Self-independent confiscation under § 76a StGB requires a specific prosecutorial application under § 435 StPO distinct from extended confiscation requests
Legislator-Zusammenfassung
KI-generiertThe German Federal Court of Criminal Court (BGH) partially reversed the Hamburg Regional Court’s judgment, ordering the reversal of the self-independent confiscation of 6,900 euros found in the defendant’s vehicle, while rejecting the remainder of the defendant’s appeal; consequently, the original conviction for drug trafficking and possession in non-small quantities stands, but the specific forfeiture of the cash is invalidated. The dispute centered on whether the prosecution’s failure to file a specific procedural request for the self-independent confiscation of the bailiff-secured funds, which were identified as belonging to an unidentified passenger rather than the defendant, constituted a procedural obstacle to the enforcement of § 76a StGB. The court held that under § 435 StPO, an application for self-independent confiscation must explicitly state the facts justifying the measure, distinct from general confiscation requests under §§ 73, 73a, and 73c StGB; because the prosecution only requested extended confiscation without the requisite factual allegations for self-independent proceedings, the court determined the lack of a proper application created a procedural bar, resulting in the dismissal of that specific sanction.
Legislator-Regeste
KI-generiert§ 349 Abs. 2 StPO, § 76a Abs. 4 StGB, § 435 Abs. 1 Satz 1 StPO, § 200 StPO, § 435 Abs. 2 StPO, § 473 Abs. 4 StPO; Self-independent confiscation under § 76a StGB requires a specific prosecutorial application under § 435 StPO distinct from extended confiscation requests: The dispute centered on whether the prosecution’s failure to file a specific procedural request for the self-independent confiscation of the bailiff-secured funds, which were identified as belonging to an unidentified passenger rather than the defendant, constituted a procedural obstacle to the enforcement of § 76a StGB. The court held that under § 435 StPO, an application for self-independent confiscation must explicitly state the facts justifying the measure, distinct from general confiscation requests under §§ 73, 73a, and 73c StGB; because the prosecution only requested extended confiscation without the requisite factual allegations for self-independent proceedings, the court determined the lack of a proper application created a procedural bar, resulting in the dismissal of that specific sanction.
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Volltext
Strafrechtliche Vermögensabschöpfung bei Betäubungsmitteldelikten: Notwendigkeit und Inhalt eines Antrags der Staatsanwaltschaft auf selbständige Einziehung von Taterträgen
[TENOR]
Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 23. Juni 2020 im Ausspruch über die selbständige Einziehung eines sichergestellten Betrages in Höhe von 6.900 Euro aufgehoben; insoweit entfällt die Einziehung.
Die weitergehende Revision des Angeklagten wird verworfen.
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.
[GRUENDE]
Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in vier Fällen, davon in einem Fall in weiterer Tateinheit mit Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und in einem weiteren Fall in Tateinheit mit bewaffnetem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt und Einziehungsentscheidungen getroffen. Das auf die Rüge der Verletzung materiellen Rechts gestützte Rechtsmittel des Angeklagten erzielt den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.
Die selbständige Einziehung des - im Pkw des Angeklagten sichergestellten und einem nicht identifizierten Beifahrer gehörenden - Bargeldbetrages in Höhe 6.900 Euro nach § 76a Abs. 4 StGB kann keinen Bestand haben, weil der erforderliche Antrag nach § 435 Abs. 1 Satz 1 StPO durch die Staatsanwaltschaft nicht gestellt worden ist. Dies begründet ein Verfahrenshindernis (BGH, Beschluss vom 25. April 2019 - 1 StR 54/19). Eines solchen Antrages bedarf es auch für den (hier vorliegenden) Fall einer selbständigen Einziehung im subjektiven Verfahren (BGH, Beschlüsse vom 11. Dezember 2019 - 5 StR 486/19; vom 5. Juni 2018 - 5 StR 133/18; vom 5. Dezember 2018 - 1 StR 387/18; vom 18. Dezember 2018 - 1 StR 407/18; BeckOK-StGB/Heuchemer, 48. Ed., § 76a, Rn. 14). Die von der Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift vom 24. Februar 2020 ausdrücklich beantragte erweiterte Einziehung von sichergestellten Geldbeträgen in Höhe von insgesamt 12.305 Euro nach §§ 73, 73a, 73c StGB stellt keinen Antrag im Sinne des § 435 Abs. 1 Satz 1 StPO dar. Denn für jenen gelten die Vorschriften über den Inhalt der Anklageschrift nach § 200 StPO entsprechend. Nach § 435 Abs. 2 StPO sind neben der Bezeichnung der einzuziehenden Gegenstände die Tatsachen anzugeben, die die Zulässigkeit der selbständigen Einziehung begründen (BGH, Beschluss vom 29. April 2020 - 3 StR 122/20). Daran fehlt es hier.
Angesichts des geringen Erfolgs der Revision ist es nicht unbillig, den Angeklagten mit den gesamten Kosten seines Rechtsmittels zu belasten (§ 473 Abs. 4 StPO).
Cirener
Berger
Gericke
Mosbacher
Resch