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1 StR 62/22 ECLI:DE:BGH:2022:220322B1STR62.22.0 KI-generiert

Sentencing error: Failure to assess special hardship of executing short prison remainder after pretrial detention credit

Geschäftsnummer 1 StR 62/22
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The German Federal Court of Criminal Justice (BGH) partially granted the defendant's appeal, vacating the sentencing portion of the Munich Regional Court's judgment of 9 November 2021 and remanding the case for new deliberation and sentencing by a different chamber, while rejecting the remainder of the appeal. The case involved a conviction for violent assault on law enforcement officers in concurrence with intentional bodily injury, resulting in a two-year and four-month prison term in the first instance; after a partial reversal, the lower court issued a 21-month sentence, which the defendant challenged on the grounds that the sentencing court failed to adequately consider the disproportionate hardship of executing the remaining prison term after crediting nearly 20 months of pretrial detention served during the pandemic. The BGH ruled that the lower court committed a decisive error in legal reasoning by failing to engage with the specific statutory sentencing guideline regarding the defendant's long-standing social stability and the special severity of disrupting social ties through the execution of a short residual sentence, a factor that cannot be inferred from the general mitigation of the pretrial detention.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 4 StPO, § 349 Abs. 2 StPO, § 267 Abs. 3 Satz 1 StPO, § 51 Abs. 1 Satz 1 StGB, § 57 Abs. 1 StGB, § 353 Abs. 2 StPO; Sentencing error: Failure to assess special hardship of executing short prison remainder after pretrial detention credit: The case involved a conviction for violent assault on law enforcement officers in concurrence with intentional bodily injury, resulting in a two-year and four-month prison term in the first instance; after a partial reversal, the lower court issued a 21-month sentence, which the defendant challenged on the grounds that the sentencing court failed to adequately consider the disproportionate hardship of executing the remaining prison term after crediting nearly 20 months of pretrial detention served during the pandemic. The BGH ruled that the lower court committed a decisive error in legal reasoning by failing to engage with the specific statutory sentencing guideline regarding the defendant's long-standing social stability and the special severity of disrupting social ties through the execution of a short residual sentence, a factor that cannot be inferred from the general mitigation of the pretrial detention.

Schlagwörter

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fehlerhafte Strafzumessung Anrechnung der Untersuchungshaft kurzfristige Festhaltung schwerer Härtefall Beschwerdelegitimation Vollstreckungsentscheid

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 4 StPO

Legal basis for the partial success of the revision, allowing the appeal solely with respect to the sentencing portion.

§ 349 Abs. 2 StPO

Legal basis for dismissing the remaining part of the appeal as unfounded.

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Volltext

Erörterungsfehler bei der Strafzumessung: Besondere Härte bei Herausreißen des Angeklagten aus den sozialen Bindungen durch die Vollstreckung eines kurzen Strafrestes

[TENOR]

1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts München II vom 9. November 2021 im Strafausspruch aufgehoben.

2. Die weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen.

3. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hatte den Angeklagten im ersten Rechtsgang wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte und mit vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Auf die hiergegen gerichtete Revision des Angeklagten hat der Senat das Urteil mit Ausnahme der Feststellungen zum Angriff auf den Polizeibeamten K. einschließlich der von diesem erlittenen Verletzungen aufgehoben. Nunmehr hat das Landgericht den Angeklagten wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Die hiergegen gerichtete Revision des Angeklagten, mit der er die Verletzung sachlichen Rechts beanstandet, hat zum Strafausspruch Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO); im Übrigen ist sein Rechtsmittel unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).

Die Strafzumessung hält sachlichrechtlicher Nachprüfung wegen eines durchgreifenden Erörterungsfehlers nicht stand. Denn das Landgericht hat sich nicht mit dem hier bestimmenden Strafzumessungsgrund (§ 267 Abs. 3 Satz 1 StPO) auseinandergesetzt, dass nach Anrechnung erlittener Untersuchungshaft (§ 51 Abs. 1 Satz 1 StGB) nunmehr allein etwas mehr als ein Monat der Freiheitsstrafe zu vollstrecken ist. Der für eine Reststrafaussetzung gemäß § 57 Abs. 1 StGB maßgebliche Zweidrittelzeitpunkt ist längst überschritten. Der Angeklagte, der sich zum Zeitpunkt des angefochtenen Urteils seit über einem Jahr wieder auf freiem Fuß befand, arbeitet derzeit als Koch sowie für einen Sicherheitsdienst und hat einen festen Wohnsitz. Unter diesen Umständen ist ein Herausreißen aus den sozialen Bindungen durch die Vollstreckung des kurzen Strafrestes mit einer besonderen, vom Landgericht nicht ersichtlich bedachten Härte verbunden (vgl. BGH, Beschlüsse vom 18. August 2009 – 5 StR 257/09, BGHR StGB § 56 Abs. 2 Gesamtwürdigung, unzureichende 9 Rn. 6 f. und vom 28. August 2012 – 3 StR 305/12 Rn. 4); insbesondere ist dieser Gesichtspunkt nicht der strafmildernden Berücksichtigung des fast 20-monatigen Vollzugs der Untersuchungshaft unter den Einschränkungen der COVID-Pandemie zu entnehmen.

Der Erörterungsmangel lässt die Feststellungen unberührt (§ 353 Abs. 2 StPO), die um neue, ihnen nicht widersprechende ergänzt werden können.

Raum

Bellay

Hohoff

Leplow

Pernice