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3 StR 249/19 ECLI:DE:BGH:2019:131119B3STR249.19.0 KI-generiert

Confiscation of criminal proceeds following provisional discontinuance of proceedings: Requirement for separate objective confiscation procedure under § 435 StPO

Geschäftsnummer 3 StR 249/19
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice partially granted the defendant’s revision, modifying the land court’s judgment to eliminate the order for the confiscation of the value of criminal proceeds, while rejecting the remainder of the appeal and imposing the full costs of the legal remedy on the appellant. The dispute concerned a conviction for founding and participating in a criminal organization, aggravated robbery and extortion, and dangerous bodily injury, specifically challenging the ancillary order of value-based confiscation totaling 36,173.55 EUR. The decisive legal basis was the lack of a valid application by the prosecution to initiate a separate objective confiscation procedure under § 435(1) Sentence 1 StPO, which was required because the underlying offense had been provisionally discontinued under § 154(2) StPO, rendering a subjective confiscation order impossible; the court further held that the expanded confiscation under § 73a(1) StGB was inapplicable as it is subsidiary to the standard confiscation under § 73(1) StGB and requires the court to be unable to attribute the illicit gains to specific charged offenses.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 435 Abs. 1 Satz 1 StPO, § 154 Abs. 2 StPO, § 76a Abs. 3 StGB, § 435 Abs. 1 StPO, § 200 StPO; Confiscation of criminal proceeds following provisional discontinuance of proceedings: Requirement for separate objective confiscation procedure under § 435 StPO: The dispute concerned a conviction for founding and participating in a criminal organization, aggravated robbery and extortion, and dangerous bodily injury, specifically challenging the ancillary order of value-based confiscation totaling 36,173.55 EUR. The decisive legal basis was the lack of a valid application by the prosecution to initiate a separate objective confiscation procedure under § 435(1) Sentence 1 StPO, which was required because the underlying offense had been provisionally discontinued under § 154(2) StPO, rendering a subjective confiscation order impossible; the court further held that the expanded confiscation under § 73a(1) StGB was inapplicable as it is subsidiary to the standard confiscation under § 73(1) StGB and requires the court to be unable to attribute the illicit gains to specific charged offenses.

Schlagwörter

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strafrechtliche Einziehung Ertrag strafrechtliches Revisionsverfahren Raub Streitwert Erpressung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Provision cited for the rejection of the remaining revision as unfounded.

§ 473 Abs. 4 StPO

Provision cited to impose the costs of the legal remedy on the appellant.

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Volltext

Formulierung des Antrags auf Einziehung im objektiven Verfahren

[TENOR]

1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Köln vom 21. November 2017, soweit es ihn betrifft, im Rechtsfolgenausspruch dahin geändert, dass die Anordnung der Einziehung des Wertes von Taterträgen entfällt.

2. Die weitergehende Revision wird verworfen.

3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat den Angeklagten der Gründung einer kriminellen Vereinigung in Tateinheit mit mitgliedschaftlicher Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, der schweren räuberischen Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie der gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit mitgliedschaftlicher Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung schuldig gesprochen und auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten erkannt. Ferner hat es einen Geldbetrag von 36.173,55 € eingezogen. Die auf die Rügen der Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hat mit der Sachbeschwerde den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg. Im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

1. Zur vom Landgericht angeordneten Wertersatzeinziehung von Taterträgen in Höhe von 36.173,55 € "gemäß § 73 Absatz 1, 73a Absatz 1, 73c Satz 1, 76a Absatz 1 Satz 1 und 2, Absatz 3 StGB" (UA S. 132) hat der Generalbundesanwalt ausgeführt:

"Im Hinblick auf die Einziehungsentscheidung mangelt es an der Verfahrensvoraussetzung eines Antrags der Staatsanwaltschaft auf Durchführung des selbstständigen Einziehungsverfahrens gemäß § 435 Abs. 1 Satz 1 StPO. Die angeordnete Einziehung eines Geldbetrags in Höhe von 36.173,55 EUR bezieht sich auf die unter Ordnungspunkt C.V. der Urteilsgründe festgestellte Tat betreffend Nummer 2 der Anklageschrift vom 18. November 2016 (UA S. 77 - 81). Hinsichtlich dieser Tat ist das Verfahren durch Beschluss vom 20. Oktober 2017 gemäß § 154 Abs. 2 StPO vorläufig eingestellt worden (PB Bl. 501, 516). Mit Ausscheiden der Tat war eine darauf bezogene Einziehungsanordnung im subjektiven Verfahren nicht mehr möglich (Senat, Beschluss vom 7. Januar 2003 - 3 StR 421/02 -, juris Rdn. 9). Der in der Hauptverhandlung nach einer (Teil-) Einstellung gemäß § 154 Abs. 2 StPO grundsätzlich zulässige Übergang in das objektive Verfahren zum Zwecke der selbstständigen Anordnung der Einziehung gemäß § 76a Abs. 3 StGB (BGH StraFo 2018, 471, juris Rdn. 6) ist indes nicht erfolgt. Wegen des ihr nach Maßgabe des § 435 Abs. 1 StPO zukommenden Ermessens hätte es hierfür einer auf die Durchführung des objektiven Verfahrens gerichteten Erklärung der Staatsanwaltschaft in der Hauptverhandlung bedurft, die den entsprechend geltenden Anforderungen des § 200 StPO genügt. Ein bloßer Einziehungsantrag im Schlussvortrag der Sitzungsvertreterin der Staatsanwaltschaft (PB Bl. 595) reicht insoweit nicht aus (Senat NStZ 2018, 559, juris Rdn. 4; BGH StraFo 2018, 471, juris Rdn. 7; Köhler in Meyer-Goßner/Schmitt StPO 62. Aufl. § 435 Rdn. 19)."

Dem schließt sich der Senat an. Er bemerkt ergänzend, dass die Einziehungsentscheidung ebenso wenig auf § 73a Abs. 1 StGB (i.V.m. § 73c Satz 1 StGB) gestützt werden kann. Denn die dort geregelte erweiterte Einziehung von Taterträgen ist gegenüber der Einziehung von Taterträgen nach § 73 Abs. 1 StGB subsidiär und kann nur angeordnet werden, wenn sich das Tatgericht außerstande sieht, die deliktisch erlangten Gegenstände eindeutig den abgeurteilten oder anderen konkreten rechtswidrigen Taten zuzuordnen (vgl. BGH, Beschluss vom 21. August 2018 - 2 StR 231/18, NStZ-RR 2018, 380, 381 f. mwN).

2. Angesichts des geringen Erfolgs der Revision ist es nicht unbillig, den Angeklagten mit den gesamten Kosten seines Rechtsmittels zu belasten (§ 473 Abs. 4 StPO).

Schäfer

Spaniol

Tiemann

Berg

Erbguth