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1 StR 136/23 ECLI:DE:BGH:2023:130623B1STR136.23.0 KI-generiert

Psychiatric placement: failure to establish lack of insight into wrongfulness as prerequisite for § 63 StGB

Geschäftsnummer 1 StR 136/23
Gericht / Behörde
Rechtsordnung Deutschland (DE)
Entscheiddatum
Ausgang Teilweise gutgeheissen (Partially Allowed)

Legislator-Zusammenfassung

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The Federal Court of Criminal Court (1st Criminal Senate) partially granted the defendant’s revision, setting aside the Landgericht Heidelberg’s judgment of December 21, 2022, and remanding the case for a new hearing before a different chamber, while upholding the findings on the objective course of the act. The dispute concerned the legality of the ordering of indefinite placement in a psychiatric hospital under § 63 StGB for a defendant committed to act dangerous bodily harm while suffering from paranoid schizophrenia; the defendant challenged the decision via factual appeal, arguing that the lower court failed to adequately establish the requisite impairment of cognitive capacity. The Court determined that the decision was legally flawed because it did not definitively establish whether the defendant’s significantly diminished capacity for insight resulted in a lack of understanding of the unlawfulness of the act, which is a prerequisite for invoking § 20 StGB (non-punishability) or § 21 StGB (diminished responsibility) to justify the measure; mere findings of reduced capacity without establishing the absence of *unrechtskenntnis* (insight into wrongfulness) do not satisfy the strict evidentiary standard for § 63 StGB.

Legislator-Regeste

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§ 349 Abs. 4 StPO, § 349 Abs. 2 StPO, § 63 StGB, § 21 StGB, § 17 StGB, § 20 StGB; Psychiatric placement: failure to establish lack of insight into wrongfulness as prerequisite for § 63 StGB: The dispute concerned the legality of the ordering of indefinite placement in a psychiatric hospital under § 63 StGB for a defendant committed to act dangerous bodily harm while suffering from paranoid schizophrenia; the defendant challenged the decision via factual appeal, arguing that the lower court failed to adequately establish the requisite impairment of cognitive capacity. The Court determined that the decision was legally flawed because it did not definitively establish whether the defendant’s significantly diminished capacity for insight resulted in a lack of understanding of the unlawfulness of the act, which is a prerequisite for invoking § 20 StGB (non-punishability) or § 21 StGB (diminished responsibility) to justify the measure; mere findings of reduced capacity without establishing the absence of *unrechtskenntnis* (insight into wrongfulness) do not satisfy the strict evidentiary standard for § 63 StGB.

Schlagwörter

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psychische Beeinträchtigung prozessuale Revision verminderte Zurechnungsfähigkeit Körperverletzung paranoide Schizophrenie Strafbarkeit

Zitierte Gesetzesbestimmungen

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Zitierte Rechtsprechung

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Zentrale Rechtsfragen, extrahiert von Legislator

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§ 349 Abs. 4 StPO

Procedural provision cited to grant the revision and set aside the judgment due to factual errors.

§ 349 Abs. 2 StPO

Procedural provision cited to dismiss the further-reaching parts of the revision as unfounded.

§ 353 Abs. 2 StPO

Procedural provision cited to uphold the findings regarding the objective course of the act despite the partial reversal.

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Volltext

Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus: Erfordernis der Feststellung der erheblich verminderten Einsichtsfähigkeit

[TENOR]

1. Auf die Revision des Beschuldigten wird das Urteil des Landgerichts Heidelberg vom 21. Dezember 2022 mit den Feststellungen aufgehoben; jedoch bleiben die Feststellungen zum objektiven Tatgeschehen aufrechterhalten.

2. Die weitergehende Revision wird als unbegründet verworfen.

3. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

[GRUENDE]

Das Landgericht hat im Sicherungsverfahren die Unterbringung des Beschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Seine hiergegen mit der Sachrüge geführte Revision hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO); im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).

Die Anordnung der Maßregel nach § 63 StGB hält sachlichrechtlicher Nachprüfung nicht stand; denn die Voraussetzungen der §§ 20, 21 StGB sind nicht festgestellt:

a) Nach § 63 StGB darf die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nur angeordnet werden, wenn zweifelsfrei feststeht, dass der Unterzubringende bei der Begehung der Anlasstaten schuldunfähig oder zumindest vermindert schuldfähig war und die Tatbegehung hierauf beruhte. Eine verminderte Einsichtsfähigkeit ist erst dann von Bedeutung, wenn sie das Fehlen der Unrechtseinsicht zur Folge hat. In diesen Fällen ist § 21 StGB als Sonderregelung des Verbotsirrtums (§ 17 StGB) einschlägig, wenn das Fehlen der Unrechtseinsicht vorwerfbar ist; kann ein solcher Vorwurf nicht erhoben werden, greift § 20 StGB ein. Erkennt der Täter dagegen das Unrecht seiner Tat, handelt er – unbeschadet seiner eingeschränkten Einsichtsfähigkeit – voll schuldhaft. Die bloße Feststellung, die Einsichtsfähigkeit sei bei Tatbegehung sicher erheblich vermindert gewesen, reicht daher nicht (st. Rspr.; BGH, Beschlüsse vom 29. März 2023 – 5 StR 79/23 Rn. 7; vom 28. September 2021 – 5 StR 232/21 Rn. 7; vom 6. August 2019 – 3 StR 46/19 Rn. 12 und vom 30. Juni 2015 – 3 StR 181/15 Rn. 5; je mwN).

b) Dass die Einsichtsfähigkeit des Beschuldigten bei Ausführung der Anlasstat, einer infolge einer überdauernden paranoiden Schizophrenie mit Wahnideen begangenen gefährlichen Körperverletzung zu Lasten einer Pflegerin, aufgehoben war, hat das Landgericht gerade nicht festgestellt (vgl. insbesondere UA S. 11, 17-19). Zur damit entscheidenden Frage, ob dem Beschuldigten infolge der Verminderung seiner Einsichtsfähigkeit die Unrechtseinsicht tatsächlich fehlte, weist das Urteil damit eine Feststellungslücke auf; deren Fehlen „mit einiger Wahrscheinlichkeit“ (UA S. 17) gibt nicht die erforderliche Überzeugung (§ 261 StPO) wieder. Diese gravierende Lücke kann nicht mit dem Gesamtzusammenhang der Urteilsgründe geschlossen werden.

c) Die Feststellungen zum objektiven Tatgeschehen sind rechtsfehlerfrei und bleiben bestehen (§ 353 Abs. 2 StPO).

Jäger

Richter am BundesgerichtshofBellay ist urlaubsbedingt orts-abwesend und daher gehindertzu unterschreiben.

Fischer

Jäger

Richterin am Bundesgerichtshof Wimmer ist urlaubsbedingt orts-abwesend und daher gehindertzu unterschreiben.

Leplow

Jäger