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VIII ZR 126/21 ECLI:DE:BGH:2022:050422BVIIIZR126.21.0 KI-generiert

International sale of goods: loss of right to withhold payment and claim damages due to late defect notice under CISG and German Commercial Code

Geschäftsnummer VIII ZR 126/21
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Abgewiesen (Dismissed)
Kostenauflage zulasten Beschwerdeführer/in

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Justice dismissed the plaintiff's appeal against the non-admission of leave for revision, leaving the lower court’s judgment in force and ordering the plaintiff to bear the litigation costs. The dispute arose from an international sale of goods where the buyer, having accepted the goods, attempted to withhold payment and claim damages based on alleged violations of hygiene regulations and the HACCP concept; the buyer argued that a preliminary reference to the European Court of Justice was necessary to interpret Regulation (EC) No 852/2004. The court held that no preliminary reference was required because the cited regulation only contains general hygiene obligations and does not address the buyer's acceptance duties, nor did the buyer identify a specific provision requiring interpretation. Crucially, the buyer’s failure to notify the defect within the statutory time limits under Art. 39(1) of the CISG and § 377(1) of the German Commercial Code precluded the buyer from exercising a right of retention against the seller’s payment claim or establishing causal liability for damages, rendering the specific interpretation of the hygiene regulation irrelevant to the outcome.

Legislator-Regeste

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§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO, Art. 267 AEUV, § 377 Abs. 1 HGB, § 544 Abs. 6 Satz 2 Halbs. 2 ZPO, § 97 Abs. 1 ZPO; International sale of goods: loss of right to withhold payment and claim damages due to late defect notice under CISG and German Commercial Code: The dispute arose from an international sale of goods where the buyer, having accepted the goods, attempted to withhold payment and claim damages based on alleged violations of hygiene regulations and the HACCP concept; the buyer argued that a preliminary reference to the European Court of Justice was necessary to interpret Regulation (EC) No 852/2004. The court held that no preliminary reference was required because the cited regulation only contains general hygiene obligations and does not address the buyer's acceptance duties, nor did the buyer identify a specific provision requiring interpretation. Crucially, the buyer’s failure to notify the defect within the statutory time limits under Art. 39(1) of the CISG and § 377(1) of the German Commercial Code precluded the buyer from exercising a right of retention against the seller’s payment claim or establishing causal liability for damages, rendering the specific interpretation of the hygiene regulation irrelevant to the outcome.

Schlagwörter

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Sachmangel Handelsstreitigkeit Schadenersatzzahlung Käufer Zahlungsauftrag Auslegung von Urteilen

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Volltext

Internationaler Warenkauf: Zurückbehaltungsrecht gegenüber der Zahlungsforderung bei verspäteter Mängelrüge

[TENOR]

Die Beschwerde der Klägerin gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 5. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Celle vom 15. April 2021 wird zurückgewiesen, weil weder die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat noch die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts erfordert (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

Insbesondere ist entgegen der Auffassung der Beschwerde eine Zulassung der Revision nicht deshalb geboten, weil dem Gerichtshof der Europäischen Union im Wege eines Vorabentscheidungsersuchens nach Art. 267 AEUV die Frage zur Klärung vorzulegen wäre, ob Lebensmittel abgenommen werden müssen, die "nicht nach den Vorschriften der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 (i.V.m. Verordnung (EG) Nr. 178/02) hergestellt wurden und/oder deren Herstellung nach dem HACCP-Konzept nicht belegt wurde". Denn dies ist keine Frage, welche durch Auslegung der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 (ABl. L 139 S. 1) geklärt werden kann, da diese Verordnung lediglich allgemeine Lebensmittelhygienevorschriften für Lebensmittelunternehmer enthält (Art. 1 Abs. 1), zur Frage von (Abnahme-)Pflichten eines Käufers jedoch keine Regelung trifft. Eine entsprechend auslegungsbedürftige Bestimmung der Verordnung nennt die Nichtzulassungsbeschwerde dementsprechend auch nicht.

Zudem ist diese Frage weder für die Widerklage noch für die Klageforderung entscheidungserheblich. Die Klägerin hat die Waren abgenommen und den - vermeintlichen - Mangel eines Verstoßes gegen das "HACCP-Konzept" nach den ohne zulassungsrelevanten Rechtsfehler getroffenen Feststellungen des Berufungsgerichts nicht rechtzeitig (§ 377 Abs. 1 HGB bzw. Art. 39 Abs. 1 CISG) gerügt, so dass sie sich zur Begründung eines Zurückbehaltungsrechts gegenüber der Zahlungsforderung der Beklagten nicht auf einen (etwaigen) Verstoß gegen das HACCP-Konzept berufen kann. Das Unterlassen einer entsprechenden Mangelanzeige führt zugleich dazu, dass ein etwaiger Verstoß gegen das HACCP-Konzept im Rahmen der Schadenersatzforderung der Klägerin nach den rechtsfehlerfrei getroffenen Feststellungen des Berufungsgerichts nicht ursächlich wäre.

Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 6 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen.

Die Klägerin hat die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (§ 97 Abs. 1 ZPO).

Der Wert des Beschwerdeverfahrens beträgt 529.225,09 €.

Dr. Fetzer

Kosziol

Dr. Schmidt

Wiegand

Dr. Reichelt