4 StR 140/20Attempted murder motivated by greed: eligibility for prisoner state support as qualifying aggravating motive
Zusammenfassung KI-generiert
The Federal Court of Justice (BGH) dismissed the defendant’s revision, upholding the Landgericht Oldenburg’s conviction for attempted murder with the aggravating motive of greed (Habgier) and ordering the defendant to bear the costs of the appellate proceedings and the civil party’s necessary expenses. The dispute centered on whether the defendant’s deliberate high-speed vehicular assault, aimed at causing severe injury or death to a pedestrian, constituted the statutory aggravating circumstance of "greed" under § 211(2) StGB. The court held that the requirement of greed was met because the defendant, who was asset-less and lacked health insurance, intended to commit the crime solely to secure long-term state-provided housing, food, and medical care in a prison, thereby improving his financial situation through ruthless self-interest. The court clarified that the motive remains valid even if the victim’s life attack was not an indispensable means to the end, if the state welfare also could have been accessed legally, or if the prison conditions imposed restrictions; the decisive factor is the defendant’s motivation for material gain, not the immediate source of the wealth or the exclusivity of the criminal act as the method.
Angewandte Bestimmungen (1)
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§ 349 Abs. 2 StPO
Cited in the dispositive as the procedural basis for dismissing the appeal as unfounded.
Versuchter Mord: Habgier des Angeklagten bei erstrebter Inhaftierung in einer Justizvollzugsanstalt zur langfristigen Versorgung
[TENOR] 1. Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 17. Dezember 2019 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).
Ergänzend bemerkt der Senat:
Der Schuldspruch wegen versuchten Mordes weist, auch soweit das Landgericht das Mordmerkmal der Habgier bejaht hat, keinen Rechtsfehler auf.
Nach dem Vorstellungsbild des Angeklagten war die Tatbegehung allein auf eine langfristige Versorgung durch eine staatliche Einrichtung und damit auf eine Verbesserung seiner Vermögenslage im Sinne eines rücksichtslosen Gewinnstrebens ausgerichtet. Der Annahme der Habgier stehen die mit der erstrebten Inhaftierung verbundenen persönlichen Einschränkungen des Angeklagten nicht entgegen, weil diese in seiner Vorstellung nur eine untergeordnete Rolle spielten und der angestrebte Vermögensvorteil für den Angeklagten das maßgebliche Tatmotiv war.
Für die Annahme einer Tötung aus Habgier ist ferner unerheblich, dass der erstrebte Vermögensvorteil nicht unmittelbar aus dem Vermögen des Opfers stammen sollte (vgl. BGH, Beschluss vom 4. Februar 2004 ‒ 5 StR 281/03). Ebenso steht einem Mordversuch aus Habgier nicht entgegen, dass der Angeklagte eine staatliche Versorgung auch auf legale Weise durch Beantragung von Sozialleistungen hätte erreichen können. Einen funktionalen Zusammenhang zwischen Tötung und Vermögensvermehrung in dem Sinne, dass der Angriff auf das Leben aus Sicht des Täters unerlässliches Mittel zur Zielerreichung ist, setzt das Mordmerkmal nicht voraus; entscheidend ist vielmehr die Motivation des Täters (vgl. BGH, Beschluss vom 9. Januar 2004 ‒ 2 StR 391/03, NStZ 2004, 441; MünchKommStGB/Schneider, 3. Aufl., § 211 Rn. 62; Safferling in Matt/Renzikowski, StGB, 2. Aufl., § 211 Rn. 15).
Sost-Scheible
Roggenbuck
Bender
Quentin
Bartel