially allowing the appeal and modifying the lower court's judgment.

§ 349 Abs. 2 StPO

Cited in the operative part as the basis for dismissing the remainder of the appeal as unfounded.

§ 473 Abs. 4 StPO

Cited in the operative part as the basis for ordering the appellant to bear the costs of the legal remedy.

Fragen Sie sich, wie dieser Entscheid auf Ihren Fall anwendbar ist?

Prüfen Sie diesen Entscheid zusammen mit Bundesrecht, kantonalen Erlassen, Kommentaren und Folgeentscheiden in Legislator AI.

Fall in Legislator öffnen →

Volltext

Tankbetrug: Abgrenzung zwischen Versuch und Vollendung im Falle des Nichtbemerkens des Tankvorgangs durch das Tankstellenpersonal

[TENOR]

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Braunschweig vom 4. November 2020 dahin geändert, dass der Angeklagte im Fall II.3. der Urteilsgründe wegen versuchten Betruges zu einer Geldstrafe von fünf Tagessätzen zu jeweils zehn Euro verurteilt ist.

Die weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen.

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Diebstahls, schwerer räuberischer Erpressung und Betruges zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt sowie eine Einziehungsentscheidung getroffen. Die hiergegen gerichtete Revision des Angeklagten hat im Umfang der Beschlussformel Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO) und ist im Übrigen unbegründet gemäß § 349 Abs. 2 StPO.

Die auf die Sachrüge gebotene umfassende Überprüfung des angefochtenen Urteils hat hinsichtlich des Schuldspruchs im Fall II.3. der Urteilsgründe Rechtsfehler zu Lasten des Angeklagten ergeben; seine Verurteilung wegen vollendeten Betruges hat keinen Bestand.

Nach den Feststellungen der Strafkammer betankte der Angeklagte „wie ein zahlungsfähiger und -williger Kunde“ einen von ihm zuvor entwendeten Porsche an einer Tankstelle und entrichtete - wie von vornherein beabsichtigt - den hierfür zu bezahlenden Betrag von 78,01 Euro nicht, sondern fuhr sofort nach Ende des Tankvorgangs davon.

Diese Feststellungen tragen die Bewertung der Tat als vollendeten Betrug nicht. Nach ständiger Rechtsprechung setzt die Annahme der Tatvollendung in Fällen eines sogenannten Tankbetruges voraus, dass der Täter durch (konkludentes) Vortäuschen seiner Zahlungsbereitschaft bei einem Tankstellenbeschäftigten einen Irrtum hervorruft, der anschließend zu der schädigenden Vermögensverfügung (Einverständnis mit dem Tankvorgang) führt. Hierfür ist die Feststellung erforderlich, dass der Tankvorgang vom Personal überhaupt bemerkt wurde. Fehlt - wie hier - eine entsprechende Feststellung, ist mangels Irrtumserregung nur ein versuchter Betrug gegeben (vgl. etwa BGH, Urteil vom 5. Mai 1983 - 4 StR 121/83, NJW 1983, 2827; Beschlüsse vom 13. Januar 2016 - 4 StR 532/15, NJW 2016, 1109 Rn. 4; vom 21. August 2019 - 3 StR 221/18 Rn. 18).

Der Senat ändert den Schuldspruch in analoger Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO dementsprechend ab und setzt die verhängte Geldstrafe auf die gesetzliche Mindeststrafe herab. § 265 StPO steht dem nicht entgegen, weil sich der insoweit geständige Angeklagte nicht wirksamer als geschehen hätte verteidigen können.

Im Hinblick auf den geringen Erfolg der Revision ist es nicht unbillig, den Angeklagten mit den gesamten Kosten seines Rechtsmittels zu belasten (§ 473 Abs. 4 StPO).

Sander

Schneider

Feilcke

Tiemann

Fritsche