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4 StR 226/18 ECLI:DE:BGH:2018:061118B4STR226.18.0 KI-generiert

Written statement via defense counsel constitutes oral testimony, not documentary evidence; evidentiary admissibility under § 261 StPO

Geschäftsnummer 4 StR 226/18
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice dismissed the defendant's appeal, upholding the Landgericht Dortmund's conviction and sentencing for manslaughter, with the defendant ordered to bear legal costs. The case involved a challenge to the rejection of a mitigated sentencing framework under § 213 StGB based on an alleged provocation by the victim and a procedural objection regarding the documentation of the defendant's statement. The Court held that while the trial court erred in relying on its own assessment that the defendant's claim of provocation was disproved to reject the mitigated framework, the rejection was nonetheless legally sound because the defendant failed to prove he acted "without fault" within the meaning of the statute. Furthermore, the Court clarified that a written statement prepared by defense counsel and read in open court constitutes an oral testimony rather than documentary evidence, meaning its verbatim reproduction in the judgment risks violating the prohibition against substituting written records for oral proceedings under § 261 StPO, though it does not render the proceedings invalid.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 2 StPO, § 261 StPO; Written statement via defense counsel constitutes oral testimony, not documentary evidence; evidentiary admissibility under § 261 StPO: The case involved a challenge to the rejection of a mitigated sentencing framework under § 213 StGB based on an alleged provocation by the victim and a procedural objection regarding the documentation of the defendant's statement. The Court held that while the trial court erred in relying on its own assessment that the defendant's claim of provocation was disproved to reject the mitigated framework, the rejection was nonetheless legally sound because the defendant failed to prove he acted "without fault" within the meaning of the statute. Furthermore, the Court clarified that a written statement prepared by defense counsel and read in open court constitutes an oral testimony rather than documentary evidence, meaning its verbatim reproduction in the judgment risks violating the prohibition against substituting written records for oral proceedings under § 261 StPO, though it does not render the proceedings invalid.

Schlagwörter

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Einvernahme des Opfers mündliches Verfahren Klageschrift Beweisverfügungen Anwaltsverschulden Beweiswürdigung

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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3 StR 516/08
Dezember 2008 - 3 StR 516/08, NStZ 2009, 282, 283; vom 10.
3 StR 390/08
November 2008 - 3 StR 390/08, NStZ 2009, 173; vom 27.
3 StR 38/07
Februar 2007 - 3 StR 38/07, NStZ 2007, 349).
1 StR 559/88
November 1988 - 1 StR 559/88, BGHR StPO § 261 Inbegriff der Verhandlung 15 [für das Schreiben eines Zeugen]; OLG Bamberg, Beschluss vom 29.
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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 2 StPO

Provision cited in the operative order to justify the dismissal of the appeal as unfounded.

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Volltext

Schriftliche Erklärung des Angeklagten in Hauptverhandlung kein Urkundenbeweis

[TENOR]

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Dortmund vom 4. Dezember 2017 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die den Nebenklägern im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend zu der Antragsschrift des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

1. Soweit das Landgericht die Ablehnung eines minder schweren Falles des Totschlags gemäß § 213 Var. 1 StGB darauf gestützt hat, nach der eigenen Einlassung des Angeklagten seien nicht ehrverletzende Äußerungen des Tatopfers, sondern die angebliche Notwehrlage Anlass für die tödlichen Stiche gewesen, begegnet dies durchgreifenden rechtlichen Bedenken, da das Landgericht in seiner Beweiswürdigung die Einlassung gerade für widerlegt erachtet hat.

Gleichwohl hält die Ablehnung eines minder schweren Falles des Totschlags im Ergebnis rechtlicher Nachprüfung stand, da das Landgericht zutreffend auch ein Handeln des Angeklagten „ohne eigene Schuld“ im Sinne des § 213 Var. 1 StGB verneint hat.

2. Mit Blick auf die wörtliche Wiedergabe der Einlassung des Angeklagten in den schriftlichen Urteilsgründen weist der Senat auf Folgendes hin: Auch wenn sich - wie es hier der Fall war - der Angeklagte bei seiner Einlassung in der Hauptverhandlung der Hilfe seines Verteidigers in der Form bedient, dass der Verteidiger mit seinem Einverständnis oder seiner Billigung für ihn eine schriftlich vorbereitete Erklärung abgibt und das Schriftstück sodann vom Gericht entgegengenommen und - unnötigerweise - als Anlage zum Protokoll der Hauptverhandlung genommen wird, wird der Inhalt der Erklärung nicht im Wege des Urkundenbeweises, sondern als mündliche Äußerung des Angeklagten in die Hauptverhandlung eingeführt (vgl. BGH, Beschlüsse vom 9. Dezember 2008 - 3 StR 516/08, NStZ 2009, 282, 283; vom 10. November 2008 - 3 StR 390/08, NStZ 2009, 173; vom 27. Februar 2007 - 3 StR 38/07, NStZ 2007, 349). Die wörtliche Wiedergabe der Einlassung des Angeklagten birgt vielmehr die Gefahr eines Verstoßes gegen § 261 StPO (vgl. LR/Sander, StPO, 26. Aufl., § 261 Rn. 174 [für eine Erklärung des Angeklagten]; BGH, Beschluss vom 22. November 1988 - 1 StR 559/88, BGHR StPO § 261 Inbegriff der Verhandlung 15 [für das Schreiben eines Zeugen]; OLG Bamberg, Beschluss vom 29. Mai 2018 - 3 OLG 130 Ss 30/18, juris [für Protokolle über die Vernehmung einer Zeugin]).

Im Übrigen ist das Tatgericht - unabhängig davon, wie die Einlassung des Angeklagten erfolgt ist - gehalten, sie im Urteil tunlichst unter Beschränkung auf ihren wesentlichen Inhalt mitzuteilen.

Sost-Scheible

Roggenbuck

Cierniak

Bender

Feilcke